{"id":528,"date":"2014-03-23T09:17:30","date_gmt":"2014-03-23T09:17:30","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=528"},"modified":"2021-02-11T16:17:43","modified_gmt":"2021-02-11T16:17:43","slug":"ueber-liebe-und-lust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=528&lang=de","title":{"rendered":"22 Platons &#8220;Phaidros&#8221;"},"content":{"rendered":"<h3>\u00dcber Liebe und Lust<\/h3>\n<p>Platons Dialog &#8220;Phaidros&#8221; ist ein eigenartig heterogenes Kunstwerk. Einmal geht es um Wahrheit, auch um die Ung\u00fcltigkeit von Isosthenien. In diesem Fall um die provokativ in einer Rede von <strong>Lysias<\/strong> vorgetragene und begr\u00fcndete Behauptung, nur einem Nicht-Verliebten d\u00fcrfe man sich sexuell hingeben: &#8220;<em>Ich hoffe, nicht darum das Ziel meiner Bitte zu verfehlen, weil ich nicht in dich verliebt bin&#8221;<\/em>\u00a0(Apelt-\u00dcbersetzung\u00b9\u00a0S.34ff). \u00a0&#8211; \u00a0Platon widerspricht (wie meist mit der Stimme von Sokrates): Im Gegenteil, nur wenn Verliebung im Spiel sei (eine Art von \u00a0\u201eg\u00f6ttlichem Wahnsinn&#8221;, den Platon gut findet) solle es zum sexuellen Akt kommen.<\/p>\n<p>Doch dies ist auch nicht die wahre \u00dcberzeugung Platons. Im Zentrum des Dialogs steht n\u00e4mlich der philosophische Versuch einer Widerlegung, dass beide Seiten einer Isosthenie richtig sein k\u00f6nnen. Begr\u00fcndbar sind sie schon. Das zeigt die Rede von <strong>Lysias<\/strong>, auch in ihrer formalen &#8220;Verbesserung&#8221; sp\u00e4ter \u00a0durch Sokrates. Doch die von Sokrates in einer dritten Rede schlie\u00dflich vorgetragene Antithese (Palinodie), dass selbst im Falle einer Verliebung des Liebhabers der Geliebte gerade nicht zum Sex bereit sein solle, gewinnt schlie\u00dflich auch die Zustimmung von Phaidros, so dass die anf\u00e4ngliche Gleichwertigkeit der Argumente, die Isosthenie, aufgehoben werden kann.<\/p>\n<p>Zu Beginn war Phaidros n\u00e4mlich, dem Platon selbst ein Liebesgedicht gewidmet\u00a0hat, begeistert von der Rede des Lysias, w\u00e4hrend Sokrates ihn schlie\u00dflich \u00fcberzeugen kann, dass nur seine, des Sokrates \u00a0Sicht der Dinge die richtige sei, mithin nur in diesem Fall von guter und \u00fcberzeugender Argumentation, also Wahrheit, gesprochen werden k\u00f6nne. Sokrates geht sogar so weit (in der zweiten Lysias-Rede pl\u00e4diert er wider seine eigene \u00dcberzeugung f\u00fcr die sexuelle Hingabe), dass er sich bei dem Gott Eros entschuldigt, weil er sich auf eine solch zweifelhafte und rein rhetorisch-spielerische Diskussion ganz im Sinne der Sophisten eingelassen, er also <em>gefrevelt<\/em> habe. Sein S\u00fchne-oder Bu\u00dfe-Gebet lautet folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<address style=\"padding-left: 30px;\">&#8220;Dies war unsere Palinodie, geliebter Eros, die wir nach Kr\u00e4ften m\u00f6glichst sch\u00f6n und gut dir gewidmet und erstattet haben(&#8230;) Du aber wollest die vorausgegangene Rede\u00a0(die Rede des Lysias und die von Sokrates verbesserte ge\u00e4nderte Fassung)<\/address>\n<address style=\"padding-left: 30px;\">verzeihen und diese zweite Leistung dir gefallen lassen; wollest huldreich und gn\u00e4dig die Liebeskunst, die du mir verliehen hast, mir nicht entziehen noch verk\u00fcmmern lassen in Unmut.