{"id":4417,"date":"2015-07-29T09:15:18","date_gmt":"2015-07-29T09:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=4417"},"modified":"2018-01-23T18:46:38","modified_gmt":"2018-01-23T18:46:38","slug":"164-vom-toeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=4417&lang=de","title":{"rendered":"164 Vom T\u00f6ten"},"content":{"rendered":"<h3>Tacitus 6<\/h3>\n<p>In meiner Tacitus Lekt\u00fcre gibt es eine Stelle, die mir in denkw\u00fcrdiger Erinnerung geblieben ist. Kaiser Tiberius zieht sich zu einem Gebet, zu einem Opferritual zur\u00fcck. Seine Gattin, die Kaiserin Agrippina, folgt ihm und spricht ihn vorwurfsvoll und mit voller Berechtigung an: &#8220;<em>W\u00e4hrend du schlachtest, Tiberius, sinnest du bereits auf meinen Tod&#8221;.<\/em><\/p>\n<p>Zwei Aspekte sind in diesem Satz bemerkenswert: Einmal der religi\u00f6se, das Ritual, der Gottesdienst als ein &#8220;<em>Schlachten<\/em>&#8220;. Zum anderen die allt\u00e4gliche Grausamkeit und Gewalt, die das ganze r\u00f6mische Reich in einem \u00fcbergro\u00dfen Ausma\u00df gepackt hatte und jetzt gleich zweifach deutlich wird: im T\u00f6ten eines Menschen, im Schlachten eines Tierk\u00f6rpers.(Agrippina hat in Gegensatz zu Tiberius \u00fcberlebt, ist aber einige Jahre sp\u00e4ter von ihrem Sohn Nero umgebracht worden).<\/p>\n<p>Gottesdienste, in der Antike &#8220;<span style=\"text-decoration: underline;\">Opfer<\/span>&#8221; genannt, bestimmten den Alltag der Menschen. Immer wieder wurden zu allen m\u00f6glichen G\u00f6ttern im Haus, in der Stadt, in der \u00d6ffentlichkeit, in der Natur Gebete gebracht. In der einfachsten Form erfolgten diese Opfer-Rituale mit Steinen, Wasser, Blumen. Bis hin jedoch zu \u00a0gr\u00f6\u00dferen und kostspieligeren Opfern mit Tieren wie Ochsen, Schafen, K\u00e4lbern, die dann auch teilweise verspeist werden durften in Gruppen (\u201eOpfermahl\u201c).<\/p>\n<p>Dieses G\u00f6tterwesen hat sich dann fortgesetzt im Christentum mit seinen unz\u00e4hligen Heiligen, Engeln, D\u00e4monen, die fast schon so zahlreich sich entwickeln konnten wie im Hinduismus und insbesondere Luther ein Dorn im Auge waren.<\/p>\n<p>Aber auch das Opfern hat sich im christlichen Gottesdienst fortgesetzt, wenn auch in einer mehr vergeistigten symbolischen Form, indem bis auf den heutigen Tag der Leib und das Blut Christi geopfert wird und sogar gegessen werden kann. Dies wiederum sehr zum Befremden anderer Religionen, etwa mancher Buddhisten, die sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass man einen Gott verspeist.<\/p>\n<p>Mit Schlachten verbindet man \u00a0Blut, Schreie, Tod und anderes Unangenehme. Zumindest heute. Ich selber habe noch nicht viele Schlachtereien, Schlachtungen (oder wie man sich ausdr\u00fccken soll) erleben m\u00fcssen. Diejenigen, die ich erleben musste, haben mir gereicht. Fast auch die Freude am Fleischgenuss verdorben. Sodass ich bis auf den heutigen Tag keine Tiere t\u00f6ten kann.<\/p>\n<p>Man sieht aber daraus, wie allt\u00e4glich Blutvergie\u00dfen und Tod im antiken Leben war. Es gab anscheinend nur wenig Gef\u00e4ngnisse au\u00dfer den Kerkerzellen, die zur Hinrichtung eingerichtet waren. Tiberius soll auf dem H\u00f6hepunkt seiner Grausamkeit willk\u00fcrlich bis zu zwanzig Personen t\u00e4glich hingerichtet haben.<\/p>\n<p>An Strafen gab es in der Privatjustiz der Familien(-Clan-)Chefs und Herrscher \u00fcber alle Sklaven (das konnten bis zu 400 in einer gro\u00dfen Familie sein) neben Geldstrafen auch K\u00f6rperstrafen wie Auspeitschung oder Gei\u00dfelung. In der Staatsjustiz gab es \u00a0die Verbannung mit oder ohne Beschlagnahme des Verm\u00f6gens, das dann an den Kaiser ging.