{"id":7116,"date":"2017-02-17T08:33:12","date_gmt":"2017-02-17T08:33:12","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7116"},"modified":"2019-05-15T18:42:05","modified_gmt":"2019-05-15T18:42:05","slug":"258-ueber-sklaverei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7116&lang=de","title":{"rendered":"258 \u00dcber Sklaverei"},"content":{"rendered":"<p><b>Vom reduzierten Denken, Sprechen,\u00a0Schreiben und F\u00fchlen<\/b><\/p>\n<p>&#8220;<em>Ich habe irgendwo von dir die Nachricht gelesen, dass<\/em>&#8230;&#8221; schreibt er mir in einer kurzen SMS-Botschaft, auf die ich schon sehnlichst einige Tage gewartet habe. So ist das mit den neuen Kommunikationsformen der Gegenwart: Permanent wird man von kurzatmigen Nachrichten zugem\u00fcllt. Gelegentlich sind Werbung von Nachricht, Wahrheit von Falschheit sowieso nicht mehr zu unterscheiden. Wer hat wo noch was geschrieben?Und im Spam-Ordner muss man auch noch suchen. Also besser ignorieren und gar nicht, gar nichts mehr lesen.<\/p>\n<p>Was ich im Blog immer wieder als das <span style=\"text-decoration: underline;\">reduzierte Denken<\/span>, als das <span style=\"text-decoration: underline;\">reduzierte Schreiben<\/span> problematisiert, angedeutet, infrage gestellt habe, entwickelt sich mittlerweile mit einer exponentiellen Kraft und St\u00e4rke. Selbst einer der m\u00e4chtigsten Menschen dieser Welt, der amerikanische Pr\u00e4sident, twittert am liebsten: Er braucht keine Nebens\u00e4tze mehr zu bilden. Einfache Haupts\u00e4tze, auf wenige Zeichen reduziert, gen\u00fcgen vollauf, so dass sich die Menschheit f\u00fcr informiert h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ich schreibe keine Tweets. Erstaunt werdet ihr fragen: Aber du schreibst doch auf Twitter! So oft, und so viel! &#8211; Ja, aber nicht zur Information \u00fcber meine pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten, \u00fcber Tatsachen und Gef\u00fchle aus meinem direkten Lebensumkreis, die mir wichtig sind, sondern nur um Menschen, die sich f\u00fcr Kunst gleich welcher Art interessieren, zu informieren, was ich gerade mache, was gerade l\u00e4uft. Und dass das &#8220;Laufen in der Kunst&#8221; meine allerwichtigste Lebensbet\u00e4tigung sein kann, wage ich zu bezweifeln. Die Tweets auf Twitter sind also nur ein Kommunikationsmedium der Werbung. Das Leben mit seinen vielf\u00e4ltigen Herausforderungen an das Ich, das Du und das Wir ist weitaus gr\u00f6\u00dfer, m\u00e4chtiger und umfassender als die Kunst, zumindest bei mir. Und es kann am allerwenigsten mit Twitter auf den Begriff gebracht werden.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber das verk\u00fcrzte Denken habe ich schon immer wieder geschrieben. Verk\u00fcrzt sich das Schreiben, dann verk\u00fcrzt sich auch das Denken (und umgekehrt). Etwa einmal in der Woche hat man fr\u00fcher sich die M\u00fche gemacht, einen Brief mit der Hand zu schreiben. Sehnlichst hat man die Antwort erwartet, sich \u00fcber die Schrift, die Briefmarke, die Gestaltung dieser Briefe gewundert, ge\u00e4rgert, gefreut und sie oft sogar auch noch gesammelt. Das erste Telefon dann in der Wohnung &#8211; was f\u00fcr eine Revolution!