{"id":6789,"date":"2017-01-01T08:55:18","date_gmt":"2017-01-01T08:55:18","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6789"},"modified":"2018-12-09T16:06:11","modified_gmt":"2018-12-09T16:06:11","slug":"249-postmodernes-denken-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=6789&lang=de","title":{"rendered":"249 Postmodernes Denken (2)"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: center;\">Post-Faktisch<\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0Andere Menschen denken anders\u00a0(John Cage)<\/em><\/p>\n<p>Wie h\u00e4ngt das postmoderne Denken mit der gegenw\u00e4rtigen Verwirrung von Sprache, Pressearbeit und Wahrheit in der Gesellschaft zusammen?<br \/>\nWenn bereits das \u201epost-faktische&#8221; Zeitalter in gewissen Kreisen ausgerufen wird, das sich nicht mehr &#8220;einseitig&#8221; nur auf die Fakten st\u00fctzt, sondern zus\u00e4tzlich sich auch auf Gef\u00fchle (vor allem), aber auch auf Irrationalismen wie F\u00fcgung, Horoskop, telepathische Einfl\u00fcsterungen oder Orakelspr\u00fcche der B\u00e4ume beruft: Lasse mich stark sein, Eiche, wenn ich dich umarme (vgl. den ironischen Einwand von Sokrates im Blogbeitrag Nr.247), dann h\u00e4ngt dies alles tats\u00e4chlich direkt mit dem allgemeinen <span style=\"text-decoration: underline;\">Relativismus<\/span> der postmodernen Denker zusammen.<\/p>\n<p>Insbesondere <strong>Derridas<\/strong> Kritik am <span style=\"text-decoration: underline;\">Eurozentrismus<\/span> ist auf dankbaren politischen Boden im Reich der neuen Antiaufkl\u00e4rer gefallen. Etwa in Russland: Das westliche Denken sei ein anderes als das postsowjetische. Stimmt &#8211; vor allem in der Sexualmoral oder in den Vorstellungen von Liebe und Ehe scheint es gro\u00dfe Unterschiede zu geben. Frauen von dort, die besonders gern im Westen nur noch Kreditkarten-M\u00e4nner suchen; Pogrome auf dem Land gegen Homosexuelle und Massenmanipulationen per Fernsehen durch selbst ernannte Heiler, die auch noch erfolgreich sind in diesem Riesenreich. Ganz zu schweigen von den politischen Helden und Taten, die gefaked werden, wie es den M\u00e4chtigen gerade gef\u00e4llt.<br \/>\nSelbst die allgemeinen <span style=\"text-decoration: underline;\">Menschenrechte<\/span>, deren Wurzeln bekanntlich bis ins Zeitalter der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung und auf die Philosophie Kants zur\u00fcck gehen, werden als eurozentrisch abgelehnt, um den individuellen Willen zur diktatorischen Macht nur noch hemmungsloser durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch<strong> Lyotards<\/strong> Sympathie f\u00fcr die antiken Sophisten, scheinbar mehr noch als f\u00fcr die Meisterdenker unserer Philosophiegeschichte, geht in Richtung einer alles relativierenden <span style=\"text-decoration: underline;\">Subjektivit\u00e4t<\/span> (1). In der Auseinandersetzung mit den Sophisten haben Sokrates und Platon jedoch dessen ungeachtet ihre Positionen gefunden, die bis heute diskutiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die postmodernen Franzosen hatten <em>im \u00f6dipalen Disput mit dem Marxismus<\/em> ihren Gegner gefunden, insbesondere am Beispiel seiner Realisierung in der Politik Lenins und Stalins. Denn diese &#8220;Realisierungen&#8221; im Namen eines willk\u00fcrlich als Kommunismus oder Sozialismus fest gelegten <span style=\"text-decoration: underline;\">Dogmas<\/span> in Osteuropa oder auch in Maos China waren f\u00fcr fast alle Au\u00dfenstehenden inakzeptable Mittel zum Zweck einer abschreckenden Gewaltherrschaft, die sich nur auf die Macht der Gef\u00e4ngnisse und Gewehre st\u00fctzen konnte.