{"id":12438,"date":"2022-10-24T09:36:29","date_gmt":"2022-10-24T09:36:29","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=12438"},"modified":"2023-12-30T20:05:06","modified_gmt":"2023-12-30T20:05:06","slug":"354-von-der-begegnung-der-religionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=12438&lang=de","title":{"rendered":"352 Teheran &#8211; Von der Begegnung der Religionen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den folgenden Briefwechsel mit SG habe ich bereits vor sechs Jahren gef\u00fchrt. SG war Manager in einem gro\u00dfen deutschen Industrie-Konzern. Es war eine ganz andere Zeit, die gerade noch nicht f\u00fcr Diktaturen bereit war. Selbst ein Appeasement mit Persien schien m\u00f6glich. Eine Zeit aber, die sich dennoch bereits wendete. Vom \u201eEnde der Geschichte\u201c wurde immer weniger gesprochen. Daf\u00fcr umso mehr vom Clash of Cultures. Dieser Zusammenprall der Kulturen scheint tats\u00e4chlich medial herbeigeschrieben worden zu sein \u00e4hnlich anderen, mittlerweile die ganze Welt betreffenden Ereignissen, etwa die Covid-Horror-Szenarien in China oder der nostalgische Konservativismus, die Sehnsucht nach dem, was wir verloren haben..<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Begegnung der Religionen, das Sich-gegenseitig-Kennenlernen -Wollen bleibt. Selbst wenn die russisch-orthodoxe Kirche in Moskau sich mittlerweile isoliert und Fanatiker im Islam weiterhin an die Macht dr\u00e4ngen. Auch im Mittelalter hat man im Namen des richtigen christlichen Gottes &#8211; katholisch oder protestantisch?- einen selbstm\u00f6rderischen Kontinentalkrieg entfesselt, der 30 Jahre lang gedauert hat. Selbst wegen der philosophisch rein abstrakten Frage, ob Allgemeinbegriffe existieren k\u00f6nnen oder nicht, hat es Duelle und heftige Auseinandersetzungen gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/>                                 ****<\/p>\n\n\n\n<p>Letzten Samstag habe ich bei einer Studioaufnahme zusammen mit dem S\u00e4nger Frazan Kotwal und dem Matutina Ensemble den Gott Mazda kennengelernt. Er ist der Gott der Zarathustra-Religion, die noch \u00e4lter als das Alte Testament der Juden ist und wo vielleicht Parmenides und Platon ihre Idee des Guten gefunden haben, die ein wichtiges Attribut auch dieser Gottheit ist. Gut denken, gut sprechen, gut handeln ist das moralische Hauptgesetz, welches der Prophet Zarathustra im Namen Mazdas in die Welt gesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Frazan Kotwal ist ein Anh\u00e4nger dieser Religion, die nur geerbt, nicht erworben werden kann. Infolgedessen ist diese Glaubensgemeinschaft sehr klein, exklusiv und hat nur noch wenige Gl\u00e4ubige vor allem in Indien. Daf\u00fcr wird sie dort sehr gesch\u00e4tzt, besitzt ein hohes Ansehen quasi wie eine Kaste und wird offiziell vom Staat unterst\u00fctzt, ja sogar gef\u00f6rdert. Freddy Mercury (Queen), der Dirigent Zubin Metha oder der Stahl-Magnat Tata waren\/sind Zarathustrianer.<\/p>\n\n\n\n<p>                                ****<\/p>\n\n\n\n<p>Stuttgart, 10.1.2016<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber SG,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, Ihren Text k\u00f6nnen wir so sehr gut abdrucken. Er macht die Religionen miteinander etwas bekannter. Der biografische Kontext zeigt auch den Lesern das Leben so spannend und unmittelbar, wie es uns umgibt. Und nicht immer nur die Abstraktionsebene, wie sie (zu) oft im Blog vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie k\u00f6nnen im Text auch \u00e4ndern oder k\u00fcrzen, was Sie wollen. Bitte den Text dann in der Kommentarspalte zum Gottesdienst-Blogeintrag Nr.185 einf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>****<\/p>\n\n\n\n<p>Teheran, im Januar 2016<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber RU,<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung zum Gottesdienst. Am Sonntag, 1.November, findet nat\u00fcrlich auch in St. Maria ein Heiligengedenken statt. Ich soll sogar die Allerheiligenlitanei vorbereiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin wieder zur\u00fcck aus Teheran. Es war eine sehr eindr\u00fcckliche Reise. Nat\u00fcrlich war ich auch einfach froh, bei der Beerdigung meines Schwiegervaters (er ist fast 100 Jahre alt geworden)dabei sein zu k\u00f6nnen. Das Zusammensein nach dem Tode eines Familienangeh\u00f6rigen ist dort noch wichtiger als hier. Wegen des Ashura-Festes (gr\u00f6\u00dftes Trauerfest im schiitischen Islam im Gedenken an den Tod von Hussein, dem Sohn des Imam Ali, mit vielen \u00f6ffentlichen Umz\u00fcgen und blutigen Auff\u00fchrungen der damaligen Schlacht) fand die Beerdigung erst zwei Tage nach dem Tod statt. Sonst wird ja schon am Todestag beerdigt. Sonst h\u00e4tte ich gar nicht teilnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>So habe ich erstmals auch die Zeremonien der Aufbahrung und Trauerfeier im Haus, der Stra\u00dfenprozession, der Leichenwaschung, einer Statio auf dem Friedhof und schlie\u00dflich das Begr\u00e4bnis selbst miterlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend traf man sich dann bereits erneut, diesmal M\u00e4nner und Frauen getrennt. Die M\u00e4nner haben erst alte persische Gedichte rezitiert und dann erneut Trauerges\u00e4nge zum Ashura-Fest angepasst an den Trauerfall gesungen. Schlie\u00dflich war gestern eine gro\u00dfe Trauerfeier in einer Moschee mit Hunderten Teilnehmern. Die Familie meiner Schwiegereltern kommt aus einem kleinen Ort im iranischen Azerbeidschan. Die Menschen von dort bilden quasi einen Clan und haben Ihre eigene Moschee. Ich erfreue mich nunmehr der besonderen Gunst des Clanchefs.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe st\u00e4ndig die gregorianische Sequenz &#8220;Dies Irae&#8221; im Kopf gehabt. Es ist ein Text von ungeheurer poetischer Kraft und es ist ein kulturelles Verbrechen ersten Ranges, dass sie nicht mehr Teil des Requiems ist. Der Weltenrichter dort ist der, der den Menschen wie dem verlorenen Schaf nachgeht: &#8220;Erm\u00fcdet von der Suche nach mir hast du dich niedergesetzt.&#8221; Wunderbare Bilder.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gr\u00fc\u00dft<\/p>\n\n\n\n<p>SG<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=352%20Teheran%20%E2%80%93%20Von%20der%20Begegnung%20der%20Religionen&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282 Den folgenden Briefwechsel mit SG habe ich bereits vor sechs Jahren gef\u00fchrt. SG war Manager in einem gro\u00dfen deutschen Industrie-Konzern. Es war eine ganz andere Zeit, die gerade noch nicht f\u00fcr Diktaturen bereit war. Selbst ein Appeasement mit Persien schien m\u00f6glich. Eine Zeit aber, die sich dennoch bereits wendete. Vom \u201eEnde der Geschichte\u201c wurde&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[466],"tags":[],"class_list":["post-12438","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-de"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4WFkG-3eC","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12438"}],"collection":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12438"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12438\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12985,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12438\/revisions\/12985"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}