{"id":3779,"date":"2015-02-12T10:31:44","date_gmt":"2015-02-12T10:31:44","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=3779"},"modified":"2022-11-07T21:06:46","modified_gmt":"2022-11-07T21:06:46","slug":"131-ueber-caesar-1-roemische-lektuere-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=3779&lang=de","title":{"rendered":"131 \u00dcber Caesar (R\u00f6mische Lekt\u00fcre V)"},"content":{"rendered":"<h3>Sexualit\u00e4t \u00a0im antiken Rom<\/h3>\n<p>Ebenso wie viele Herrscher vor und nach ihm war C\u00e4sar ein Machtmensch. Warum, das m\u00f6gen Psychoanalytiker, Psycho-Linguisten und Psycho-Hermeneuten herauszufinden versuchen. Mich interessiert in unserem Zusammenhang mehr sein Umgang mit der Lust. Ich beziehe mich wieder auf die Kaiserbiografien von\u00a0 Sueton*. \u00dcber die Vorbehalte der Geschichtsschreibung gegen\u00fcber, letztlich auch \u00fcber\u00a0<span style=\"font-size: inherit;\">ihren Sinn selbst im Fall von Unwahrheit und Fakes, habe ich mich schon oft genug an dieser Stelle ge\u00e4u\u00dfert.<\/span><\/p>\n<p>Recht nahe kommen wir vielleicht auf diesem Weg jedoch dem Sexualverhalten der R\u00f6mer und k\u00f6nnen es mit unserer Zeit vergleichen.<\/p>\n<p>Ganz der Mode der Zeit entsprechend war Caesar ein Intellektueller, der sich sogar im Bereich der Sprachphilosophie an keinem Geringeren als an <strong>Cicero<\/strong> hat messen wollen, mit dem er zeitlebens in einer Art Hassliebe verbunden war**. Cicero war die \u00fcberragende intellektuelle und politische Kraft der r\u00f6mischen Antike, weil er nach und nach das Werk <strong>Platons<\/strong> ins Lateinische \u00fcbersetzte und so einen intensiven Zugang zur platonischen Philosophie gewann, auch Platons Lehre fast \u00a0zur vorherrschenden Geistesrichtung der Zeit machen konnte.<\/p>\n<p>Ein Ph\u00e4nomen, vergleichbar vielleicht mit der Durchsetzungskraft des marxistischen Denkens im 20.Jahrhundert. Zumal das Werk anderer hellenistischer Philosophen bedeutend weniger umfangreich und umfassend war, im Gegenteil. <strong>Aristoteles<\/strong>, letztlich im Mittelalter ebenso einflussreich \u00a0wie Platon in der Antike,\u00a0 wurde erst eintausend Jahre sp\u00e4ter mit Hilfe der spanischen Araber (Mauren) wieder von den europ\u00e4ischen Philosophen entdeckt. Im antiken Rom war Aristoteles zwar geistiger F\u00fchrer der Schule der Peripathetiker, heute nennt man sie die Naturwissenschaftler. Aber diese Schule war nur eine unter mehreren anderen einflussreichen.<\/p>\n<p>Last but not least \u00fcbernahm und propagierte Cicero auch die implizite und selten nur\u00a0<em>expressis verbis<\/em> ausgesprochene <span style=\"text-decoration: underline;\">Sexuallehre<\/span> Platons. Darunter vor allem die Ablehnung der Knabenliebe, die er jedoch zu seiner Zeit \u00a0gleichwohl (siehe auch Caesars Leben) nicht hat verhindern k\u00f6nnen. Im Gegenteil: In den\u00a0 Atticus-Briefen \u00e4u\u00dfert er sich voller Sorge um seinen pubertierenden Sohn Marcus, den man mittlerweile vor Liebhabern sch\u00fctzen musste, einer geduldeten Mode der Zeit in der Oberschicht.