<\/p>\n<p>Schnell z\u00e4hlte man die franz\u00f6sischen Kritiker polemisch zu den \u201eneuen Rechten\u201c. Doch diese waren gerade nicht gegen die Lehre von Karl Marx, sondern nur entschieden gegen den politisch praktizierten <strong>Marxismus<\/strong>, das hei\u00dft, was man daraus auch institutionell gemacht hatte, um die eigene Bev\u00f6lkerung &#8220;vor dem Kapitalismus zu sch\u00fctzen&#8221;. Die Vincenner, wie man sie nach ihrer Wirkungsst\u00e4tte an einer Pariser Universit\u00e4t auch benannt hatte, verstanden sich linker als links, d.h. als <span style=\"text-decoration: underline;\">undogmatisch<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">anarchistisch<\/span>. Alles musste auf den Pr\u00fcfstand der Geschichte, alles durfte angezweifelt, infrage gestellt werden. Jedes politische, weltanschauliche oder moralische Dogma.<\/p>\n<p>Auch und vor allem die Vorstellungen von <span style=\"text-decoration: underline;\">Wissenschaftlichkeit<\/span>. Was ist Wissenschaft? Welche Wahrheiten lehrt sie uns? &#8211; Die Vorstellung von Wissenschaftlichkeit im Osten (sie wurde vollkommen beherrscht von der Ideologie des \u201eDialektischen Materialismus\u201c, auch Diamat genannt) war eine ganz andere als die im Westen propagierte, was bereits im ganzen letzten Jahrhundert deutlich geworden war. Philosophie und Geisteswissenschaft im Osten waren eine ganz andere als die im Westen; sie waren Religion, Dogma und gewaltsame Unterdr\u00fcckung in einem. Ganz zu schweigen von der parteipolitisch dominierten Propaganda-Lehre und \u00c4sthetik des \u201esozialistischen Realismus\u201c. Nur eine sozialistische Mathematik und Physik hatte man noch nicht einf\u00fchren k\u00f6nnen. Auch wenn in den Vorworten zu solchen Lehrb\u00fcchern dennoch immer die reine Lehre der Staatsideologen Erw\u00e4hnung finden musste.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Philosophen, allen voran Derrida und Lyotard, gingen sogar mutig genug auch in \u00a0andere H\u00f6hlen des L\u00f6wen hinein und setzen sich mit dem seit der Studenten-Bewegung neu erwachten <strong>Freudo-Marxismus<\/strong> der Frankfurter Schule (Habermas, Adorno, Horkheimer) ebenso auseinander wie mit Luhmanns <strong>System-Theorie<\/strong> oder der anglo-amerikanischen <strong>Philosophy of Science<\/strong>. Luhmann erz\u00e4hlte mir in einem Interview von einem Treffen mit Derrida auf einem Kongress in New York, wo dieser ironisch l\u00e4chelnd die provokative These in den wissenschaftstheoretischen Raum gestellt hatte, &#8220;die Bedingung der M\u00f6glichkeit von Systemtheorie ist, dass es gar keine Systeme geben kann&#8221;.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>Doch wie h\u00e4ngt das alles mit dem &#8220;Post-Faktischen&#8221; (oder auch &#8220;Alternativ-Faktischen&#8221;)zusammen, das gegenw\u00e4rtig wie ein Unwort die politische Diskussion beherrscht?<br \/>\nDass unser Verhalten oft, ja vielleicht sogar meistens nicht von Fakten bestimmt wird, sondern von Intuition, spontaner (Bauch-) Entscheidung selbst gegen die Fakten, von Gef\u00fchlszust\u00e4nden und dergleichen mehr wird jeder bei sich selbst schon hat sp\u00fcren k\u00f6nnen. Ich sage &#8220;sp\u00fcren&#8221; und ich sage nicht &#8220;erkennen&#8221;, denn das Erkennen ist eine Kunst, die Denken, Interpretieren und Wissen voraussetzt und nicht von jedermann beherrscht beziehungsweise gesch\u00e4tzt oder eingesetzt werden kann. Dennoch sind beide Zust\u00e4nde menschlich. Sie pr\u00e4gen und steuern mehr oder weniger stark unseren Lebensweg.<\/p>\n<p>Alle Relativierungsstrategien der postmodernen Art, auch wenn sie noch so sehr in der Antike ihren Ursprung haben, gehen in unserer Gegenwart jedoch letztlich auf den Schweizer Philosophen und Wissenschaftstheoretiker <strong>Paul Feyerabend<\/strong> (1924-1994) zur\u00fcck. Er lebte in dem sonnigen und pluriversen Kalifornien des letzten Jahrhunderts, unterrichtete ebenso wie <strong>Herbert Marcuse<\/strong> in Berkeley (San Francisco) und entwickelte dort seine anarchistische Wissenschaftstheorie, die sich als <span style=\"text-decoration: underline;\">post-marxistisch<\/span> verstand. Immerhin war er ein Sch\u00fcler und Anh\u00e4nger von <strong>Sir Karl Popper<\/strong> gewesen, dem (deutschen) Meisterdenker der anglo-amerikanischen <span style=\"text-decoration: underline;\">Philosophy of Science<\/span>, mit dem er aber dann bald gebrochen hatte zu Gunsten eines fast schon aggressiven und anarchischen Relativismus, der mittlerweile sogar schon von &#8220;<span style=\"text-decoration: underline;\">Post-Faktizit\u00e4t<\/span>&#8221; redet .