{"id":6589,"date":"2016-10-28T08:01:50","date_gmt":"2016-10-28T08:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6589"},"modified":"2016-10-28T08:01:50","modified_gmt":"2016-10-28T08:01:50","slug":"241-ueber-popmusik-9-80er-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6589&lang=de","title":{"rendered":"241 \u00dcber Popmusik (9) &#8211; 80er Jahre"},"content":{"rendered":"<p>Alle Popgruppen besch\u00e4ftigen sich &#8211; im Gegensatz zu &#8220;Hoher Kunst&#8221; &#8211; meist nur mit einigen wenigen Fragestellungen, die aber f\u00fcr uns Normalsterbliche wesentlich und existenziell sind. Es sind dies die Fragen nach Liebe und Zusammenleben, nach Geld verdienen und Wohlstand, manchmal nach Politik, manchmal auch nach Religion. Das macht den Erfolg der Popmusik international aus und damit trifft sie auch das Herz und Hauptanliegen von Kunst, womit sich diese seit Menschengedenken besch\u00e4ftigt: Wie man ein Leben leben soll, leben kann, vielleicht sogar leben muss.\u00a0Die philosophische \u00c4sthetik formuliert: <span style=\"text-decoration: underline;\">Kunst besch\u00e4ftigt sich mit einem Leben, wie es ist, sein k\u00f6nnte, sein sollte.<\/span>\u00a0Wer mich also fragt, was ist Kunst und wozu (Hallo WR! ) &#8211; das w\u00e4re meine Antwort, sogar alle Kunst betreffend. Die <em>formale<\/em> Gestaltung bei der Beantwortung der Frage, also das, was viele unter &#8220;Kunst&#8221; verstehen (sollen, m\u00fcssen, d\u00fcrfen?), ist m.E. zweitrangig. &#8220;Kunst f\u00fcr die Kunst&#8221; zu machen scheint \u00fcberfl\u00fcssig zu sein, auch wenn ich es gelegentlich doch auch so mache. Vielleicht sogar jetzt (seufz).<\/p>\n<p>Popsongs, \u00a0die das Begehren und den Sex ansprechen, quasi &#8220;ansingen&#8221; (&#8220;<em>let&#8217;s<\/em>\u00a0<em>get physical<\/em>&#8220;), kommen meistens aus den Tanzschuppen und sind auch f\u00fcr diese Tanzhallen und das Tanzen \u00a0gedacht. Mir ist nicht vorstellbar, wie ein Lied, das zum sexuellen Begehren aufruft, ja \u00fcber Verfallenheit und Zwang spricht, in einer ruhigen, melancholischen Form und Rhythmik daher kommen kann.<\/p>\n<p>Umgekehrt sind jedoch Lieder, welche die Liebe als soziales Ph\u00e4nomen mit Treue, Sehnsucht, Durchhalteverm\u00f6gen und Verantwortung auffassen, mittlerweile so abgegriffen und so voll von Unglaubw\u00fcrdigkeit und falschen Versprechungen, dass diese Art von Liebessongs m.E. sch\u00e4dlicher noch sein kann f\u00fcr die Allgemeinheit samt Allgemeinbildung als die Werbung f\u00fcr einen One Night Stand.\u00a0Diese Mainstream-Songs schildern einen hoffnungsfrohen Lebensweg voller M\u00e4rchenprinzen in M\u00e4rchen-Schl\u00f6ssern, sie schwadronieren von ewiger Treue, als wenn eine lebenslange Ehe mit Kindern und Familie nicht eine mittlerweile gro\u00dfe Herausforderung sein k\u00f6nnte, die gerade die Person, die singt, am wenigsten durchzustehen bereit ist.<\/p>\n<p>Wegen der Sprach-Barriere ganz vergessen wird meist auch der oft latent vorhandene religi\u00f6se und moralische Charakter vieler Lieder. Das mag in manchen Bereichen bis zur christlichen Dogmatik gehen, dann aber auch bis hin zum \u00f6stlichen Buddhismus oder Atheismus.\u00a0Was moralische Fragen betrifft, gibt es in der Pop-Kultur keine Grenzen: Es gibt Lieder, die zum gl\u00fccklichen Ehebruch aufrufen und es gibt Liebende, die sich ewige Treue schw\u00f6ren (\u201ebis dass\u2026\u201c).<\/p>\n<p>Was die religi\u00f6sen Botschaften angeht, so schleicht sich dann und wann sogar ein fundamentalistischer Ton auch in diese Art von Kunst hinein, zumal sie ja einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung erreicht und steuert. Zahlreiche christliche Sekten in den USA, \u00a0auch in Gro\u00dfbritannien, sind mittlerweile unglaubw\u00fcrdig geworden, ja geradezu sch\u00e4dlich, vor allem wenn es um eine rigide durchzusetzende Moral geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Abwechslung stelle ich heute einmal ein Lied aus der unheilschwangeren Nach-Hippie-\u00c4ra vor, ein Lied, das sogar auf uralte religi\u00f6se Mythen zur\u00fcckgreift. Der Song der weniger bekannten amerikanischen Band <strong>The Hooters<\/strong> stammt aus der zweiten Liga der Popmusik und ist alt-testamentarisch gepr\u00e4gt. D.h. er kann neben dem christlichen auch einen j\u00fcdisch-muslimischen \u00a0Ursprung haben, aber er passt in unsere Zeit. Das Lied ist in den apokalyptischen 80er Jahren entstanden, wo man \u00fcber kurz oder lang mit einer Atomkatastrophe gerechnet \u00a0und kurz vor dem Weltkrieg und Weltuntergang sich gesehen hat.