{"id":4103,"date":"2015-04-14T07:28:47","date_gmt":"2015-04-14T07:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=4103"},"modified":"2016-03-30T19:52:36","modified_gmt":"2016-03-30T19:52:36","slug":"152-lukian-3-hedonismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=4103&lang=de","title":{"rendered":"152 Lukian 3 (Hedonismus)"},"content":{"rendered":"<h3>\u00dcber die Lust<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind im Jahre 400 v.Chr. auf dem Sklavenmarkt von Athen. Merkur, der Gott des Handels und des Geldes, versteigert alle bedeutenden Philosophen der Stadt, die hoch angesehenen Erfinder von Lebensformen und gegens\u00e4tzlichen philosophischen Systemen.<\/p>\n<p>Ein Dialog entwickelt sich um die Philosophie der Lust, um den <strong>Hedonismus<\/strong>. Man nennt diese Lehre auch <span style=\"text-decoration: underline;\">Kyrenaismus<\/span> nach ihrem Begr\u00fcnder <strong>Aristipp von Kyrene<\/strong>. Dieser war ein Mit-Student von Platon im Kreis um Sokrates als Mentor und Lehrer. Aristipp war der erste, der \u00a0von seinen Sch\u00fclern (&#8220;J\u00fcnger&#8221;) sp\u00e4ter ein Honorar verlangte und erhielt.<\/p>\n<p>Folgendes Gespr\u00e4ch entwickelt sich zwischen K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer:<\/p>\n<p><em>Jupiter: Rufe nun den Kyren\u00e4er dort im Purpurkleid und mit dem Kranz um die Stirne her.<\/em><\/p>\n<p><em>Merkur( der Verk\u00e4ufer): Nun, ihr Herren allerseits, gebt wohl acht! Das ist ein kostbares St\u00fcck, das nur reiche Leute kaufen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer hat Lust, sich das angenehmste, lustvollste, das gl\u00fcckseligste Leben zu verschaffen? Wer ist Liebhaber von \u00dcppigkeit und Lust? Wer kauft mir diesen Weichling ab?<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00e4ufer: Komm n\u00e4her, du, und sage, was du kannst. Ich m\u00f6chte dich wohl kaufen, wenn du zu etwas n\u00fctze bist.<\/em><\/p>\n<p><em>Merkur: Beunruhige ihn nicht mit Fragen, wenn ich bitten darf. Du siehst ja, dass er dir mit dieser schweren Zunge nicht wohl antworten k\u00f6nnte; er ist betrunken.<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00e4ufer: Aber welcher vern\u00fcnftige Mensch wird einen so liederlichen und nicht enthaltsamen Sklaven kaufen wollen? Nach wie vielen Riechwassern er stinkt! Wie er daher \u00a0kommt und keinen festen Tritt hat! \u2013 Und was soll dann an ihm gut sein, Merkur? Was ist seine Sache?<\/em><\/p>\n<p><em>Merkur: Er ist \u00a0ein trefflicher Gesellschafter und Party-L\u00f6we, ein gro\u00dfer Weinkenner. Bei einem Gelage eines jungen Taugenichts mit einer Dirne den dritten Mann zu spielen, das macht ihm so leicht keiner nach.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcberdies versteht er sich sehr gut auf&#8217;s Kuchen<\/em><em>backen und er ist einer der geschicktesten K\u00f6che, die man finden kann. Mit einem Wort, ich kenne ihn als einen der ausgelernten Meister in der Kunst, jede Art von Lust zu verfeinern!\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Seine Lehrjahre brachte er in Athen zu. Darauf trat er in die Dienste gewisser sizilianischer F\u00fcrsten und stand in au\u00dferordentlichen Gnaden bei ihnen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbrigens kann ich dir mit drei Worten sagen, worauf seine Philosophie hinaus l\u00e4uft. Sie besteht darin: alles zu persiflieren, sich in alles schicken zu k\u00f6nnen und \u00fcberall das Angenehme herauszufinden.<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00e4ufer: Da wirst du dich um einen anderen K\u00e4ufer umsehen m\u00fcssen, der das Geld wegzuwerfen hat. Ich bin nicht reich genug einen so lockeren Vogel zu erstehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Merkur zu Jupiter: Der scheint nicht verk\u00e4uflich zu sein, Jupiter, er wird wohl noch eine Zeit lang hier bleiben m\u00fcssen.(1)<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">*<\/h3>\n<p>Hedonisten &#8211; sie sind auch bei uns mittlerweile zu einer gro\u00dfen Gemeinde angewachsen &#8211; zeichnen sich also durch folgende Eigenschaften aus: Sie lieben ein sch\u00f6nes Aussehen mit besonderer und wertvoller Kleidung sowie jede Art von Schmuck und Parfum. Sie sind nicht stark, &#8220;m\u00e4nnlich&#8221;, kr\u00e4ftig, pflichtbewusst, sondern \u00a0eher &#8220;Weichlinge&#8221; \u2013 Weinkenner, Kochen und Backen, Sex. Also f\u00fcr den so \u00fcberaus wichtigen Staats-und Milit\u00e4rdienst in Athen und Rom alles andere als geeignet. Das hei\u00dft, eine politische Karriere war nicht eingeplant oder absehbar.<\/p>\n<p>\u00dcber die sexuelle Freiz\u00fcgigkeit der Hedonisten im alten Rom habe ich bereits oft genug geschrieben. Nur scheint mir die Gegenwart mit ihrer Kunst, \u201edie Lust zu verfeinern\u201c, die Vergangenheit bereits deutlich \u00fcberholt zu haben, ohne mich wieder weiter dar\u00fcber ausbreiten zu wollen.<\/p>\n<p>Gegen Ende fasst Lukian (er hat diese Geschichte etwa 180 n.Chr. geschrieben) drei Hauptmerkmale des Hedonisten zusammen, die wohl eine \u00fcberzeitliche G\u00fcltigkeit besitzen: a) die Neigung zur Persiflage, zu Spott, Humor und Ironie. In den amerikanischen TV-Serien kippt alles fast nur noch in den Zynismus und schwarzen Humor um, der in der Antike ziemlich unbekannt war.<\/p>\n<p>b) Die Gen\u00fcgsamkeit, sich \u201ein alles schicken zu k\u00f6nnen\u201c(2), und schlie\u00dflich c) das heutzutage aus Amerika kommende &#8220;positive thinking\u201c(positives Denken), &#8220;\u00fcberall das Angenehme herausfinden\u201c zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn das keine sinnvollen Leitspr\u00fcche und Wegweiser f\u00fcr die Gegenwart sind, einen Lebensweg zum Gl\u00fccklichsein einzuschlagen!<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Lukian, Der Verkauf der philosophischen Schulen a.a.O. S.217f<\/p>\n<p>2 Eine r\u00f6mische Lebensweisheit, aus der Stoa kommend, lautet: <em>\u00dcber das Unab\u00e4nderliche soll man sich keine Gedanken machen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=152%20Lukian%203%20%28Hedonismus%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Lust &nbsp; Wir sind im Jahre 400 v.Chr. auf dem Sklavenmarkt von Athen. 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