<\/p>\n<p>Im Umgang mit der Wahrheit spricht Feyerabend von Methoden-Vielfalt (<strong>Anything Goes<\/strong>): Auch mit ganz unterschiedlichsten Methoden lassen sich Wahrheit erkennen und Techniken erfolgreich entwickeln. Wie nicht zuletzt er selbst eine eigene vorstellt: Fast schon ironisch gebrochen beschreibt er, wie er sich mit traditionellen und f\u00fcr mein Empfinden suspekten Heilmethoden von Krankheiten zu befreien sucht (2).<br \/>\nInteressant ist auch sein intensiver Briefwechsel mit <strong>Hans Albert<\/strong>, einem f\u00fchrenden Vertreter des <span style=\"text-decoration: underline;\">Kritischen Rationalismus<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Neo-Positivismus<\/span> in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Feyerabends philosophische und wissenschaftstheoretische Richtung steht geradezu antithetisch zu den Positionen Alberts. Und dennoch konnten beide lebenslang im Gespr\u00e4ch und in einer freundschaftlichen Diskussion miteinander bleiben (3).<\/p>\n<p>Auch Derridas \u201epost-strukturalistischer\u201c Ansatz, jeder Welt-Kultur, ja fast schon jeder Lebensform, auch jedem Geschlecht(!) eine eigene Sprache, ein eigenes Denken und eine eigene Vorstellung von Wahrheit, Sch\u00f6nheit und Gerechtigkeit zuzubilligen, geht in diese Richtung. Derrida hat ebenso wie Lyotard und Baudrillard eine Zeit lang in Kalifornien unterrichtet und gelebt und dort das fr\u00f6hliche und auch &#8220;post-faktische&#8221; Durcheinander der Lebensstile, Religionen, der Wahrheiten und Weisheiten kennen gelernt.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt kommt auch eine einflussreiche psychologische und psychotherapeutische Schule, die ihre Wurzeln auch in <strong>Wilhelm Reich<\/strong> hat, aus Kalifornien (Big Sur, \u201eEsalen-Institut\u201c): die Gestalttherapie von <strong>Fritz Perls<\/strong>, auf die sich gegenw\u00e4rtig viele k\u00f6rperbezogene Psychotherapien st\u00fctzen. NachfolgeSchulen sind etwa die Bioenergetik, aber auch die so exzessiv am K\u00f6rper orientierten Moden der Gegenwart, das hei\u00dft Sport, Fitness, Yoga, Meditation und der gleichen mehr, h\u00e4ngen alle damit zusammen. Nicht zuletzt wurden und werden in Kalifornien auch spirituelle Vorbilder aus den asiatischen Kulturen adaptiert, die im europ\u00e4ischen Westen ebenso gerne angenommen worden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir befinden uns also wieder in einer typischen <span style=\"text-decoration: underline;\">Vermischungsphase der Kulturen<\/span>\u00a0samt aller daraus resultierenden Konflikte und Irritationen. Noch nicht im Sinne einer Weltkultur. Aber Hegels &#8220;<u>Weltgeist<\/u>&#8221; hat sich wieder mit einem erheblichen Schritt nach vorne auf den Weg gemacht trotz oder gerade auch wegen der vielen Widerst\u00e4nde, die sich ihm dialektisch, um nicht von Isosthenien zu reden, entgegen stellen. Und das Tempo des Zusammenwachsens der Kulturen wird immer schneller. Bald wird dieser &#8221; Weltgeist&#8221; im Sinne Hegels (und auch von Marx) mit Weltregierung, Welt-Institutionen und Welt-Justiz als die Summe aller &#8220;Zeitgeister&#8221; der Einzel-Kulturen am Ziel sein, allen nationalistischen Ein-Igelungen und Isolierungsversuchen der Gegenwart zum Trotz.