<\/p>\n<p>Mittlerweile ist aber das Schreiben per SMS, WhatsApp und sogar eMail ebenso verk\u00fcrzt und eingeschr\u00e4nkt wie das Denken. Denn das Denken in Haupts\u00e4tzen, welches Nebens\u00e4tze, geschweige denn Nebens\u00e4tze in Nebens\u00e4tzen einschlie\u00dft, \u00fcberfordert mittlerweile viele Menschen. Es <b>unterfordert<\/b> aber gleichwohl auch die menschlichen F\u00e4higkeiten: Das H\u00f6ren, Interpretieren und die Merkf\u00e4higkeit, die menschliche Kreativit\u00e4t; letztlich also auch unseren inneren Computer mit seiner F\u00e4higkeit zum rationalen Denken, zum Entscheidungen treffen sic et non und zum Handeln.<\/p>\n<p>Aber auch das Sprechen, sofern es \u00fcberhaupt noch stattfindet &#8211; studieren wir nicht lieber unser Handy, um ein Ziel in der Stadt zu erreichen? &#8211; scheint immer mehr sich zu verk\u00fcrzen. In den Stra\u00dfenbahnen beobachte ich nur still vor sich hin geneigte K\u00f6pfe, die wer wei\u00df was zu studieren scheinen. Ich denke, meist sind es Bilder, keine Worte, geschweige denn Texte. Gut, gelegentlich sieht man doch noch j\u00fcngere Menschen, die tats\u00e4chlich ein Buch lesen oder sich mit Tablets zieren, welche quasi die alten B\u00fccher ersetzen. Doch meistens wird nur gelangweilt auf den elektronischen Ger\u00e4ten hin und her gescrollt.<\/p>\n<p>Die Ekstase dieser Art von Kommunikation erlebt man mittlerweile im Restaurant. Nicht nur, dass das Handy als neugieriger Teilhaber (Secret sharer) still neben uns auf dem Tisch liegt, schlummert, blinkt, darauf wartet, angetippt zu werden, mit seinen Piepst\u00f6nen uns in ein Gespr\u00e4ch zu verwickeln sucht &#8211; der Beginn der Roboterisierung unserer Kommunikation mit Maschinen-Subjekten. Immer wieder wird das Gespr\u00e4ch abgebrochen durch einen Blick nach unten, ob eine neue Nachricht bereits wieder angekommen ist und auf uns wartet. Es breitet sich in solchen Restaurants zuweilen eine gespenstische und fast schon bedr\u00fcckende Stille aus, die nur von den gelegentlichen Piepst\u00f6nen oder dem Flimmern der Ger\u00e4te unterbrochen wird. Ich \u00fcbertreibe.<\/p>\n<p>Letzter Schritt: das reduzierte <span style=\"text-decoration: underline;\">F\u00fchlen<\/span>. Bei mir zumindest geht dem F\u00fchlen meist immer das Sprechen, das H\u00f6ren, das Sehen und Verbalisieren des Gesehenen, Geh\u00f6rten, Gesprochenen voraus. Wenn auch nur in meinem Inneren. Ich mag auch auf die prim\u00e4ren Reize etwa der Sexualit\u00e4t reagieren (m\u00fcssen), aber doch nicht so sehr und zielgerichtet, wie es die Feministinnen uns M\u00e4nnern immer gerne unterstellen. Im Gegenteil: Ich achte darauf, was die Person mit Worten auszudr\u00fccken vermag, nicht nur wie sie sich bewegt, wie sie aussieht, wie sie mich anl\u00e4chelt.<\/p>\n<p>Sie mag mich noch so freundlich anl\u00e4cheln (schwule M\u00e4nner zwinkern einen gelegentlich an mit dem Auge), wenn die Worte, die sie an mich richtet, nicht kompatibel mit meinem Denken und Empfinden sind, d.h. wenn ich mit diesen Worten nichts anfangen kann, weil sie mich nicht faszinieren, fesseln, mir die Seele meines Gegen\u00fcber andeuten, die sich dann im Laufe des Kennenlernens \u00f6ffnen, zeigen und enth\u00fcllen wird, so dass sich Liebe und Begehren nach und nach entwickeln k\u00f6nnen &#8211; dann ist jede Anstrengung, mit mir in Kontakt zu kommen, vergebliche Liebesm\u00fch. Lasst alle Hoffnung fahren, hei\u00dft es in der &#8220;G\u00f6ttlichen Kom\u00f6die&#8221;. So auch bei mir.<\/p>\n<p>Was will ich nun mit dieser langen und redseligen Interpolation sagen?