{"id":12669,"date":"2023-07-01T09:27:27","date_gmt":"2023-07-01T09:27:27","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=12669"},"modified":"2024-04-19T05:54:34","modified_gmt":"2024-04-19T05:54:34","slug":"358-ueber-krieg-und-freiheit1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=12669&lang=de","title":{"rendered":"358 \u00dcber Krieg und Freiheit(1)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geschrieben 2017, \u00fcberarbeitet VI\/2023<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall in der westlichen, d.h. auch freien Welt, bilden sich gegenw\u00e4rtig Isosthenien, also Patt-Situationen.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Warum? &#8211; Ich denke, seitdem das \u00f6stliche Imperium weltanschaulich und \u00f6konomisch zusammen gebrochen ist, braucht es einen neuen Gegner, um die eigenen Positionen zu kl\u00e4ren und zu festigen. Auch um eine gleichgesinnte Anh\u00e4ngerschar um sich zu scharen, worin man sich quasi wie in einer geistigen Heimat wohl und zu Hause f\u00fchlen kann. In der Relativit\u00e4t, in der Alles-geht-Haltung zu schwimmen befriedigt auf die Dauer niemanden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gegens\u00e4tzliche Postionen haben sich \u00fcberall in der Welt mittlerweile gebildet und verfestigt. Wobei ich beiden Seiten gute Argumente und wohlmeinende Interessen oder Motivationen gerne unterstellen m\u00f6chte. Denn die Wahrheit kann vielf\u00e4ltig sein und sie betrifft nicht immer jeden. Je nach Brille und Blickwinkel sieht die Welt einmal rot, einmal schwarz oder gr\u00fcn oder wie auch immer aus. Wobei der Blickwinkel von der k\u00f6rperlichen und geistigen Natur eines jeden einzelnen vorgegeben wird, von seiner genetischen Veranlagung, seiner Erziehung, Bildung, seinen Lebenserfahrungen etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders offensichtlich ist die Gespaltenheit unserer Welt gegenw\u00e4rtig in Gro\u00dfbritannien (Brexit) und in den USA mit einem gleich gro\u00dfen demokratischen wie konservativen Lager. Wobei sogar die beiden Zentralbegriffe \u201eDemokraten\u201c und \u201eKonservative\u201c wieder in Isosthenien zerfallen sind und das eine wie das andere bedeuten k\u00f6nnen. Querverbindungen und spontane Meinungs\u00e4nderungen entwickeln sich quasi zwangsl\u00e4ufig.<\/p>\n\n\n\n<p>Man vergleiche auch die k\u00fcrzlich erfolgte Abstimmung in Katalonien. Nicht nur, dass die Interpretation der Wahlergebnisse, also der Zahlen, unklar und gespalten ist. Hinzu kommen wieder einmal schwer wiegende politische Verhandlungsfehler der M\u00e4chtigen, die sich sowohl auf die Gesetzeslage wie auch auf den Volkswillen berufen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>I<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es nun weiter in der Politik, wenn sich solche Isosthenien gebildet haben? Darf die hauchd\u00fcnne Mehrheit (51%) die gro\u00dfe \u201eunterlegene\u201c Minderheit (49%)&nbsp;&nbsp;beherrschen, niederkn\u00fcppeln oder gar in Gef\u00e4ngnisse sperren?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sprachphilosophie ist das Problem&nbsp;&nbsp;bekannt. Nicht zuletzt schon seit den antiken Skeptikern, die sich gar nicht mehr festlegen wollten auf irgendwelche Wahrheiten und Positionen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der deutschen Sprachphilosophie, die eher linkslastig war, also ihre Ideen von Marx und Freud hergeleitet hat (Freudo-Marxismus), etwa die der Frankfurter Schule, geht man mit solchen Situationen fast schon ganz im linguistischen Sinne um. Das hei\u00dft es wird eine Dogmatik quasi wie ein Lehrbuch der sinnvollen oder auch richtig\/falschen Argumentation entwickelt, an die man sich zu halten habe, wenn man in einer Kommunikations-Gemeinschaft ernst genommen werden will. Das