{"id":5378,"date":"2016-04-10T16:17:56","date_gmt":"2016-04-10T16:17:56","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=5378"},"modified":"2022-12-05T11:05:08","modified_gmt":"2022-12-05T11:05:08","slug":"vom-wiederfinden-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=5378&lang=de","title":{"rendered":"210 Vom Wiederfinden(1)"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\">Brief an Lucilius 9<\/h3>\n<p><strong>7.Februar 2016\u00a0<\/strong>&#8211; Ich muss dir eine Geschichte erz\u00e4hlen. Immer habe ich deinen kleinen Engel vom Weihnachtsmarkt in meiner Jackentasche, den du mir geschenkt hast. Heute, w\u00e4hrend der Messe in der Stuttgarter Marienkirche, entschlie\u00dfe ich mich, ihn von dem neuen und wirklich bewundernswert religi\u00f6sen Priester am Altar, einem Philippino, segnen zu lassen. Was ich bislang nur einmal gemacht habe in meinem Leben. Nach der Messe, bevor man sich von dem Geistlichen verabschiedet, kommt ein Bekannter aus dem Kirchenvorstand auf mich zu und zeigt auf den\u00a0Philippino : Ob ich ihm Sprach-Unterricht geben k\u00f6nnte!? \u2013 Ich z\u00f6gere, wei\u00df es noch nicht. Eher nein.<\/p>\n<p>Dann gehe ich einige Schritte weiter und bitte den neuen Priester, den kleinen Engel in meiner Hand zu segnen. Er macht es tief gl\u00e4ubig und es \u00fcberzeugt mich voll und ganz. Ich informiere den Priester, dass ich es bin, der vielleicht ihm Sprachunterricht geben werde. Er freut sich doppelt: einmal wohl \u00fcber den Segnungswunsch, dass es so etwas im Dispora-Deutschland \u00fcberhaupt geben kann, und zum anderen \u00fcber meine Ank\u00fcndigung; dankt und wir gehen auseinander.<br \/>\nIch werde es machen, sage ich mir, ich werde ein- oder zweimal die Woche bei ihm im Pfarrhaus vorbei kommen. Dies war die erste gute Tat deines Engels!<\/p>\n<p><strong>27.M\u00e4rz<\/strong>. &#8211; Nachdem der von Pater R. gesegnete Engel vor einigen Wochen in der MarienKirche zu mir gesprochen und mich zum Unterrichten ermuntert hatte, habe ich mit einem sch\u00f6nen und auch f\u00fcr mich interessanten Deutsch-Kurs begonnen, der mir viel Freude macht. Ich informiere mich \u00fcber die Heimat von P.Ramoso, dieses gro\u00dfe und fremde Land, lerne neue Sitten und Gebr\u00e4uche kennen und dass man dort Englisch oder auch Spanisch spricht. Der Engel hat mich w\u00e4hrend des Unterrichts mit meinem neuen Sch\u00fcler auch unvermittelt zu einem BibelText aus dem Alten Testament gef\u00fchrt \u00fcber die Macht und Kraft der Engel, ein Text, den Pater R. nach Vorschrift der Gottesdienst-Ordnung am n\u00e4chsten Tag w\u00e4hrend der Messe vorlesen musste und deshalb mit mir ge\u00fcbt hat. Ein erstes und einziges Mal bislang!<br \/>\nDann bin ich von diesem Engel eine Woche sp\u00e4ter in der <span style=\"text-decoration: underline;\">Abteikirche Tholey<\/span> im Saarland sogar <i>angel\u00e4chelt<\/i> worden und ich habe mich gewundert, dass es auch l\u00e4chelnd-lachende Engel geben kann.\u00a0Heute sind \u00a0wir in der Messe am Ostertag sogar zum Oster-Lachen\/L\u00e4cheln vom hiesigen Stadtteil-Pfarrer aufgefordert worden und jetzt schreibe ich schon so viele Zeilen \u00fcber diesen deinen Engel. Zwar ohne Lachen, aber mit L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Immerhin hat er mich schon vor achtzehn Jahren anl\u00e4sslich der Geburt unseres Sohnes zu einer &#8220;Kantate f\u00fcr Solo, Chor und Kammerorchester&#8221; inspiriert. Als Textvorlage w\u00e4hlte ich das &#8220;<em>Gebet des Engels von Fatima<\/em>&#8220;, welches dieser 1916 in einer Erscheinung in der Cova d&#8217;Iria die Seherkinder, ein Jahr vor der Erscheinung der Madonna, gelehrt