{"id":1038,"date":"2014-04-27T10:01:27","date_gmt":"2014-04-27T10:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=1038"},"modified":"2019-01-22T18:03:09","modified_gmt":"2019-01-22T18:03:09","slug":"34-ueber-skepsis-skeptiker-und-technokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=1038&lang=de","title":{"rendered":"34 \u00dcber Skepsis, Skeptiker und Technokratie (1)"},"content":{"rendered":"<h6><\/h6>\n<h6><\/h6>\n<h6>1 Sextus Empirikus (R\u00f6mische Lekt\u00fcre III )<\/h6>\n<p>Wir n\u00e4hern uns allm\u00e4hlich dem Zentrum meiner gegenw\u00e4rtigen Philosophie. Die Analyse dazu, quasi die theoretische Fundierung, liefert <strong>Sextus Empirikus<\/strong> und seine Methode der <strong>Isosthenie<\/strong>. &#8211; Was f\u00fcr ein Wort, werdet Ihr wieder einwenden, keiner versteht es, und keiner kennt es. Noch nicht einmal das englische W\u00f6rterbuch wei\u00df dar\u00fcber Bescheid. Das deutsche Lexikon der philosophischen Fachbegriffe schon. Bald werdet Ihr klarer sehen, so hoffe ich jedenfalls.<\/p>\n<div id=\":l7\">\n<p>Sextus lebte im\u00a0zweiten nachchristlichen Jahrhundert in Rom, Athen und \u00c4gypten. Drei B\u00fccher sind von ihm erhalten: &#8220;<strong>Grundz\u00fcge der pyrrhonischen Skepsis<\/strong>&#8220;, auf das ich mich immer beziehe, &#8220;<strong>Gegen die Wissenschaftler<\/strong>&#8221; (im Original gegen die Mathematiker) \u00a0und &#8220;<strong>Gegen die Dogmatiker<\/strong>&#8221; (im Original gegen die Philosophen, also die Stoiker). \u00a0Er schrieb in griechischer Sprache, bekannt wurde er aber durch lateinische \u00dcbersetzungen, auf die man heute zur\u00fcck greift. Rom war zweisprachig, vor allem die Intellektuellen mussten auch Griechisch sprechen und lesen k\u00f6nnen. \u00c4gypten geh\u00f6rte schon seit langem zum griechischen Gro\u00dfreich, das von den R\u00f6mern \u00fcbernommen worden war. Ich sage &#8220;\u00fcbernommen&#8221;, denn es ist nicht so klar, ob das nicht eher eine Implosion als eine Eroberung war (\u00e4hnlich heute dem Untergang des \u00f6stlichen Imperiums). Aus der Biografie von Sextus ist nichts bekannt au\u00dfer der Tatsache, dass er wohl Arzt war.<\/p>\n<p>Seine philosophischen Gegner waren die Stoiker, die er allesamt als Dogmatiker bezeichnete und deren \u00a0Intellektualismus er mit seinen sprachlogischen Isosthenien ebenso intellektualistisch bek\u00e4mpfte. Im Gegensatz zu den Peripathetikern, den Aristoteles-Anh\u00e4ngern (heute w\u00fcrde man sie als Naturwissenschaftler bezeichnen), die alles genau berechneten (sie wussten sogar, wie tief ein Sonnenstrahl ins Meer eindringt), beschr\u00e4nkten sich die Stoiker mehr auf Ethik (wie man leben soll), Logik, Rhetorik und Sprachanalyse, d.h.Grammatik. In diesen Bereichen beanspruchten sie gleichwohl sehr dogmatisch Deutungshoheit und Anspruch auf Wahrheit.<\/p>\n<p>Sextus versucht, alle ihre Positionen durch Isosthenien aufzul\u00f6sen und unwirksam werden zu lassen. Er beweist z.B., dass es Zeit gibt und dass es sie\u00a0dennoch nicht geben kann. Ebenso schreibt er \u00fcber Wahrheit, Erziehung, Gott, Ursache, K\u00f6rper, Bewegung etc. \u00a0Auch &#8220;Ob der Skeptiker dogmatisiert&#8221;, &#8220;\u00dcber die Einteilung eines Wortes in Bedeutungen&#8221;, &#8220;Ob es eine Lebenstechnik gibt&#8221;, &#8220;Ob es etwas gibt, das gelehrt werden kann&#8221;(nat\u00fcrlich ja, nat\u00fcrlich nein) und so fort.