{"id":12519,"date":"2023-01-09T19:06:32","date_gmt":"2023-01-09T19:06:32","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=12519"},"modified":"2023-08-17T13:55:22","modified_gmt":"2023-08-17T13:55:22","slug":"356-vom-heiraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=12519&lang=de","title":{"rendered":"356 Vom Heiraten"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"font-weight: 600; -webkit-tap-highlight-color: rgba(0, 0, 0, 0); box-sizing: inherit; caret-color: rgb(25, 30, 35); color: rgb(25, 30, 35); font-family\" noto serif font-size: font-style: normal font-variant-caps: letter-spacing: orphans: auto text-align: start text-indent: text-transform: none white-space: widows: word-spacing: text-decoration:>B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/strong><\/p>\n<p>Brief an Lucilius 14<\/p>\n<p>Du denkst bereits in jungen Jahren schon \u00fcber Dein Testament nach, Lucilius. Das bedeutet nicht zuletzt, auch \u00fcber den eigenen Lebensweg nachzudenken: Mit wem will ich diese Spur gehen? Wem will ich mich anvertrauen? Will ich alleine bleiben? Zu zweit sein oder doch eine Familie gr\u00fcnden, vielleicht sogar in einer neuartigen Gro\u00dffamilie leben?<\/p>\n<p>Nur das ist mittlerweile die Grundfrage der Gegenwart, die Frage unserer saturierten Gesellschaft geworden. Will ich mit wem auch immer eine Familie gr\u00fcnden oder nur f\u00fcr mich selber leben? Die Entscheidung f\u00fcr eine Familie ist existenzieller und grunds\u00e4tzlicher Art, sie wird in einem starken Staat immer wieder die wichtigste Frage \u00fcberhaupt bleiben. Art-und Selbsterhaltung sind also auch in Staaten die wichtigste \u00dcberlebensfrage. Nicht nur im einzelnen Menschen-K\u00f6rper.<\/p>\n<p>In \u201eAnvertrauen\u201c steckt \u201eVertrauen\u201c drin. Dazu geh\u00f6rt meiner Meinung nach auch ein Heiratsversprechen, das Versprechen von vielleicht lebenslanger Treue und Vertrauen. In guten wie in schlechten Tagen. Das muss immer wieder betont werden. Deshalb sind Testament und Heirat m.E. so verbunden miteinander. Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr das Ich und f\u00fcr das Du und inwiefern beide zusammen geh\u00f6ren k\u00f6nnen, vielleicht sogar lebenslang.<\/p>\n<p>K\u00f6rperliche Liebe im Sinne von Begehren und Sex kennt fast jeder Mensch, manchmal mehr, manchmal weniger.Was bedeutet jedoch geistige Liebe? Es bedeutet in meinem Verst\u00e4ndnis sich f\u00fcr \u00fcberzeitliche Begriffe wie Treue, F\u00fcrsorge, Verantwortung f\u00fcr den anderen einzusetzen. Wegen mir auch sexuelle Befriedigung wie auch immer, wenn Wunsch und Bereitschaft dazu sehr stark sind (eher bei den M\u00e4nnern).<\/p>\n<p>Immer wieder komme ich auf Platons Alkibiades-Szene im Symposion zu sprechen. Nicht wegen der homosexuellen Komponente, sondern wegen dem Aufruf zu auch sexueller M\u00e4\u00dfigung und Verzicht im Sinne der stoischen Schule und des sp\u00e4teren Christentums. Alkibiades, ein junger Star seiner Zeit und der Stadt Athen, wollte unbedingt bei einem Fest seinen Lehrer Sokrates verf\u00fchren im Sinne von Sex mit ihm haben. Er bewundert sehr seinen Freund und Mentor, ist richtig in ihn verliebt im Sinne eines k\u00f6rperlichen Begehrens. Sokrates hat Frau und zwei Kinder. Dar\u00fcber hinaus umgibt er sich mit jungen und sehr widerspr\u00fcchlichen Studenten, darunter sp\u00e4ter so bekannten Philosophen wie Platon (nur das Geistige z\u00e4hlt f\u00fcr ihn, weil es \u00fcberzeitlich, also g\u00f6ttlich ist), Aristipp (nur die Lust z\u00e4hlt als Lebenssinn) und Anthistenes (lieber wahnsinnig werden als Lust zu empfinden).<\/p>\n<p>Die kritische Distanz zur Lust steht auch im Mittelpunkt der asiatischen Religionen. Nach Buddhas Lehre entsteht menschliche Leid aus dem Begehren. Denn das Begehren, also die Lust, findet nie ein Ende, will immer wieder mehr und mehr.<\/p>\n<p>Sokrates lehnt den Wunsch nach Sex mit Alkibiades rundweg und mit launig-ironischen Worten ab: \u201eIch lag bei ihm\u201c, sagt Alkibiades in Platons Bericht, \u201eunter der Decke wie bei einem Vater oder Bruder.