{"id":6509,"date":"2016-10-18T08:35:23","date_gmt":"2016-10-18T08:35:23","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6509"},"modified":"2023-01-27T07:05:29","modified_gmt":"2023-01-27T07:05:29","slug":"238-vom-unheil-2-francis-bacon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6509&lang=de","title":{"rendered":"238 Vom Unheil 2 (Francis Bacon)"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-weight: normal;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6527\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0017-225x300.jpg?resize=225%2C300\" alt=\"img_0017\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0017.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0017.jpg?resize=768%2C1025&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0017.jpg?resize=767%2C1024&amp;ssl=1 767w, https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0017.jpg?w=1440&amp;ssl=1 1440w, https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0017.jpg?w=2160&amp;ssl=1 2160w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/span><span style=\"font-weight: normal;\">\u00dcber die\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: normal;\">Notwendigkeit einer zuk\u00fcnftigen Technokratie<\/span><\/h3>\n<p>Jeden Morgen begr\u00fc\u00dft mich gegenw\u00e4rtig in einer der gro\u00dfen U-Bahn-PlakatVitrinen ein Gem\u00e4lde von <strong>Francis Bacon<\/strong>. Ich wei\u00df, dass er von den Fachleuten, also unter den K\u00fcnstlern der Akademien, mit am meisten \u00fcberhaupt von allen Malern der Gegenwart gesch\u00e4tzt wird. Doch schlimmer und verzweifelter \u00fcber den Zustand von Welt und Ich kann einen tats\u00e4chlich niemand mehr anblicken als wie diese meist halb zerst\u00f6rten und entmenschlichten, das hei\u00dft evolution\u00e4r auf eine fr\u00fchere Entwicklungsstufe zur\u00fcck geworfenen und zerst\u00f6rten Gestalten. Mag es nun ein Papst oder ein Penner, eine vollkommen deformierte Frau, ein zwei geschlechtliches Wesen oder auch nur noch ein Klumpen Fleisch sein &#8211; der Schrei, der aus diesem ge\u00f6ffneten Mund auf dem Plakat heraus gepresst wird, das ist der Schrei der ganzen gequ\u00e4lten menschlichen Kreatur. Er erinnert einen am ehesten noch und ebenso bedr\u00e4ngend an den Schrei von <strong>Edvard Munch<\/strong> oder an die wild sich aufb\u00e4umende und vergeblich wehrende Musik in <strong>Wolfgang Rihms<\/strong> \u201e<em>Tutuguri<\/em>\u201c-Spektakel.<\/p>\n<p>Doch wie ist das? &#8211; Steht es wirklich so schlimm um unsere Zeit und Gesellschaft? \u00dcbertreiben nicht wieder einmal die sensiblen K\u00fcnstler mit ihren seismographisch Welt und Wirklichkeit aussp\u00e4henden Antennen und nehmen sie pers\u00f6nlich dabei nicht auch allzu oft \u00a0einen schmerzlichen Opfergang dabei mit in Kauf?<\/p>\n<p>Man soll doch positiv denken, nicht wahr. Dieser aus den USA kommenden Sichtweise vertrauen, die sich dem negativen Denken <span style=\"text-decoration: underline;\">Herbert Marcuses<\/span>, den Analysen der deutschen <span style=\"text-decoration: underline;\">Freudomarxisten<\/span> oder auch dem anarchischen Furor der <span style=\"text-decoration: underline;\">franz\u00f6sischen Philosophen<\/span> seit den 80er Jahren so erfolgreich entgegen zu stellen wusste. &#8211; Geht nicht tats\u00e4chlich immer wieder die Sonne auf selbst in der W\u00fcste? Kann uns nicht eine einzige sp\u00e4te Herbstblume oder ein Blick, ein Kuss, eine Musik alles Leid dieser Welt vergessen machen? Ganz zu schweigen von den AblenkungsMan\u00f6vern, die Film, Fernsehen und Computerindustrie bereit halten?<br \/>\nWas sagen die Buddhisten: Alles Leid ist das Ergebnis eines Begehrens. Ohne Begehren keine Frustration, keine Entt\u00e4uschung, kein Leid. Oder die R\u00f6mer, die Stoiker: <em>Ohne Furcht und Hoffnung<\/em> sollen wir leben und <em>\u00fcber das Unab\u00e4nderliche soll man sich keine Gedanken machen&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Doch machen wir einen gro\u00dfen Schritt in die Zukunft, vielleicht mehrere hundert Jahre sp\u00e4ter. Wie wird man auf dieses unser Zeitalter zur\u00fcck blicken? Gleichg\u00fcltig, welche Augen-Kameras, vernetzten Gehirne oder Maschinen das dann sein werden. Vielleicht hat die Evolution oder das Schicksal tats\u00e4chlich zu diesem Zeitpunkt bereits schon eine neue EntwicklungsStufe erreicht. Sich selbst steuernde und verbessernde intelligente Maschinen, die sogar zur Fortpflanzung f\u00e4hig sein werden, werden eine so altbackene Spezies Mensch wie dich und mich bereits abgel\u00f6st haben wie damals die Menschheit die Affen.