{"id":6104,"date":"2016-06-06T05:53:32","date_gmt":"2016-06-06T05:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6104"},"modified":"2016-06-06T05:53:32","modified_gmt":"2016-06-06T05:53:32","slug":"222-garten-der-ideen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6104&lang=de","title":{"rendered":"222 Garten der Ideen"},"content":{"rendered":"<p><i>Rede vom 4.Juni 2016 anl\u00e4sslich der Finissage von Marianne Papes Ausstellung und der Pr\u00e4sentation des neuen &#8221; Vom Wiederfinden&#8221;-Buchs in der Stuttgarter GEDOK-Galerie<\/i><\/p>\n<p>(Photos auf Twitter vom 5.Juni 2016)<\/p>\n<p>Liebe Kunstfreunde,<\/p>\n<p>Wenn Sie jetzt diese Ausstellung und diese Veranstaltung heute besuchen, dann befinden Sie sich in einem <span style=\"text-decoration: underline;\">Prozess<\/span>. Sie sind n\u00e4mlich in einem &#8220;Garten der Ideen&#8221; oder auch in einem &#8220;Feld der Ideen&#8221; angekommen, wie dies letzten Mittwoch hier in der GEDOK-Galerie bei der Vorstellung des deutschen Pavillons in Mailand bereits benannt und dokumentiert worden ist.\u00a0Diesen &#8220;Garten der Ideen&#8221; habe ich pers\u00f6nlich vielleicht als erster betreten d\u00fcrfen, und zwar als Besucher im Atelier von <strong>Marianne Pape<\/strong>. Wir beide arbeiteten schon in den <span style=\"text-decoration: underline;\">Wagenhallen<\/span>, in dieser K\u00fcnstlerkolonie am Stuttgarter Nordbahnhof, zusammen in einem Geb\u00e4ude. Sie mit ihrem Atelier, ich mit einem Schreibb\u00fcro. Dann mussten wir wegen <span style=\"text-decoration: underline;\">Stuttgart 21<\/span> umziehen in die alte Polizeiwache gegen\u00fcber dem ehemaligen Theaterhaus in Wangen.<\/p>\n<p>Der Besuch vor zweieinhalb Jahren dort im neuen Atelier hatte mich fasziniert, ja fast schon existenziell getroffen. Was ich dort gesehen habe, war mir neu, ein Chaos der Sinne und Formen, wie ich es noch nie in meinem Leben erlebt hatte: Riesige Gesteinsbrocken in der Luft, Skulpturen, gro\u00dfe Plakate, Fotos, Bilder an den W\u00e4nden &#8211; alles in einer unglaublichen Vielfalt und Dichte. Aber dieses Chaos war f\u00fcr mich ein \u00e4u\u00dferst positives Chaos, weil es Kreativit\u00e4t, Ideen, Originalit\u00e4t und Emotion ansprechen und auch wecken konnte.<br \/>\nDass dies eine Vorform des sp\u00e4ter so benannten &#8220;<em>Garten der Ideen<\/em>&#8221; war, wie er auch in Mailand im deutschen Pavillon der EXPO-Weltausstellung zur Entfaltung gekommen ist, war mir damals noch nicht klar.<\/p>\n<p>In diesem Garten hat sich dann sehr schnell sehr viel entwickelt und es entwickelt sich weiterhin. Es sind quasi Samen und Keimlinge in verschiedene\u00a0Kunstsparten gelegt worden, in die Bildhauerei, in Musik, Literatur, Buchmacherkunst, ins Grafikdesign &#8211; vielleicht sogar in den Tanz, die bis heute lebendig geblieben und am Wachsen sind.<br \/>\nVerbl\u00fcht ist zwar die preisgekr\u00f6nte Mail\u00e4nder Ausstellung, um im Bild zu bleiben. Aber es geht weiter, auch heute und jetzt.<\/p>\n<p>In meinem Herbstquartier in Ostende, wohin ich mich gerne zum Schreiben zur\u00fcck ziehe, sind\u00a0Texte f\u00fcr ein Buch entstanden, die das Atelier von Marianne Pape und ein wenig auch die Mail\u00e4nder Ausstellung beschreiben. Diese Texte gehen oft weiter als die bildnerischen Vorlagen.\u00a0Denn sie sind auch beeinflusst von der damaligen Stimmung in Br\u00fcssel und Paris, die von gro\u00dfer Terrorangst gepr\u00e4gt war und wo ich selber noch nicht einmal wusste, ob ich bei der R\u00fcckreise es wagen sollte, den abgesperrten Umsteige-Bahnhof Midi in Br\u00fcssel \u00fcberhaupt zu betreten. Ich war also existenziell eingespannt auch in eine sehr politische Welt.<\/p>\n<p>Diese Gefahr und die \u00fcbersch\u00e4umende Kreativit\u00e4t in Mariannes &#8220;Garten der Ideen&#8221; samt seiner Wildheit und Gebrochenheit, diese beiden Pole bestimmen weiterhin den Prozess, in dem wir uns befinden &#8211; den Prozess von Vielfalt, Unterschiedlichkeit, Zeugung und Kreativit\u00e4t; aber auch mit Unsicherheit, Gefahr und existenzieller Not. In diesem Zwiespalt bewege ich mich, bewegen wir uns alle.<\/p>\n<p>In der jetzt vorliegenden Dokumentation sind Texte und Bilder in einer bunten Mischung gesammelt, die auch interpretieren will: Ein Text beschreibt das Bild, das Bild interpretiert den Text und umgekehrt. Ein Zwiegespr\u00e4ch zwischen Sprache und bildender Kunst hat sich also entwickelt, das bis heute und sogar jetzt in diesem Augenblick noch anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Buchmacher und Gestalter\u00a0<strong>Paul Pape<\/strong> \u00a0war es eine Ann\u00e4herung an Fremdes und Neues. Einmal hat er schon vor einem Jahr Ostende-Texte von mir ausgew\u00e4hlt und sie f\u00fcr eine Hochschul-Abschlussarbeit grafisch gestaltet und illustriert. Zum anderen zeichnet er auch verantwortlich f\u00fcr die heutige Buchausgabe, diese Dokumentation, die wir ihnen jetzt mit Freude und Stolz vorstellen k\u00f6nnen.<br \/>\nSogar die Musik darf sich an dieser grenz\u00fcberschreitenden Ann\u00e4herung \u00a0beteiligen: Einen l\u00e4ngeren Text, in meiner Anthologie &#8220;Flaschenpost&#8221; benannt, habe ich vertont f\u00fcr Stimme, Violine und Klavier, und ich bin sehr froh, dass er an dieser Stelle heute Abend gleich erklingen darf.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Marianne Pape\/Reinhold Urmetzer, &#8220;Vom Wiederfinden&#8221; (AtelierExpoBuch I)<\/strong>\u00a0Finissage-Preis, nur in der edition weissenburg erh\u00e4ltlich<\/p>\n<p><strong>Reinhold Urmetzer, Prosagedichte<\/strong> \u00a0edition weissenburg 2015, ISBN 978-3-7386-7887-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=222%20Garten%20der%20Ideen&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede vom 4.Juni 2016 anl\u00e4sslich der Finissage von Marianne Papes Ausstellung und der Pr\u00e4sentation des neuen &#8221; Vom Wiederfinden&#8221;-Buchs in der Stuttgarter GEDOK-Galerie (Photos auf Twitter vom 5.Juni 2016) Liebe Kunstfreunde, Wenn Sie jetzt diese Ausstellung und diese Veranstaltung heute besuchen, dann befinden Sie sich in einem Prozess. 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