{"id":13565,"date":"2025-12-01T10:25:00","date_gmt":"2025-12-01T09:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=13565"},"modified":"2026-01-31T21:00:33","modified_gmt":"2026-01-31T20:00:33","slug":"374-ueber-akademismus-und-dekonstruktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=13565&lang=de","title":{"rendered":"375 \u00dcber Akademismus und Dekonstruktion"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Biografisches (5) <\/b><br \/><br \/>Was bedeutet Verstehen, was Nichtverstehen von Kunst? Wie und nach welchen Kriterien wird die Frage beantwortet, was gute Kunst, was erfolgreiche, was schlechte Musik sein kann? Ist der Begriff des Sch\u00f6nen in allen K\u00fcnsten gleich? Sind Begriffe wie Konsonanz oder Dissonanz zeitlos g\u00fcltig in der Musik oder immer nur auf die jeweilige Zeit, Kultur und Musikart beschr\u00e4nkt und relativ?<br \/><br \/>Das Thema des Akademismus besch\u00e4ftigt mich sehr. War ich doch gleichzeitig ein Kritiker und Berichterstatter \u00fcber Rockmusik, habe aber auch intensiv \u00fcber klassische Musik, Konzerte, Opern und selbst \u00fcber neue Musik auf den Donaueschinger Festspielen fast 20 Jahre lang geschrieben. Ich habe also alle diese Stile und Lebensformen, diese \u00c4sthetik(en) immer wieder hautnah studiert und muss sagen, dass es gro\u00dfe Gegens\u00e4tze, dass es ein gro\u00dfes Nichtverstehen und selbst Diskriminierungen auch im Bereich von Musik geben kann. <br \/>Achtung Spoiler-Alarm(!): Die Rockmusik, also Popmusik der 60er bis 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, war mir oft bedeutend lieber als irgendwelche Elfenbeinturm-Spezialisten, die sogar die \u201eMusik der Sterne\u201c oder was auch immer musikmathematisch m\u00f6glich war, noch nicht einmal ironisch gebrochen uns n\u00e4her zu bringen versuchten. Letztlich hing das alles auch mit Menschen und ihren Lebensformen zusammen. Und: die \u201eneue Musik\u201c der Akademisten geht nicht auf die Menschen zu, spricht nicht mit ihnen. Im Gegenteil, sie stellt sich solipsistisch und selbstverliebt in den Mittelpunkt: Schaut her, was ich f\u00fcr komplexe Strukturen und Kl\u00e4nge entwerfen kann, fast unspielbar, voller virtuoser Tricks und \u201esuper raffiniert\u201c &#8211; dies schon in den 80er Jahren die Kritik des fl\u00e4mischen Komponisten Karel Goeyvaerts in einem Interview mit mir im belgischen Rundfunk.<br \/><br \/>INTERPRETATION<br \/>Alles ist Interpretation, sagen die postmodernen Philosophen, allen voran Jean Fran\u00e7ois Lyotard, den ich ebenfalls pers\u00f6nlich kennengelernt habe. Und Interpretation muss immer im Kontext des Interpreten samt seinem zu interpretierenden Gegenstand verstanden werden. Das bedeutet f\u00fcr die Musik, dass auch das Zuh\u00f6ren, die Art des Zuh\u00f6rens und Interpretierens immer wieder relativ auf Zeit und Gesellschaft gerichtet sind. Dass \u201egute\u201c und \u201esch\u00f6ne\u201c Musik, ihre Definition, ihre Akzeptanz, auch immer wieder anders sein kann. <br \/><br \/>Das H\u00f6ren von Musik schlie\u00dft nicht unbedingt das Erkl\u00e4ren und Verstehen der musikalischen Struktur ein, also die analytische Vorgehensweise der