<\/address>\n<address style=\"padding-left: 30px;\">Vielmehr gib mir, dass ich noch mehr als jetzt bei den Sch\u00f6nen m\u00f6ge in Ehren stehen. Und wenn wir etwa in der ersten Rede etwas dir Widerw\u00e4rtiges gesagt haben, Phaidros und ich, so suche die Schuld bei Lysias, dem Vater der Rede und bringe ihn von derlei Reden ab: lass ihn zur Philosophie sich wenden, wie sich ihr sein Bruder Polemarchos zugewandt hat, damit auch dieser Phaidros hier, der in ihn verliebt ist, nicht mehr nach beiden Seiten h\u00e4nge wie jetzt, sondern einfach sein Leben dem Eros und philosophischen Gedanken widme&#8221;.(Apelt S.74)<\/address>\n<address style=\"padding-left: 30px;\">\u00a0\u00a0<\/address>\n<p>Platons &#8220;Phaidros&#8221; wird jedoch nicht wegen dieser sublimen und unterschwellig mitschwingenden erkenntnistheoretischen Problematik gelesen und gesch\u00e4tzt (ob man \u201enach beiden Seiten (einer Isosthenie) h\u00e4ngen\u201c darf), die sich gegen das Denken und Vorgehen der Sophisten wieder einmal wendet, sondern weil Platons Einstellung gegen\u00fcber der Lust oder dem Begehren, wie meist gesagt wird, darin deutlich zum Ausdruck kommt. Es geht um Wesen und Wirkung der Verliebtheit, ob sie Nutzen oder Schaden bringt. Noch ausf\u00fchrlicher, jetzt aber mehr den geistigen Bereich von Liebe und Sch\u00f6nheit betreffend, wird die Thematik im <span style=\"text-decoration: underline;\">Symposion<\/span>\u00a0behandelt.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil des Dialogs, der Palinodie (Antithese zu dem vorher Gesagten), wenn Sokrates f\u00fcr den &#8220;g\u00f6ttlichen Wahnsinn des Verliebens&#8221; pl\u00e4diert (Gott ist n\u00e4mlich in\u00a0den<em> Liebenden, <\/em>nicht in den Geliebten), kommt es jedoch nicht zu dem Ergebnis, wie man es heutzutage erwarten w\u00fcrde (ab unter die Decke und weiter so). <strong>Besonnenheit<\/strong> kommt n\u00e4mlich jetzt \u00a0ins Spiel, eine der Kardinaltugenden des Altertums.<\/p>\n<p>Warum dies? &#8211; \u00a0Was hat Platon gegen Lust, K\u00f6rperlichkeit, manchmal auch Emotionalit\u00e4t einzuwenden? Wie einflussreich ist doch seine Lustfeindlichkeit, die \u00fcber die Philosophie der Stoa gro\u00dfen Einfluss auf das Christentum hatte und in der ganzen Kultur-und Moralgeschichte des Abendlandes ein Leitbild geworden ist bis in die heutige Zeit! Wo Platon doch selbst ein so emotionaler, das ist auch f\u00fcr die Lust sensibler K\u00fcnstler war mit seinen mythischen Erz\u00e4hlungen, Gedichten und virtuellen Theaterst\u00fccken, in denen Sokrates fast immer die Hauptrolle spielt. Warum besch\u00e4ftigt er sich kein einziges Mal in seinem Himmel der Ideen mit der Idee der Liebe, sondern immer nur mit Sch\u00f6nheit, Geist, Verlieben und Lust, wobei die Lust trotz ihres g\u00f6ttlichen Ursprungs immer wieder abgelehnt wird?<\/p>\n<p>Meine erste These lautet, dass in diesem Zeitalter der &#8220;Achsenzeit&#8221;(Karl Jaspers), wenn sich der menschliche Geist zur Begrifflichkeit und Schrift erst entwickelt und sich nach Hegels Theorie ein\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Zeitgeist<\/span>\u00a0erstmals in Griechenland bildet, die Emotionalit\u00e4t, ein Relikt aus unserer sprachlosen (tierischen) Vergangenheit, in einem ethischen Korsett geb\u00e4ndigt werden musste. Nicht jedoch die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Aggressivit\u00e4t wird in Frage gestellt &#8211; dies wird 400 Jahre sp\u00e4ter erst das Thema des Christentums sein, sondern der Sexualtrieb muss als erste Kulturleistung von Sprache, Lesefertigkeit und Schrift <em>domestiziert<\/em> werden.