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcge ein konkretes Beispiel an, dass es keine <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Zeit<\/em><\/span> geben kann. Es lohnt sich, dar\u00fcber nachzudenken und sich die Argumentation klar zu machen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8220;Wenn es Zeit gibt, dann ist sie entweder endlich oder unendlich.Wenn sie endlich ist, dann hat sie mit irgendeiner Zeit begonnen und wird mit irgend einer Zeit enden. Daher gab es irgendwann eine Zeit, zu der es keine Zeit gab,n\u00e4mlich bevor sie begonnen hatte, und wird es irgendwann eine Zeit geben, zu der es keine Zeit gibt, n\u00e4mlich nachdem sie geendet hat. Das aber ist widersinnig. Also ist die Zeit nicht endlich. Wenn sie aber unendlich ist, dann sind die Zukunft und die Vergangenheit entweder , oder sie sind nicht; denn der eine Teil der Zeit wird ja Vergangenheit , der andere Gegenwart, der dritte Zukunft genannt. Wenn sie nicht sind, bleibt nur die Gegenwart \u00fcbrig, die winzig ist, sodass die Zeit endlich ist und die anf\u00e4nglichen Aporien folgen. Wenn aber die Vergangenheit ist und die Zukunft ist, dann ist jede von ihnen beiden Gegenwart. Es ist jedoch unsinnig, die vergangene und die zuk\u00fcnftige Zeit Gegenwart zu nennen. Also ist die Zeit auch nicht unendlich. Wenn aber weder endlich noch unendlich, dann gibt es \u00fcberhaupt keine Zeit&#8221;.<\/em><\/p>\n<p>Dergestalt z\u00e4hlt Sextus allein in diesem Kapitel, das nur eines von vielen ausmacht, noch weitere acht Beweise auf, dass Zeit existiert und dass Zeit nicht existiert.<\/p>\n<p>Seine Darlegungen enden oft mit der Empfehlung, man soll sich in solchen F\u00e4llen der Meinung enthalten und sich weder auf das eine noch das andere festlegen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8220;Es lie\u00dfe sich noch anderes mehr sagen. Um jedoch die Er\u00f6rterung nicht in die L\u00e4nge zu ziehen, ist nur noch dieses anzuf\u00fchren, dass einerseits die Argumente der Skeptiker in Verlegenheit f\u00fchren, andererseits aber auch die sinnliche Evidenz sie aus der Fassung bringt. Daher pflichten wir im Sinne dessen, was von den Dogmatikern gesagt wird, keinem von beiden bei, sondern halten uns \u00fcber die Zeit zur\u00fcck <\/em><em>(d.h. man enth\u00e4lt sich des Urteils). (1)<\/em><\/p>\n<p>Alles l\u00f6st sich dergestalt in Gleichwertigkeiten auf, womit der Schweizer Wissenschaftstheoretiker <strong>Paul Feyerabend<\/strong> fast 2000 Jahre sp\u00e4ter seine &#8220;Alles geht&#8221;- Philosophie begr\u00fcndet hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles m\u00f6glich sein kann zum Beispiel in der Politik oder Moral. Es bedeutet, dass dieser Grundsatz nur <span style=\"text-decoration: underline;\">von Fall zu Fall<\/span> gilt und dass verallgemeinerbare Wahrheiten gesucht und nach Lyotard sogar im positiv gesehenen Streit gefunden werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir leben also zumindest im Bereich der Moral und des Denkens nicht in einem besinnungslosen Chaos, sondern wir m\u00fcssen untereinander als Menschen &#8211; wir sind nicht nur Tiere &#8211; immer wieder von Fall zu Fall klar kommen, das hei\u00dft uns verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Begr\u00fcnder der skeptischen Schule, die sich wie ein Bazillus gerade in Platons Akademie seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert ausgebreitet hatte (dar\u00fcber sp\u00e4ter), war <strong>Pyrrhon von Elis <\/strong>(360-270 v.Chr.). Man spricht deshalb gelegentlich auch von <span style=\"text-decoration: underline;\">pyrrhonischer Skepsis.