bedeutet, dass man geh\u00f6rt, beachtet, anerkannt werden will als gleichwertiger Gespr\u00e4chspartner. Verhandlungen auf Augenh\u00f6he, nennen das manche Politiker. Man will also mit \u201eguten\u201c, \u201estarken\u201c Argumenten den jeweiligen anders Denkenden bei Handlungs-Entscheidungen, denn nur darum geht es, auf seine Seite bringen, ihn \u00fcberzeugen. Auch auf diesem Spezialgebiet der Sprachwissenschaft hat sich eine umfangreiche linguistische Literatur gebildet mit dem Ziel, eine sinnvolle und \u00fcberzeugende ArgumentationsStruktur fest zu legen, zu definieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch auf der anderen, gegnerischen Seite, die von Wittgensteins Sprachphilosophie und dem sich daran anschlie\u00dfenden Logischen Positivismus ableiten l\u00e4sst (um nur eine der sich daraus formierenden philosophischen Richtung der analytischen Philosophie, auch  Philosophy of Science, zu nennen), gibt es eine rigorose Dogmatik der SprachReinheit, der SpracheEffizienz und SprachWahrheit, die sich auf formal logische, letztlich auch informationstheoretisch von Maschinen und Ger\u00e4ten \u00fcberpr\u00fcfbare Argumentationen st\u00fctzen will, st\u00fctzen darf, muss, kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Ergebnis, dass man in beiden gegnerischen Lagern gleichwohl keinen Schritt weiter gekommen ist. Weder konnte man \u00fcberzeugte Marxisten oder auch nur Sozialdemokraten von der sekund\u00e4ren Wichtigkeit des sozialen Gedankens und sozialer Gerechtigkeit \u00fcberzeugen noch konnten umgekehrt SprachPuristen in ihrer Einseitigkeit und Dogmatik vom logischen Konstruktivismus ihres Denkens (und Handelns) weg gebracht werden.&nbsp;Wahr ist n\u00e4mlich dort nur das, was im naturwissenschaftlich-mathematischen Sinn als wahr bewiesen werden kann.&nbsp;Wahrheit ist mehr als nur subjektive Interpretation.&nbsp;<br>Oder, im Sinne des kapitalistischen Neo-Liberalismus gesprochen: wahr ist das, was&nbsp;&nbsp;dem allgemeinen Wohlleben und Geldausgeben dient. Spa\u00df und Genuss (die antike Lust) stehen also mittlerweile an erster Stelle in unserem westichen WerteKanon f\u00fcr den LebensSinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Aristoteles glaubte noch an die zwingende \u00dcberzeugung der formalen Logik, die er f\u00fcr viele Jahrhunderte, ja fast zwei Jahrtausende in LehrbuchForm festlegen konnte. Dass beispielsweise das Denken sich nicht in Widerspr\u00fcche verwickeln d\u00fcrfe etc. Aber auch dieser Punkt ist mittlerweile nicht mehr unumstritten. Ich habe oft genug in meinem Blog mit Bezug zum Buddhismus oder auch Taoismus dar\u00fcber geschrieben. Nicht zuletzt hat auch die Gender-Thematik, welche weibliches und m\u00e4nnliches Denken zu unterscheiden sucht und es als gleichwertig gegeneinander stellt, alte logische Grunds\u00e4tze in Frage gestellt, ja ausgeh\u00f6hlt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die KonsensTheorie von J\u00fcrgen Habermas, im Grunde gegenw\u00e4rtig das am meisten akzeptierte philosophische Modell unserer westlichen Debattenkultur und DemokratieVorstellung\/Interpretation mitsamt ihrer umstrittenen linguistischen Unterscheidung in starke und schwache Argumente, wird gleichwohl nicht von jedermann akzeptiert. D.h. es gibt nicht nur im Lager der autorit\u00e4ren oder diktatorischen Herrscher, sondern auch unter Sprachwissenschaftlern Gegner der Konsenstheorie, die einen \u201ebilligen Kompromiss\u201c ablehnen und nicht zuletzt sogar im Sinne einer Elitenbildung von manchen Demokratien als einer unzumutbaren Diktatur der \u201edummen Mehrheit\u201c sprechen. In einem von mir 1985 in der taz ver\u00f6ffentlichten Interview mit Fran\u00e7ois Lyotard hat der einflussreiche franz\u00f6sische Philosoph sogar vor der Gef\u00e4hrlichkeit mancher Mehrheits-Entscheidungen gesprochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist nun der Archimedes Punkt, von dem das Denken, das \u00dcberzeugen, das Sprechen und Verstehen ausgehen kann?