{"id":5684,"date":"2016-04-30T11:47:19","date_gmt":"2016-04-30T11:47:19","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=5684"},"modified":"2017-06-17T05:51:57","modified_gmt":"2017-06-17T05:51:57","slug":"215-ueber-isosthenien-antwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=5684&lang=de","title":{"rendered":"215 \u00dcber Isosthenien (Antwort)"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\">Ich habe in diesem meinen Blog so viel \u00fcber Wissenschaft, Behaviorismus, Relativismus geschrieben, als wenn ich nicht an Statistiken oder Prognosen und Berechnungen der Wissenschaften glauben w\u00fcrde. Ganz im Gegenteil! Immer wieder gibt es verbl\u00fcffend zutreffende Statistiken und Ergebnisse zum Beispiel bei Wahlen oder in anderen Bereichen, etwa der Medizin oder Technologie, ohne die wir gar nicht mehr leben k\u00f6nnten. Das hei\u00dft auch in diesem Fall der Wahrheitsfindung entwickeln sich <strong>Isosthenien<\/strong>, Gleichwertigkeiten: Manchmal stimmen die Wahrheiten, manchmal stimmen sie aber in eben dem gleichen Fall auch nicht. Von Fall zu Fall kann diese Wahrheit zutreffend, dann aber auch nicht zutreffend sein.<\/p>\n<p>Wir haben gelernt damit umzugehen. Wir kennen die Regel, die da lautet: Keine Regel ohne Ausnahme. Wir kennen den sch\u00f6nen Satz: Ich glaube nur an solche Statistiken, die ich selbst gef\u00e4lscht habe. Dass die Theorie der Theorie auch den Selbst-Widerspruch erzeugt und sich ins Nichts aufl\u00f6st. Und so weiter. Das hei\u00dft: Immer wieder bilden sich Isosthenien, die in unserem Denken keine 100-prozentige Eindeutigkeit, Wahrheit, Falsifizierbarkeit, Verifizierbarkeit, Prognostizierbarkeit und so fort zulassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Richtigen schlummert, wartet, versteckt sich das Falsche und Umgekehrt. Was heute richtig und wahr ist, kann morgen schon ganz falsch sen. Das hei\u00dft immer nur und immer wieder: eine Sache kann wahr und gleicherma\u00dfen auch falsch sein &#8211; die Isosthenie. Im Sinne der Dialektik m\u00f6gen sich die Gegens\u00e4tze aneinander reiben und eine Synthese, eine neue Stufe anstreben. Aber bei weitem nicht immer. Oft bleiben sie nur sprachlos, manchmal sogar feindselig nebeneinander stehen und begutachten (oder beschimpfen) sich argw\u00f6hnisch. Dass sie sich in ihrer Andersartigkeit auch vielleicht <span style=\"text-decoration: underline;\">tolerieren<\/span>\u00a0k\u00f6nnten oder m\u00fcssen im Sinne von gew\u00e4hren lassen, das ist erst das neuartige Ergebnis der postmodernen Philosophie der Gegenwart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Philosophie hei\u00dft \u00fcbersetzt bekanntlich &#8220;Liebe zur Weisheit&#8221;; nicht zur Wahrheit. Wahrheit und Weisheit gehen oft weit auseinander. Um Wahrheit k\u00fcmmert sich die Logik. Doch sie ist auch nur eine Unterdisziplin der Philosophie wie Ethik, Wissenschaftstheorie, \u00c4sthetik, Politik etc. Eine Philosophie der Weisheit k\u00fcmmert sich umfassend um unser <strong>Leben<\/strong>: wie es ist, sein sollte, sein k\u00f6nnte. Und sie k\u00fcmmert sich um diese Thematik rein <span style=\"text-decoration: underline;\">geistig<\/span>: mit Worten, mit Idealen, mit Ideen, die vielleicht \u00fcberzeitlich sein m\u00f6gen. Auch und gerade die Idee der Wahrheit, w\u00e4hrend die Idee der Weisheit nicht im platonischen Ideenhimmel leuchtet.<\/p>\n<p>Die\u00a0Philosophie will Leben, nicht nur unser menschliches Leben,\u00a0<u>erhalten<\/u> &#8211; \u00a0wahr und sch\u00f6n, gut und gerecht. Und sie bereitet uns insbesondere seit \u00a0<b>Seneca<\/b> auch auf den Tod vor. \u00a0Die Kunst ist weniger geistig. Mit ihren Farben und Formen und T\u00f6nen ist sie feinsinnig, sie spricht die Sinne, damit auch das Gem\u00fct und die Gef\u00fchle an.