<\/p>\n<p>Ansonsten waren Hinrichtungen, meistens \u00f6ffentliche Enthauptungen, an der Tagesordnung. F\u00fcr die niederen Schichten gab es Kreuzigungen, aber auch noch qualvollere Hinrichtungsarten im Zirkus bei Tierhetzen oder durch die Gladiatoren. Ein Gerichtsprozess war nur f\u00fcr die Oberschicht vorgesehen, die r\u00f6misches B\u00fcrgerrecht hatte, also nur f\u00fcr relativ wenige B\u00fcrger des Weltreiches. Letzte Instanz eines solchen Prozesses war meistens der Kaiser oder sein Stellvertreter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Leistung der fr\u00fchen Antike und der Zeit Platons war die Entwicklung der Schrift, der Abstraktion, der Vergeistigung. Damit auch des diskursiven Sprechens, Verhandelns, der Vertr\u00e4ge und Gesetze, wie ein Staat gut gebaut und regiert werden k\u00f6nnte, wie ein gl\u00fcckliches Leben aussieht und \u00fcber Verantwortung wie Pflichten des Staatsb\u00fcrgers in der Polis.<\/p>\n<p>Neben einem gesunden, kr\u00e4ftigen und tapferen K\u00f6rper f\u00fcr den Kriegsdienst war der an der Lekt\u00fcre der Vorfahren, insbesondere Homers und der fr\u00fchen Philosophen geschulte Geist das wichtigste Bildungsziel f\u00fcr die Jugend. Dazu geh\u00f6rte auch die Kunst in Form von literarischen Texten und Theaterst\u00fccken oder auch Gedichte und Briefe. <span style=\"text-decoration: underline;\">Unsterblichkeit<\/span>, also ewiger Ruhm, eine eher kriegerische Auszeichnung, war mit das h\u00f6chste ethische Ziel sowie Sinn und Zweck des Lebens. Es war nur zu erreichen durch Nachkommenschaft mit Kindern (eine lange Genealogie, die wie bei Caesar bis zu den unsterblichen G\u00f6ttern zur\u00fcck ging, wurde sehr gesch\u00e4tzt) oder gedruckte Werke. An eine Auferstehung glaubte man nicht.<\/p>\n<p>Die zweite gro\u00dfe Leistung der Antike war die Domestizierung der menschlichen Aggressivit\u00e4t, auch Sexualit\u00e4t. Beides setze ich gerne zusammen. In rudiment\u00e4ren und atavistischen Formen (&#8220;Perversion&#8221;) gibt es diese Gleichsetzung sogar noch bis heute.<\/p>\n<p>Unsere jetzige Einstellung gegen Krieg und Gewalt, also die (vergeblich) propagierte Ablehnung, geht jedoch nicht auf die antiken Philosophen, sondern auf das <strong>Christentum<\/strong> zur\u00fcck, das sich gerade in einer Zeit heftigster Grausamkeit und Gewalt gebildet hat, ja als <strong>Isosthenie<\/strong> zwangsl\u00e4ufig hat bilden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Leistung Roms war der Auf- und Ausbau des Rechts- und, wenn man so will, auch des Milit\u00e4rwesens. Die Gewalt der Waffen und die St\u00e4rke der Gesetze, an denen immer wieder weiter gebaut wurde und die sogar bis in die Gegenwart im abendl\u00e4ndischen Rechtswesen zu finden sind, haben dieses \u00fcbergro\u00dfe Weltreich so lange Zeit zusammen gehalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es folgen jetzt einige Zitate diesmal aus den &#8220;Historien&#8221; des Tacitus*, welche die unvorstellbare Grausamkeit der Zeit und die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der man mit dem Tod umging, dokumentieren sollen (Vgl. auch eine eher \u00fcberzeichnete Kriegsbeschreibung des Dichters <strong>Juvenal <\/strong>auf der Blogseite 125)<\/p>\n<p>Die Beispiele stammen aus dem <span style=\"text-decoration: underline;\">Vierkaiserjahr 69<\/span>, als nach dem Tode\u00a0<strong>Neros <\/strong>ein erbitterter B\u00fcrgerkrieg unter den Milit\u00e4rs ausgebrochen war.\u00a0Man wei\u00df nicht, wer in der Lekt\u00fcre von Tacitus mehr angeklagt wird: das von Habgier und Blutrausch entfesselte Volk (<em>P\u00f6bel<\/em>), das wie in einem permanenten Zirkusspiel au\u00dfer sich geraten ist, oder die milit\u00e4rischen B\u00fcrgerkriegsparteien, die keine Gnade kennen.