Akademisten. Es kann gleicherma\u00dfen fokussiert sein auf Emotion, Assoziation oder K\u00f6rperbewegung, Tanz. Auch auf Nicht-K\u00f6rperbewegung im Sinne von Meditation. Das rigide Festlegen der Kompositionslehre, eigentlich auch nur eine Theorie der Beschreibung von Musik-Verstehen, auf die Harmonielehre von Riemann seit dem 19. Jahrhundert war eine weitere Dogmatisierung der klassischen Musik wie der Kontrapunkt, wie Generalbass oder Atonalit\u00e4t. Die Musik wurde jeweils in ein strenges \u00e4sthetisches Ger\u00fcst gezw\u00e4ngt. Aus dem sie sich immer wieder befreien musste und auch gegen alle Widerst\u00e4nde der Traditionalisten oder Akademisten befreien konnte. Der Historismus des 19.und 20. Jahrhunderts lebt von diesen Vergleichen und Erinnerungen. Als Kunstgattung ist er auch in der Musik ein Manierismus, gegen den sich die Dogmatik Sch\u00f6nbergs in der Musik ebenso wie die Popmusik gewendet haben. <br \/><br \/>Ein Beispiel f\u00fcr das Miss-Verstehen von Musik ist etwa der Rock \u201an\u2018 Roll der F\u00fcnfzigerjahre. Einverstanden, nach der Theorie Riemanns und in dessen Terminologie hat er nur drei Akkorde, die sich immer wiederholen, Tonika(T), Subdominante(S), Dominante(D), meist in der \u201efalschen\u201c (Kadenz-)Reihenfolge T,D,S,T. Diese Musikrichtung ist deshalb f\u00fcr Akademisten primitiv und einfallslos. Doch in dieser Musikart sind Tanzen und Darstellung des K\u00f6rpers, sexuelles Begehren und das Showelement f\u00fcr die Augen wichtiger als eine komplexe Struktur im Aufbau der Akkorde. Und die Botschaft in den Texten dieser Kunstart scheint oft wichtiger als die klingenden T\u00f6ne. \u201eTritt nicht auf meine blauen Lederschuhe\u201c(Elvis Presley) &#8211; was bedeutet diese Aussage schon gegen\u00fcber \u201e Freude sch\u00f6ner G\u00f6tterfunke\u201c! Die Popart aber als unk\u00fcnstlerisches Gemisch abzulehnen, das geht sehr an der Sache vorbei und kann sogar diskriminierend sein. So wird auch in meinem dekonstruktiven Vorgehen im \u201eSchubert Deconstructed\u201c &#8211; Album auf Schuberts Leben und Schuberts Zeit mittels Text und Musik ein neues Licht geworfen, das bis in die Gegenwart hinein leuchten und n\u00fctzlich sein kann. (1)<br \/><br \/>DEKONSTRUKTION<br \/>Was ist Dekonstruktion?<br \/>Ich will drei einfache Beispiele f\u00fcr Dekonstruktion im Bereich meiner Musik nennen. In dem Lied \u201eDas Bild\u201c beklagt Schubert in seiner \u201e Schwanengesang\u201c-Sammlung auch musikalisch am Schluss des vertonten Heine-Textes, \u201edass ich Sie verloren habe\u201c. Ich lasse den Interpreten zum Publikum jedoch singen: \u201edass ich ihn verloren habe\u201c. Jeder im Publikum wird erstaunen oder auch zusammenzucken &#8211; man kennt das Lied gut, fast auswendig &#8211; was, Schubert invertiert? Ich kann diese Frage nicht beantworten, nur darauf hinweisen, dass gegenw\u00e4rtig von interessierten Kreisen dieses Thema Homosexualit\u00e4t gerade bezogen auf Schubert und andere Musiker intensiv diskutiert wird, vor allem in \u00d6sterreich. Dekonstruktion bedeutet in diesem Fall also Ausweitung der Interpretation auf soziale oder biografische Aspekte, hier jetzt bezogen auf Schubert. Meine Text-\u00c4nderungen verteidige ich mit der Devise: Es gibt keine heilige Kunst, wie es auch keine heiligen K\u00fcnstler geben kann. Selbst Heine hat auch schlechte Texte fabriziert. Die \u00dcberbetonung von leidenschaftlicher Verliebung (\u201ebegl\u00fccke mich\u201c im \u201eSt\u00e4ndchen\u201c-Text von Ludwig Rellstab) scheint mir f\u00fcr die Gegenwart eher unpassend zu sein. In meiner Bearbeitung hei\u00dft es nun \u201eliebe mich\u201c.