<\/p>\n<p>Ein Sexualtrieb, der sich in unserem Fall vorwiegend junge M\u00e4nner als Objekt aussucht, aussuchen darf, ja aussuchen muss. Denn in der Oberschicht war die Bindung des \u00e4lteren Mentors im Sinne einer idealen Erziehung und Entwicklung zum Mann (weise, tapfer, redetauglich, gewandt, sportlich sollte er sein) gerne gesehen, ja sogar gew\u00fcnscht. Doch Platon lehnt den sexuellen Aspekt dieser Liebe immer wieder ab, vielleicht weil er selbst pers\u00f6nlich negative Erfahrungen damit gemacht hat oder sogar dadurch, freudianisch gesprochen, <em>traumatisiert<\/em> worden ist. Dies meine zweite These, warum Platon gegen einen \u201ez\u00fcgellosen Sex\u201c eingestellt war.<\/p>\n<p>Nicht die Beziehung des \u00c4lteren mit dem J\u00fcngeren lehnt er ab, im Gegenteil, sondern den k\u00f6rperlichen Kontakt innerhalb der &#8220;Knabenliebe&#8221;. Im &#8220;Phaidros&#8221; findet Platons \u00a0Unterbewusstsein sogar Worte f\u00fcr diese Ablehnung wie &#8220;Zwang des \u00c4lteren&#8221;, &#8220;angenehmerer Umgang mit Gleichaltrigen&#8221;, &#8220;widerw\u00e4rtiger Anblick&#8221;, &#8220;widerw\u00e4rtige k\u00f6rperliche Ber\u00fchrung&#8221;. Nur die &#8220;Genuss-Sucht&#8221; fessele die K\u00f6rper aneinander. Eine solche Art von Liebe wird als \u201evernunftloses Begehren\u201c gesehen und so beschrieben:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u00a0&#8220;<em>Wenn die vernunftlose Begierde, die \u00dcberzeugung knechtend, die den richtigen Weg einschlagen will zum Genuss der Lust, die ihr die Sch\u00f6nheit des K\u00f6rpers bieten soll, dahin st\u00fcrmt und dann weiter die von ihr verwandten Begierden zu k\u00f6rperlicher Sch\u00f6nheit gef\u00fchrt werden, so kommt ihr der Name Liebe zu, der ihr eben wegen dieses lebensvollen Dranges beigelegt wurde (S.46).<\/em><\/p>\n<p>Vern\u00fcnftige Liebe hingegen bedeutet jedoch: Genie\u00dfe das Verlieben, diesen von Gott gesendeten positiven Wahnsinn, aber halte dich zur\u00fcck! Du liebst nicht die Sch\u00f6nheit im \u00a0konkreten K\u00f6rper neben, vor oder unter dir, sondern du liebst die Sch\u00f6nheit als Idee, die sich dir als ein Zeichen Gottes offenbart. \u00a0Diese Sch\u00f6nheit hast du bereits &#8211; wie alle anderen Ideen auch &#8211; schon einmal in deinem vorgeburtlichen Leben gesehen. Deshalb deine gro\u00dfe Sehnsucht nach den Ideen &#8211; es ist eine wirkliche Wieder-Erinnerung an damals, die Nostalgie! &#8211; Lass dich nicht treiben oder verwirren von der Z\u00fcgellosigkeit deiner Gef\u00fchle, ihrer Unbeherrschtheit, die bei den M\u00e4nnern immer nur das Eine will. Liebe ist mehr als eine vernunftlose Begierde, sie ist Geist, der von der Idee der Sch\u00f6nheit gefesselt, von der Idee des Guten gebannt ist und zu ihr strebt, um den Partner zu <em>vervollkommnen<\/em>.<\/p>\n<p>Durch Lysias erfahren wir von dem angeborenen Trieb nach Lust und Sex, seiner Ma\u00df-und Z\u00fcgellosigkeit, die auf das Sch\u00f6ne nur der Lust und auch der Ausschweifung wegen hingerichtet ist:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8220;Er sucht gleich dem Vieh mit k\u00f6rperlicher Umfassung (<\/em>im anderen Mann)<em> Kinder zu zeugen und, der Ausgelassenheit vertrauend, f\u00fcrchtet und sch\u00e4mt er sich nicht, wider die Natur der Lust nachzugehen&#8221;.