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese so genannte Letztbegr\u00fcndung, auf die alles zur\u00fcckgehen und von wo jedes sinnvolle Sprechen ausgehen muss, hat Karl Otto Apel festzulegen versucht und beschrieben. In einer Kommunikationsgemeinschaft muss jeder dem anderen zuh\u00f6ren wollen und zuh\u00f6ren k\u00f6nnen, sagt er. Man muss die Sprache sprechen und verstehen k\u00f6nnen. Man muss das Gegen\u00fcber, dessen Interessen, Absichten, Hintergr\u00fcnde durchschauen lernen und f\u00fcr gut, f\u00fcr schlecht befinden&nbsp;d\u00fcrfen. Und man muss mit einer gewissen Offenheit und wohlmeinenden Gutherzigkeit auch in ein KonfliktGespr\u00e4ch gehen. Selbst ein Widersprechen w\u00fcrde nur wieder Apels These beweisen, dass man sich seinem \u201eSprachspiel\u201c(Wittgenstein), seiner Art von Denken und Sprechen und Argumentieren angeschlossen habe.&nbsp;N\u00e4mlich auch Widerspruch und Gegens\u00e4tze zu akzeptieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Was ich und wir im Grunde ebenfalls gerade ebenso machen: Ich versuche zu \u00fcberzeugen; Ihr, meine Leser, versucht diese meine in Schriftform festgelegten Gedanken zu lesen, sie zu verstehen, ihnen zu widersprechen(2). Also sind wir eingebunden in ein Denken und Sprechen, das zu einem Ziel kommen will, welches Verstehen und Verst\u00e4ndigung hei\u00dft. Bildhaft ausgedr\u00fcckt spuren wir zusammen und vielleicht sogar voller Widerspr\u00fcche und &nbsp;Dissonanzen eine Spur, die wohin fuhrt? &#8211; Das m\u00fcsst ihr selber wissen. Ob zum Gl\u00fcck oder Ungl\u00fcck, Konsens\/Dissens, zu Himmel und H\u00f6lle, dem Blumengarten um die Ecke oder zu Rihms gewaltt\u00e4tigen musikalischen Tutuguri- Explosionen, wer wei\u00df\u2026Aber bereit seid Ihr, das Gegen\u00fcber ernst zu nehmen und ihm zuzuh\u00f6ren. Selbst wenn ihr es besser wisst. Und bereit seid ihr (hoffentlich) auch zu einer \u00c4nderung Eurer Position.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch nicht einmal Gl\u00fcck kann ich euch als Lebensziel empfehlen, weder Lust noch Askese, weder ein Leben allein oder in einer Gro\u00dffamilie &#8211; wir k\u00f6nnen es nicht mehr, wir, das hei\u00dft die Weltkultur, schaffen keine Verallgemeinerung mehr, was dieses Thema betrifft. Dazu ist unsere Welt zu gro\u00df, zu vielf\u00e4ltig geworden, die Globalisierung zu weit bereits fortgeschritten. Das ist das Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch f\u00fchrt eine solche LetztBegr\u00fcndung, dass wir alle in einer KommunikationsGemeinschaft sind, aus der Falle von Nichtverstehen, Nichtverstehen-Wollen und Ablehnung heraus?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nein. <br>Was tun, wenn jemand gar nicht zum Sprechen, zum Dialog, zu Verhandlungen bereit ist? &#8211; Ich denke, in solchen Momenten gibt es immer wieder nur einen atavistischen R\u00fcckfall in die Gewalt, in die Macht der Gewehre. Es ist die Zeit von Totschie\u00dfen und Leid;\u00a0\u00a0Zerst\u00f6rung, Trauer und Verzweiflung gewinnen die Oberhand, bis schlie\u00dflich beide Parteien so ersch\u00f6pft sind (mit und ohne \u201eSieg\u201c), dass ein Ende und ein Neubeginn absehbar sind.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Solche kriegerischen Momente gibt es immer wieder, und scheinbar sind sie auch nicht ausrottbar. Die Verkr\u00fcppelung von Denken und Sprechen f\u00fchrt notwendig auf direktem Weg zur Verkr\u00fcppelung des Menschen und schlie\u00dflich zu seiner Zerst\u00f6rung &#8211; sowohl beim Sieger wie bei den Besiegten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein Sieg wird gegenw\u00e4rtig in den Tr\u00fcmmerW\u00fcsten Syriens, im Irak, \u00fcberall in der kriegerischen Welt gefeiert?! &#8211; Ja, ein Neuanfang steht bevor. Aber welche KollateralSch\u00e4den hat es gegeben, wird es weiterhin geben?