{"id":4864,"date":"2015-11-23T19:38:19","date_gmt":"2015-11-23T19:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=4864"},"modified":"2016-03-30T19:39:02","modified_gmt":"2016-03-30T19:39:02","slug":"ostende-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=4864&lang=de","title":{"rendered":"190 Ostende (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Auf<i> Twitter melde ich mich nicht aus einem \u00fcbersteigerten Selbstdarstellungs-Gehabe heraus, sondern weil es etliche Menschen gibt, vor allem aus dem Bereich von Musik und Kunst, die mit verfolgen m\u00f6chten, was ich gerade mache. Ob ich etwas komponiere, das vielleicht geeignet \u00a0f\u00fcr einen selber w\u00e4re (bitte mich ansprechen!), die mich kontaktieren wegen Konzerten, Ausstellungen oder auch anderen Fragen. Bei TwitLonger schreibe ich &#8211; fr\u00fcher mehr, jetzt wo es den Blog gibt weniger &#8211; l\u00e4ngere Gedanken auf, die mir durch den Kopf gehen und die vielleicht auch solche TwitterFans interessieren k\u00f6nnten, die meine langen und Zeit aufw\u00e4ndigen Ausf\u00fchrungen im Blog nicht studieren m\u00f6chten.\u00a0Ich drucke deshalb an dieser Stelle jetzt zwei \u00fcberarbeitete OstendeTexte aus TwitLonger ab. Sie scheinen mir \u00a0wichtig \u00a0zu sein und beziehen sich auch auf die aktuelle politische Situation.<\/i><\/p>\n<p><i>P.S. Was Fremdw\u00f6rter und Fachbegriffe betrifft &#8211; nicht unbedingt in diesen Texten, sondern allgemein und was man mir immer wieder auch vorh\u00e4lt \u2013 \u00a0Ihr seid doch so umfassend wikipediert! Ich gehe davon aus, dass man sofort, wenn ein unbekannter Begriff in meinen Texten auftaucht, diesen in Wikipedia nach liest und sich informiert. Ganz einfach. Informations-Zeitalter (Achtung Ironie!).<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Ostende, la Reine des Plages, 25.November 2015<\/b><\/p>\n<p>Ostende \u00a0war in der Jugendstil-Zeit um die Jahrhundertwende \u00a0die &#8220;K\u00f6nigin der Seeb\u00e4der&#8221;. Jetzt ist sogar, auch was die Seebad-Kultur betrifft, nichts mehr wie fr\u00fcher. Selbst die \u00a0Frankophonie ist \u00a0in den letzten Jahren \u00a0des fl\u00e4mischen Separatismus verschwunden. Im Hotel und fast \u00fcberall sonst vermeidet man das Franz\u00f6sische, vielleicht auch sogar die franz\u00f6sischen G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Man m\u00f6chte von den Wallonen nichts mehr wissen, denen man so lange Reichtum und Wohlstand zu verdanken hatte. W\u00e4hrend die fl\u00e4mischen Bauern mit ihren Milchk\u00fchen noch in den Breughelschen Himmel blickten.<br \/>\nWie die Bayern, wie die Schwaben \u00a0und etliche andere auch damals im gro\u00dfen deutschen Reich. W\u00e4hrend die Ruhrgebietler, Westfalen, Saarl\u00e4nder, Schlesier etc.in den Bergwerken und Stahlh\u00fctten hart arbeiten mussten f\u00fcr den allgemeinen Wohlstand der Zeit.<br \/>\nAuch die Zweisprachigkeit ist \u00fcberall verschwunden. Es scheint ein richtiger Rassismus sich zu entwickeln zwischen den Flamen und den Wallonen. Rimbaud war ein Wallone aus den Ardennen.<br \/>\nSogar eine Spaltung des Staates wird gew\u00fcnscht, wenn nicht Br\u00fcssel w\u00e4re, die gro\u00dfe internationale Hauptstadt, der man einige Beachtung und Aufmerksamkeit verdankt. \u00a0Andererseits winken sogar die protestantischen Niederl\u00e4nder dankend ab, wenn die katholischen belgischen Flamen sich ihnen staatlich anschlie\u00dfen wollen.