<\/p>\n<p>Der Song kritisiert, der Zeitstimmung entsprechend, \u00a0die M\u00e4chtigen, die auf ihren &#8220;hohen Pl\u00e4tzen\u201c neben dem Goldenen Kalb thronen, ihre Selbstherrlichkeit, mit welcher sie die weniger M\u00e4chtigen auf den Stra\u00dfen, vor allen die Andersartigen und Under Dogs ablehnen und ausschlie\u00dfen (Achtung Interpretation!). Aber auch sie sind wie alle anderen zu Halb-Toten, zu Zombies geworden.<br \/>\nDie Gebote, die Moses seinem Volk mit auf den Weg gegeben hat, sind in St\u00fccke zerbrochen. Niemand beachtet sie mehr. \u00dcbrig bleiben in unserer Gesellschaft, die dem Untergang geweiht scheint wie zu Noahs Zeiten (wo ist unsere Arche heute?), nur noch Zombies und Underdogs, die in ihren dunklen Verstecken wie blind dahin vegetieren. Sogar den Tanz ums Goldene Kalb mit Geld- und Lust-Verfallenheit hat man scheinbar aufgegeben.<\/p>\n<p>Die Musik ist wie immer einfach, lapidar, wenige modale Akkorde nur, sich immer wiederholend mit dem einen Unterschied, dass der Sound dann und wann wechselt. Auch die typische Popkadenz T, D, DoppelD kann exemplarisch studiert werden. Sie hat die traditionelle Kadenz T, S, D mittlerweile in vielen Popsongs ersetzt. Die Popmusik meidet sie wie der Teufel das Weihwasser. Auffallend jedoch der klagende Gesang und die jaulende Virtuosit\u00e4t der elektrischen Gitarre samt den dorischen Kadenzen als rhythmisches Hauptmotiv der heftigen Hardrock-Bassgitarre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Zombies <span style=\"font-weight: normal;\">1<\/span><\/h3>\n<p>Moses trifft den Pharao,<br \/>\nSchaut ihm in die Augen,<br \/>\nSpricht ihn direkt an:<br \/>\nLass mein Volk gehn!<\/p>\n<p>Moses auf dem Berg,<br \/>\nHoch \u00fcber dem Goldenen Kalb,<br \/>\nGibt die Zehn Gebote,<br \/>\nBricht die Tafeln in zwei Teile<\/p>\n<p>All ihr Zombies, versteckt eure Gesichter<br \/>\nAll ihr Leute auf der Stra\u00dfe<br \/>\nAll ihr in den hohen Positionen &#8211;<br \/>\nDiese Teile werden auf euch fallen!<\/p>\n<p>Niemand zuvor hat mit Noah geredet<br \/>\nAlle haben nur \u00fcber ihn gelacht<br \/>\nEr arbeitet an seiner Arche<br \/>\nGanz alleine<br \/>\nNur er sah die Flut kommen<br \/>\n40 Tage und 40 N\u00e4chte<br \/>\nSeine S\u00f6hne und T\u00f6chter nahm er mit, die Israeliten<\/p>\n<p>All ihr Zombies, versteckt eure Gesichter<br \/>\nAll ihr Leute auf der Stra\u00dfe<br \/>\nAll ihr in den hohen Positionen &#8211;<br \/>\nDie Flut wird euch noch \u00fcberschwemmen!<\/p>\n<p>Gottvater, was ist los?<br \/>\nWo sind deine Kinder?<br \/>\nSitzen im Dunkeln beieinander<br \/>\nBrauchen sich doch nicht zu verstecken!<\/p>\n<p>All ihr Zombies, zeigt eure Gesichter<br \/>\nAll ihr Leute auf der Stra\u00dfe<br \/>\nAll ihr in den hohen Positionen &#8211;<br \/>\nDie Gesetzestafeln werden alle noch auf euch fallen!<\/p>\n<p>All ihr Zombies, zeigt eure Gesichter &#8211;<br \/>\nIch seh&#8217; euch doch!<br \/>\nAll ihr Leute auf der Stra\u00dfe &#8211;<br \/>\nZeigt euch!<br \/>\nAll ihr in den hohen Positionen &#8211;<br \/>\nDer Himmel wird noch \u00fcber euch zusammen brechen !<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>1 The Hooters, &#8220;All you Zombies&#8221; (1985)<\/strong><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=241%20%C3%9Cber%20Popmusik%20%289%29%20%E2%80%93%2080er%20Jahre&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Popgruppen besch\u00e4ftigen sich &#8211; im Gegensatz zu &#8220;Hoher Kunst&#8221; &#8211; meist nur mit einigen wenigen Fragestellungen, die aber f\u00fcr uns Normalsterbliche wesentlich und existenziell sind. 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