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal glaube ich sogar resignierend, dass eine Population im Sinne von Selbstzerst\u00f6rung einen solchen Zusammenbruch braucht, um wieder neu beginnen zu k\u00f6nnen. Nichts geht mehr &#8211; wie in einem kranken K\u00f6rper, der in einem Heilungsprozess alle Kr\u00e4fte noch einmal sammelt oder untergehen muss. Vielleicht sogar untergehen will; siehe Freuds Theorie von einem Todestrieb oder sogar die Diskussionen um ein Todeshormon, welches die Alterung einleitet im menschlichen K\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<p>II<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Heraklit, den gro\u00dfen Pessimisten unter den antiken philosophischen Schulgr\u00fcndern, war der Krieg der Vater aller Dinge. Gegens\u00e4tze bestimmen Welt und Wirklichkeit. Ihr Zusammensto\u00df bewirkt Werden, Entwicklung, Fortschritt. Es bedeutet auch permanente Ver\u00e4nderung und permanente Dynamik in der Welt. Pessimistisch war er nur wegen seinem Glauben an ein eschatologisches Ende der Welt &#8211; der gro\u00dfe Weltenbrand wird allem ein Ende bereiten. Krieg gibt es aber nicht nur im Denken und in der Logik. Er existiert im sozialen Bereich ebenso &#8211; als Krieg der Menschen, der Populationen, der Staaten gegeneinander.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Antithetisch dazu gibt es mittlerweile auch Versuche, eben solche Kriege im Kleinen wie im Gro\u00dfen zu verhindern. Es gibt Friedensforschung und&nbsp;Konfliktmanagement. Wie man aggressive Auseinandersetzungen vermeiden kann selbst in den Paarbeziehungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab aber auch schon in der Renaissance Vorschl\u00e4ge und Theorien zum Machterhalt des F\u00fcrsten (Machiavelli). Wie man Menschen und Gruppen erfolgreich unterdr\u00fcckt, sie sich gef\u00fcgig macht, sie ausnutzt, sie beherrscht. Machterhalt und der Wille zur Macht wird geradezu als eine Notwendigkeit gesehen und verherrlicht. Nicht zuletzt unter dem Einfluss von Nietzsche ist sich immer wieder jeder selbst der n\u00e4chste. Im Sozialdarwinismus darf jeder des anderen Wolf sein und nur der St\u00e4rkere \u00fcberlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es nicht nur um atavistisch-kindliche Machtspiele oder Interessen-Gegens\u00e4tze: Ich will dieses \u00d6lfeld besitzen; nein ich will dieses \u00d6lfeld besitzen. Denn um das Ziel durchzusetzen, das \u00d6lfeld zu besitzen, kommen letztlich auch abstrakte&nbsp;Werte als Worte&nbsp;mit ins Spiel, \u00fcber die man sich verst\u00e4ndigen muss, die zu allererst einmal das Gegen\u00fcber verstehen, damit einverstanden sein muss. Damit einverstanden, das hei\u00dft: den Sinn verstanden haben muss auch gerade ohne eine Zustimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorbedingung eines Konfliktes ist also oft ein vorausgehendes Nicht-Verstehen; auch ein Nicht-verstehen-Wollen. Die Milit\u00e4rwissenschaft, auch das gibt es tats\u00e4chlich, spricht und definiert hingegen nur lapidar-oberfl\u00e4chlich von einem Interessenkonflikt, einem Machtkonflikt, einem Zielkonflikt, einer pers\u00f6nlichen Rivalit\u00e4t und so weiter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ich denke, dass allem ein Verstehenskonflikt vorausgeht, der ein Nicht-verstehen-K\u00f6nnen oder Nicht-verstehen-Wollen von Sprache voraussetzt. Mit Sprache, also im Dialog, am besten sogar Auge in Auge, lassen sich Missverst\u00e4ndnis und Unverst\u00e4ndnis oft verhindern und sogar beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie jedoch diese Sprache des Gegen\u00fcber