{"id":6743,"date":"2016-11-27T08:19:03","date_gmt":"2016-11-27T08:19:03","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6743"},"modified":"2020-05-04T05:52:25","modified_gmt":"2020-05-04T05:52:25","slug":"247-postmodernes-denken-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6743&lang=de","title":{"rendered":"247 Postmodernes Denken (1)"},"content":{"rendered":"<h3>Sprache und Schrift<\/h3>\n<p>Es gibt <span style=\"text-decoration: underline;\">Sprachkritiker<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Sprachskeptiker<\/span>. Beide Richtungen gehen auf <strong>Ludwig Wittgensteins<\/strong> sprachanalytische und sprachkritische Gedanken aus dem Vorkriegs-Wien des letzten Jahrhunderts zur\u00fcck.<br \/>\nDie Sprachkritiker vertreten ein aggressiv-dogmatisches Prinzip, das von der angels\u00e4chsischen <strong>Analytischen Philosophie<\/strong> bis auf den heutigen Tag vertreten wird und sich vornehmlich um das naturwissenschaftliche Weltbild, die Sprache der Technologie und Naturwissenschaft k\u00fcmmert. Alle anderen Wissenschaften, etwa die Sozial- oder Geisteswissenschaften, werden als unwissenschaftlich verworfen und aus dem Diskurs, das bedeutet auch aus dem allgemeinen Gespr\u00e4ch, ausgeklammert, wenn nicht sogar eliminiert.<br \/>\nEine richtige Sprachpolizei hat dich dergestalt entwickelt, die nach einem streng dogmatischen Regel-Kanon Sprache auf ihre logische Korrektheit und Wahrheit hin untersucht und bewertet. Dass dabei auch die traditionelle Philosophie als nicht regelkonform im Zentrum der Kritik steht, etwa das Werk Heideggers oder der franz\u00f6sischen Philosophen, war abzusehen. Hauptsitz dieser weiterhin sehr einflussreichen <b>Philosophy<\/b> <b>of<\/b> <b>Science<\/b> \u00a0sind immer noch die Hochschulen in Cambridge und Oxford.<\/p>\n<p>Diese sprachkritischen dogmatischen Schulen werden Logischer Empirismus, Neo-Positivismus oder ganz allgemein (Sprach-)Analytische Philosophie genannt. Auch Teile des <strong>Behaviorismus<\/strong> geh\u00f6ren dazu. Ihren Zenit erreichten sie in den 70er Jahren, als vor allem das Fach <span style=\"text-decoration: underline;\">Geschichte<\/span> heftig in Frage gestellt wurde und F\u00e4cher wie Kunstwissenschaft, Psychoanalyse oder auch Soziologie wegen Unwissenschaftlichkeit ganz aus dem Kanon der F\u00e4cher einer Hochschule gestrichen werden sollten. Selbst die Philosophie geh\u00f6rte dazu mit einer Ausnahme: <span style=\"text-decoration: underline;\">Wissenschaftstheorie<\/span> wurde z\u00e4hneknirschend akzeptiert; dem philosophiegeschichtlich gesehen Hauptfeind von Wahrheit und Vernunft, der <span style=\"text-decoration: underline;\">Frankfurter Schule<\/span> deutscher Provenienz, musste man sich stellen, auch wenn diese \u201eLiteraten\u201c(?) mittlerweile bereits teilweise nach Kalifornien und in andere Staaten der USA ausgewandert waren (Marcuse, Feyerabend, Fromm u.a.).<br \/>\n<u> Sprachskepsis<\/u> geht ebenfalls auf Wittgenstein zur\u00fcck, diesmal auf den sp\u00e4ten der <em>Philosophischen Untersuchungen.<\/em> Es ist dies die Philosophie der \u201eSprachspiele\u201c und \u201eLebensformen\u201c. Wor\u00fcber man nicht reden kann, muss man schweigen &#8211; so lautet Wittgensteins ber\u00fchmte Schlussfolgerung am Ende seines Lebens. \u00a0Das Schweigen quasi als die Quintessenz des abendl\u00e4ndischen Denkens, kommentiert ironisch-s\u00fcffisant Jacques Derrida diese Erkenntnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>Dass Sprache und das Festlegen von Sprache durch Schrift allgemein untersucht und in Frage gestellt wird, geht bereits auf <strong>Platon<\/strong> zur\u00fcck. Im <em>Phaidros<\/em> entdecke ich eine kleine und scheinbar weniger wichtige Stelle, die sich mit dem Problem der geschriebenen Sprache, also der Schrift, besch\u00e4ftigt und sie gegen\u00fcber dem gesprochenen Wort abw\u00e4gt, ja ihre Begrenztheit und Schw\u00e4che unterstreicht.