\u201c&nbsp;(1)<\/p>\n<p>Dieser bis heute g\u00fcltige Ansatz (2) von Platon und Sokrates, den Sex nicht so \u00fcberaus wichtig nehmen zu wollen, gilt sowohl f\u00fcr hetero-wie auch homosexuelle Paare. Die Verselbst\u00e4ndigung des Sex, \u201eAusdifferenzierung\u201c nennen es die Soziologen, nur die Lust f\u00fcr die Lebensplanung an die erste Stelle zu setzen, hat bis auf den heutigen Tag alle Kulturen und Denker immer wieder besch\u00e4ftigt. Auch hier hat sich eine Isosthenie, eine Gleichwertigkeit der Gegens\u00e4tze gebildet. Die Verantwortungsethik der Gegenwart stellt das Du an die erste Stelle, w\u00e4hrend der Solipsismus (solus ipse=alleine leben) in der Nachfolge des Materialismus nur die Befriedigung des Ich, auch in den absonderlichsten Spielarten, bevorzugt und argumentativ zu rechtfertigen sucht.<\/p>\n<p>Ich habe jedenfalls durch das Heiraten tats\u00e4chlich erst das Lieben im geistigen Sinne gelernt und mich auch dadurch als Familienvater sehr ge\u00e4ndert. Die k\u00f6rperliche Liebe geht leicht, die geistige ist um einiges schwerer. Sie braucht au\u00dferdem eine gewisse Zeit der Reife. Und Gl\u00fcck, dass man den richtigen Partner findet oder gefunden hat.<\/p>\n<p>Vielleicht interessiert Dich mein Segnungsgebet f\u00fcr Paare anl\u00e4sslich der Hochzeit von \u00c1.P.Puerta und E. Enrique. Ich kann Dir andere Gebete zur weiteren Verwendung gerne zusenden. Sofern Du willst, ich kenne Deine Einstellung nicht so genau. Einen \u00e4hnlichen Text habe ich jedenfalls bereits zu meiner silbernen Hochzeit mit meiner Frau geschrieben. Pater J.Ramoso hat den Segen in einer kleinen Zeremonie vor sechs Jahren gespendet in St.Maria.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Gebet<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfer Gott,<\/p>\n<p>Du hast diese beiden Menschen in Liebe zusammen gef\u00fchrt.<br \/>\nGib ihnen Kraft und St\u00e4rke, diesen Weg weiter zu gehen in<br \/>\nFrieden und Freude. Einen Weg, den du ihnen vorgezeichnet hast schon vor langer Zeit.<\/p>\n<p>Du bist der m\u00e4chtige Gott des Lebens und des Todes, auch des Schicksals. Lass sie zur Vollendung ihres Lebens gelangen in Deiner G\u00fcte und Kraft, mit Dankbarkeit und Ehrfurcht vor dir und deiner Sch\u00f6pfung und ihrer eigenen Natur.<\/p>\n<p>Sie sind Musiker und sie spielen ihre Musik in Dur oder Moll f\u00fcr uns alle und zu Deiner Freude und Ehre. Diese Harmonie, die auch die Harmonie von Weltall, Gesellschaft und menschlicher Seele ist, m\u00f6ge sie und uns immerfort in Liebe und Treue begleiten.<\/p>\n<p>Das gew\u00e4hre uns der allm\u00e4chtige Gott, wer auch immer er sei, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.<\/p>\n<p>Gebet zur Heirat von E.Enrique und<br \/>\n\u00c1.P.Puerta &#8211; Stuttgart, 19.7.2021<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<\/p>\n<p>1 Vgl.im Blog die Nr.283 \u201ePlatonische Liebe\u201c<\/p>\n<p>Vgl.auch \u201e\u00dcber Sex\u201c (211) und \u201e\u00dcber Befreiung &#8211; Coming Out\u201c(98) im Blog.<\/p>\n<p>2 \u201ebis heute g\u00fcltig\u201c geht auf Freuds Theorie\/Narrativ der Psychoanalyse zur\u00fcck. Freuds Paradigma, nur der genitale Charakter sei ein gesunder, das ist ein nicht-neurotischer Mensch, wurde von seinem Sch\u00fcler Wilhelm Reich in dessen Orgasmus-Theorie weiter gef\u00fchrt: Nur der befriedigende Orgasmus, also die befriedigende sexuelle Lust f\u00fchre zu einer gesunden Lebens-Energie. \u201eLebens-Energie\u201c, heute in aller Munde und zusammen mit \u201eLust\u201c und \u201e Spa\u00df\u201c wohlfeil im kapitalistisch orientierten Steuerungssystem (Konsumverhalten), &nbsp;war begrifflich eine Neupr\u00e4gung und bindet k\u00f6rperliche wie seelische Gesundheit an die Orgasmus-F\u00e4higkeit, was Freud nicht akzeptiert hat. Im Gegenteil: Nur die Kompensation oder auch Sublimation von Libido leite den Menschen zu kulturellen, wissenschaftlichen oder anderen sozial wichtigen F\u00e4higkeiten, glaubt Freud. In den USA hat gleichwohl Reichs Lust- und Orgasmustheorie ganz bald eine gro\u00dfe Anh\u00e4ngerschar gefunden bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=356%20Vom%20Heiraten&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282 Brief an Lucilius 14 Du denkst bereits in jungen Jahren schon \u00fcber Dein Testament nach, Lucilius. 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