<br \/>In einer zweiten Fassung meiner \u201eBild\u201c-Bearbeitungen wird dieses Lied gar nicht mehr live und im Konzert aufgef\u00fchrt. Es ist n\u00e4mlich zu einem mehrdimensionalen Kunstwerk mit neuem Text, mit Zeichnungen und Musik geworden, die ineinander \u00fcbergreifen und damit auch die Klang-Welt der Musik ganz verlassen. Es gen\u00fcgt, die Partitur zu lesen, sie zu studieren. Also der eher intellektuelle Ansatz.<br \/><br \/>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die Dekonstruktion eines Textes ist meine Liedbearbeitung von Schuberts \u201eAm Meer\u201c, ebenfalls mit einem Text von Heine. In vielen Heine- Gedichten und auch schon reichlich abgegriffen wird wieder und wieder ungl\u00fcckliche Verliebung thematisiert. In diesem Text habe ich ab der Mitte des Gedichts den Sinn radikal ver\u00e4ndert und ihn in eine andere Thematik, einen anderen Gegenwartsbezug weiter gef\u00fchrt. Jetzt haben die beiden Liebenden dort am Meer ihre Worte zu- und f\u00fcreinander vollkommen verloren. Im Reich der \u201eLieder, Tr\u00e4ume und Orte\u201c suchen sich diese Worte vergeblich. Eine umfassende Kommunikations-St\u00f6rung ist eingetreten und auch die Liebe dabei ganz abhanden gekommen. Stilistisch wird ab der Mitte der Text fast schon ins Surreale weiter gef\u00fchrt. Was sind \u201everlorene Worte\u201c? Wie k\u00f6nnen sie sich im \u201eReich der Lieder, Tr\u00e4ume und Orte\u201c suchen und finden? Dazu noch im Meer?<br \/><br \/>Dekonstruktion in der Musik kann nicht nur eine Durchleuchtung, sie kann also auch eine Umformung der Struktur bedeuten. Indem ich Schuberts Spiel mit den Tonarten im \u201eBlick\u201c etwa aufgreife, imitiere, fast ins Absurde weiter f\u00fchre. Wozu braucht man diesen dauernden Tonarten-Wechsel, der das Interpretieren so schwierig werden l\u00e4sst? Wozu m\u00fcssen es Tonarten mit sechs oder acht Vorzeichen sein? Ich habe diese kompositorische Marotte, kann man wohl sagen, in dieser Lied-Bearbeitung ins Extremum weiter gef\u00fchrt, indem ich \u00fcbertrieben h\u00e4ufig die Tonarten gewechselt habe. In Schuberts Zeit hat das dazu gef\u00fchrt, dass man seine St\u00fccke weder gespielt, geschweige denn gedruckt hat. Selbst Schubert hatte als Klavierspieler Probleme mit seinen eigenen Werken. Liszt hat gleichwohl dieses Vorgehen in die Ekstase seiner \u201eHypervirtuosit\u00e4t\u201c weiter gef\u00fchrt, die kurz nach Paganini den Starkult mit all seinen Konsequenzen in die b\u00fcrgerliche Gesellschaft eingef\u00fchrt hat.(1)<br \/><br \/>Noch einen Schritt weiter kann man sich fragen: Warum hat Schubert diese Technik \u00fcberhaupt eingesetzt? Ist Tonmystik oder gar Magie im Spiel, wie es manche Spekulationen verk\u00fcnden? Es-Dur im Sanctus der Deutschen Messe mit seinen drei B als ein christlich conotierter Hinweis auf die g\u00f6ttliche Dreifaltigkeit?