verstehen lernen in einem solchen Konfliktfall? Wie sich \u00f6ffnen f\u00fcr das Gegen\u00fcber, dass dessen Sprache und auch meine Sprache kompatibel, verstanden werden k\u00f6nnen? Selbst wenn wir die gleiche Landessprache sprechen und dennoch uns nicht verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nicht zuletzt &#8211; auch Psychologie hat damit zu tun &#8211; die ehrenwerte Aufgabe der&nbsp;Hermeneutik. Eine oft vergessene Wissenschaft und Lehre, die es schon seit der Antike gibt, \u00fcber die gleichwohl bis heute nur wenig gesprochen, die nur selten gelehrt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn meine Beobachtung stimmt, dass wir meist, wenn nicht sogar immer Fremde unter- und miteinander sind, so fremd wie die unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten, so denke ich, dass gerade deshalb und dennoch eine allgemeine Sprache gefunden werden muss, mit der wir uns verst\u00e4ndlich machen k\u00f6nnen. Diese Sprache zu finden und zu unterrichten w\u00e4re die Aufgabe einer neuzeitlichen Hermeneutik (3).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solch allgemeine Sprache ist auch die Sprache der Gef\u00fchle, die der Gesten. Das Lachen, das L\u00e4cheln und Weinen ist in allen Kulturen \u00e4hnlich, wenn auch nicht gleich. Die Intensit\u00e4t des Gef\u00fchlsausdrucks und der Gef\u00fchlswahrnehmungen sind jedoch sehr unterschiedlich, unterschiedlich sogar in einer einzigen Kultur unter den Menschen. Ich denke, dass die F\u00e4higkeit zum F\u00fchlen, vor allen Dingen auch zum Worte finden f\u00fcr diese Gef\u00fchle, eine gro\u00dfe kulturelle und kreative Leistung sein kann, welche NichtVerstehen und Missverst\u00e4ndnisse verhindern kann. Es muss aber dennoch und ganz jenseits von einer Verbalisierung der Gef\u00fchle auch noch dar\u00fcber hinaus eine rationale Sprache gefunden werden, mit der wir uns \u00fcber die wichtigsten Werte, wie ein Leben gelebt werden soll, austauschen und verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, diese allgemeine Sprache sollte immer noch und immer wieder die alte philosophische Sprache sein, wie sie in der griechischen und r\u00f6mischen Antike begr\u00fcndet worden ist. Das hei\u00dft auch gefunden worden ist. Diese Sprache wurde zwar wie alle Sprachen \u00fcberhaupt \u00fcbersetzt und immer wieder weiter entwickelt durch Fachbegriffe, durch Neuerfindungen, die neue Worte einbringen in den Diskurs. Aber dennoch hat sich die philosophische Sprache vor allem im Kanon der Philosophie-Geschichte bis heute gehalten. Und dies auch ganz jenseits jeder philosophischen Fachsprache, etwa der sprachphilosophisch orientierten Wissenschaftstheorie und dgl.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich bewege mich jetzt mit dieser meiner Sprache in der allgemeinen Sprache, wie ich glaube. Zwar mit einigen Abweichungen und Hinzuf\u00fcgungen aus meiner philosophischen Herkunft und Schule, aus der ich stamme (alte und neue Frankfurter Schule, Soziologie, Psychoanalyse, die franz\u00f6sischen Philosophen). Aber dennoch glaube ich, dass jeder einigerma\u00dfen in der Philosophie-Geschichte gebildete, d.h. auch ausgebildete, mit Lernerfahrung aufgewachsene Mensch diese Sprache der Philosophie der Vergangenheit gelernt hat, sie verstehen und sprechen kann. Dass also jeder dieser Menschen auch meine Sprache relativ leicht verstehen und sich am Sic et non-Gespr\u00e4ch beteiligen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der einzige Manierismus, den ich mir weniger im semantischen Sinne als eher stilistisch erlaube, ist eine Eigenart des Satzbaus: Dass meine S\u00e4tze im Sinne auch von Satz-Konstruktionen nicht zu kurz geraten, sondern dass ich&nbsp;&nbsp;Satzkonstruktionen mit vielen Nebens\u00e4tzen baue, weil ich diese \u00e4sthetisch einfach