<\/p>\n<p>Literarisch belesen und versiert, war Caesar ebenso wie Cicero \u00a0ein ausgebildeter erfolgreicher Redner \u00a0vor Gericht(Advokat), wie es zu dieser Zeit notwendig war, wenn man politische Karriere machen wollte. Er schrieb sogar noch als Feldherr Gedichte(\u201eDie Reise\u201c, die er in 24 Tagen \u00a0von Rom nach S\u00fcdwestspanien zur\u00fcck gelegt hatte). Seine autobiografischen Schriften \u00fcber den <em>Bellum\u00a0 Gallicum<\/em> plagen oder interessieren heute noch viele Gymnasiasten der Welt. Er versuchte sich an einer <em>Oedipus<\/em>-Trag\u00f6die, und vor seinen Schlachten soll er ausgefeilte und wohl formulierte Reden an die Soldaten gehalten haben. Diese sind dann in Rom sp\u00e4ter publiziert worden. Nicht zuletzt war er auch ein \u00c4sthet: Auf seinen Feldz\u00fcgen soll er immer einen Mosaik-Teppich mit sich gef\u00fchrt und damit sein Feldherrenzelt geschm\u00fcckt haben.<br \/>\nAuch Cicero sch\u00e4tzte und akzeptierte Caesar als politischen wie intellektuellen Gespr\u00e4chspartner und \u00fcberragenden Feldherrn. In den Atticus-Briefen schildert er sehr anschaulich\u00a0 einen Besuch Caesars (\u201eer hat ein Vomitiv genommen\u201c) in seinem Landhaus zusammen mit dem 18j\u00e4hrigen sp\u00e4teren Adoptivsohn und Kaiser\u00a0 <strong>Oktavian<\/strong>-Augustus, mit dem Caesar \u00a0in einem &#8220;unz\u00fcchtigen Verh\u00e4ltnis&#8221; gelebt haben soll. Sueton schreibt dazu in seiner \u201eAugustus\u201c-Biografie (Kapitel 68):<\/p>\n<p>\u201e<em>In seinen jungen Jahren wurde ihm(<\/em>Augustus<em>) vielerlei Schimpfliches nachgesagt. Sextus Pompeius schalt\u00a0 ihn einen weibischen Weichling. Marcus Antonius sagte ihm nach, er habe sich die Adoption seines Onkels Caesar durch Unzucht verdient. Lucius, des Marcus Bruder, er habe seinen zuerst von Caesar genossenen Leib auch dem Aulus Hirtius in Spanien f\u00fcr 300 000 Sestertien preisgegeben und, um das Haar an seinen Schenkeln weicher zu machen, es h\u00e4ufig mit gl\u00fchenden Nuss-Schalen abgesengt\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Obwohl Cicero mit Caesar h\u00e4ufig Kontakt hatte(sie wohnten auch nahe beieinander in Rom) &#8211; als \u00fcberzeugter Republikaner (er stammte nicht aus einem hochadeligen Geschlecht wie Caesar) lehnte er Caesars Griff nach der K\u00f6nigskrone jedoch radikal ab. Er war sogar am Tode des Diktators mit schuldig und bezahlte dann dieses sein Engagement selbst mit dem Tod. Sein Kopf und seine Hand wurden von <strong>Marcus Antonius<\/strong>, einem der Caesar- R\u00e4cher im nachfolgenden B\u00fcrgerkrieg, auf dem Kapitol ausgestellt. Eben dieser Antonius, der sich ebenso wie Caesar \u00a0in die sch\u00f6ne \u00e4gyptische K\u00f6nigin <strong>Kleopatra<\/strong> verliebt hatte, wurde dann schlie\u00dflich von <strong>Oktavian<\/strong>, einem f\u00fchrenden Mitstreiter der Caesar-R\u00e4cher, besiegt und get\u00f6tet. Wie \u00fcberhaupt der junge Oktavian, so tapfer und erfolgreich er auch unter Caesar in dessen Kriegen war, als junger Herrscher im Umgang mit Todesurteilen sich wenig zimperlich zeigte.<\/p>\n<p>Trotz seines sehr promiskuitiven Lebenswandels war Caesar dreimal verheiratet. Pro forma und der Zeit entsprechend verlobte man ihn schon als 14j\u00e4hrigen Knaben mit der 12j\u00e4hrigen Cossutia, die er aber als 17j\u00e4hriger wegen seiner neuen Geliebten Cornelia verstie\u00df und diese, sehr zum \u00c4rger von <strong>Sulla<\/strong>, dem autorit\u00e4ren Alleinherrscher der Zeit, heiratete. Daraufhin musste er aus Rom fliehen. Mit Cornelia hatte er eine Tochter Julia. Seine zweite Frau Pompeia verstie\u00df Caesar nach vierj\u00e4hriger Ehe(so wird formuliert), weil sie ein Verh\u00e4ltnis mit einem politischen Rivalen hatte (Clodius). Angeblich hatte sich dieser in Frauenkleidern als Musikantin in ein nur den Frauen vorbehaltenes religi\u00f6ses Fest eingeschlichen (\u201eBona Dea\u201c), woraufhin er auch noch des Religionsfrevels angeklagt wurde. Caesars dritte Frau Calpurnia \u00fcberlebte ihren Ehemann kurz. Mit <strong>Kleopatra<\/strong>, seiner Geliebten in Alexandria und sp\u00e4ter auch in Rom, hatte er den Sohn <strong>Caesarion<\/strong>. \u00a0Oktavian, seinen Neffen, fr\u00fcheren Geliebten und Kampfgef\u00e4hrten, machte er schlie\u00dflich per Adoption zu seinem Nachfolger und Erben.