379 Ticken die Amerikaner anders?
Dieser Aufsatz ist bereits vor etlichen Jahren von mir geschrieben worden. Es lohnt sich sehr ein Wiederlesen. Er ist gut gealtert, ja fast schon von der Wirklichkeit überholt worden. Amerika, etwa die Hälfte seiner Bevölkerung, hatte gerade einen neuen Präsidenten als Staatsoberhaupt gewählt. Ein neues, „postmodernes Denken“ wurde gewünscht, auch von Philosophenschulen proklamiert. Was dabei herausgekommen ist, beschreibt der Artikel.
In der abendländischen Philosophiegeschichte gibt es die Diskussion über Rationalität und rationales oder auch irrationales Handeln schon seit vielen Jahren, auch Jahrzehnten. Die neue Debatte darüber wurde wesentlich in die Wege geleitet in den 60er Jahren von dem schweizer Philosophen Paul Feyerabend. Er lehrte an der kalifornischen Universität Berkeley, war auch ein direkter Kollege von Herbert Marcuse. Er hat jedoch dessen einflussreiche politische Funktion in der linken Emanzipations-Bewegung (Kritische Theorie, Frankfurter Schule) mit großem Erfolg begrenzen und relativieren können. „Alles geht“ war sein umstrittener Slogan in der Wissenschaftstheorie.
Jetzt jedoch scheint sich alles in einem Rollback zu befinden. Selbst autoritäre und diktatorische Herrschaftsformen werden immer weniger infrage gestellt, ja sogar manchmal für notwendig befunden. Mittlerweile, unter dem übermächtigen Einfluss des Internets, kann jeder denken und schreiben, was und wie er will. Fragen von Wahrheit, Wissen, Glaubwürdigkeit oder auch nur Ehrlichkeit (Authentizität) bleiben ausgeklammert oder verschwinden ganz. Gerade die Politiker stehen als Philosophen zweiten Grades, was das Denken zumindest betrifft, im Mittelpunkt und Zentrum dieser unguten Bewegung. Scheinbar werden sogar auch bei ihnen manche Methoden der Verführung und Manipulation akzeptiert, vor allem also Lügen und Fakes.
Über die postmodernen Philosophen, die nicht zuletzt auch Wegbereiter der gegenwärtigen geistigen Bewegung waren, also auch im Sinne eines radikalen Subjektivismus, der immer mit einem starken Narzissmus einher kommt ( schaut her ich bin’s), gibt es immer wieder Aufsätze von mir im Blog. Wie vernünftig ist die Vernunft – so habe ich mein Interview in der Taz mit dem französischen Philosophen Jean François Lyorard überschrieben. Die frühen Beiträge im Blog über Derrida, Baudrillard oder Lyotard sind das Ergebnis meiner intensiven Auseinandersetzung mit diesen Autoren, die ich gleichwohl nicht ablehne, sondern gelegentlich sogar faszinierend finde. Vergleiche im Blog auch die Stichworte Eurozentrismus, Phallokratie oder Postmoderne.