<\/p>\n<p>Eine Legion hatte bis zu 15 000 Soldaten. In den Krieg zu ziehen war eine Ehre und Staatsb\u00fcrgerpflicht. Nur R\u00f6mer mit B\u00fcrgerrecht waren dazu berechtigt, Sklaven war der Kriegsdienst verboten bis auf wenige Ausnahmen. Man verpflichtete sich auch freiwillig auf zehn Jahre, durfte nicht heiraten (aber massenhaft morden und vergewaltigen) und bekam zus\u00e4tzlich zur Kriegsbeute noch Geld oder Landbesitz als Belohnung zugeteilt.<\/p>\n<p>Dazu kamen noch einmal bis zu 15\u00a0000 Mann Hilfstruppen befreundeter V\u00f6lker. Dann ein gro\u00dfer Verpflegungs- und Vergn\u00fcgungstross mit Wagen, Hilfsarbeitern, Verwaltung, Verpflegung, Vergn\u00fcgen (\u201eMarketenderinnen\u201c), der noch einmal zahlreiche \u00a0Menschen z\u00e4hlte. Ein solch riesiger Lindwurm, der gut bis zu 40 000 Personen umfassen konnte, w\u00e4lzte sich also durch die Lande, wurde gen\u00e4hrt, was die Erde und die Bev\u00f6lkerung hergab, baute schlie\u00dflich ein Lager, also eine Kleinstadt auf (auch als Winterquartier) und wartete auf das Zeichen zur Schlacht.<\/p>\n<p>Im Nahkampf wurde dann mit Lanze und Schwert alles nieder gemetzelt. Auf dem Schlachtfeld blieben Tausende von Leichen wochenlang zur\u00fcck, verst\u00fcmmelt, zerfetzt, zerrissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*Tacitus, &#8220;Historien&#8221; a.a.O.S.171f und 229f<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">*<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind im Vierkaiserjahr 69. Nach Neros Suizid ist ein erbitterter Kampf um den Kaiserthron in Rom unter den vier Warlords, also Oberbefehlshabern der gr\u00f6\u00dften Legionen des Reiches entstanden: <strong>Galba<\/strong> in Spanien wird alsbald besiegt und get\u00f6tet. Der Kampf zwischen <strong>Vitellius<\/strong> von der Legion aus dem germanischen Grenzgebiet und <strong>Otho <\/strong>in Oberitalien zog sich etliche Wochen hin und machte \u00a0ganz Nord-Italien zu einem noch nie dagewesenen Schlachtfeld. Selbst in Rom tobte der Kampf, den schlie\u00dflich Vitellius nach Othos Freitod gewann. Aber auch er blieb nur kurz auf dem Kaiser-Thron und wurde schlie\u00dflich von <b>Vespasian<\/b>\u00a0abgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Eine Legion des <strong>Vitellius<\/strong> hat gerade eine Schlacht gegen die Anh\u00e4nger <strong>Othos<\/strong> in Oberitalien gewonnen und der siegreiche General und Oberbefehlshaber besucht noch einmal das Schlachtfeld:<br \/>\n<em>Von da wandte sich Vitellius nach <strong>Cremona<\/strong>. Es verlangte ihn, doch auch die Felder von <strong>Bedriacum<\/strong> zu betreten und die Spuren des neulichen Sieges mit eigenen Augen zu besichtigen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ein scheu\u00dflicher und grauenhafter Anblick. Vierzig Tage nach der Schlacht lagen zerfleischte Leiber, abgehauene Glieder, faulende Menschen-und Pferdeleichen da, der Boden war mit dem Moder der Verwesung geschw\u00e4ngert, B\u00e4ume mit Obst waren umgehauen: eine furchtbare W\u00fcste.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Feldherren <strong>Valens<\/strong> und <strong>Caecina<\/strong> waren zugegen und zeigten die Punkte des Kampfes. Wie von hier der Legionen Zug hereingebrochen, von dort die Reiter sich in Bewegung gesetzt, von jener Seite der Hilfsvolk Scharen sich herum gezogen.\u00a0Dazu prahlten die Tribune und Pr\u00e4fekten mit ihren Taten und mengten Falsches, Wahres und \u00dcbertriebenes durcheinander.