<\/p>\n<p>Recht viele Details \u00fcber Caesars Liebesleben sind in Suetons Kaiserbiografie aufgezeichnet:<\/p>\n<p><em>\u00a0\u201eDass er der Liebeslust ergeben gewesen und f\u00fcr sie viel Geld verschwendet habe, ist die allgemeine Meinung sowie auch, dass er sehr viele Frauen vornehmer Geburt verf\u00fchrt habe\u201c <\/em>(Sueton \u201eCaesar\u201c Kap.50).<\/p>\n<p>Obwohl es pro forma eine Pflicht zur ehelichen Treue gab (insbesondere in der stoischen Philosophie und Moral), geh\u00f6rte es anscheinend doch auch zu den Alleinstellungsmerkmalen des beg\u00fcterten Mannes der Oberschicht im antiken Rom (\u201eWann ist denn Mann ein Mann\u201c), dass dieser nicht nur Sexualkontakte zu M\u00e4nnern, sondern auch ehebrecherische Verh\u00e4ltnisse zu Frauen aufweisen musste. So listet Sueton zahlreiche F\u00e4lle nicht nur bei C\u00e4sar auf, insbesondere wenn es sich um politische Gegner handelte, denen man die Frau ausspannen wollte und konnte. Wenn auch nur vor\u00fcbergehend.<\/p>\n<p>Publiziert hat Sueton auch einen Disput zwischen Cicero und Caesar im Senat, wo Cicero auf Caesars sexuelle Beziehung als junger Mann mit dem bithynischen K\u00f6nig <strong>Nikomedes<\/strong> anspielt (heute nord\u00f6stliche T\u00fcrkei). Um sich bei ihren Liebhabern begehrenswert zu machen, traten die jungen M\u00e4nner in lasziver Kleidung allgemein als Mundschenk (Weinausgie\u00dfer) bei Gastm\u00e4hlern auf. So auch C\u00e4sar beim bithynischen K\u00f6nig, dem er zeit seines Lebens verbunden blieb und was ihm fortan in der r\u00f6mischen Politik immer wieder sp\u00f6ttisch vorgehalten wurde (49).<\/p>\n<p>Noch im Senat, heute w\u00fcrden wir sagen im Oberhaus, wird Caesar \u00a0\u2013 er ist jetzt Konsul des gro\u00dfen Reiches &#8211; von politischen Gegnern \u201edie Maitresse des K\u00f6nigs\u201c, \u201edie Innenseite des K\u00f6nigslagers\u201c, die \u201ebithynische K\u00f6nigin, dem ehemals ein K\u00f6nig am Herzen gelegen, jetzt die K\u00f6nigsherrschaft\u201c benannt. Seine positive Einstellung zur Familie des bithynischen K\u00f6nigs Nikomedes wird deshalb von Cicero bissig mit \u201eLass es gut sein. Wir wissen, was er dir und was du ihm geboten hast\u201c kommentiert.<\/p>\n<p>Nicht nur im Senat, auch in der \u00d6ffentlichkeit musste Caesar einiges wegstecken. Triumphzugs-Lieder seiner Soldaten schildern ihren Feldherrn als \u201eMann f\u00fcr jede Frau und \u00a0Frau f\u00fcr jeden Mann\u201c, seine Knaben-Beziehung mit Nikomedes wird ihm von den Soldaten auch in anderen Liedern durchaus ambivalent vorgehalten, auch wenn ihn das scheinbar kaum ber\u00fchrte, sondern eher nur belustigte. Er hatte einen Freigelassenen, das hei\u00dft auch einen bevorzugten und besonders gesch\u00e4tzten Lieblings-Sklaven, den er sogar wegen Ehebruch spontan und \u00a0\u00fcbertrieben hart mit dem Tode bestrafte \u2013 wohl aus Eifersucht. Sexueller Missbrauch von Sklaven beiderlei Geschlechts war allgemein