<\/p>\n<p>Man sollte als Tourist keine separatistischen Gebiete mehr besuchen, sage ich mir und halte mich trotzdem nicht daran. Sei es in Gro\u00dfbritannien, in Spanien, Italien, auf dem Balkan oder sonstwo. M\u00f6gen sie doch unter sich bleiben! Inz\u00fcchtig sich vermehren bis zum n\u00e4chsten Krieg, der schon vor der T\u00fcr steht, wenn Europa dann wieder in egoistische Nationalismen und Eigenbr\u00f6dlereien \u00a0auseinander f\u00e4llt.<br \/>\nIch halte viel von Dezentralisierung. Auch von einem Europa der Regionen. Ich halte aber nichts von Abspaltungen im Namen von ethnischen Besonderheiten, die sich f\u00fcr etwas ethnisch Besseres halten (nachschlagen was ethnisch bedeutet!?).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>28.11.2015<\/b><\/p>\n<p>Schon 1975 bin ich in eine besetzte Stadt gereist, nach <b>Stuttgart<\/b>. Gesichert von zahlreichen Polizisten, auch zu Pferd, von Soldaten mit Maschinenpistolen, Stra\u00dfenkontrollen \u2013 alles war f\u00fcr mich sehr neu und unwirklich, wie in einem Film. Doch es war damals keine allgemeine Angst zu sp\u00fcren, denn die so genannte Rote Armee Fraktion (RAF) hatte sich f\u00fcr ihre Terroraktionen immer nur f\u00fchrende Politiker oder Wirtschaftsleute zum Ziel gesetzt. Der normale B\u00fcrger war scheinbar nicht in Gefahr.<\/p>\n<p>Jetzt \u00a0bin ich morgen wieder unterwegs in eine von Polizisten und vielleicht sogar Soldaten besetzte Stadt im Ausnahmezustand: <b>Br\u00fcssel<\/b>. Nur mit dem Unterschied, dass sich die Idee des Terrorismus gewandelt hat: Vom gezielten Terrorismus der Anti-Kapitalismus-Guerilla jetzt zum totalen Terrorismus, wie er schon vor 130 Jahren in Russland, am Ende des Zarenreiches, propagiert und praktiziert worden ist.<\/p>\n<p>Nur mit einem Ziel: Angst und Schrecken zu verbreiten. Angst und Schrecken so stark in der Bev\u00f6lkerung zu verbreiten, dass der Staat mitsamt seinen Institutionen (etwa die B\u00fcrokratie) ins Wanken geraten, vielleicht sogar zusammen brechen sollte. Dass dann ein Neubeginn, ein ganz neuer Aufbau beginnen k\u00f6nnte. Aber nichts dergleichen ist daraus geworden: Es bildete sich nur eine neue Gewaltherrschaft, ein neues Imperium mit neuen brutalen Herrschern. Auch das sowjetische Imperium ist schlie\u00dflich zusammen gebrochen, wie alle Imperien vorher und sp\u00e4ter und \u00fcberraschender Weise sogar ganz ohne Bombenterror und Blut vergie\u00dfen ist es <i>implodiert<\/i>. Selbst das amerikanische Imperium ist nicht mehr das, was es einmal war.<\/p>\n<p>Zwar glaube ich nicht, dass die gegenw\u00e4rtigen <u>Theokratie-Fanatiker<\/u> einen westlichen Staat ins Wanken und zum Zusammenbrechen bringen k\u00f6nnten. Aber sie haben jedenfalls schon ein Ziel erreicht: Angst und Schrecken zu verursachen.<\/p>\n<p>Ich denke, es gibt tats\u00e4chlich eine westliche Variante, eine vielleicht sogar typisch europ\u00e4ische Variante dieses neuen Religions-, auch Kultur-Krieges, wie er in Europa mit seiner Medienwelt, seinen ethnischen Spannungen, Diskriminierungen, seinen Unterdr\u00fcckungsmechanismen und seiner Arroganz hat entstehen k\u00f6nnen.