hatte. In portugiesischer Sprache habe ich die Vorlage, also den Engels-Text, \u00a0gelassen und ihn mit Hilfe einer Nachbarin mit Namen Fatima vertont unter dem Titel: &#8220;<span style=\"text-decoration: underline;\">Santissima Trindade&#8221;<\/span>. Die Musik ist der feierliche Abschluss meiner <strong>Musica Matutina<\/strong>-Kompositionen, ein erstes und einziges Mal, dass ich geistliche Musik \u00fcberhaupt komponiert habe. Vor zehn Jahren wurde dann in Fatima eine gro\u00dfe unterirdische Basilika mit dem gleichen Namen als ein beeindruckendes Kunstwerk der Architektur sogar gebaut.<\/p>\n<p>Und jetzt schreibt mir meine Schwester, die ich doch so ganz atheistisch-agnostisch eingesch\u00e4tzt hatte, vollkommen \u00fcberraschend, dass sie einen Engel schon seit langem besitze (in der Hosentasche)und sich sogar mit ihm ber\u00e4t.<\/p>\n<p>So eine sch\u00f6ne Engels-Geschichte ist das, die auch noch weiter geht! Am <strong>29. M\u00e4rz<\/strong> vervollst\u00e4ndigt n\u00e4mlich meine Schwester diese meine Berichterstattubg\u00a0mit einem Zitat aus dem Dumont Kunst-Reisef\u00fchrer:<\/p>\n<p>&#8220;<em>Im Chorhaupt der Abtei-Kirche in Tholey\/Saar hat das kleine&#8221;Tholeyer Teufelchen&#8221; gro\u00df sein l\u00e4chelndes Widerspiel, den &#8220;Engel von Tholey&#8221;, den man allzu werbefix auch schon einmal die &#8220;Mona Lisa des Nordens&#8221; hei\u00dft. Eben wegen seines L\u00e4chelns, dem die Zeit zwar zugesetzt, aber es nicht zerst\u00f6rt, eher merkw\u00fcrdiger gemacht hat. Der Engel stammt von einer Verk\u00fcndigungsgruppe vom v\u00f6llig verwitterten Nordportal, das (im dritten Viertel des 13.Jhd. entstanden) stilistisch an Reims und Trier anschlie\u00dft.<\/em><br \/>\n<em> Alles ist hier zur Anmut hin empfunden: der leicht geneigte Kopf, Haar und Gewand, die Haltung edel und doch von fast koketter Z\u00e4rtlichkeit. Und \u00fcber allem das L\u00e4cheln: naiv und listenreich, freundlich und fremd zugleich&#8221;. &#8211; <\/em>Anmut, edel, kokette\u00a0Z\u00e4rtlichkeit mit einem naiv-listenreichen\u00a0L\u00e4cheln, das freundlich und fremd zugleich sein kann&#8230; Wenn das keine sch\u00f6ne, wenn nicht auch \u00fcberirdische \u00a0Erscheinung ist!<\/p>\n<p><b>8.Mai<\/b>\u00a0&#8211; Im portugiesischen Fatima, diesem gro\u00dfen Pilgerzentrum der weltweiten Christenheit, treffe ich den Engel schlie\u00dflich wieder. Lebensgro\u00df und ganz neu erst aufgestellt steht er jetzt am Eingang des Reliquien-Museums von Pater Kondor, bewacht quasi den Zugang zu den Heiligt\u00fcmern. Das Museum wird au\u00dferhalb der Pilgerzeiten nicht so h\u00e4ufig besucht. Kein Mensch ist zu sehen.<br \/>\n&#8220;F\u00fchlen Sie sich nicht manchmal alleine in diesem Raum&#8221;, frage ich die Aufseherin an der Pforte, eine Schwester aus der Kongregation der Postulatur.<br \/>\n&#8220;Nein&#8221;, l\u00e4chelt sie mich an,&#8221;ich habe doch immer den Engel bei mir&#8221;. &#8211;<\/p>\n<p>Ich muss jedoch hinzu f\u00fcgen, dass es neben den betenden und lachenden und unterst\u00fctzenden Engeln auch noch welche der Dunkelheit, Trauer und Angst gibt. Als mein Vater h\u00f6rte, dass er in einem halben Jahr sterben werde, was auch geschah, ist er immer wieder zu einem kleinen namenlosen Engel in der Kapelle am Wegrand au\u00dferhalb der Stadt unter freiem Himmel gefahren, hat dort eine Kerze angez\u00fcndet, gebetet und geweint.<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=210%20Vom%20Wiederfinden%281%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brief an Lucilius 9 7.Februar 2016\u00a0&#8211; Ich muss dir eine Geschichte erz\u00e4hlen. 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