<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Besonnenheit zu einer \u00dcberzeugung f\u00fchrt, die mit Vernunftgr\u00fcnden zum Guten, ja sogar zum Besten leitet. Sie wird weniger den K\u00f6rper als den Charakter des Geliebten begehren. Und &#8220;<em>die Seele des Liebenden sucht dem Geliebten in Schamhaftigkeit und Ehrfurcht nachzufolgen<\/em>&#8221; (S.71). Nicht die Lust des Augenblicks wird angestrebt, sondern eine lebenslange Freundschaft des \u00c4lteren mit dem J\u00fcngeren. Und: &#8220;<em>Ist die Jugendsch\u00f6nheit vorbei, wird sich erst recht die T\u00fcchtigkeit des \u00c4lteren beweisen&#8221;.<\/em><\/p>\n<p>Wir sind in einer Gesellschaft mit ca. 200.000 Einwohnern,Tausende von Sklaven innerhalb und au\u00dferhalb der Wohnst\u00e4tten Athens\u00a0eingeschlossen. Nur \u00a030.000 vollj\u00e4hrige M\u00e4nner haben per Gesetz das Sagen. Wo die\u00a0Frauen in ihren H\u00e4usern sich verkriechen wie heute die Haremsdamen von Katar (Entschuldigung).\u00a0Wo ein extremer K\u00f6rperkult auf den \u00a0Sportpl\u00e4tzen und in den Hallen getrieben wird &#8211; \u00a0Sport ist eines der t\u00e4glichen Hauptf\u00e4cher der Jugend, denn man braucht starke und tapfere M\u00e4nner f\u00fcr die fortw\u00e4hrenden milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen.Trainiert wird nackt, aber die Vorhaut des Genitale bleibt zugeschn\u00fcrt, wie Vasenmalereien zeigen &#8211; Erektionen sind nicht gern gesehen. Im Gegensatz zu Sparta, wo die M\u00e4dchen mit trainieren durften (ebenfalls nackt), sind keine M\u00e4dchen in Athen \u00a0auf den Sportst\u00e4tten zu sehen.\u00a0Olympia, die gro\u00dfe friedliche Vereinigung aller griechischen St\u00e4dte und Staaten mit seinen alle vier Jahre stattfindenden Wettk\u00e4mpfen, scheint noch wichtiger zu sein als das gerade erst neu entwickelte Theater in Athen und die \u00f6ffentlichen Rede-Wettbewerbe oder sogar Volksversammlungen im heutigen Schweizer Stil vor 1978.<\/p>\n<p>Wir sind in einer Gesellschaft, einem Stadtstaat am Meer,wo die M\u00e4nner zwar Kinder zeugen, auch Sokrates hatte drei S\u00f6hne mit zwei Frauen,\u00a0aber sich doch auch in junge M\u00e4nner nach dem Vorbild im benachbarten <strong>Sparta<\/strong> verlieben m\u00f6chten, zumal dies als n\u00fctzlich f\u00fcr die Erziehung angesehen wird. Nur dann wird ein junger Mann zum Mann, wenn er die &#8220;Knabenliebe&#8221; durchgemacht, das hei\u00dft wohl auch ertragen hat. Dann ist er gegen Schmerzen gefeit und fit f\u00fcr den milit\u00e4rischen Kampf, der unweigerlich auf ihn wartet. Selbst Platon ist dreimal in seinem Leben in den Krieg gezogen, ohne dass er auch nur ein Wort gegen den Krieg geschrieben h\u00e4tte. Wie alt die jungen M\u00e4nner waren ist weiterhin unklar in der Geschichtsschreibung.<\/p>\n<p>Im &#8220;Phaidros&#8221; w\u00e4hlt Platon das Bild einer Kutsche, um die Problematik deutlich werden zu lassen. Die Kutsche hat einen Lenker, platonisch gesprochen einen &#8220;<em>Steuermann der Seele, den Geist<\/em>&#8220;, mit Freud gesprochen das Ich. Dieser lenkt zwei Pferde, ein unruhiges, das Es, die Triebe und Gef\u00fchle, und ein ruhig-folgsames, das \u00dcber-Ich, welches die Gebote und Verbote in sich tr\u00e4gt und sich von ihnen leiten l\u00e4sst. Im Mittelalter sprach man vom Satan und Gottesgebot und dazwischen der Mensch. Die Kutsche ist unterwegs, immer im Kampf mit dem wilden und unb\u00e4ndigen Pferd, das sich nur sehr schwer z\u00fcgeln l\u00e4sst. Gewinnt es die \u00dcberhand, muss die Kutsche unweigerlich st\u00fcrzen und verungl\u00fccken. Gewinnt das andere Pferd, herrscht also Besonnenheit und Vernunft vor, dann findet die Kutsche ihren Weg und ihr Ziel.