\u00a0Dazu geh\u00f6ren wohl auch Freude und Lust.<\/p>\n<p>Was bleibt? &#8211; Die Suche bleibt, Zweifel und Streit, die Auseinandersetzung. Also auch das Sprechen und Denken und Argumentieren. Auch wenn die Zeit des Argumentierens in vieler Hinsicht vorbei ist, denke ich. Denn so oft entscheiden wir nicht mehr selbst, sondern wir <em>werden<\/em> entschieden (Achtung Neupr\u00e4gung!). Wo bleibt unsere freie Entscheidung? &#8211; Das m\u00fcsst ihr die Entscheider fragen, die uns steuern und ohne dass wir es wissen oder auch nur merken w\u00fcrden. Doch was sind &#8220;Entscheider\u201c? Entscheiden sie wirklich oder simulieren sie nur wie manche \u00a0Politiker in ihrer Machtlosigkeit? \u00dcber unser Wohl und Wehe entscheiden die gro\u00dfen, weltumspannenden Konzerne. Oder einige ideologisch Verr\u00fcckte, die blindw\u00fctig ein ganzes Volk ins Messer von Vernichtung und B\u00fcrgerkrieg oder immer noch in den Hungertod laufen lassen.<\/p>\n<p>Schon bin ich die ganze Zeit wieder dabei zu argumentieren. Sicher mag eine ganze Menge Falschheit in meinem Denken liegen. Schon werden mir eine ganze Menge Leute widersprechen wollen. Und schon haben sich auch Isosthenien um Fragen der Steuerung, Freiheit und Selbstbestimmung gebildet. Ganz zu schweigen von den Menschenrechten und ihrer Definition. Das hei\u00dft nur immer wieder: Wir leben in einem Chaos, in einem Chaos von Wahrheit und Falschheit, Freiheit und Zwang, Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck. Das von Fall zu Fall n\u00fctzlich, dann auch wieder gef\u00e4hrlich sein kann.<\/p>\n<p>Ich zitiere aus einem meiner ersten Blogbeitr\u00e4ge Nr.3: <em>Also lassen wir uns treiben weiterhin im Wasser einer fr\u00f6hlichen und unerschrockenen \u00a0Orientierungslosigkeit, dann und wann ein Zipfelchen von Wahrheit erhaschend, geleitet vom allm\u00e4chtigen Schicksal, das wir weder erkennen noch durchschauen noch steuern k\u00f6nnen und mit dem jeweils \u00e4u\u00dferst individuellen wie vielf\u00e4ltigen Ziel der Gl\u00fcckseligkeit.\u00a0Also leben wir weiterhin \u00a0in einem offenen, unheilschwangeren und chaotischen System.<\/em>\u00a0<em>Schlecht muss es uns dabei nicht gehen. Vielleicht k\u00f6nnen wir diesen Zustand von Unabw\u00e4gbarkeit und Widerspruch sogar genie\u00dfen?!\u00a0Zumindest dann und wann.\u00a0Kurz sind nur und selten auch die Tage wirklichen Gl\u00fccks (seufz).<\/em><\/p>\n<p>Ich werde sogar schon ganz poetisch in dieser gro\u00dfen Un\u00fcbersichtlichkeit, die Denken, Wahrheit, Sprechen und Leben hei\u00dft. Wo ist der Ariadnefaden in diesem Labyrinth? Wer ist der Minotaurus? Wo h\u00e4lt er sich versteckt? Vielleicht in meinen Fragen, in meiner Sprache, in meinem Denken? &#8211; W\u00fcrde ich nicht denken, g\u00e4be es vielleicht gar keinen Minotaurus.<br \/>\nAber dann w\u00e4re ich doch keinen Schritt weiter als die Maschinen-Menschen, die \u00a0gedanken- und willenlos nur noch funktionieren. Im T\u00f6ten und Experimentieren und Gehorchen. Auch wenn sie gl\u00fccklich und zufrieden scheinen.(Seufz)<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=215%20%C3%9Cber%20Isosthenien%20%28Antwort%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe in diesem meinen Blog so viel \u00fcber Wissenschaft, Behaviorismus, Relativismus geschrieben, als wenn ich nicht an Statistiken oder Prognosen und Berechnungen der Wissenschaften glauben w\u00fcrde. 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