akzeptiert &#8211; Slaven waren juristisch gesehen nur Dinge, reine Objekte, die benutzt und &#8220;gebraucht&#8221; werden konnten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">*<\/h3>\n<p>Aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; es gibt in Suetons Kaiserbiografien zwei merkw\u00fcrdige Beobachtungen \u00fcber Caesar, Beobachtungen, die die Nachwelt einer \u00dcberlieferung f\u00fcr w\u00fcrdig \u00a0gehalten hat. Es\u00a0sind immerhin bei der Zusammenstellung von Suetons Geschichtsbuch bereits mehr als einhundert Jahre in Rom seit Caesars Tod vergangen.<\/p>\n<p>Mit dieser Bemerkung \u00fcber Caesar als 18j\u00e4hrigen jungen und privilegierten Hocharistokraten auf der ersten Seite beginnt Suetons Biografie:<br \/>\n<em>\u201eDie ersten Kriegsdienste\u00a0leistete Caesar in Asien (<\/em>heute T\u00fcrkei<em>) im Hauptquartier des Pr\u00e4tors Marcus Thermus. Von diesem wurde er, um die Flotte herbei zu holen, nach Bithynien entsendet und er verweilte dort lange beim K\u00f6nig Nikomedes. Es hie\u00df, er habe dem Nikomedes seine Keuschheit preis gegeben. Und was diesem Ger\u00fccht neue Nahrung gab, war der Umstand, dass er innerhalb weniger Tage wieder unter einem Vorwand \u00a0nach Bithynien zur\u00fcck ging&#8221;.(2)<\/em><\/p>\n<p>Richtig vorgehalten wird Caesar diese Tatsache immer wieder. Noch viele Jahre sp\u00e4ter hei\u00dft es dann in einer politischen Auseinandersetzung \u00fcber den mittlerweile m\u00e4chtigen Konsul \u00a0im Senat<em>:<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0&#8220;Als ihn jemand verspottete, es werde f\u00fcr ein Weib(<\/em>also Caesar<em>) keine leichte Sache sein, all das zu erreichen, was man begehre, antwortete Caesar, auf den Witz eingehend, auch in Syrien habe eine Semiramis geherrscht, und ein gro\u00dfer Teil Asiens sei einst den Amazonen unterworfen gewesen&#8221;.(22.2)<\/em><\/p>\n<p>Ruhmreich als Feldherr und Geliebter &#8211; doch nicht nur die Knabenliebe, sondern auch die K\u00f6nigsw\u00fcrde scheinen Caesar sein Leben lang nachhaltig als positive Erfahrung begleitet zu haben, die ihm schlie\u00dflich auch den gewaltsamen Tod gebracht hat.<\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em>Eine weitere seltsame Beobachtung steht am Ende der Beschreibung von C\u00e4sars Leben. In der Minute seines Todes hat Caesar noch z\u00fcchtig seine Nacktheit verbergen wollen. Fast wie bei einem religi\u00f6sen Ritual im Tempel am Altar bedeckt er als Oberpriester sein Haupt (er ist auch Pontifex Maximus, h\u00f6chster Priester des Staates). Gleichzeitig zieht er sein Unterkleid nach unten, um beim Aufprall auf die Erde sich keine Bl\u00f6\u00dfe zu geben, und geht so in die Unterwelt zu den G\u00f6ttern hinab:<\/p>\n<p><em>\u00a0\u201eHoch aufgerichtet stand er da. Mit gez\u00fcckten Dolchen drangen sie von allen Seiten auf ihn ein. Wie er das nun sah, verh\u00fcllte er mit der Toga das Haupt und zog zugleich mit der linken Hand den Faltenbausch bis zu den Kn\u00f6cheln nieder, um mit anst\u00e4ndig bedecktem Unterleib zu fallen. Und in dieser Haltung wurde er mit dreiundzwanzig Streichen tot niedergestreckt\u201c<\/em>.