<\/span><\/p>\n<p><strong>Diogenes Laertius<\/strong> beschreibt Pyrrhon \u00a0als einen kauzigen und menschenscheuen, ja sogar menschenfeindlichen Typ, dem alles gleichg\u00fcltig war und der vor allem ganz bewusst keine Meinung hatte oder haben wollte. Wahrheit ist nicht erkennbar, alles l\u00f6st sich in Relativit\u00e4ten auf. Was dem einen nah, ist dem anderen fern, dem einen schwer, dem anderen leicht, richtig &#8211; falsch, sch\u00f6n &#8211; \u00a0h\u00e4sslich, gerecht &#8211; ungerecht, gl\u00fccklich &#8211; ungl\u00fccklich, \u00a0denkt man nur lange genug \u00fcber diese Begriffe nach, das hei\u00dft auch \u00fcber Jahre und sogar Jahrhunderte, dann wird man von Fall zu Fall immer wieder Zustimmungen zu dem einen und dem anderen finden.\u00a0Das &#8220;<em>von Fall zu Fall&#8221;\u00a0<\/em>hat Paul Feyerabend eingef\u00fcgt &#8211; selbst Isosthenien gelten nicht immer und ewig, sondern nur <span style=\"text-decoration: underline;\">von Fall zu Fall<\/span>. Manchmal ja manchmal nein.<\/p>\n<p>Die Volksdichtung macht diese alte skeptische Grundhaltung sehr anschaulich in der Geschichte von <strong>Buridans Esel.<\/strong> Dieses Tier, in seiner Entscheidungsschw\u00e4che tats\u00e4chlich ein Esel, stand vor zwei gleich gro\u00dfen Heuhaufen und wusste sich nicht zu entscheiden, welchen er trotz seines starken Hungers fressen sollte. Er starb schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>Auch Sextus hat seine Position nicht unumst\u00f6\u00dflich dogmatisch durchgehalten. Seine Empfehlung, wie man denn nun sein Leben leben solle, lautet: Bei Gleichwertigkeiten (Isosthenien) soll man nicht Partei ergreifen, sondern sich enthalten. Bei dennoch notwendigen Entscheidungen soll man sich in die Tradition einf\u00fcgen und im \u00fcbrigen die Gesetze und Gepflogenheiten der Umgebung beachten.<\/p>\n<p>(1)Sextus Empiricus,&#8221;Grundriss der pyrrhonischen Skepsis&#8221;. \u00dcbersetzung Malte Hossenfelder.Suhrkamp tb wissenschaft 499 (1985) S.262-263<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>2 \u00dcber Skeptiker<\/h6>\n<p><strong>Nietzsche<\/strong> hat zu dem Problem der isosthenischen Gegens\u00e4tzlichkeit und der Gegensatzpaare wie etwa Mensch-Tier oder bei ihm eher Humanit\u00e4t &#8211; Macht indirekt folgende Antwort gefunden. Wer die Macht hat, der wird egoistisch und eigensinnig nur in seinem Sinn entscheiden. Er darf auch keine Isosthenien akzeptieren oder Skrupel und Entscheidungsschw\u00e4che besitzen. Immerhin hat er diese <span style=\"text-decoration: underline;\">Position der Macht<\/span> gerade durch St\u00e4rke, Kraft und Entscheidungsst\u00e4rke erreicht.<\/p>\n<p>Macht ist also bei Nietzsche anstrebenswert, denn nur sie verhindert die Passivit\u00e4t einer (schw\u00e4chlichen) Anpassung, eines Gehorchen-M\u00fcssens oder sogar einer Selbstaufgabe. Denn der M\u00e4chtige allein entscheidet \u00fcber das Wohl und Wehe sogar der anderen, und das ganz ohne Moral, Verantwortungsbewusstsein oder skeptische Skrupel. Skeptische Skrupel sind eine Schw\u00e4che.