<\/p>\n<p>In Los Angeles habe ich einen Park der Weltreligionen kennenlernen k\u00f6nnen, wo sich Buddhismus, Islam, Judentum, Hinduismus und Christentum freundlich die H\u00e4nde reichen d\u00fcrfen. \u00c4hnliche Ans\u00e4tze gibt es auch im Schlosspark von <span style=\"text-decoration: underline;\">Schwetzingen<\/span>, nur dass dieser Park bereits aus der Zeit der Aufkl\u00e4rung stammt und nicht zuletzt auch Lessings Nathan-Tr\u00e4ume illustriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>Doch noch einmal: Was sind Fakten? Was sind Fakes? Wie lassen sie sich beweisen? Widerlegen? Wozu sind sie gut? Wie n\u00fctzlich sind sie? Kann uns dabei die Wissenschaft helfen? L\u00e4sst sich Wahrheit oder Unwahrheit in Bezug auf metaphysische Begriffe wie Gott, Seele, Liebe, Sch\u00f6nheit, Vernunft berechnen, digitalisieren?<\/p>\n<p>Wie wichtig sind Gef\u00fchle in unserem Leben? Welchen Stellenwert haben sie bei unserer Entscheidungsfindung? Lassen sie sich beeinflussen? Oder sind wir ihnen bereits ausgeliefert, ohne dass wir es bemerken w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Nach welchen Richtlinien sollen wir urteilen, wenn es um Wahrheit, Sch\u00f6nheit oder Gerechtigkeit geht? Was ist rational, was irrational im Gespr\u00e4ch und bei der Suche nach Wahrheit? Was ist normal, was unnormal?<br \/>\nWas ist Weisheit, wenn alles wahr sein kann? Wozu noch Philosophie?<br \/>\nGibt es etwas, das f\u00fcr alle Menschen gleich g\u00fcltig und gleich richtig ist?<\/p>\n<p>Das auch \u00fcberzeitlich und multikulturell g\u00fcltig bleibt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke ja. Eben diese Fragen und Fragestellungen n\u00e4mlich jetzt werden \u00fcberzeitlich den Menschen besch\u00e4ftigen, so lange er Mensch bleiben will. Was nicht unbedingt vorausgesetzt werden kann(4). Nicht jedoch die Antworten werden gleich bleiben. Sie werden kommen und gehen wie immer und \u00fcberall in der Welt.<\/p>\n<p>Doch wenn diese eben genannten Fragen gar nicht mehr verstanden werden k\u00f6nnen? &#8211; Dann werden sie gleichwohl in einer anderen Sprache verstanden und formuliert sein, die ich wiederum vielleicht nicht mehr verstehen werde. Und ich denke, eben das geschieht augenblicklich in unserer Gesellschaft. Wir sind wieder einmal allein gelassen in neuen und fremden Sprach-Welten, wir denken und leben alleine in einem seltsamen, technisch kalt und fremd eingerichteten labyrinthisch anmutenden Apparat. Wir werden auch alleine sterben, ohne wie so oft den Minotaurus je gesehen zu haben. Denn den gibt es ja bekanntlich nicht.<\/p>\n<p>Doch wir w\u00fcrden die L\u00fcge nicht kennen, wenn wir nichts von der Wahrheit w\u00fcssten. Ohne Wahrheit gibt es keine Wahrscheinlichkeit. Das sagt die Mathematik, selbst wenn die Asymptote nie an die Wahrheit ganz heran reichen oder mit ihr verschmelzen kann.<br \/>\nDass es zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder auch viele und unterschiedliche Wahrheiten gegeben hat und geben wird, das haben die postmodernen Denker nachdr\u00fccklich zu beweisen versucht. Auch wenn ich sie, Derrida eingeschlossen, eher zu den K\u00fcnstlern als zu den beweislastigen Wissenschaftlern z\u00e4hle (5).<\/p>\n<p>Erfreulicherweise, muss ich hinzu f\u00fcgen. Denn unsere Aufgabe ist und bleibt als Mitglieder einer Sprach-Gemeinschaft \u00a0das gemeinsame <u>Interpretieren<\/u>; eine Spur zu spuren, zu finden in dieser W\u00fcste voller Daten und &#8220;Fakten&#8221;, wo gleichwohl doch immer wieder die Sonne aufgehen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>1 <strong>Jean Fran\u00e7ois Lyotard<\/strong>, \u201eDie Mauer des Pazifik\u201c(1985). Eine leicht zu lesende \u201eErz\u00e4hlung\u201c \u00fcber das neue Denken und Leben in Kalifornien. Auch Lyotards eigenwilliges methodisch-stilistisches Vorgehen beim Finden von Wahrheit wird hier deutlich. Nicht zuletzt war der Franzose der Erfinder oder Verbreiter des Begriffs \u201ePostmoderne\u201c(\u201eDas postmoderne Wissen\u201c 1979), auch wenn er \u00fcber diese Neupr\u00e4gung nicht gl\u00fccklich gewesen sein soll, so Niklas Luhmann im Gespr\u00e4ch. Siehe auch mein taz-Interview mit Lyotard auf der Blogseite Nr.19.