<br \/>Ich denke, Schubert hat aus Gr\u00fcnden der Existenzsicherung einfache Musik, hier vor allem Tanzmusik, zum Lebenserhalt spielen und komponieren m\u00fcssen. Man hat ihn als Kunst-Musiker und Komponisten deshalb nicht ernst genommen, sondern ihn als ein Nicht-K\u00f6nner, als ein \u201eNaturalist\u201c abgewertet und gerade nicht als einen neuen Beethoven angesehen, wie Schubert immer gehofft hatte. Er k\u00f6nne noch nicht einmal Fugen komponieren, werfen ihm Hofmusiker in Wien und Kritiker vor. Daraufhin hat sich Schubert in die neumodische \u201eHyper-Virtuosit\u00e4t\u201c auch der Tonarten-Variabilit\u00e4t und Musik-St\u00fccke gest\u00fcrzt, die sogar er selbst nicht mehr hat richtig spielen k\u00f6nnen. <br \/>Auch in der Gegenwart existiert dieser Gegensatz von E und U immer noch sehr ausgepr\u00e4gt. Die so genannte E-Musik, Ernste Musik, wie man sie fr\u00fcher im Rundfunkwesen genannt hatte, im Jargon der breiten Masse auch bewundernd oder ablehnend als \u201eKlassik\u201c bezeichnet, schwindet zwar dahin. U-Musik f\u00fcr ein Massenpublikum steht im Vordergrund. Und Stil\u00e4nderungen scheinen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu sein, denn auch die Musiker fr\u00fcherer Zeitalter, etwa des Barock, haben die kirchlich nur orientierte Vorg\u00e4nger-Musik der Renaissance nicht mehr gesch\u00e4tzt und imitiert, sondern etwas ganz Neues erfinden wollen und auch erfunden: die Oper.<br \/><br \/>AKADEMISMUS<br \/>Als Musikkritiker hat mich das Thema des Akademismus permanent besch\u00e4ftigt. Ich sitze als junger Beobachter in einem lautstarken Status Quo-Rock-Konzert. In meinem Daf\u00fcrhalten war es ein schlechtes Konzert, schlecht gespielt, gesungen, getextet. Fluchtartig fast habe ich nach einer gewissen Zeit die gro\u00dfe Schleyer-Halle verlassen. Tausende um mich herum waren begeistert, haben getobt, getanzt, gesungen. Und von mir sollen sie morgen Fr\u00fch beckmesserisch im Feuilleton der Stuttgarter Zeitung lesen (auch weil es so war): Schlechtes Konzert, Texte sehr begrenzt, einfache Musik? Das wollte und konnte ich nicht mehr schreiben. Diesen Leute ein gutes emotionales Erlebnis verderben? Meine Besserwisserei ihnen aufdr\u00e4ngen? Nein, das konnte ich nicht. Ich habe also meinen Kritiker-Job im Bereich der U = Unterhaltungs-Musik ganz aufgegeben und das Lager gewechselt. Bin vom Saulus zum Paulus geworden. Habe fortan nur noch im Bereich der E-Musik gearbeitet, zum Beispiel im Schott-Verlag f\u00fcr die Zeitschriften Das Orchester und Neue Zeitschrift f\u00fcr Musik.<\/p>\n<p>Willkommen im Lager der Akademisten! <br \/>Doch viel besser ging es mir vor allem im Bereich der sogenannten Neuen Musik, die doch im direkten Konkurrenzdruck zu mancher Popmusik stand, etwa von Pink Floyd, auch nicht. Was f\u00fcr eine Welt! Was f\u00fcr eine \u201eMusik\u201c! Wasser von einem Eimer in den n\u00e4chsten gie\u00dfen, Fenster auf und zu, lauschen, was passiert, wenn K\u00fche (oder Ochsen?) auf der B\u00fchne im Konzertsaal der Donaueschinger Festspiele sich zeigten. Angestrengt lauschen, was diese mathematisch wohl strukturierte <span style=\"font-size: revert;\">Musik \u201e zu sagen\u201c hat. Mit Wolfgang Rihm zwei Gespr\u00e4chsb\u00fccher \u00fcber Kunst , Kunstbetrieb und Musik publizieren und dabei den \u201etieferen Blick\u201c erhalten, einsetzen, sagen die Akademisten, \u00fcber und auf Welt, Kunst, Gesellschaft und Kultur?