{"id":57,"date":"2014-02-10T08:46:26","date_gmt":"2014-02-10T08:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=57"},"modified":"2016-06-13T10:08:12","modified_gmt":"2016-06-13T10:08:12","slug":"liebe-und-abschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=57&lang=de","title":{"rendered":"8 Liebe und Abschied (Interview)"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Reinhold Urmetzer im Gespr\u00e4ch \u00fcber seinen Liederzyklus \u201eMaienzeit\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Warum haben Sie sich entschlossen, \u201eKunstlieder\u201c zu komponieren, fast schon ein Anachronismus in unserer Zeit?<\/b><\/p>\n<p>Ein Anachronismus? Warum? Es gibt immer noch Konzertabende, in denen Kunstlieder vorgetragen werden, auch neuere im Internationalen Stil.<\/p>\n<p><b>Was meinen Sie mit \u201eInternationalem Stil\u201c?<\/b><\/p>\n<p>So wie das Bauhaus der zwanziger Jahre international die moderne Architektur beeinflusst hat und bis heute weite Teile der Welt dominiert, so dominiert auch der Einfluss Sch\u00f6nbergs und seiner atonalen Schule die Musikabende mit Gegenwartsmusik.<\/p>\n<p><b>\u00a0Sie verwenden in Ihren Liedern keine atonalen Melodien.<\/b><\/p>\n<p>Stimmt. Neue T\u00f6ne oder Ger\u00e4uschexperimente, also das gezielt \u00a0Avantgardistische von Kunst etwa im Sinne von Helmut Lachenmann, das kommt bei mir weniger vor. Ich zitiere zwar den Serialismus, die isorhythmische Motette, Musikgrafiken oder Bitonalit\u00e4t. Doch nur in feinen, fast schon hom\u00f6opathischen Dosierungen.<\/p>\n<p><b>Deshalb h\u00f6ren sich Ihre Lieder fast wie Popmusik an.<\/b><\/p>\n<p>Vielleicht. Ich will, von der Klassik und ihren Interpreten sowie den traditionellen Konzertformen herkommend, eine Musik machen, die sowohl die eine wie die andere Zielgruppe erreicht. Und die vielen Gesangs-Studierenden dieser Welt k\u00f6nnen ein anderes Publikum kennenlernen, das auch anders mit ihrer Gesangskunst umgeht.<\/p>\n<p><b>Welches Publikum meinen Sie?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt viele Menschen, die sowohl Popmusik, die nicht immer anspruchslos sein muss, als auch moderne Klassik, die nicht immer anstrengend bis \u00fcberkomplex zu sein hat, m\u00f6gen und beurteilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Sind Sie f\u00fcr Komplexit\u00e4t in der Kunst?<\/b><\/p>\n<p>Ich bin gegen \u00dcber-Komplexit\u00e4t in der Kunst. Das gibt es ja auch gelegentlich. Im Bereich von Sprache, von Philosophie mag die \u00dcberkomplexit\u00e4t eine gewisse Berechtigung besitzen. Verk\u00fcmmert die Sprache, dann verk\u00fcmmert der Mensch. Wir werden zu Bild-Zeitungs-oder SMS-Kreaturen. Aber in der Musik halte ich sie f\u00fcr nicht unbedingt notwendig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Sie sprechen gelegentlich von \u201eMusique d\u00e9pouill\u00e9e\u201c.<\/b><\/p>\n<p>Entkleidete Musik, ja. Ich glaube, der Begriff stammt von Eric Satie. Eine Musik auf das Einfache, vielleicht auch Wesentliche reduziert. Ohne romantische Exzesse, die ich sogar aus der Musik von Olivier Messiaen heraush\u00f6re, den ich \u00fcbrigens sehr sch\u00e4tze. Ohne eine Harmonik im Sinne der Riemannschen Harmonielehre, ohne Jazz-Akkorde, serielle Strukturen, Ger\u00e4usch-Experimente, Harlekinaden\u2026<\/p>\n<p><b>Sie berufen sich auf die \u00c4sthetik Umberto Ecos, die er f\u00fcr die Literatur ausgearbeitet hat.