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Auch die einfachen Soldaten bogen mit Geschrei und Jubel von der Stra\u00dfe ab, suchten die Ausdehnung der K\u00e4mpfe zu ermitteln, betrachteten und bewunderten die Waffenberge und Leichenhaufen. Manche gab es, die vom Wechsel des Geschickes Tr\u00e4nen und Mitleid \u00fcbermannte.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur <strong>Vitellius<\/strong> Blick ver\u00e4nderte sich nicht, und es schauderte ihn nicht bei so vielen Tausenden unbestatteter B\u00fcrger. Fr\u00f6hlich sogar und nichts von seinem so nahenden Schicksale ahnend, ordnete er ein Opferfest f\u00fcr die G\u00f6tter der Gegend an (S.171f).<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber die brutalen Zust\u00e4nde in Rom ist ein Satz des <strong>Tacitus<\/strong> weltber\u00fchmt geworden, in dem er die Widerspr\u00fcchlichkeit der Zust\u00e4nde beklagt: \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Hier Kriege und Wunden, dort B\u00e4der und Restaurants\u201c<\/em><\/span>. Das vollkommen demoralisierte und abgestumpfte Volk wird wie eine blindw\u00fctige Bestie beschrieben, die aus dem Kampf der beiden Parteien nur ihren eigenen Vorteil sucht.<\/p>\n<p><em>Dicht bei den K\u00e4mpfenden stand als Zuschauer das r\u00f6mische Volk und bezeigte wie bei einem Wettkampfspiel durch Geschrei und H\u00e4ndeklatschen bald diesen, bald jenen seine Gunst. So oft die eine Partei wankte, verlangte man, dass die, die sich in Buden versteckt oder in ein Haus gefl\u00fcchtet hatten, hervor gezogen und abgeschlachtet w\u00fcrden, und bem\u00e4chtigte sich dann des gr\u00f6\u00dferen Teils der Beute, denn da die Soldaten sich nun mit Blutvergie\u00dfen und Morden besch\u00e4ftigten, fiel die Beute dem P\u00f6bel zu.<\/em><\/p>\n<p><em>Wild und gr\u00e4sslich sah es in der ganzen Stadt aus; hier Gefechte und Verwundung, dort B\u00e4der und Gark\u00fcchen, Blut und Leichenhaufen, und daneben gleich Prostituierte und ihresgleichen.\u00a0 Alle nur denkbaren L\u00fcste \u00fcppiger Friedensruhe, alle nur denkbaren Frevel der erbittertsten Erst\u00fcrmung. Kurz, man h\u00e4tte glauben \u00a0m\u00f6gen, dieselbe Stadt sei teils von Raserei ergriffen, teils von Ausgelassenheit.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Die Vitellianer, obwohl an Zahl und nach dem Willen des Schicksals die schw\u00e4cheren, verschafften sich dadurch, dass sie den Sieg beunruhigten, den Frieden verz\u00f6gerten, H\u00e4user und Alt\u00e4re mit Blut befleckten, den letzten Trost der Besiegten. Viele hauchten, schon halb entseelt, auf den T\u00fcrmen und Zinnen der Mauern ihr Leben aus. Nach der Sprengung der Tore stellte sich die noch \u00fcbrige Schar den Siegern entgegen, und alle fielen, vorne verwundet, dem Feinde zugewandt. So sehr sorgten sie auch sterbend noch f\u00fcr ein ehrenvolles Ende.<\/em><\/p>\n<p><em>Bewaffnet verfolgten\u00a0in der ganzen Stadt die Sieger mit nicht zu bes\u00e4nftigendem Hasse die Besiegten. Angef\u00fcllt mit Erschlagenen waren die Stra\u00dfen, Blut befleckte die Pl\u00e4tze und Tempel, da \u00fcberall ein jeder, den der Zufall ihnen entgegen f\u00fchrte, gemordet wurde (&#8230;)<br \/>\nUnd als dann die Z\u00fcgellosigkeit immer weiter ging, suchten sie auch umher nach den Versteckten und schleppten sie hervor. So wie sie einen von hoher, jugendlicher Gestalt erblickten, hieben sie ihn nieder, ohne zwischen Soldat und B\u00fcrger einen Unterschied zu machen.