<\/span><\/p>\n<p><br \/>Die Auseinandersetzung in der Schubert-Zeit um Kunst und K\u00fcnstlertum kommt mir auch in der Gegenwart sehr bekannt vor. Etwa das Aufeinandertreffen der E-Musik (Ernsten Musik) mit der Unterhaltungsmusik (U-Musik) bis in die Achtziger\/ Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts hinein, die unterschwellige Auseinandersetzung der \u201e:Gebildeten\u201c mit \u201eNichtgebildeten\u201c, was Kunst und Kultur betrifft, die \u00dcberheblichkeit der Akademisten gegen\u00fcber praktischen Musikern in Sachen Neuer Musik oder Tanz und \u201eUnterhaltung\u201c.<br \/>Ein Telefonanruf des damaligen Konzertmeisters des SWR-Rundfunkorchesters, Kay Petersen, gab mir den Ausschlag, noch einmal die Seiten zu wechseln. \u201eSchreib doch ein Streichquartett f\u00fcr mein Arioso-Quartett\u201c, sagte er im Herbst 1990. Die Musica Matutina f\u00fcr Streicher ist daraus \u00a0entstanden, ebenso wurde das Matutina Ensemble mit jungen Musizierenden der Musikhochschule Stuttgart sp\u00e4ter dann um 2015 von mir gegr\u00fcndet. Das Kritisieren habe ich seitdem ganz aufgegeben. Eine meiner letzten Publikationen dieser Art war ein Vortrag meinerseits im Rahmen einer Veranstaltung f\u00fcr Neue Musik mit dem Titel \u201e Die Kritikerbrille\u201c. Eine Kopie von Marcel Duchamps ein\u00e4ugiger Brille wurde im Publikum verteilt. Es folgte eine sehr ironisch gef\u00e4rbte Abrechnung mit dem Kritikerwesen und mit mir selbst. <br \/><br \/>Es ist also der permanente Streit der Akademie gegen die \u201eDummheit\u201c(Uninformiertheit), auch der Klassik-Traditionalisten gegen die Tanz- und Popmusiker der Gegenwart, der Intellektuellen und \u201eMeister-Denker\u201c gegen die \u201e Primitivit\u00e4t\u201c der nur Geld verdienen Wollenden. Theodor W.Adorno etwa hat aus anti-kapitalistischen, das hei\u00dft auch ideologischen Gr\u00fcnden die Unterhaltungsmusik, dazu z\u00e4hlte er auch den Jazz, heftig abgelehnt. Und damit der Polarisierung von Fachleuten und Laien eine intellektuelle Basis zu geben versucht. Gerade in England ist dieser Gegensatz Kunst-versus Volks\/Pop-Musik infolge der weiter bestehenden Klassen-Gegens\u00e4tze sehr ausgepr\u00e4gt. Umgekehrt haben sich die \u201ePopartisten\u201c aber auch um \u201eKunst\u201c bem\u00fcht, etwa Artrock-Supergruppen wie King Crimson, Pink Floyd oder Genesis gegr\u00fcndet. Nicht zuletzt waren es auch die Beatles und etliche andere, die oft aus Kunst-oder Musikhochschulen kamen und den Blick auf die andere Seite der Medaille nicht vergessen haben.<br \/><br \/>Wo stehe ich heute, 2025?