<br \/>\n2 <strong>Paul Feyerabend<\/strong>, \u201eWider den Methodenzwang\u201c(1976), \u201eErkenntnis f\u00fcr freie Menschen\u201c(1979). Alles geht &#8211; eine Begrenzung der Suche nach Wahrheit einseitig nur auf die Naturwissenschaften h\u00e4lt Feyerabend f\u00fcr fatal und geradezu unwissenschaftlich.<br \/>\n3 Briefwechsel <strong>Hans Albert &#8211; Paul Feyerabend<\/strong> 1958-86. Albert war 1968 mit seinem angeblichen Neo-Positivismus heftige Zielscheibe studentischer Kritik, die auch auf die Wissenschaftstheorie gro\u00dfe Auswirkungen hatte (&#8220;DerPositivismus-Streit in der Sziologie&#8221;).\u00a0Einen Interview-Wunsch meinerseits beantwortete Feyerabend in Z\u00fcrich schriftlich mit dem Hinweis, dass die ganze Philosophie \u201egar nicht so wichtig sei\u201c.<br \/>\n4 Vgl. im Blog die Nr.238 (\u201eVom Unheil 2\u201c) und meine neue Einstellung zur <b>Technokratie<\/b>: Dass die Evolution tats\u00e4chlich vielleicht eine Herrschaft der sich selbst steuernden und verbessernden Maschinen vorsieht und wir Menschen in die zweite Reihe werden zur\u00fcck treten m\u00fcssen.<br \/>\n5 Ob Derrida und Baudrillard nur \u201e<em>eleganten Unsinn<\/em>\u201c geredet haben &#8211; vgl. im Blog meinen Aufsatz zur Sokal-Affaire.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Derrida-Einsteiger<\/strong>: Meine erste und auf mich sehr provokativ wirkende Bekanntschaft mit Derrida war sein Werk &#8220;<em>Sporen &#8211; Die Stile Nietzsches<\/em>&#8220;. Dieses kleine d\u00fcnne B\u00fcchlein bereits von 1972 hatte ich als Raubdruck auf einem Rock-Festival in S\u00fcddeutschland erworben und es hatte mich sofort fasziniert: Wegen seiner extremen &#8220;Unverst\u00e4ndlichkeit&#8221; einschlie\u00dflich seiner wechselnden Thematiken, dem neuen und st\u00e4ndig wechselnden Schrift-Design, den sexuellen Anspielungen (&#8220;Phallokratie&#8221;, &#8220;Das Zur\u00fcckziehen der Vorhaut der Eichel&#8221;), seiner Mehrsprachigkeit und Hermetik allgemein.<br \/>\nEin Satz daraus ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: Nietzsches &#8220;<em>Ich habe meinen Regenschirm vergessen&#8221;<\/em> und Derridas bizarre Erl\u00e4uterungen dazu. Die schlie\u00dflich in dem versteckt-verschl\u00fcsselten \u00a0Res\u00fcmee endeten: Vielleicht mag meine gesamte Interpretation Nietzsches nur die parodistische \u00dcbersteigerung einer Interpretation gewesen sein.<\/p>\n<p>Drei weitere, leichter auffindbare, ebenfalls sehr artistische und mit Ironie gew\u00fcrzte Werke Derridas kann ich empfehlen:<br \/>\n&#8220;<em>Wie nicht sprechen<\/em>&#8221; (1989), &#8220;<em>Einige Statements und Binsenweisheiten \u00fcber Neologismen, New-Ismen, Post-Ismen, Parasitismen und andere kleine Seismen<\/em>&#8220;(1997) sowie die Heidegger-&#8220;Paraphrase&#8221;: &#8220;<em>Geschlecht<\/em>&#8221; \/ &#8220;<em>Heideggers Hand<\/em>&#8221; (1988).<br \/>\nVgl. auch im Blog die Nr.17 und Nr.18 \u00fcber Derrida.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Inhalt gesamt Nr.91<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich w\u00fcnsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2017! &#8211; Ob im p<\/strong><b>r\u00e4-, post-, anti- oder wie auch immer faktischen Sinne, das mag \u00a0jede Person f\u00fcr sich selbst entscheiden.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=249%20Postmodernes%20Denken%20%282%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Post-Faktisch \u00a0Andere Menschen denken anders\u00a0(John Cage) Wie h\u00e4ngt das postmoderne Denken mit der gegenw\u00e4rtigen Verwirrung von Sprache, Pressearbeit und Wahrheit in der Gesellschaft zusammen? 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