<\/b><\/p>\n<p>Umberto Ecos Roman \u201eDer Name der Rose\u201c arbeitet mit einer popul\u00e4ren, fast schon primitiven Gattung als Grundform, dem Kriminalroman \u00a0einschlie\u00dflich\u00a0 erotischer Zugaben. Dennoch ist dieses Werk nicht nur einfach zu lesen und spannend, also \u201ewohlt\u00f6nend\u201c, sondern angereichert auch mit Zitaten, Erinnerungen und klugen Abweichungen selbst in die lateinische Sprache, sodass eine f\u00fcr mich interessante Mixtur aus Vergangenheit\u00a0 und Gegenwart, Komplexit\u00e4t und Einfachheit dabei heraus kommt.<b><\/b><\/p>\n<p><b>Sie gehen \u00a0von der Volksliedkunst des Sp\u00e4tmittelalters aus.<\/b><\/p>\n<p>Ich habe die meisten Lieder aus den dreis\u00e4tzigen Chorbearbeitungen des Rennaissance-Komponisten Clemens non Papa herausgefiltert. Alle neun Lieder arbeiten im Klavierpart mit musikhistorischen Zitaten, die vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichen. Die Texte st\u00f6ren dabei vielleicht das popmusikalische Vergn\u00fcgen. Ich habe sie in ihrem altert\u00fcmlichen Deutsch gelassen, was zu einer gewissen Mehrdeutigkeit in der Interpretation f\u00fchrt, die jedoch n\u00fctzlich sein kann.<\/p>\n<p><b>Die Thematik ist traurig, immer wieder Abschied, Auseinandergehen, und das in einer so sch\u00f6nen \u201eMaienzeit\u201c.<\/b><\/p>\n<p>Es sind Lieder von Liebe und Abschied, ja, Liebesleid-Lieder. Ich habe \u00a0in einer Sammlung von Hubertus Schendel \u2013 er hat in Kanada mehr als 300 000 deutschsprachige Lieder aus allen Epochen archiviert \u2013 keine fr\u00f6hlichen Titel bei dem Franco-Flamen, der 1556 gestorben ist, gefunden. Zwar sind wir im Fr\u00fchling, in einer so sch\u00f6nen Jahreszeit. Aber es dominiert immer wieder nur Liebesleid und Abschied.<\/p>\n<p><b>Ihr pers\u00f6nliches Liebesleid?<\/b><\/p>\n<p>Es ist zwar eine Phase des Abschieds und der Trennungen, auch das Sich-nicht-mehr-finden-K\u00f6nnen \u00fcberall um mich herum zu beobachten. Aber meiner Familie und meiner Ehe geht es den Umst\u00e4nden entsprechend gut. Bei mir stehen die Lieder eher f\u00fcr den Abschied von einem Lebensabschnitt, der zu Ende geht. Das Vergehen der Zeit \u00a0macht mich immer wieder nachdenklich und melancholisch. Selbst der 30.Geburtstag war schon eine einschneidende Z\u00e4sur f\u00fcr mich.<\/p>\n<p><b>Warum haben Sie gleich \u00a0zwei Produktionen im Tonstudio der Stuttgarter Musikhochschule anfertigen lassen?<\/b><\/p>\n<p>Die erste Fassung ist f\u00fcr die klassisch ausgebildeten Musiker der Opernh\u00e4user und Opernschulen gedacht. Mittlerweile mag man auch dort\u00a0 die\u00a0 Stilvielfalt, man ist ja mit Popmusik aufgewachsen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch viele Zeitgenossen, die mit dem Opernvibrato Probleme haben. Also habe ich f\u00fcr diese Zielgruppe eine Aufnahme im Stil der Alten Musik f\u00fcr den Gesang anfertigen lassen. Diese Fassung k\u00f6nnte mit Computern, Autotunes, Rhythmusspuren etc. f\u00fcr das andere Publikum bearbeitet werden. Mittlerweile gibt es sogar bereits \u00a0eine dritte Fassung f\u00fcr Counter-Tenor im Stil der Alten Musik, wo Alvaro Tinjaca, ein Kolumbianer, \u00a0Abschied von seinem Allerliebsten nehmen muss. Warum nicht, das gibt es in der Popwelt ja mittlerweile h\u00e4ufig.