(82)<\/p>\n<p>Ein seltsamer Gegensatz: Zu Beginn der Biografie der junge Caesar als lasziver Mundschenk und Weinausgie\u00dfer inmitten anderer Lustknaben des bithynischen K\u00f6nigs, in der Oberschicht oft die Vorstufe zu einer beginnenden Beziehung zwischen Liebhaber und jungem Liebling. Jetzt ein 56j\u00e4hriger, der sittsam-z\u00fcchtig seine Bl\u00f6\u00dfe im Angesicht des Todes zu verbergen sucht und den Hades betreten wird. &#8211;<\/p>\n<p>Rubicon hei\u00dft der italienische Fluss bei Rimini,\u00a0wo Caesar sich entschieden hatte, alles auf eine Karte zu setzen(\u201e<em>Alea jacta est\u201c)<\/em> und im B\u00fcrgerkrieg gegen Rom zu marschieren &#8211; \u00a0mit Erfolg. Er wurde schlie\u00dflich ein Alleinherrscher. Mit der Bezeichnung \u201eDiktator\u201c hat er einen Unterschied zur altgriechischen Tyrannis deutlich werden lassen.<\/p>\n<p>Doch als er schlie\u00dflich nach der K\u00f6nigskrone greifen wollte (was noch gar nicht sicher belegt werden kann), ist er von Mitgliedern des aristokratischen Oberhauses und mit geistiger Vorarbeit wie Unterst\u00fctzung Ciceros \u00a0an den &#8220;Iden des M\u00e4rz&#8221; get\u00f6tet worden. &#8211; <em>\u201eVeni, vidi, vici\u201c<\/em> ist ein anderes Zitat von Caesar, das die Zeiten \u00fcberdauert hat. Es spielt auf dessen fulminante Kunst als Feldherr an, der dank einer geschickten und umsichtigen Strategie fast alle seine Schlachten gewonnen hat.<\/p>\n<p>Noch ein weiterer Satz ist weltber\u00fchmt geworden. In seiner Todesminute soll Caesar auf Griechisch geseufzt haben: \u201eAuch du, mein Sohn Brutus\u201c. Brutus, genauer Marcus Brutus, war ein angeblich unehelicher Sohn C\u00e4sars. Er hatte sich der Verschw\u00f6rergruppe von 20 M\u00e4nnern angeschlossen und war das Kind der von Caesar lange angebeteten und mit Geschenken \u00fcberh\u00e4uften Servilia, der Frau des Cornelius.<\/p>\n<p>Auch im antiken Rom war Ehebruch unter R\u00f6mern mit B\u00fcrgerrecht ein dauerndes Problem und wurde von Fall zu Fall mehr oder weniger hart bestraft. Ehebruch der Frauen gab es auch und wurde gleichwohl strenger geahndet. Beim Aufwachsen der Kinder wurde deshalb sorgf\u00e4ltig darauf geachtet, dass das Kind dem Vater oder der Mutter glich, sonst w\u00e4re es ja offensichtlich unehelich gezeugt und von wem auch immer. Wom\u00f6glich noch von einem im Haus angestellten Sklaven.<\/p>\n<p>Schon zu Lebzeiten war Caesar ein Mythos. Er hat ein wildes und heftiges Leben gef\u00fchrt, das aus einem jungen, gebildeten Advokaten und erfolgreichen Feldherrn schlie\u00dflich einen altersmilden und beliebten Diktator hat werden lassen, den nur ein Attentat vom K\u00f6nigsthron hat abhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sehr fr\u00fch, mit siebzehn Jahren, vom Staatschef zu einem der h\u00f6chsten Priester Roms bestimmt, dem Jupiter-Priester, gibt er eine gro\u00dfe Politiker-Karriere auf wegen seiner geliebten Cornelia. Er muss aus Rom fliehen, wechselt Verstecke, besticht die Halter der auf ihn ausgesendeten Sp\u00fcrhunde. Nach <strong>Sullas<\/strong> Tod wird er begnadigt und kehrt nach Rom zur\u00fcck, macht eine \u00fcbliche und notwendige Ausbildung als Milit\u00e4r, die ihn auch an den bithynischen Hof mit seiner ganzen verf\u00fchrerischen Pracht bringt***.<\/p>\n<p>Er h\u00e4lt sich l\u00e4ngere Zeit mit Rhetorik-und Philosophie-Studien auf der griechischsprachigen Insel Rhodos abseits des Weltgeschehens auf, mischt sich schlie\u00dflich doch in den B\u00fcrgerkrieg ein, besiegt seine Mitstreiter. Wird Alleinherrscher, hat eine l\u00e4ngere Liaison mit der \u00e4gyptischen K\u00f6nigin Kleopatra, mit der er einen Sohn <strong>Caesarion<\/strong> zeugt, der gleichwohl sp\u00e4ter in Rom nicht anerkannt und von Oktavian 17j\u00e4hrig sogar skrupellos hingerichtet wird. Kleopatra hatte ihrem Sohn noch vor ihrem Freitod im von Oktavian besetzten Alexandria empfohlen, nach Indien zu fliehen.