{"id":6541,"date":"2016-10-30T07:52:03","date_gmt":"2016-10-30T07:52:03","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6541"},"modified":"2016-10-30T07:52:03","modified_gmt":"2016-10-30T07:52:03","slug":"242-skepsis-lukian-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6541&lang=de","title":{"rendered":"242 Skepsis (Lukian 6)"},"content":{"rendered":"<h3>Sextus Empirikus (3)<\/h3>\n<p>In Lukians satirischem \u201e<em>Verkauf der philosophischen Schulen<\/em>\u201c(1), wo alle Meisterdenker und Gr\u00fcnder der philosophischen Schulen auf dem Sklavenmarkt in Athen vorgestellt und verkauft werden, fehlt auch nicht der Skeptiker. Diesmal sogar in der Urform der griechischen Antike mit Namen <strong>Pyrrhon<\/strong>. Lukian karikiert ihn als typisches Ergebnis f\u00fcr die Endphase einer rigide praktizierten Skepsis: Dass die pyrrhonische Skepsis, konsequent zu Ende gef\u00fchrt, schlie\u00dflich <span style=\"text-decoration: underline;\">handlungsunf\u00e4hig<\/span>, weil entscheidungsunf\u00e4hig mache.<\/p>\n<p>Lukian, obwohl selbst Skeptiker und Anh\u00e4nger der \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Neuen Akademie<\/span>\u201c, setzt die Kritik an der Skepsis, fast schon eine grobe Persiflage, an den Schluss seines Textes, der an allen weltanschaulichen Schulen seiner Zeit um 200 n.Chr. kein gutes Haar l\u00e4sst. Mit Pyrrhon hat er sich aber auch einen besonders auff\u00e4lligen Vertreter der Skepsis ausgesucht, der bereits in der fr\u00fchen griechischen Antike besp\u00f6ttelt und in Frage gestellt worden ist.<\/p>\n<p>Nach <strong>Freud<\/strong> sind so oder so alle Neurotiker Skeptiker und umgekehrt alle Skeptiker Neurotiker, entscheidungsschwach, entscheidungsunf\u00e4hig. Die Volksweisheit hat eine sch\u00f6ne Geschichte dazu erfunden: <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Buridans Esel<\/em><\/span> kann sich nicht zwischen zwei Heuhaufen entscheiden, welchen er fressen will, und er stirbt schlie\u00dflich.\u00a0Andererseits, wenn man Diogenes in der Tonne damit vergleicht, Pr\u00fcgelei und Masturbation in aller \u00d6ffentlichkeit &#8211; die <strong>Kyniker<\/strong> waren als modische Welle der Zeit nicht weniger auff\u00e4llig und systemsprengend.<\/p>\n<p>\u00dcber Sextus Empirikus gibt es fast keine biografischen Daten, au\u00dfer dass er vielleicht Mitglied der sp\u00e4tr\u00f6mischen \u201e\u00c4rzteschule\u201c gewesen sein mag, auf welches der Name &#8220;Empirikus&#8221; hinweist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Merkur als Verk\u00e4ufer<\/strong>: Wer ist denn noch \u00fcbrig? Aha, Pyrrhon, der Zweifler \u2013 hervor! Wir m\u00fcssen dich noch schnell los werden; die Menge hat sich schon verlaufen, wer wei\u00df, ob sich unter den wenigen, die noch da sind, ein Liebhaber f\u00fcr dich finden wird. &#8211;<br \/>\nHey, meine Herren! Will uns jemand auch diesen noch abnehmen?<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer:<\/strong> Der bin ich. Aber sag mir erst, was du wei\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Skeptiker:<\/strong> Nichts.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Wie soll das gemeint sein?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Dass ich nicht wei\u00df, ob \u00fcberall etwas da ist.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer:<\/strong> Wie? Also w\u00e4ren auch wir nicht da?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Wenigstens nicht, dass ich es w\u00fcsste.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Du wei\u00dft also auch nicht, ob du selbst da bist?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Das ist gerade, was ich am wenigsten wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Das hei\u00dft die Ungewissheit weit getrieben! Was willst du denn mit dieser Waage?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Ich w\u00e4ge die Gr\u00fcnde f\u00fcr und wider so genau darauf ab, als mir m\u00f6glich ist, und wenn ich sehe, dass sie einander die Waage halten, dann \u2013 wei\u00df ich nicht, in welcher Schale die Wahrheit liegt.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Aber was im einfachen Leben zu tun ist, das wirst du doch hoffentlich ausrichten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Alles, nur keinen Entlaufenen einholen.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Und warum das nicht?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Weil ich ihn nicht fassen kann.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Das begreife, wer will. Du scheinst in der Tat ein langsamer, schwerf\u00e4lliger Bursche zu sein. Aber was ist denn das Wichtigste in deinem Philosophieren?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Die Unwissenheit, und weder zu sehen noch zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Du bist also, wie ich h\u00f6re, auch blind und taub?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Auch ohne Urteilskraft, ohne Geschmack, mit einem Wort, um nichts besser daran als ein Regenwurm.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Das macht mir Lust, dich zu kaufen. Was soll er kosten?<\/p>\n<p><strong>Verk\u00e4ufer<\/strong>: Um eine attische Mine ist er dein.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Hier! \u2013 Nun, was meinst du, guter Freund, hab ich dich gekauft?<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Das ist noch nicht so sicher.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Oh doch, das ist sehr sicher! Denn ich habe mein bares Geld f\u00fcr dich bezahlt.<\/p>\n<p><strong>Skeptiker:<\/strong> Ich halte mein Urteil dar\u00fcber noch zur\u00fcck, bis ich die Sache n\u00e4her untersucht habe.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Folge du mir unterdessen, wie es die Schuldigkeit meines Sklaven ist.<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Wer kann wissen, ob du die Wahrheit sagst?<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Der Verk\u00e4ufer, mein Geld und die Umstehenden.<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Sind denn mehr Leute noch da? Die werden dir etwas anderes sagen.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Die M\u00fchle, in der du arbeiten wirst, sollte dich bald auf eine sehr f\u00fchlbare Art \u00fcberzeugen, dass ich dein Herr bin.<\/p>\n<p><strong>Skeptiker<\/strong>: Ich halte mich im Urteilen zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4ufer<\/strong>: Zum Jupiter, ich hoffe, mich deutlich genug erkl\u00e4rt zu haben.<\/p>\n<p><strong>Verk\u00e4ufer:<\/strong> H\u00f6r doch einmal auf, dich zu str\u00e4uben, und folge deinem K\u00e4ufer.<br \/>\nEuch aber, meine Herren, laden wir auf morgen wieder ein, wo wir Ungelernte, Handwerker und Bauern feilbieten werden.<\/p>\n<hr \/>\n<p>1 Lukian \u201eWerke\u201c, Aufbau Berlin 1981(Wieland-\u00dcbersetzung)<\/p>\n<p><strong>Das Denken der r\u00f6mischen Sp\u00e4tantike im Blog: Einf\u00fchrung 149, Kynismus 151, Hedonismus 152, Idealismus (Sokrates) 153, Aristoteles 159<\/strong><br \/>\n<strong> Sexualverhalten in der antiken Welt der M\u00e4nner: Caesar 131<\/strong><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=242%20Skepsis%20%28Lukian%206%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sextus Empirikus (3) In Lukians satirischem \u201eVerkauf der philosophischen Schulen\u201c(1), wo alle Meisterdenker und Gr\u00fcnder der philosophischen Schulen auf dem Sklavenmarkt in Athen vorgestellt und verkauft werden, fehlt auch nicht der Skeptiker. 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