<\/p>\n<p>Ich denke, diese neue Gattung wird mit Schaudern und voller Verachtung auf unser Zeitalter zur\u00fcck blicken, auf St\u00e4dte und Tr\u00fcmmerberge mit zahllosen Toten, auf die Versuche zur Ausrottung ganzer Menschenpopulationen, die Produktion von immer gef\u00e4hrlicheren Waffen und T\u00f6tungsmaschinerien fast bis zum <em>no return<\/em>. Dass diesem Morden und T\u00f6ten und Abschlachten aus welchen Gr\u00fcnden auch immer und in einer epochalen Umwandlung wie zur Zeit des fr\u00fchen Christentums endlich Einhalt geboten werden <span style=\"text-decoration: underline;\">musste<\/span>. Doch mit welchen Mitteln?<\/p>\n<p>Ich denke, man wird letztendlich die N\u00fctzlichkeit einer von mir immer so skeptisch und negativ beschriebenen <strong>Technokratie<\/strong> als <em>ultima ratio<\/em> einsehen m\u00fcssen, eingesehen haben. Dass sogar Skinners Verdikt (er ist der Urvater der Verhaltenstheorie und des Behaviorismus) gegen unsere idealistischen Illusionen von &#8220;Freiheit und Menschenw\u00fcrde&#8221;(&#8220;<em>Jenseits von Freiheit und Menschenw\u00fcrde<\/em>&#8221; hei\u00dft sein diesbez\u00fcgliches Buch) selbst mich allm\u00e4hlich \u00fcberzeugt und vom Saulus zum Paulus gemacht hat. Dass die menschliche Aggressivit\u00e4t mit subtilen Manipulationsmethoden, die die gegenw\u00e4rtigen um ein Vielfaches noch \u00fcbersteigen werden, bek\u00e4mpft und eliminiert werden muss. Und das gelingt nur mit den Mitteln einer hochgradig entwickelten <strong>Technokratie<\/strong>, welche die Herrschaft von Robotern ebenfalls nicht mehr ausschlie\u00dft, sondern sogar einschlie\u00dft und unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Mein Glaube an die n\u00fctzliche Freiheit des Menschen, an seinen Willen zur Selbst- und Mitbestimmung mag tats\u00e4chlich eine <span style=\"text-decoration: underline;\">fatale Illusion<\/span> gewesen sein. Dass diese sogenannte Freiheit, selbst im Sinne des Neoliberalismus verstanden, \u00a0dem Menschengeschlecht, wie manche Sozialingenieure jetzt schon glauben und propagieren, das Gegenteil von Gl\u00fcck und Wohlleben gebracht hat. Es scheint also an der Zeit, mit technologischen Mitteln, mit Forschung und Wissenschaft <span style=\"text-decoration: underline;\">intelligente Maschinen<\/span> zu konstruieren, die uns zu einem friedlichen und unaggressiven Wesen, einem \u201eDing\u201c(Objekt) \u00a0machen, die sein Verhalten unbemerkt steuern und manipulieren k\u00f6nnen. Damit der Mensch endlich <strong>passiv<\/strong> werde und mit seinen fehl geleiteten Aktivit\u00e4ten nicht in m\u00f6rderischen Totschlagaktionen, wie sie gegenw\u00e4rtig weiterhin geschehen, das ganze Menschengeschlecht zu Grunde richtet. Der Satz &#8220;<span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Ich m\u00f6chte nicht mehr ich sagen k\u00f6nnen<\/em><\/span>&#8221; macht dann tats\u00e4chlich einen gro\u00dfen Sinn.<\/p>\n<p>Doch wer oder was steuert dann unser Ich und unser Verhalten, das sich in einer gl\u00fccklichen ich-losen Statik, in einer wohlig unaggressiven <strong>Passivit\u00e4t<\/strong> befinden wird? Wer wird dieser Programmierer eines neuen Gl\u00fccks, dieser neuen Art von Menschlichkeit und Aggressionsfreiheit sein, der vielleicht sogar das Sterben einmal abschaffen k\u00f6nnen wird?<\/p>\n<p>Auch die Ameisen wissen nichts vom Menschen, der ihr Gott und Schicksal sein kann. Ebensowenig d\u00fcrfen auch wir von diesen neuen \u00dcbermenschen, die uns steuern und die Evolution vielleicht einen Schritt weiter bringen werden, etwas wissen. Sonst w\u00fcrden wir n\u00e4mlich bereits als &#8220;die letzten Menschen&#8221; zu fr\u00fch dazu geh\u00f6ren \u00a0und dieses unser neu erworbene Wissen w\u00fcrde f\u00fcr uns nur wieder zu einer unertr\u00e4glichen Qual des Neubeginns werden, der Newcomer und Eroberer, Erforscher und Gestalter einer neuen Zeit, einer anderen Welt, in welcher der Begriff \u201eMensch\u201c ganz neu gedacht und definiert oder sogar &#8211; ganz abgeschafft werden muss von diesem gro\u00dfen Demiurgen. <i>Jenseits von Mensch und Menschlichkeit<\/i>, das propagiert der neue <u>Trans-Humanismus<\/u>, der sich bereits in einigen L\u00e4ndern unserer Welt entwickelt.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Siehe auch meine vor etlichen Jahren bereits geschriebene utopische Fiktion im Blog Nr.36: &#8220;<strong>Die Stahlstadt&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Vom Unheil&#8221; (1) im Blog die Nummer 219<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=238%20Vom%20Unheil%202%20%28Francis%20Bacon%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die\u00a0Notwendigkeit einer zuk\u00fcnftigen Technokratie Jeden Morgen begr\u00fc\u00dft mich gegenw\u00e4rtig in einer der gro\u00dfen U-Bahn-PlakatVitrinen ein Gem\u00e4lde von Francis Bacon. 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