<\/p>\n<p>Doch was ist ihr Ziel? &#8211; Ihr Ziel ist das Zur\u00fcck zu einem vorgeburtlichen Zustand, in dem die Ideen quasi in einem \u00fcberirdischen Himmel geschaut worden sind. In unserem konkreten Fall ist es die <em>Idee der Sch\u00f6nheit,<\/em>\u00a0die bezeichnenderweise neben der Besonnenheit steht. Sie ist am leichtesten den Sinnen zug\u00e4nglich und also auch besonders gef\u00e4hrdet durch die Sinnlichkeit, das hei\u00dft das Begehren des K\u00f6rpers mit seinem Genuss-Streben. Die Sehnsucht nach dem sch\u00f6nen K\u00f6rper will also entweder sexuell genie\u00dfen oder, wenn man dem anderen Pferd folgt, sich beherrschen, das hei\u00dft Zur\u00fcckhaltung wahren. Gelegentlich mag das wilde und unbeherrschte Pferd gewinnen, dies ist nach Platon keine gro\u00dfe Katastrophe, sondern allt\u00e4glich fast (sp\u00e4ter im Himmel d\u00fcrfen auch diese &#8220;Liebenden ein Leben im Lichte f\u00fchren und miteinander dahin wandelnd gl\u00fccklich sein&#8221; S.73). Nur siegen darf es nicht &#8211; der Lust sich ganz nur hinzugeben und fortw\u00e4hrend w\u00e4re\u00a0ein Frevel gegen den Gott Eros. Denn nur M\u00e4\u00dfigung, Zur\u00fcckhaltung, Besonnenheit f\u00fchrt uns im Kampf mit der Lust und dem k\u00f6rperlichen Begehren zur <strong>Idee des Guten<\/strong>, und das \u00a0hei\u00dft auch &#8211; zu Gott hin.<\/p>\n<p>Noch einmal sei die Frage aufgegriffen, warum sich Platon so gegen das k\u00f6rperliche Begehren gewandt hat. Ganz \u00a0im Gegensatz zur heutigen Zeit, wo unter dem Einfluss von <strong>Wilhelm Reich<\/strong> und seiner Orgasmus-Theorie einschlie\u00dflich ihrer Weiterentwicklung in <strong>Bioenergetik<\/strong> und anderen psychotherapeutischen Schulen K\u00f6rper, Gef\u00fchle und Lust, auch in ihrer Trivialisierung &#8220;Ich will Spa\u00df, ich will Spa\u00df&#8221;, an erster Stelle stehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Meine zweite These lautete deshalb: Platon hat mit der Knabenliebe und vielleicht auch mit dem Analverkehr schlechte pers\u00f6nliche Erfahrungen gemacht und lehnt sie daher ab. Er scheint &#8220;<i>traumatisiert<\/i>&#8220;. \u00a0Seine Moral-Lehre beinhaltet deshalb die permanente Aufforderung zur Sublimation des sexuellen Begehrens (das bei Platon wohl besonders stark war, wenn man seine seitenlangen Beschreibungen des sexuellen Begehrens im &#8220;Phaidros&#8221; liest), die von der j\u00fcdisch-christlichen Moral ebenso aufgegriffen und weiter gegeben wurde wie von der Psychoanalyse Freuds und anderer Moral-Lehren. Und sie wird bis auf den heutigen Tag von vielen akzeptiert.<\/p>\n<p>Noch extremer wird diese Lustfeindlichkeit in der kynischen Schule in Athen bereits zu Platons Zeit propagiert, wo ihr Schulhaupt <strong>Anthistenes<\/strong>, einer der Gr\u00fcndungsv\u00e4ter auch der stoischen Schule, sogar gesagt haben soll &#8211; und dies trotz seiner Feindschaft Platon gegen\u00fcber &#8211; : &#8220;Lieber verr\u00fcckt werden als der Lust zu erliegen&#8221;.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00b9 Die Platon-Zitate stammen alle aus &#8220;Platon &#8211; S\u00e4mtliche Dialoge&#8221;, \u00dcbersetzung Otto Apelt, Felix Meiner Verlag<\/p>\n<p>Vgl. auch Platons <b>Symposion<\/b>\u00a0 (Nr.180)<\/p>\n<p>Vgl. Den Nachtrag zum Phaidros in Nr. 310<\/p>\n<p>\u00dcber platonische Liebe Nr. 283<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=22%20Platons%20%E2%80%9CPhaidros%E2%80%9D&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Liebe und Lust Platons Dialog &#8220;Phaidros&#8221; ist ein eigenartig heterogenes Kunstwerk. 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