ansprechend finde. Sie machen eine Sprache lebendiger, das hei\u00dft auch musikalischer. Das ist eine rein emotionale und deshalb zwangsl\u00e4ufig wohl auch irrationale Entscheidung, an die sich der Leser aber, so hoffe ich, doch leicht gew\u00f6hnen wird, wenn er sich hinein vertieft hat in diese meine Sprache und ihren Stil, in dieses mein langj\u00e4hriges Blog-Schreiben allgemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was tun, wenn bei Auseinandersetzungen und im Konfliktfall eine Sprache jemand nicht zu lernen bereit sein wird? Wenn man diese Sprache nicht sprechen, nicht verstehen will? Wenn alles vergiftet ist durch L\u00fcgen, Scheinwahrheiten und F\u00e4lschungen? &#8211; Ich denke, dann ist alles verloren, selbst wenn es immer wieder auch Vermittler, \u00dcbersetzer und Dolmetscher gibt. D.h. Unverst\u00e4ndnis und&nbsp;&nbsp;Sprachlosigkeit nehmen \u00fcberhand und wir sind in einem Zustand der babylonischen Verwirrung und Ratlosigkeit, die unsere so wohl gebauten gro\u00dfen T\u00fcrme von Wissenschaft, WohlLeben, Luxus und&nbsp;&nbsp;Vergn\u00fcgen ganz bald einst\u00fcrzen lassen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Interessen-Kollisionen bis hin zu Krieg und B\u00fcrgerkrieg sind die notwendige Folge.<\/p>\n\n\n\n<p>III<\/p>\n\n\n\n<p>Was dagegen tun?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, resignierend und in die Zukunft der technischen M\u00f6glichkeiten blickend, dass in diesem Fall nur die fragw\u00fcrdige Dichotomie im eschatologischen Sinne eines vollkommenen Untergangs und einer weltweiten&nbsp;&nbsp;Katastrophe oder politisch gesehen eine&nbsp;Technokratie&nbsp;die L\u00f6sung sein wird. Die ganz bewusste Steuerung der Bev\u00f6lkerung auf ein vorgegebenes Ziel hin, n\u00e4mlich \u201e keine Konflikte\u201c, das einige wenige Auserw\u00e4hlte, \u201eEliten\u201c, welche die Macht besitzen, skrupellos ausn\u00fctzen d\u00fcrfen, ausn\u00fctzen m\u00fcssen, soll nicht alles in einer weltumspannenden Katastrophe enden. Denn dass wir mittlerweile auf dem Weg in diese Zukunft sind, das wird tagt\u00e4glich in den Massenmedien dokumentiert und ist dort zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit bin ich weit weg ger\u00fcckt&nbsp;&nbsp;von meinen immer wieder deutlich schon in der ersten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts beschriebenen Vorbehalten den Visionen und Utopien B.F. Skinners gegen\u00fcber. Seine provokativ vorgetragene Pr\u00e4misse, \u201ejenseits von Freiheit und Menschenw\u00fcrde\u201c sei nur ein Leben lebenswert, dort sein Nest zu finden, scheint mir mittlerweile durchaus bedenkenswert(4). Denn die Alternative zu einer vielleicht sogar eher &#8220;sanften&#8221; und philanthropisch ausgerichteten Technokratie&nbsp;&nbsp;scheint zum gegenw\u00e4rtigen Wissensstand nur immer wieder und weiterhin der Krieg zu sein. Ein B\u00fcrgerkrieg nicht mehr nur der B\u00fcrger, der unterschiedlichen Menschengruppen, der Interessen, die r\u00e4umlich relativ eingegrenzt und begrenzt sein k\u00f6nnen, sondern ein B\u00fcrgerkrieg der Weltkulturen, die sich unvers\u00f6hnlich mit hochtechnologischem &#8220;Fortschritt&#8221; gegen\u00fcberstehen und mit heftiger ideologischer Gewalt gegenseitig auszurotten versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit und Menschenw\u00fcrde sind nach Skinner, dem Begr\u00fcnder der Verhaltens-Wissenschaft und&nbsp;&nbsp;-Steuerung, veraltete Begriffe. Sich mit rein technischen Mitteln zu Wohlleben und Gl\u00fcck hinf\u00fchren, verf\u00fchren zu lassen, also gesteuert zu werden wie ein Ding, wie ein Tier, das mag vielleicht tats\u00e4chlich noch die einzige M\u00f6glichkeit&nbsp;&nbsp;sein, die permanente Kriegs- und Untergangsgefahr einzugrenzen.