{"id":6037,"date":"2016-05-22T08:12:58","date_gmt":"2016-05-22T08:12:58","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6037"},"modified":"2023-01-27T06:53:04","modified_gmt":"2023-01-27T06:53:04","slug":"219-vom-unheil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6037&lang=de","title":{"rendered":"219 Vom Unheil (1)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber Isosthenien (3) \u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das alte Problem der Skepsis, dass man der Skepsis selbst gegen\u00fcber skeptisch bleiben muss, gilt im Gleichen auch f\u00fcr die Isosthenie: Dass sich innerhalb der Gleichwertigkeit selbst gegen diese Gleichwertigkeit eine Antithese bilden kann, die das urspr\u00fcngliche System <span style=\"text-decoration: underline;\">aufhebt<\/span>.<\/p>\n<p>Das bedeutet: Dass es auch Situationen gibt, wo man sich gerade nicht der Meinung enthalten, gleichg\u00fcltig und unentschieden bleiben kann, sich nicht festlegen soll, sondern dass es gleichwohl auch Momente gibt, wo man umgekehrt sich deutlich und bestimmt entscheiden muss. Im Fall von Liebe und Heirat etwa ist das Sich-nicht-Festlegen-Wollen geradezu sch\u00e4dlich, kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Das bedeutet immer wieder: Wahrheit gibt es nur <span style=\"text-decoration: underline;\">von Fall zu Fall<\/span>. Wir leben in einem Chaos der Vielfalt, der M\u00f6glichkeiten, Widerspr\u00fcche, Gegens\u00e4tze, in dem nicht festgelegt werden kann, was gerade jetzt und f\u00fcr immer verallgemeinerbar, richtig oder falsch sein kann, sein wird und umgekehrt. Das ist nicht unbedingt schlecht f\u00fcr unsere Lebensplanung, sondern es zeigt nur wieder die Wechselhaftigkeit des Lebens, unseres Lebens in dieser Welt. Zwar gibt es weiterhin die geistigen Ideen von Wahrheit, Sch\u00f6nheit und Gerechtigkeit, die wie Sterne am abendlichen Himmel uns einen Weg zu weisen versuchen in unserem Labyrinth. Doch sie sind sprachgebunden, also mehrdeutig und brauchen eine Interpretation; also sind sie auch offen f\u00fcr jedwede Isosthenie.<\/p>\n<p>Wir leben &#8211; ich wiederhole mich &#8211; \u00a0in einem Pluriversum der M\u00f6glichkeiten, der Widerspr\u00fcche, der Vielfalt, auch des Neuen und Unvorhersehbaren. Selbst das <span style=\"text-decoration: underline;\">Unheil<\/span> &#8211; wir bek\u00e4mpfen es doch so zielgerichtet und genau, nie wieder Krieg, nie wieder Hitler &#8211; kommt in neuen Formen und ganz unerwartet von anderen Seiten wieder auf uns zu. Dieses Chaos kann dann und wann scheinbar nur geb\u00e4ndigt, strukturiert werden mit einer rigiden, d.h. auch autorit\u00e4ren <strong>Dogmatik<\/strong>.<br \/>\nIn einem solchen Zustand befinden wir uns gegenw\u00e4rtig. \u00dcberall kriechen neue und alt-bekannte Herrscher und Meister-Denker aus ihren L\u00f6chern und Gr\u00e4bern. Wir glaubten sie schon l\u00e4ngst tot und begraben. Aber sie stehen wieder auf als die Alles-Wissenden, die Allm\u00e4chtigen und Diktaturen, die den eindeutigen Weg zeigen: Da geht&#8217;s lang, nur so kann es richtig sein f\u00fcr den Staat und unser Leben. Folge mir nach und gehorche!<\/p>\n<p>Willkommen in der antiken Gewaltherrschaft, die sogar gelegentlich in die Tyrannei \u00fcbergewechselt ist. Etliche Staaten um uns herum, insbesondere auch im Osten Europas mit seiner Jahrzehnte alten besserwisserischen Dogmatik, was das Gl\u00fcck von Mensch und Staat angeht, befinden sich bereits auf diesem Weg. Die Idee der Offenheit und Akzeptanz von Widerspr\u00fcchen ist tats\u00e4chlich ein neuer, in der Geistesgeschichte nur selten anzutreffender Vorschlag.<br \/>\nDoch ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung scheint mit autorit\u00e4ren \u00a0F\u00fchrern dann und wann einverstanden zu sein. Oder wie <strong>Bert<\/strong> <strong>Brecht<\/strong> geschrieben hat: Die Schafe suchen ihre Schl\u00e4chter auf dem Weg zur Schlachtbank selbst. Denn ohne Blut und Tod wird auch diese neue Auferstehung nicht zu Ende gehen, f\u00fcrchte ich.<\/p>\n<p>Wann gibt es Einheitlichkeit, Einheit? Wann war sie da? Wann darf die Waage der Isosthenie weniger stark im Gleichgewicht stehen?\u00a0<span style=\"font-size: 16px;\">Beispielsweise das Jahr 1945 \u2013 <\/span><em style=\"font-size: 16px;\">ein<\/em><span style=\"font-size: 16px;\"> Ziel gab es nur: die Toten zu betrauern, zu begraben, den Neuaufbau des Staates und aller seiner politischen Strukturen, der in Tr\u00fcmmern lag, zu wagen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.<\/span><\/p>\n<p>Doch jetzt, mit den Jahren, sind wir wieder in einer Phase des Vergessens angekommen und mit neuen, anderen Problemen. Auch mit Menschen, die ausgetretene Wege gehen und sich nicht mehr erinnern wollen oder k\u00f6nnen. Die Phase des Wohllebens, der Homogenit\u00e4t und der eindeutigen Ziele scheint tats\u00e4chlich dem Ende entgegen zu gehen.<br \/>\nAlso kann nur der totale Zusammenbruch einer Seite innerhalb der Waage der Isosthenie die andere Seite zur alles beherrschenden Wahrheit und Eindeutigkeit werden lassen, nach der wir uns alle doch so sehr sehnen?<br \/>\nEs scheint so zu sein: Dass immer nach Phasen von Tod und Zusammenbruch, wenn der Friede pl\u00f6tzlich und endlich da ist, Gl\u00fcck und Zufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung besonders gro\u00df sind.<br \/>\nDass jetzt das Leben endlich wieder leben, wieder lieben darf.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>vgl. Vom Unheil 2 (238)<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=219%20Vom%20Unheil%20%281%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Isosthenien (3) \u00a0\u00a0 Das alte Problem der Skepsis, dass man der Skepsis selbst gegen\u00fcber skeptisch bleiben muss, gilt im Gleichen auch f\u00fcr die Isosthenie: Dass sich innerhalb der Gleichwertigkeit selbst gegen diese Gleichwertigkeit eine Antithese bilden kann, die das urspr\u00fcngliche System aufhebt. 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