<\/p>\n<p>In der Soziolinguistik oder auch Handlungstheorie etwa <strong>Luhmanns<\/strong> ist die Frage, wie man zu einer Entscheidung kommt, also die Theorie der Entscheidungsfindung, \u00a0von gro\u00dfer und ausschlaggebender \u00a0Bedeutung. Was veranlasst einen Menschen zu einer oder zu gerade dieser Handlung, jeder Handlung muss immer eine bewusste (vom Intellekt gesteuerte) oder unbewusste (k\u00f6rperlich-biologisch gesteuerte) Entscheidung vorausgehen. Jetzt geht es also nicht mehr um Herrschaft oder Macht, sondern nur um das tagt\u00e4gliche Leben. Sp\u00e4ter wird es gleichwohl um Macht und Beherrschungsstrategien gehen.<\/p>\n<p>Die Entscheidungslosigkeit ist in dieser Theorie wohl <em>the worst case<\/em> &#8211; vollkommen undenkbar, dass man keine Entscheidung trifft. Du triffst eine Entscheidung, ich treffe eine Entscheidung, sehen wir zu, dass wir miteinander auskommen. Das betrifft nach Luhmanns Theorie das t\u00e4gliche Leben nicht nur der Einzelpersonen, sondern auch ganzer Gesellschaftsgruppen, Klassen und V\u00f6lker. Auch wenn viele Entscheidungen unbewusst getroffen werden und vielleicht genetisch oder den Maximen der Lerntheorie entsprechend vorbestimmt sind.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr <strong>Freud<\/strong> war die Unf\u00e4higkeit zur Entscheidung negativ. Sie sei das typische Symptom einer Neurose. Die Anh\u00e4nger der skeptischen Schule sind \u00a0also allesamt reine Neurotiker.\u00a0Da Neurotiker auch noch nach Freud per se bi- oder auch pansexuell \u00a0sind, habt ihr also jetzt das typische Profil eines neurotischen\u00a0Zeitgenossen vor euch.<\/p>\n<p>In der Wissenschaftstheorie wird eine solche Vorgehensweise jedoch als <span style=\"text-decoration: underline;\">Pathologisierung<\/span> oder gar Psychiatrisierung eines Problems,\u00a0einer Meinung oder einer pers\u00f6nlichen Einstellung problematisiert, auch abgelehnt. Das Wahrheitsproblem kann nicht dergestalt gel\u00f6st werden, dass man den anderen als krank oder nicht zurechnungsf\u00e4hig \u00a0erkl\u00e4rt. Selbst Hitler oder andere Diktatoren sind mit dieser Methode nicht zu b\u00e4ndigen gewesen, eher im Gegenteil. Der englische Psychiater <strong>Ronald D. Laing<\/strong> hat in seiner Auffassung der Schizophrenie sogar solche Menschen noch als &#8220;normal&#8221; angesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>3 \u00dcber Technokratie<\/h6>\n<p>Noch einen Schritt weiter. Vom Zweifel \u00fcber die (vergebliche) Entscheidungsfindung zu (nicht legitimierter) Herrschaft und Macht mittels Maschinen und technischem Wissen.<\/p>\n<p>Wenn man sich nun vorstellt, dass die Handlungstheorie dabei ist, nummeralisiert, d.h. auch digitalisiert und von Maschinen les-und beherrschbar gemacht zu werden, dann sieht man, wie weit die Beherrschungs-und Steuerungsmechanismen der Techniker, also einer technokratisch orientierten elit\u00e4ren Gesellschaftsgruppe, bereits fortgeschritten sind. Man nennt dieses Vorgehen auch euphemistisch &#8220;<strong>social engeneering&#8221; (Sozial-Ingenieure).