&nbsp;<br>Auch wenn wir dabei unser Wohl und Wehe in die H\u00e4nde von einer kleinen m\u00e4chtigen Gruppe Wissender mit Herrschaftswissen zu legen bereit sein m\u00fcssen, die uns beherrschen werden wie fr\u00fcher die R\u00f6mer ihre Sklaven.&nbsp;<strong>Trans-Humanismus<\/strong>&nbsp;wird mittlerweile diese Art von Anti-Humanismus genannt.&nbsp;Damit ist auch der uralte Menschheitstraum von Freiheit und Befreiung (Emanzipation) zu Grabe getragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wir sind schon mitten drin in dieser Entwicklung: Andersdenkende Kulturen, etwa &nbsp;in China, &nbsp;bereiten bereits eine gro\u00dffl\u00e4chige&nbsp;&nbsp;Steuerung der Bev\u00f6lkerung hin zu mehr \u201eTugend\u201c, zu mehr angepasstem politischem Verhalten mittels Internet und k\u00fcnstlicher Intelligenz vor. Was bis vor kurzem, vor allem unter Marxisten, aber auch Christen noch als eine Horror-Vision gegolten hat, scheint jetzt tats\u00e4chlich mit Hilfe der neuen Steuerungs-und \u00dcberwachungs-Technologien gl\u00fcckliche Realit\u00e4t werden zu wollen.&nbsp;Eben in Form einer gut geplanten und mit Hilfe von k\u00fcnstlicher Intelligenz&nbsp;&nbsp;entwickelten Technokratie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wer wird die Steuerungs-Systeme steuern?<br>Diese sich selber?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n\n\n\n<p>1 Geschrieben 2017, \u00fcberarbeitet VI\/2023. Ein Aufsatz \u00fcber den Ukraine-Krieg folgt bald.<\/p>\n\n\n\n<p>2 Dass es schon bei Platon \u00dcberlegungen gegen die Schrift und nur f\u00fcr das m\u00fcndliche Gespr\u00e4ch Auge in Auge gibt, ist im &#8220;Phaidros&#8221; nachzulesen &#8211; Vgl.im Blog die Nr. 247 &#8220;\u00dcber Sprache und Schrift&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>3 Beste Einf\u00fchrung und Lehrbuch immer noch: Hans-Georg Gadamer, &#8220;Wahrheit und Methode&#8221; (1960)<\/p>\n\n\n\n<p>4 B.F.Skinner, &#8220;Jenseits von Freiheit und Menschenw\u00fcrde&#8221;(1971) &#8211; Eine deutliche Kritik an allen wohl meinenden Emanzipationsbem\u00fchungen von Aufkl\u00e4rung und Marxismus&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>B.F.Skinner, &#8220;Walden II&#8221; (1948\/1969)- Eine aus der Sicht des Behaviorismus geschriebene utopische Vision einer aggressionsfreien Gesellschaft, die direkten Bezug nimmt auf &nbsp;Thoreaus Vor-Hippie-Bibel von 1854 \u201eWalden &#8211; Leben in den W\u00e4ldern\u201c.<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=358%20%C3%9Cber%20Krieg%20und%20Freiheit%281%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282 Geschrieben 2017, \u00fcberarbeitet VI\/2023 \u00dcberall in der westlichen, d.h. auch freien Welt, bilden sich gegenw\u00e4rtig Isosthenien, also Patt-Situationen.&nbsp;&nbsp; &nbsp; Warum? &#8211; Ich denke, seitdem das \u00f6stliche Imperium weltanschaulich und \u00f6konomisch zusammen gebrochen ist, braucht es einen neuen Gegner, um die eigenen Positionen zu kl\u00e4ren und zu festigen. Auch um eine gleichgesinnte Anh\u00e4ngerschar um sich&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[466],"tags":[1606,778,1636,564,494,1809,1196,1202,1076,1331,644],"class_list":["post-12669","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-de","tag-apel","tag-freiheit-de","tag-habermas","tag-heraklit-de","tag-hermeneutik-de","tag-krieg","tag-letztbegruendung-de","tag-skinner-de","tag-sprachphilosophie-de","tag-steuerung","tag-technokratie-de"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4WFkG-3il","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12669"}],"collection":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12669"}],"version-history":[{"count":66,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13144,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12669\/revisions\/13144"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}