<\/p>\n<p>Der Erfinder der Schrift im alten \u00c4gypten, einer \u201eKunst\u201c, <span style=\"text-decoration: underline;\">Theuth<\/span>, kommt stolz zu K\u00f6nig <span style=\"text-decoration: underline;\">Thamus<\/span> und ist froh \u00fcber seine Erfindung. Doch dieser stellt ern\u00fcchtert fest, die F\u00e4higkeit zum Erinnern, bislang eine gro\u00dfe Leistung der Menschen und eines Volkes ohne Schrift, ginge jetzt verloren.<br \/>\nNoch schlimmer: Das geschriebene Wort k\u00f6nne sich nicht wehren gegen Missbrauch, Missverstehen, Fehldeutungen, L\u00fcgen &#8211; all das, was bei einer verk\u00fcrzten oder auch entfesselten Sprache, wie sie sich gegenw\u00e4rtig in den elektronischen Medien durchsetzt, zu einer umfassenden Kommunikationsst\u00f6rung, Desinformation und Desorientierung f\u00fchren kann. Ich nenne diese neue Kommunikationsform die \u201everk\u00fcrzte, reduzierte Sprache\u201c, die sich rasant ausbreitet, und sie ist eines meiner Hauptthemen immer wieder im Blog.<\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Wei\u00dft du, auf welche Weise du einem Gott gefallen wirst in deinem Reden und in deinem Lehren?<\/em><\/p>\n<p><strong>Phaidros<\/strong>: <em>Durchaus nicht. Aber du wohl?<\/em><\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Wenigstens kann ich eine Geschichte dar\u00fcber erz\u00e4hlen von den Alten. F\u00fcr ihre Wahrheit tragen diese die Verantwortung.<\/em><\/p>\n<p><strong>Phaidros:<\/strong> <em>Dann erz\u00e4hle doch einmal die Geschichte, die du geh\u00f6rt haben willst.<\/em><\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>:<em> Also: Ich h\u00f6rte, in der Gegend von Naukratis in \u00c4gypten sei einer der alten G\u00f6tter des Landes zu Hause mit Namen Theuth. Er sei der Erfinder der Zahl und des Rechnens gewesen, der Geometrie und Astronomie, au\u00dferdem des Brett- und W\u00fcrfelspiels und namentlich auch der Schrift. \u00dcber ganz \u00c4gypten habe als K\u00f6nig Thamus geherrscht, bei Ihnen hei\u00dft er Amon. <\/em><br \/>\n<em>Zu diesem kam Theuth und zeigte ihm seine K\u00fcnste mit dem Ansinnen, sie sollten alle in \u00c4gypten eingef\u00fchrt werden. Thamus fragte nach dem Nutzen einer jeden dieser K\u00fcnste. Und wie jener seine Erkl\u00e4rungen gab, tadelte er bald, bald lobte er, was ihm gut oder schlecht schien an der Darlegung.<\/em><br \/>\n<em>So soll er dem Theuth \u00fcber jegliche seiner K\u00fcnste eine eingehende Beurteilung f\u00fcr und wider gegeben haben, die nach zu erz\u00e4hlen zu umst\u00e4ndlich w\u00e4re. <\/em><br \/>\n<em>Als er aber bei der Schrift war, sagte Theuth: <\/em><br \/>\n<em>\u201eDie Schrift, o K\u00f6nig, wird die \u00c4gypter weiser und ihr Ged\u00e4chtnis fester machen; denn als Mittel f\u00fcr Ged\u00e4chtnis und Weisheit ist dieser Lehrgegenstand von mir erfunden worden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es folgt nun ein bekanntes Argument \u00fcber Sinn und Nutzen von Technik, anwendbar in unserer Zeit auch auf vieles &#8211; Kernenergie, Gentechnik und nicht zuletzt auch Digitalisierung: Die Macher und Erfinder reflektierten zu wenig \u00fcber die Folgesch\u00e4den ihrer Entdeckung, indem sie einseitig nur deren Nutzen sehen. Sie w\u00e4gen zu wenig das F\u00fcr und Wider ab und bedenken nicht die Folgen.