<\/p>\n<p><b>Sie waren lange Jahre Fachkritiker f\u00fcr Neue Musik \u00a0in der \u201eNeuen Zeitschrift f\u00fcr Musik\u201c, im \u201eOrchester\u201c, in Tageszeitungen, Rundfunkanstalten, haben selbst Werke im Stil der Neuen Musik vorgelegt. Warum haben Sie sich jetzt in Ihrer neuen Komposition \u00a0von dieser Musik so radikal getrennt?<\/b><\/p>\n<p>James Stirling hat bei der Einweihung seines monumentalen Neubaus der Stuttgarter Staatsgalerie w\u00f6rtlich gesagt: \u201eDie Leute mochten die moderne Architektur nicht mehr. Also habe ich mir etwas anderes \u00fcberlegt\u201c. Die beiden russischen Interpreten der Saarbr\u00fccker Urauff\u00fchrung, Enni Gorbonosova und Evgeny Alexeev, beide\u00a0\u00a028 Jahre jung, waren begeistert von meinen Liedern, haben mich immer wieder gedr\u00e4ngt, noch weitere St\u00fccke zu komponieren. Sie sprechen scheinbar die russische Seele an. Ich musste ihnen auch fast nichts zur Interpretation erkl\u00e4ren. Das hat mich nat\u00fcrlich sehr gefreut und auch motiviert.<\/p>\n<p>Ich beobachte und begleite \u00a0die Entwicklung der klassischen Musik, des traditionellen Konzertwesens, der Sinfonieorchester etc. seit mehr als 30 Jahren. Es gibt Probleme, die nicht mehr bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Ich denke sogar, dass\u00a0 so etwas wie ein Epochenwechsel stattfindet. Die <i>musica reservata<\/i> sprich Klassik zieht sich immer mehr in eine Nische zur\u00fcck. Unser Zeitalter des Historismus, der alle Stile der vergangenen Jahrhunderte gut findet, scheint an einem Ende angelangt.<\/p>\n<p>Jetzt, in dieser schnelllebigen und globalisierten Welt, wird die Umstellung des H\u00f6rverhaltens, was ja immer auch mit einer Art Konditionierung zusammen h\u00e4ngt, wohl schneller gehen als fr\u00fcher. Damals hat es Jahrzehnte gedauert, in denen sich die Musikstile \u00fcberlagerten und dann abl\u00f6sten.<\/p>\n<p><b>Sie sitzen quasi zwischen allen St\u00fchlen. Ist das bequem?<\/b><\/p>\n<p>Als junger Musiker habe ich in Rockbands und in Neue-Musik-Gruppen gespielt. Als \u00a0Journalist war ich der erste in Deutschland \u00fcberhaupt, der in \u00fcberregionalen Feuilletons gleichzeitig Rockmusik-Kritiken geschrieben und Konzerte mit neuer oder alter Musik sowie extravagante Operninszenierungen besprochen hat. Komponiert habe ich immer, B\u00fccher geschrieben auch wie viele aus meiner Welt und Generation. Aber auf eine Richtung habe ich mich nie festlegen lassen.<\/p>\n<p>Ob das bequem ist, wei\u00df ich nicht. Es macht einen auf jeden Fall zum <em>Solit\u00e4r<\/em> oder positiv ausgedr\u00fcckt: individuell und eigensinnig.<\/p>\n<p><b>Karel Goeyvaerts hat Sie entscheidend beeinflusst bei Ihrem Wechsel.<\/b><\/p>\n<p>In einem langen Interview f\u00fcr die Berliner taz \u00a0und die Neue Zeitschrift f\u00fcr Musik hat er mir 1985 im Rundfunk in Br\u00fcssel Hintergrund-Informationen zu seiner mehrj\u00e4hrigen Arbeit mit Karlheinz Stockhausen im K\u00f6lner Rundfunkstudio und \u00fcber das Entstehen der <span style=\"text-decoration: underline;\">Seriellen Musik<\/span> gegeben. Es sind nicht nur musiksoziologische, sondern vor allem auch psychologische Hintergr\u00fcnde, die bei der Entwicklung der seriellen Musik eine Rolle gespielt haben. Die anamnetische Arbeit diesbez\u00fcglich m\u00fcsste in den musikwissenschaftlichen Instituten noch geleistet werden. Aber das ist ein anderes Thema.