<\/strong><br \/>\nEinfluss auf Entscheidungen gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungsgruppen nehmen zu k\u00f6nnen scheint immer mehr das Hauptziel der politischen Willensbildung zu sein. Nicht Information und Transparenz, sondern Desinformation, Verschleierung und L\u00fcge dominieren die Moral der Zeit, das hei\u00dft einer Moral, die wesentlich immer mehr von \u00f6konomischen Imperativen bestimmt wird. Diese beeinflussen auch statistische Berechnungen, Wahrheitsfindung, Kunst, zwischenmenschliche oder intermaschinelle Kommunikation.<br \/>\nOb die Apparate mittlerweile auch Obama einfl\u00fcstern werden, wie er sich Putin oder Merkel gegen\u00fcber zu verhalten hat? Die eigene Bev\u00f6lkerung hat man in den USA jedenfalls wie Ratten im ber\u00fchmten <strong>Skinner<\/strong>-Experiment gut im Griff der Input-Output-Steuerung. Man beachte nur die Kulturindustrie oder den amerikanischen Wirtschaftsimperialismus, der sich weltweit ausgebreitet hat (das amerikanische Imperium) samt den kulturellen Kollateral-Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Nehmen wir einmal an, das Microsoft-, Facebook- oder Google-Imperium br\u00e4che zusammen, und schon st\u00fcrzt die halbe Welt, die davon abh\u00e4ngig ist, ebenfalls zusammen. Was w\u00e4re, wenn wir die Up-Dates und Neuerfindungen in unseren Computern und Kommunikations-Apparaten verpassen w\u00fcrden? Schlimm genug, wenn man das Abschalten von Windows XP auf Dauer verpasst h\u00e4tte. F\u00fcr alle meine B\u00fccher, die \u00fcber Amazon Deutschland verkauft werden, erhalte ich Abrechnungen aus dem Hauptquartier in Seattle\/USA. Selbst eine amerikanische Steuernummer musste ich mir zulegen.<\/p>\n<p>In den letzten 30 Jahren hat es keine nennenswerten Unruhen unter der amerikanischen Bev\u00f6lkerung mehr gegeben. Selbst die Finanzkrise, die doch so viele Menschen in die Not gest\u00fcrzt hat, scheint keine Auswirkungen zu haben. Alles hat man geduldig vor den oder mithilfe der Ablenkungsmaschinen ertragen.<\/p>\n<p>Die Technokratie-Debatte wurde lange Jahre, ja sogar Jahrzehnte (selbst Horkheimer und Adorno haben sich damit befasst) unter dem politischen Vorzeichen der Kapitalismus-Kritik gef\u00fchrt. Ziel des Kapitalismus sei Geld, Gewinn-Maximierung. Technische Produkte, vor allem dauernde Innovationen seien die besten Gew\u00e4hrleister daf\u00fcr (ich klammere die sozialen Probleme wie Unterbezahlung oder Entfremdung jetzt dabei aus). Nun hat sich aber die Innovations-Maxime mittlerweile verselbst\u00e4ndigt wie in Goethes Gedicht &#8220;Der Zauberlehrling&#8221;. Die Tendenz zur Verselbst\u00e4ndigung, auch zur Selbst-Korrektur der Maschinen scheint nicht mehr stoppbar. Sich selbst steuernde und perfektionierende Maschinen sind in utopischen Dimensionen bereits denkbar, ebenso wie sich das ganze System einer Technokratie immer mehr perfektioniert, auch immunisiert und verselbst\u00e4ndigt. Wer wei\u00df es &#8211; und wie? &#8211; zu stoppen, zumal der Zwillingsbruder der Geld-Maximierung, die Werbung, ihr unbegrenztes \u00a0Reich bereits aufgebaut hat und scheinbar auch nicht mehr zu stoppen ist. Werbung f\u00fcr die Werbung ist h\u00f6chst effektiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>4 \u00dcber Transparenz und Mitbeteiligung<\/h6>\n<p><strong>Karl Otto \u00a0Apel<\/strong> (1922-2017) hat in dieser Verworrenheit der &#8220;Alles-geht&#8221;- Maxime (die ein &#8220;Alles geht&#8221; meist nur f\u00fcr die M\u00e4chtigen bedeutet) sowie der Macht-und Dominierungsk\u00e4mpfe zusammen mit <strong>J\u00fcrgen Habermas<\/strong> einen neuen Akzent gesetzt. Er nennt diese seine &#8220;<em>Letztbegr\u00fcndung<\/em>&#8220;, auf welche alles zur\u00fcckgeht, das <em>a priori der Kommunikations-Gemeinschaft<\/em>.