<\/p>\n<p>Letztlich wird Caesar dann doch, als man ihn zum K\u00f6nig machen will (siehe seine verf\u00fchrerischen Vorbilder in Bithynien, in \u00c4gypten) von \u00fcberzeugten Anti-Monarchisten und Republikanern ermordet. Vergeblich \u2013 sein Adoptivsohn Oktavian wird den nachfolgenden B\u00fcrgerkrieg \u00a0gewinnen, ihn r\u00e4chen und fortan eine Kaiser-Monarchie begr\u00fcnden, die in Rom noch 400 \u00a0Jahre lang andauern wird. Wenn man Ost-Rom, also Konstantinopel (sp\u00e4ter Istanbul) \u00a0dazu z\u00e4hlt, wird diese wieder griechisch sprechende Herrscher-Dynastie sogar noch fast 1500 Jahre bestehen bleiben. Mit ihrem Untergang 1453 begann das Zeitalter der Renaissance.<\/p>\n<p>Auch Caesars Name ist unsterblich geworden. Er reformierte den Kalender und f\u00fcgte seinen Vornamen bei (Julius, sp\u00e4ter auch noch Augustus). Nach seinem Namen nannten sich viele der sp\u00e4teren Herrscher \u00a0 \u201eZar\u201c oder\u201eKaiser\u201c. Die gro\u00dfe Problematik seines Lebens als Literat, Advokat, Politiker, Gewaltherrscher und Liebhaber hat Shakespeare mit seiner Trag\u00f6die \u201eJulius Caesar\u201c unsterblich gemacht.<\/p>\n<hr \/>\n<hr \/>\n<p>*Sueton, &#8220;12 Kaiserbiografien&#8221; (Aufbau-Verlag 1985)<\/p>\n<p>**Caesar, \u201e\u00dcber Analogie\u201c &#8211; Vgl. auch meinen Blogbeitrag Nr. 32 mit dem Brief Caesars an Cicero f\u00fcnf Jahre vor seinem Tod.<\/p>\n<p>***Auch der Dichter <strong>Catull<\/strong> ist diesen Weg gegangen. Er hat sich in seinen Gedichten mit Caesar angelegt, ist aber von diesem gro\u00dfm\u00fctig begnadigt und dann sogar zum Gastmahl eingeladen worden(ohne gleichwohl hingegangen zu sein).<\/p>\n<p><strong>Teil 2<\/strong>: Vergleich mit der Gegenwart (\u00dcber Liebe und Lust)<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=131%20%C3%9Cber%20Caesar%20%28R%C3%B6mische%20Lekt%C3%BCre%20V%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexualit\u00e4t \u00a0im antiken Rom Ebenso wie viele Herrscher vor und nach ihm war C\u00e4sar ein Machtmensch. Warum, das m\u00f6gen Psychoanalytiker, Psycho-Linguisten und Psycho-Hermeneuten herauszufinden versuchen. Mich interessiert in unserem Zusammenhang mehr sein Umgang mit der Lust. Ich beziehe mich wieder auf die Kaiserbiografien von\u00a0 Sueton*. \u00dcber die Vorbehalte der Geschichtsschreibung gegen\u00fcber, letztlich auch \u00fcber\u00a0ihren Sinn selbst im Fall von Unwahrheit&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[468,486,478],"tags":[836,838,840,746,842,844,846,848,522,850,852],"class_list":["post-3779","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte-de","category-politik-de","category-soziologiegender","tag-augustus-de","tag-bithynien-de","tag-caesarion-de","tag-cicero-de","tag-kleopatra-de","tag-knabenliebe-de","tag-nikomedes-de","tag-oktavian-de","tag-platon-de","tag-sexualverhalten-de","tag-sulla-de"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4WFkG-YX","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3779"}],"collection":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3779"}],"version-history":[{"count":48,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12456,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3779\/revisions\/12456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}