<b><\/b><\/p>\n<p><b>Was sind Ihre weiteren Projekte?<\/b><\/p>\n<p>Gemessen an dem \u00fcberraschenden Erfolg der Lieder will ich mein altes Tanztheater \u201eNeun europ\u00e4ische Abges\u00e4nge\u201c \u2013 es gibt darin auch Text- und Gesangseinlagen \u00a0&#8211; \u00a0\u00a0wieder ausgraben. Ein Lied davon habe ich in den Maienzeit Zyklus mit aufgenommen.<\/p>\n<p><strong>Wo kann man Ihre Musik kaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Lieder werden \u00a0im iTunes-Store angeboten. Beim Verlag erh\u00e4lt man eine CD signiert und nummeriert, also quasi als ein Unikat, zum Preis von 14,99 Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Alexandre Herrmann<\/b><\/p>\n<p align=\"center\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Programmheft<\/span><\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><b>\u00a0 \u00a0 \u00a0 Liebe und Abschied<\/b><\/h2>\n<h2 style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>\u00a0<\/b><\/h2>\n<p align=\"center\"><b>Enni Gorbonosova (Sopran) und Evgeny Alexeev (Klavier) <\/b><b>interpretieren <\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Renaissance-Lieder in der Bearbeitung von<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Reinhold Urmetzer<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fast alle \u00a0Liebesleid-Lieder des heutigen Abends stammen aus dem sp\u00e4ten Mittelalter. In der Renaissance fanden sie gro\u00dfe Verbreitung sowohl in der Kunst- als auch in der Volksmusik. Reinhold Urmetzer hat sie in den dreistimmigen Chors\u00e4tzen von Clemens non Papa (um 1550) gefunden, herausgefiltert und neu harmonisiert. Dort bildeten sie den <i>cantus firmus<\/i>\u00a0 der Mittelstimme, ohne dass man sie sofort heute noch wiedererkennen w\u00fcrde. Die im Konzert aufgef\u00fchrten neuen Bearbeitungen f\u00fcr Sopran und Klavier verwenden im Klavierpart viele musikhistorische Zitate, die vom 13.Jahrhundert bis in die Gegenwart reichen. Nur die Lieder eins und acht \u00e4hneln sich in der Klavierbegleitung.<\/p>\n<p>Neben dem Einfluss von Karel Goeyvaerts beruft sich Reinhold Urmetzer auch auf die \u00c4sthetik von Umberto Eco, der das Ende der Avantgarde proklamiert hat und auf schockierende k\u00fcnstlerische Erfahrungen ganz verzichten will. Auch von \u201eMusique d\u00e9pouill\u00e9e\u201c, entkleideter Musik, spricht der Komponist, \u201eohne romantische Exzesse, ohne Harmonik im Stil der Riemannschen Harmonielehre, ohne Jazzakkorde, Serialismus, Ger\u00e4uschkunst, Harlekinaden\u201c. Die Musik ist also weniger eine Musik des Geistes, der Konstruktion oder des Experiments als eine des Gef\u00fchls\u00a0 und der Erinnerungen.<\/p>\n<p>Das \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Winterlied<\/span>\u201c ist ein bekanntes deutsches Volkslied, das gleichwohl in der originalen \u00a0kirchentonalen Melodie vorgetragen \u00a0wird und dadurch einen ganz anderen Charakter erh\u00e4lt. Das altenglische \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Scarborough Fair<\/span>\u201c verwendet ebenfalls die sp\u00e4tmittelalterliche modale Harmonik, die vom Klavier rhythmisch mit Ideen der amerikanischen Minimal Music und der isorhythmischen Motette begleitet wird.