<\/p>\n<p>Wir leben &#8211; ob als Wissenschaftstheoretiker, Liebende, Politiker, \u00c4rzte, Stumme, Blinde, Erzieher &#8211;\u00a0in einer <span style=\"text-decoration: underline;\">Kommunikations-Gemeinschaft.<\/span> Vielleicht sogar nur oder eher in einer Kommunikations-Gemeinschaft sprechender Tiere, f\u00fcge ich hinzu. Wobei ich wieder betonen muss, dass der tierische Zustand f\u00fcr mich die Antithese zum leicht beherrschbaren Maschinen-Zustand des Menschen ist mit allen guten wie schlechten Konsequenzen. Selbst als Mathematiker, Psychologe, Theologe, Vater, Mutter, Sexpartner etc. &#8211; \u00a0immer sind wir gezwungen zu sprechen, zu reden, zu verstehen, <em>eine Sprache der Verst\u00e4ndigung zu finden. <\/em>Auch jetzt.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber? &#8211; Das kann an dieser Stelle der Er\u00f6rterung offen bleiben und braucht uns jetzt\u00a0weniger zu k\u00fcmmern.\u00a0Aber dass unsere Begegnung vielleicht sogar zu einer Beziehung, einem Begehren, einer lebenslangen Liebe und Partnerschaft werden kann, dazu braucht es eine Sprache, das Sprechen und auch das Sprechenk\u00f6nnen. Womit wir wieder bei einem meiner Lieblingsthemen w\u00e4ren: wie sprechen, dass man sich verstehen kann (s. Blog Nr.5 &#8220;\u00dcber Sprechen-und Verstehen-K\u00f6nnen&#8221;).<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich tauchen jetzt windige Gesellen auf, Sophisten, Ausn\u00fctzer, Rabulisten, Demagogen, sogar \u00e4u\u00dferst gebildete Besserwisser oder auch sogenannte Wissenschaftler und Fachleute, die mittels einer \u00fcberzeugenden isosthenischen Argumentation unsere menschenfreundlichen Absichten\u00a0wieder zerst\u00f6ren oder in Frage stellen k\u00f6nnen, in Frage stellen werden.<\/p>\n<p>Aber Leben ist ein chaotisches dynamisches System (Ihr merkt die Begriffe, auf die ich mich festlege und einschr\u00e4nke, begrenze) von Vielfalt, Widerspruch und dauernder Ver\u00e4nderung, wo wir uns zurecht finden m\u00fcssen wie in einem Himmel, manchmal wie in einer H\u00f6lle. Ich nenne es gerne auch das <strong>Pluriversum<\/strong>. G\u00f6tter und Engel und Teufel und Menschen sind uns beigegeben, den Weg zu finden, ihn zu spuren wohin auch immer uns das Schicksal f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Wenn uns die Idee der Freiheit und Selbstbestimmung wichtig ist, dann sind in einem solchen System <span style=\"text-decoration: underline;\">T<\/span><span style=\"text-decoration: underline;\">ransparenz, Offenheit und Toleranz<\/span>\u00a0 wesentliche Maximen. Selbst den Technokraten gegen\u00fcber. <strong>Skinners<\/strong> literarische Vision &#8220;<em><span style=\"text-decoration: underline;\">Futurum II<\/span><\/em>&#8220;, worin er seine behavioristischen Ideen (er ist der Ur-Vater der Technokratie) in Science-Fiction- Art darlegt, ist durchaus faszinierend, menschenfreundlich und \u00fcberzeugend. Aber es muss dar\u00fcber geredet werden.