<br \/>Ich h\u00f6re morgens und zum Fr\u00fchst\u00fcck meist Popmusik. Nicht Popmusik der Gegenwart im Sinne von EDM, sondern mehr nostalgisch. Und das war schon immer so. Also bin ich bereits einseitig konditioniert. Fachleute werden leicht meinen pers\u00f6nlichen Kompositions-Stil erkennen k\u00f6nnen an seiner modalen Harmonik, die gebrochen wird von Musik der Gegenwart wie der Vergangenheit; gelegentlich sogar mit Zitaten in Reinform.<br \/><br \/>James Stirling, der britische Architekt, das gro\u00dfe Vorbild f\u00fcr diesen meinen Kompositions-Stil, hat anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung der neuen Stuttgarter Staatsgalerie, sein gro\u00dfes und sehr gelungenes Meisterwerk, gesagt:<br \/>\u201eUralte Sehns\u00fcchte kehren zur\u00fcck. Ich f\u00fcr meinen Teil begr\u00fc\u00dfe die \u00dcberwindung der revolution\u00e4ren Phase der Moderne. Heute k\u00f6nnen wir zur\u00fcckblicken und die gesamte Architekturgeschichte wieder als unseren Hintergrund betrachten\u201c. (4)<br \/>Sprach\u2018s und setzte ins Zentrum der neuen Stuttgarter Staatsgalerie eine gebrochene Kopie des r\u00f6mischen Pantheon, dessen R\u00e4nder mittlerweile im Sommer von einem \u00fcppigen Pflanzen-Schmuck bedeckt sind.<br \/><br \/>Gegen Abend h\u00f6re ich dann \u201eKlassik\u201c. Gegenw\u00e4rtig bin ich wieder sehr ausgepr\u00e4gt mit der Renaissance besch\u00e4ftigt. Befragt auch schon in meiner Studentenzeit unter Gleichaltrigen, welche Musik man bevorzuge im Rahmen klassischer Musik, habe ich immer nur \u201eRenaissance-Musik\u201c als Antwort erhalten. Zur Zeit ist es Orlando di Lasso, der meinen Lieblingskomponisten der damaligen Zeit, den Engl\u00e4nder Thomas Tallis, mittlerweile abgel\u00f6st hat. Ich bearbeite seine Motette In Monte Oliveti. Gegenw\u00e4rtig ist es noch ein Werk f\u00fcr Voce und Klavier. Aber immer mehr setzt sich in mir die Idee einer neuen Ensemble-Komposition fest f\u00fcr Voce, Oboe, Streicher und Klavier. Wie zu Beginn unserer Ensemble-Zeit: Die den Namen gebende Musica Matutina, eine Bearbeitung der Felix namque-Komposition f\u00fcr Virginal von Thomas Tallis, ist im Jahre 2000 in Fatima entstanden und mehrmals bereits aufgef\u00fchrt worden. Sogar als ein Tanzbeitrag der Sara Schemann-Company.<br \/>Das Matutina Ensemble besteht nun bald zehn Jahre lang. Ich denke dar\u00fcber nach, ein kleines Jubil\u00e4um zu organisieren mit seiner Musik.<br \/>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<br \/>1 vgl.auch meinen Blogbeitrag Nr.367 \u00fcber Franz Liszt und seine \u201e Extase der Hyper-Virtuosit\u00e4t\u201c<br \/>2 Wolfgang Rihm im Gespr\u00e4ch mit Reinhold Urmetzer, <br \/>-Edition Patricia Schwarz, Stuttgart 1988<br \/>-\u201eDie Spur auf der Fl\u00e4che\u201c <br \/>Verlag Musica Mundana, 2019<br \/>3 Musica Matutina f\u00fcr Streicher<br \/>TRE MEDIA Verlag, Karlsruhe <br \/>4 Reinhold Urmetzer\/ Claudius Homolka: \u201eOpus mixtum und gefrorene Musik\u201c<br \/>Neue Zeitschrift f\u00fcr Musik, wieder abgedruckt in<br \/>www.baugeschichte.de\/urmtext.htm<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=375%20%C3%9Cber%20Akademismus%20und%20Dekonstruktion&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biografisches (5) Was bedeutet Verstehen, was Nichtverstehen von Kunst? 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