<\/p>\n<p><em>Thamus erwiderte: \u201eO du Meister der Kunstfertigkeit, Theuth! Der eine ist im Stande, K\u00fcnste hervorzubringen, ein anderer sie zu beurteilen, in welchem Verh\u00e4ltnis Schaden und Nutzen sich verteilen werden f\u00fcr die Leute, die sie brauchen sollen. <\/em><br \/>\n<em>Auch du hast jetzt, als Vater der Schrift, aus Voreingenommenheit das Gegenteil von dem angegeben, was sie vermag. Du hast ihren Schaden nicht bedacht. Denn diese Kunst wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Ged\u00e4chtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftst\u00fcck von au\u00dfen sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen. Also nicht ein Mittel zur Kr\u00e4ftigung, sondern zur St\u00fctzung des Ged\u00e4chtnisses hast du gefunden.<\/em><\/p>\n<p>Nur die innere \u201eSelbstbesinnung\u201c, innere Reflexion und Einsicht in den Sinn der Worte bewirkt ein Lernen und Verstehen, welches Grundlage jeder Weisheit sei. Und dieses Verstehen der (besser sogar im Dialog gesprochenen) Worte bedarf auch einer anerkannten vermittelnden <span style=\"text-decoration: underline;\">Autorit\u00e4t<\/span>, die die Weisheit weiter geben kann im Sinne einer Erl\u00e4uterung, einer Tradition. Vieles zu wissen, es in Schriftform gebracht zu haben, bedeutet noch lange keine Weisheit. Es ist nur eine von au\u00dfen \u00fcbernommene \u201eVielwisserei\u201c, die Simulation von Weisheit und Vernunft, eine Schein-Weisheit.<\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Von Weisheit gibst du deinen Lehrlingen einen Schein, nicht die Wahrheit: Wenn sie vieles geh\u00f6rt haben ohne Belehrung, werden sie auch viel zu verstehen sich einbilden, da sie doch gr\u00f6\u00dftenteils nichts verstehen und schwer zu ertragen sind im Umgang mit Weisheit. Zu Halbweisen geworden sind sie, zu D\u00fcnkelweisen, und nicht zu Weisen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Phaidros<\/strong>: <em>O Sokrates, leicht erdichtest du Geschichten aus \u00c4gypten und aus welchen Landen du immer willst.<\/em><\/p>\n<p>Auf den begr\u00fcndeten Einwand von Phaidros, Sokrates erfinde nur Geschichten und Sagen, damit es in sein argumentatives Konzept passe, reagiert Sokrates (nach einem ironischen Schlenker \u00fcber die angebliche Weisheit der Jugend) mit dem Hinweis, dass Weisheit mit der \u00dcberzeugungskraft des Sprechenden als einer Autorit\u00e4t zu tun habe, wer ist dieser Sprecher, aus welchem Land kommt er, wie vertrauensw\u00fcrdig ist er, kann man seiner Weisheit trauen.<\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Mein Freund, die Leute im Heiligtum des Zeus zu Dodona meinten, von einer Eiche seien zuerst Worte der Weissagung gekommen. Den Menschen von dazumal aber, da sie nicht so weise waren wie ihr jungen Leute heute, gen\u00fcgte es in ihrer Einfalt, auf Eiche und Fels zu h\u00f6ren, wenn diese nur Wahres erz\u00e4hlten. F\u00fcr dich jedoch ist es wohl nicht gleichg\u00fcltig, wer der Erz\u00e4hler ist und aus welchem Land er kommt. Denn nicht danach allein fragst du, ob es sich so verhalte oder anders.<\/em><\/p>\n<p>Im Folgenden kommt die Zentralstelle der Argumentation von Sokrates: Schriftlicher Aufzeichnung (als einer Kunst und Handlungsanweisung) kann nichts Deutliches und Sicheres im Sinne einer Weisheit, das ist auch im Sinne einer wahren Aussage \u00fcber Sch\u00f6nheit und Gerechtigkeit entnommen werden. Geschriebenen Worten k\u00f6nne sogar noch eine weiter gehende Bedeutung im Sinne von Mehrdeutigkeit beigelegt werden, \u00fcber die sich Sokrates jedoch an dieser Stelle nicht ausl\u00e4sst. Stattdessen verdeutlicht er die Gefahren, die von gelesenen S\u00e4tzen ausgehen k\u00f6nnen: Anders als beim gesprochenen Wort k\u00f6nnen sie <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht auf Fragen antworten. Sie bleiben stumm, leben nur in der subjektiven Interpretation des Lesenden.