<\/p>\n<p>In unserer jetzigen Gegenwart und n\u00e4heren Zukunft wird man sich immer dr\u00e4ngender fragen m\u00fcssen: Was machst du mit mir, was mache ich mit dir? Was habe ich in deiner Welt, was hast du in meiner Welt zu suchen?Warum bist du f\u00fcr mein Leben notwendig?<\/p>\n<p>Wenn wir das Transparenz-Problem nicht l\u00f6sen oder nicht mehr als Problem wahrnehmen k\u00f6nnen, werden wir zu Dingen und Maschinen, die von anderen die Instruktionen erhalten, sogar ohne dass wir es merken und &#8211; \u00a0das ist das gro\u00dfe menschenfreundliche Versprechen dieser neuen Macht (ich zweifle tats\u00e4chlich nicht daran) &#8211; wir werden \u00a0sogar gl\u00fccklich dabei sein!<\/p>\n<p>Ist das genug ?<\/p>\n<p>Ich bin, weil ich zu einer von anderen gesteuerten Maschine geworden bin. Ich bin, weil ich mich in eine elektronische Computerwelt einf\u00fcgen \u00a0und dort mehr als genug \u00a0kommunizieren kann, sogar damit ganz &#8220;ausgelastet&#8221; bin.<\/p>\n<p>Ich bin, weil auch mein Interesse an Kontakt, Lust, Gl\u00fcck, Selbst- und Arterhaltung allein mit Hilfe von Maschinen befriedigt \u00a0werden kann.<\/p>\n<p>Ich bin, weil ich allein existieren, weil ich allein sein kann.<\/p>\n<p>Ich liebe dich, weil du eine Maschine geworden bist und \u00a0ich bei dir wie eine Maschine sein darf. &#8220;<em>Ich liebe dich<\/em>&#8221; kann ich dir zu mailen. Aber du sp\u00fcrst es nicht, willst es auch gar nicht mal sp\u00fcren. Ich eigentlich auch nicht. Wo ist dann das Problem?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n<\/div>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=34%20%C3%9Cber%20Skepsis%2C%20Skeptiker%20und%20Technokratie%20%281%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Sextus Empirikus (R\u00f6mische Lekt\u00fcre III ) Wir n\u00e4hern uns allm\u00e4hlich dem Zentrum meiner gegenw\u00e4rtigen Philosophie. Die Analyse dazu, quasi die theoretische Fundierung, liefert Sextus Empirikus und seine Methode der Isosthenie. &#8211; Was f\u00fcr ein Wort, werdet Ihr wieder einwenden, keiner versteht es, und keiner kennt es. Noch nicht einmal das englische W\u00f6rterbuch wei\u00df dar\u00fcber Bescheid. Das deutsche Lexikon der&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[470,486,478],"tags":[1190,722,1192,566,1148,1056,1194,1196,502,1114,1064,1068,576,1198,1200,650,1202,1204,1206,1208],"class_list":["post-1038","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie-de","category-politik-de","category-soziologiegender","tag-buridans-esel-de","tag-freud-de","tag-handlungstheorie-de","tag-isosthenie-de","tag-juergen-habermas-de","tag-karl-otto-apel-de","tag-kommunikations-gemeinschaft-de","tag-letztbegruendung-de","tag-maschine-de","tag-nietzsche-de","tag-niklas-luhmann-de","tag-paul-feyerabend-de","tag-pluriversum-de","tag-pyrrhon-de","tag-ronald-d-laing-de","tag-sextus-empiricus-de","tag-skinner-de","tag-social-engeneering-de","tag-sozial-ingenieure-de","tag-transparenz-de"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4WFkG-gK","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1038"}],"collection":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1038"}],"version-history":[{"count":75,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1038\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9511,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1038\/revisions\/9511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}