<\/em><\/p>\n<p><em>Dies W\u00fcten fand, solange die Erbitterung noch frisch war, im Blute Befriedigung, dann ging es in Habgier \u00fcber. Nichts lie\u00df man irgendwo geheim oder verschlossen unter dem Vorwande, Vitellianer w\u00fcrden versteckt gehalten. Davon nahm man Anlass zum Erbrechen der H\u00e4user oder lie\u00df es, wurde Widerstand geleistet, Grund zum Morden\u00a0 sein. Die D\u00fcrftigsten vom P\u00f6bel, die Verworfensten der Sklaven ermangelten auch nicht, unaufgefordert ihre Herren \u00a0zu verraten; andere wurden sogar von Freunden angezeigt.<\/em><br \/>\n<em> \u00dcberall waren Wehklagen, \u00a0Angstgeschrei und die Schicksale einer eroberten Stadt, in einem solchen Grade, dass man sich die fr\u00fcher verhasste Ausgelassenheit der othonianischen und vitellianischen \u00a0Soldaten zur\u00fcck ersehnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die F\u00fchrer der Partei, schnell bei der Hand, den Krieg zu entflammen, waren der Z\u00fcgelung des Sieges nicht gewachsen. Zu Unruhen n\u00e4mlich und Zwietracht haben gerade die Verworfensten die meiste Tatkraft. Friede und Ruhe bed\u00fcrfen edeler Eigenschaften.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Der Tod des Vitellius<\/p>\n<p>Kriegshelden wurden schon zu Lebzeiten Standbilder errichtet, die schlie\u00dflich sogar eine g\u00f6ttliche Kraft beanspruchen durften. Scheiterte dann dieser zu Stein gewordene Heros, wurden seine Standbilder umgesto\u00dfen und zerst\u00f6rt. Auf die <strong>gemonische Treppe<\/strong> wurden alle Leichen nach der \u00f6ffentlichen Schm\u00e4hung der Verurteilten, dann Folterung und mit anschlie\u00dfender Hinrichtung (meist Enthauptung) geworfen. Von dort wurden sie schlie\u00dflich zum Tiber an einem Haken geschleift; die K\u00f6pfe wurden auf dem Kapitol ausgestellt. Leichen im Tiber war der Zugang zur Unterwelt versperrt \u2013 eine doppelt schwere Strafe.<\/p>\n<p><em>Vitellius stie\u00df man, ihn mit gez\u00fcckten Schwertern zwingend, bald sein Antlitz zu erheben und zur Beschimpfung hin zu halten, bald seine fallenden Standbilder und besonders die Redner-B\u00fchne oder die Mordst\u00e4tte Galbas anzuschauen, endlich zur gemonischen Treppe hin, da, wo der Leichnam des Flavius Sabinus \u00a0gelegen hatte. Nur eine einzige \u00c4u\u00dferung eines nicht gemeinen Inhalts vernahm man noch von ihm, als er dem ihn verh\u00f6hnenden\u00a0<\/em><em>Tribun antwortete, er sei sein Kaiser doch gewesen.\u00a0<\/em><em>Hierauf sank er unter wiederholten Streichen nieder, und der P\u00f6bel verfolgte nun mit demselben Wahnsinn den Get\u00f6teten, mit welchem er dem lebenden Vitellius \u00a0gehuldigt hatte (S.229).<\/em><\/p>\n<p>Als Sieger dieses B\u00fcrgerkrieges ging der junge Herrscher und sp\u00e4tere Stadtpr\u00e4fekt Domitianus hervor, jedoch nicht als Kaiser. Tacitus schreibt \u00fcber ihn: <em>Den Domitianus, der, als keine Feindseligkeiten mehr zu f\u00fchren waren, zu den Heerf\u00fchrern seiner Partei getreten und als Kaiser begr\u00fc\u00dft worden war, geleitete das Kriegsvolk in gro\u00dfer Menge und unter den Waffen, wie es war, in sein v\u00e4terliches Haus (&#8230;).\u00a0<\/em><em>Er hatte Namen und Wohnsitz eines Kaisers erhalten, aber seinen Sinn nicht auf Regierungssorgen gerichtet, sondern er zeigte sich in Unzucht und Ehebruch nur als Sohn seines Vaters.<\/em><\/p>\n<p>Sein Vorgesetzter, der Oberbefehlshaber \u00fcber die Legionen in Jud\u00e4a und Africa,<strong> Vespasian,<\/strong> wurde deshalb vom zust\u00e4ndigen Senat als Kaiser und rechtm\u00e4\u00dfiger Nachfolger Neros schlie\u00dflich bestimmt.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=164%20Vom%20T%C3%B6ten&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tacitus 6 In meiner Tacitus Lekt\u00fcre gibt es eine Stelle, die mir in denkw\u00fcrdiger Erinnerung geblieben ist. 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