<\/span><\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Also, wer da meint, in schriftlicher Aufzeichnung eine Kunstanweisung zu hinterlassen und andererseits, wer solche annimmt in dem Glauben, es k\u00f6nne etwas Deutliches und Sicheres schriftlichen Aufzeichnungen entnommen werden, d\u00fcrfte mit gro\u00dfer Einfalt behaftet sein und wirklich die Weissagung Amons nicht kennen, indem er geschriebenen Worten eine weiter gehende Bedeutung beilegt als die, Wissenden zur Erinnerung zu dienen an die Dinge, wor\u00fcber die Aufzeichnungen handeln.<\/em><\/p>\n<p><em>Denn das ist wohl das Bedenkliche beim Schreiben und gemahnt wahrhaftig an die Malerei: auch die Werke jener Kunst stehen vor uns als lebten sie; doch fragst du sie etwas, so verharren ihre Bilder in gar w\u00fcrdevollem Schweigen. Ebenso auch die Worte eines Aufsatzes: Du m\u00f6chtest glauben, sie sprechen und haben Vernunft; aber wenn du nach etwas fragst, was sie behaupten, um es zu verstehen, so zeigen sie immer nur ein und dasselbe an.<\/em><\/p>\n<p>Noch schlimmer: Wer sagt denn, dass solche Aufs\u00e4tze gerade geeignet sind f\u00fcr diesen Lesenden? Worte, S\u00e4tze und Texte \u201etreiben sich wahllos herum\u201c, sind \u00fcberall und bei jedem, ber\u00fccksichtigen aber nicht die Lese- und Verstehensf\u00e4higkeiten der Lesenden; sie passen, passen aber auch manchmal nicht zu diesem Menschen und in diesen Kontext.<br \/>\nWer von den Modedesignern wird etwas von der Ingenieursprache verstehen, verstehen wollen? Wer von den Theologen interessiert sich f\u00fcr die Kunst des Krieges? Wittgenstein nennt dies das <span style=\"text-decoration: underline;\">Sprachspiel,<\/span> in dem man sich befindet. Und Sprachspiele haben ihre \u201eHeimat\u201c, ihren Kontext in <span style=\"text-decoration: underline;\">Lebensformen<\/span>, in denen man ganz individuell und jeweils andersartig aufgewachsen ist. Nur so ist Verstehen m\u00f6glich. Wenn nicht muss der \u201eVater der geschriebenen Worte\u201c befragt werden, \u201edenn das Wort selbst kann <span style=\"text-decoration: underline;\">weder sich wehren noch sich helfen<\/span>&#8220;.<br \/>\nDoch dieser Vater der Worte ist meist nicht oder nicht mehr vorhanden.<\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Und dann: Einmal nieder geschrieben, treibt sich jedes Wort allenthalben wahllos herum, in gleicher Weise bei denen, die es verstehen, wie auch genauso bei denen, die es nichts angeht, und wei\u00df nicht zu sagen, zu wem es kommen sollte und zu wem nicht. <\/em><br \/>\n<em>Wenn es dann schlecht behandelt und ungerechter Weise geschm\u00e4ht wird, so bedarf es immer seines Vaters, der ihm helfen sollte: denn selbst kann es weder sich wehren noch sich helfen.<\/em><\/p>\n<p>Was w\u00e4re die Alternative, wenn Worte und Texte so schwach, falsch, mehrdeutig, immer anders gelesen werden k\u00f6nnen je nach F\u00e4higkeit und Herkunft der Lesenden? &#8211; Sokrates und Platon berufen sich auf das <span style=\"text-decoration: underline;\">gesprochene Wort<\/span>. Ein Wortwechsel unter Sprechenden kann Missverst\u00e4ndnisse im Verstehen und H\u00f6ren schnell beseitigen, kommt der Wahrheit und Weisheit bedeutend n\u00e4her, auch wenn rhetorische Tricks ein Problem sein k\u00f6nnen und in der Politik Populisten T\u00fcr und Tor damit offen zu stehen scheinen. Nicht zuletzt hat sich schon zu Platons Zeit mit den m\u00e4chtigen <strong>Sophisten<\/strong> eine Isosthenie gebildet, als wenn man mit Sprechen, Gesten und Emotionen der Wahrheit und Weisheit n\u00e4her kommen k\u00f6nnte. Manchmal gerade nicht.