<\/p>\n<p>\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Niemand wei\u00df<\/span>\u201c (Popsong) stammt aus dem Tanztheater \u201eNeun europ\u00e4ische Abges\u00e4nge\u201c des Komponisten und ist das einzige Lied, das aus dem 20. Jahrhundert stammt.<\/p>\n<p>Das \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Tagelied<\/span>\u201c war eine beliebte Musikgattung im Mittelalter. Nachtw\u00e4chter und \u201eT\u00fcrmer\u201c pflegten morgens mit solchen Liedern die Menschen zu wecken. Mit zunehmendem Verfall von Moral und Sitte \u00fcbermittelten sie immer mehr moralische Botschaften, zumal freie Liebe und au\u00dfereheliche Affairen gegen Ende der Renaissance auch das Alltagsleben bestimmten. Arabismen erinnern an den maurischen Einfluss auf die Musik.<\/p>\n<p>In der \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Ballade<\/span>\u201c kommt ein einziges Mal der Tod ins Spiel. Die Idee des goldenen Bechers hat Goethe sp\u00e4ter\u00a0 in seinem \u201eK\u00f6nig von Thule\u201c abgewandelt. \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Ach Sorg<\/span>\u201c lebt \u00a0von dem Gegensatz solistisch eingesetztes Klavier und Gesang. Dieser wird \u00a0von einem sehr unruhigen und fast atemlosen\u00a0 Klavier immer wieder konterkariert.<\/p>\n<p>Die <span style=\"text-decoration: underline;\">Linde<\/span> ist der deutsche Baum schlechthin, unter dem sich Liebende finden k\u00f6nnen. In unserem Fall hei\u00dft es jedoch wieder Abschied nehmen \u2013 musikalisch konnotiert mit dem \u00e4ltesten deutschsprachigen Kirchenlied \u00fcberhaupt aus dem 13. Jahrhundert. Es wird im Klavier-Zwischenspiel \u00a0jedoch nur angedeutet. Erinnerungen an japanische Pentatonik finden ihre Parallele im \u201eTagelied\u201c, das mit Arabismen gearbeitet hat.<\/p>\n<p>\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">An einem Morgen<\/span>\u201c \u00a0setzt zum ersten und einzigen Mal Dissonanzen im Stil der neuen Musik in den solistischen Klavierzwischenspielen ein. Nach der Bitonalit\u00e4t zu Beginn folgt \u00a0im zweiten Zwischenspiel eine serielle Konstruktion in der\u00a0 Melodie (die Grundreihe dazu stammt von Pierre Boulez), welche den klagenden Charakter des Textes\u00a0 noch unterstreichen will.<\/p>\n<p>\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Ich sag ade<\/span>\u201c beschlie\u00dft den Liebesleid-Zyklus mit einem vielleicht vers\u00f6hnlichen Abschluss. \u201eSemplice\u201c, einfach, schlicht, hei\u00dft die Vortragsbezeichnung. Ein erstes Mal ist jetzt das Dur-Tongeschlecht zu erkennen. Das Klagend-Wehm\u00fctige ist\u00a0 jetzt einer Liebesgewissheit gewichen, die trotz aller \u201eNot und Pein\u201c best\u00e4ndig bleiben wird und an Treue sowie an ein Wiedersehen glauben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=8%20Liebe%20und%20Abschied%20%28Interview%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Reinhold Urmetzer im Gespr\u00e4ch \u00fcber seinen Liederzyklus \u201eMaienzeit\u201c &nbsp; Warum haben Sie sich entschlossen, \u201eKunstlieder\u201c zu komponieren, fast schon ein Anachronismus in unserer Zeit? 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