<br \/>\nEs geht um die Entwicklung, Entfaltung und um die Verk\u00fcrzung der Gef\u00fchle beim Mann. Ich denke, dass das Gef\u00fchlsleben des Mannes, das Wachsen, Starkwerden und Schrumpfen bis hin zum g\u00e4nzlichen Verschwinden und Nicht-Existieren seiner Gef\u00fchle, anders als bei der Frau, schon a priori zur Verk\u00fcrzung neigt. Der m\u00e4nnliche Rationalismus neigt sehr zum Zur\u00fcckhalten, ja Abt\u00f6ten der Gef\u00fchle. Selbstbewusst stellt er sich mit seinem kr\u00e4ftigen &#8220;Verstand&#8221; vor jede Gef\u00fchlsregung, will sich gerade nicht davon abh\u00e4ngig machen. Den soldatischen Mann hindern, bel\u00e4stigen, gef\u00e4hrden geradezu die Gef\u00fchle. Er braucht Kraft und St\u00e4rke und Durchsetzungsverm\u00f6gen, will er seine Ziele erreichen, die eher keine Z\u00e4rtlichkeit und \u201eWeichheit&#8221;, gerade auch nicht die &#8220;Raserei der Verliebung\u201c (Seneca) einschlie\u00dfen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Sein Gef\u00fchlsleben ist bestimmt und dominiert von Rationalit\u00e4t, &#8220;Vernunft&#8221;, zweckrationalem Handeln, \u201eDurchrationalisierung&#8221; selbst im negativ gemeinten Sinn der Psychoanalyse. Und wenn nun sogar auch dieses Vokabular verk\u00fcrzt, verk\u00fcmmert, also reduziert wird, weil nicht mehr rationalisiert, nicht mehr gelesen, reflektiert werden kann (eher nur noch gerechnet, digitalisiert, programmiert oder per Handy kommuniziert wird), muss auch nicht zuletzt die Gef\u00fchlsf\u00e4higkeit des Mannes, sein Gef\u00fchlsleben, das wachsen und gen\u00e4hrt werden will, sich reduzieren und verk\u00fcmmern. Selbst Zeichen des Unterbewusstseins, die interpretiert werden mit Worten, die wir uns klar machen m\u00fcssen, wenn wir mit einer Person in einen wirklichen und ehrlichen Kontakt treten wollen, werden nicht mehr gesehen oder erkannt. Der Menschl als ein \u00fcberaus vielschichtiges und feinsinniges Wesen, das sich in allen seinen F\u00e4higkeiten entwickeln und entfalten will, <b>verk\u00fcmmert<\/b>\u00a0auch in Gef\u00fchlsleben.<\/p>\n<p>Was tun? &#8211; Gelegentlich die Ger\u00e4te ausschalten, f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit auch, und feststellen, ob es auch ohne diese freundlichen Begleiter unserer Tage geht.<\/p>\n<p>Wenn nicht, sich auf eben diesen Ger\u00e4ten Hilfs-Programme herunterladen (sic!) \u00fcber Abh\u00e4ngigkeitsverhalten und Sklaverei.<\/p>\n<p><i>f\u00fcr LT<\/i><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=258%20%C3%9Cber%20Sklaverei&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom reduzierten Denken, Sprechen,\u00a0Schreiben und F\u00fchlen &#8220;Ich habe irgendwo von dir die Nachricht gelesen, dass&#8230;&#8221; schreibt er mir in einer kurzen SMS-Botschaft, auf die ich schon sehnlichst einige Tage gewartet habe. So ist das mit den neuen Kommunikationsformen der Gegenwart: Permanent wird man von kurzatmigen Nachrichten zugem\u00fcllt. Gelegentlich sind Werbung von Nachricht, Wahrheit von Falschheit sowieso nicht mehr zu unterscheiden.&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[466,470,486,476,478],"tags":[],"class_list":["post-7116","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-de","category-philosophie-de","category-politik-de","category-psychologie-de","category-soziologiegender"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4WFkG-1QM","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7116"}],"collection":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7116"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9951,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7116\/revisions\/9951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}