<\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Doch sehen wir nach einem anderen Wort, dem leiblichen Bruder von jenem geschriebenen, und beachten wir, auf welche Weise dieses zu Stande kommt und wieviel besser und wirkungsvoller es seiner Natur nach ist als jenes.<\/em><\/p>\n<p><strong>Phaidros<\/strong>: <em>Welches w\u00e4re das und wie entsteht es?<\/em><\/p>\n<p><strong>Sokrates<\/strong>: <em>Das, welches mit Sachkenntnis aufgezeichnet wird in der Seele des Lernenden, f\u00e4hig zur Selbstverteidigung und kundig des Redens und Schweigens je nach Umst\u00e4nden.<\/em><\/p>\n<p><strong>Phaidros<\/strong>: <em>Von dem lebendigen und beseelten Wort des Wissenden sprichst du, wovon das Geschriebene mit Recht als eine Nachbild nur bezeichnet werden k\u00f6nnte.<\/em><\/p>\n<p>aus: <strong>Platon, Phaidros (Kapitel LIX &#8211; LXI) &#8211;\u00a0<\/strong>\u00dcbersetzung Otto Apelt<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>Was bedeutet das nun f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Kommunikations-Problematik im sozialen Diskurs? &#8211; Ich denke, Kurznachrichten im Sinne eines reduzierten und verk\u00fcrzten Sprechens k\u00f6nnen tats\u00e4chlich zum Problem werden. Nicht immer, denn auch hier bilden sich Isosthenien; aber doch dann und wann. Termine \u00fcber SMS oder Waht\u2019sApp zu best\u00e4tigen, scheint unproblematisch. Jedoch bereits eine einfache Botschaft wie:\u201cIch kann leider heute um 17h nicht kommen, ich melde mich\u201c ist offen f\u00fcr kommunikationspsychologischen \u00c4rger. Es gibt kein direktes und schnelles Nachfragen mehr, die emotionale Stimmungslage ist unklar, wie antworten etc. Wichtige Dinge sollten m.E. deshalb immer Aug\u2019 in Auge besprochen werden.<br \/>\n\u00dcber die Problematik beim Verstehen ganzer Texte und ihrer\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Interpretabilit\u00e4t<\/span> habe ich schon \u00f6fter geschrieben. Insbesondere f\u00fcr die postmodernen Philosophen ist gerade die Mehrdeutigkeit von Sprache und Sinn, die permanente Notwendigkeit zur Interpretation auch von Gesten, Emotionen und Unbewusstem ein ganz besonderes Thema.<\/p>\n<p>Doch auch im alten \u00c4gypten konnte die Uhr nicht zur\u00fcck gedreht werden. Die Schrift entwickelte sich weiter und weiter bis hin zu Platon selbst mit einer eigenen Mehrdeutigkeit und Missverst\u00e4ndlichkeit in seinen Werken, den \u00dcbersetzungsproblemen samt Fehl- und Missdeutungen seiner Philosophie bis in die Gegenwart hinein. Was selbst die analytischen Philosophen nicht verhindern k\u00f6nnen, wenn sie uns eine Standardsprache dogmatisch vorschreiben wollen, sogar andere als die technisch naturwissenschaftlichen Gebiete betreffend.<\/p>\n<p>Das gesprochene Wort bleibt gleichwohl oft eine Alternative, auch wenn selbst diese mit rhetorischen Tricks letztlich doch wieder in Frage gestellt werden kann. Siehe den gegenw\u00e4rtigen Einfluss von Populisten, die sich sogar ihrer Unwahrheit und L\u00fcgenhaftigkeit br\u00fcsten und ein neues Zeitalter jenseits der Fakten, jenseits der Wahrheit ausrufen m\u00f6chten (\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Post-Faktizit\u00e4t<\/span>&#8220;) &#8211; Willkommen im Zeitalter von L\u00fcge, Simulation, Schein und Unwahrheit!<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Vgl. auch &#8220;Vom Denken&#8221; (III) &#8211; \u00a0\u00dcber das Absurde im Denken und in der Argumentation (Nr.46)<\/b><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=247%20Postmodernes%20Denken%20%281%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprache und Schrift Es gibt Sprachkritiker und Sprachskeptiker. 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