<br \/>\nEine gegenseitige Bedingtheit, von der <b>Baudrillard<\/b> schon vor etlichen Jahren gesprochen hat: die Terroristen n\u00e4hmen die <u>Medien als Geisel<\/u> in ihre Gewalt. Und die Medien machen mit. Sie setzen die Inszenierungen dieser jungen Leute wirkungsm\u00e4chtig ins Bild. Auch negative und todess\u00fcchtige Gestalten sind Helden, Anti-Helden. Manche Medien machen Verbrecher und Verbrechen pr\u00e4sentabel, sind deren kostenloses Sprachrohr, schaukeln Auflage und Einschaltquoten hoch sogar mit einer manchmal panischen Hysterie, die sofort politisch ausgenutzt wird.<\/p>\n<p>Doch andererseits: Wenn man gar nicht mehr dar\u00fcber berichten w\u00fcrde? Wenn sich alles nur innerhalb der Geheimdienste und Geheimdiplomatie abspielen w\u00fcrde wie fr\u00fcher? Informations- und <u>Desinformationskampagnen<\/u> gibt es mittlerweile genug in dieser Welt!<\/p>\n<p>Auch jetzt hat sich also wieder eine <b>Isosthenie<\/b> gebildet: Wie \u00fcber diese Ereignisse berichten, ohne ihnen zu viel oder auch zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken? Bis schlie\u00dflich beide Seiten dann doch vernichtet sind. Denn in diesem gegenw\u00e4rtigen <i>Kampf der Berichterstattungen<\/i> gibt es keine Gewinner, sondern eher nur Verlierer. Selbst wenn man als M\u00e4rtyrer im Paradies aufwachen sollte.<\/p>\n<p>Um solchen Kommunikations-Fallen, einer solchen <b>De<\/b>-oder Miss-<b>Kommunikation<\/b> zu entgehen, pl\u00e4diere ich wieder einmal und weiterhin f\u00fcr das direkte\u00a0<b>Sprechen<\/b>! F\u00fcr Gespr\u00e4che und eine Begegnung von Auge zu Auge, f\u00fcr Verhandlungen mit Menschen, die sich nicht voller Hass gegen\u00fcber sitzen und sich bek\u00e4mpfen m\u00fcssen, sondern so professionell vorzugehen im Stande sind, dass sie auch Gegens\u00e4tze emotional aushalten k\u00f6nnen. Nur so kann Verst\u00e4ndigung ins Spiel kommen, nur so k\u00f6nnen Sprachen und Verhaltensweisen verstanden werden, selbst wenn es nicht unbedingt ein Verstehen einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Also auf nach Br\u00fcssel und weiter dann nach Hause! Was mich nach all diesen Warnungen und dem Ausnahmezustand in der Hauptstadt, die Menschen sollen ihre H\u00e4user nicht verlassen, die Metro f\u00e4hrt nicht mehr, Menschen-Ansammlungen in gro\u00dfen Pl\u00e4tzen und Bahnh\u00f6fen meiden, was mich wohl dort erwartet? Wo soll ich umsteigen,wo gibt es weniger Menschen-Massen, wo ist es weniger gef\u00e4hrlich? Im Zentrum der gro\u00dfe und in seiner Internationalit\u00e4t richtig spektakul\u00e4r-faszinierende Bahnhof Midi, der vielleicht doch besser gesch\u00fctzt sein wird? Oder eher im Nordbahnhof umsteigen, wie man es mir empfohlen hat?\u00a0Schon ein schlechtes Gef\u00fchl, an einem Ort zu sein, wo jeden Augenblick schwer Bewaffnete einen als Geisel nehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nAlso en route! Ich melde mich, wenn ich angekommen bin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=190%20Ostende%20%282%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Twitter melde ich mich nicht aus einem \u00fcbersteigerten Selbstdarstellungs-Gehabe heraus, sondern weil es etliche Menschen gibt, vor allem aus dem Bereich von Musik und Kunst, die mit verfolgen m\u00f6chten, was ich gerade mache. 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