{"id":7176,"date":"2017-03-15T08:46:01","date_gmt":"2017-03-15T08:46:01","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7176"},"modified":"2017-03-18T21:19:57","modified_gmt":"2017-03-18T21:19:57","slug":"260-ueber-tanztheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7176&lang=de","title":{"rendered":"260 \u00dcber Tanztheater"},"content":{"rendered":"<p><em>Aus einem Schriftwechsel mit der Choreographin Mirjam S\u00f6gner (Berlin\/Wien) und der S\u00e4ngerin Nat\u00e1Lia B\u00e1lint<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Frau S\u00f6gner,<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre n\u00fctzliche R\u00fcckmeldung. Nein, es soll kein einseitig mythologisches Handlungsballett aus meinem Tanztheater werden, eher das Gegenteil!<br \/>\nNat\u00fcrlich kann man das St\u00fcck ganz abstrakt oder auch aktualisiert auf die B\u00fchne bringen. Nicht unbedingt in Ihrem Sinne. Aber zu einseitig mythologisch interpretiert wird es Opfer einer &#8220;Ost-\u00c4sthetik&#8221;, wie es mittlerweile mit dem (Final)-&#8220;Song of Thetis&#8221; in der Interpretation mit Nat\u00e1Lia B\u00e1lint geschehen ist (YouTube).<\/p>\n<p>Ich habe jetzt auch Ihre Webseite genauer studieren k\u00f6nnen, sie hat mir sehr imponiert. In vieler Hinsicht. Ich denke sogar, das Feinsinnig-Filigrane der (Ihrer?) Zeichnungen trifft sogar \u00e4hnliche (formale) Intentionen in Ihrer Tanzkunst. Weniger haben sie leider mit meinen &#8220;Ilias&#8221;-Bildern zu tun, zumal diese fast nur von Trauer und Schwermut gezeichnet sind.<\/p>\n<p>Es ist tats\u00e4chlich so, dass unsere \u00e4sthetischen Vorstellungen wenig kompatibel scheinen. Ich sage scheinen. Denn wie Sie bin auch ich kein Freund eines direkt-plakativen Handlungsballetts, schon gar nicht eines mythologischen. Also sollten auch die &#8220;Abfahrenden Schiffe&#8221; kein plumpes Handlungsballett, keine einfache Verdopplung eines Geschehens aus der Antik nur sein. Dann doch lieber Abfahrende Schiffe im Mittelmeer.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich jedoch in meiner Kunst nicht zu sehr von Abstraktionen leiten lassen, denn meines Erachtens spiegelt die Kunst ein Leben, wie es ist, sein k\u00f6nnte, sein sollte. Zwar im Sinne Umberto Ecos vielf\u00e4ltig gebrochen auch durch das Elit\u00e4re im Sinne von Abstraktion, Wissen und Kunstfertigkeit, aber doch nahe an den Menschen und ihren Bed\u00fcrfnissen. Deshalb auch ganz bewusst diese meine Art von Musik.<\/p>\n<p>Vielleicht finden wir folgenden Kompromiss, um unseren Kontakt nicht ganz abbrechen zu lassen und den Diskurs weiter f\u00fchren zu k\u00f6nnen: Sie picken sich nur ein oder zwei Beitr\u00e4ge heraus, die Ihnen musikalisch gefallen und setzen diese Musik t\u00e4nzerisch um. Sie bebildern nicht, sie illustrieren nicht, aber Sie versuchen zu interpretieren. Denn die Musik sollte nicht nur, wie so oft geschehen, missbraucht werden als ein beliebig austauschbarer Hintergrund. Selbst in einer Auff\u00fchrung noch sollten sich Tanz und Musik fast metaphysisch begegnen, ber\u00fchren, gegenseitig inspirieren&#8230;<br \/>\nZum Schluss noch einmal meine Bitte: Ob Sie mir jemanden in der Tanzkunst nennen k\u00f6nnten, an den ich mich mit meinem Anliegen wenden k\u00f6nnte. Gerne auch jemand, der politisch arbeitet vielleicht sogar wie Erwin Piscator in den 20er Jahren.<\/p>\n<p>Soviel f\u00fcr heute und Danke noch einmal f\u00fcr Ihr Interesse!<br \/>\nEs gr\u00fc\u00dft Sie sehr herzlich aus Stuttgart<\/p>\n<p>Reinhold Urmetzer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*****<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lieber Herr Urmetzer,<\/p>\n<p>vielen, lieben Dank f\u00fcr die Zusendung der Unterlagen!<br \/>\nIch habe mich sehr \u00fcber die Post gefreut und gerne durchgebl\u00e4ttert \/ durchgeh\u00f6rt.<br \/>\nNach der genauen Einsicht der Materialien bin ich mir jedoch nicht sicher ob ich\u00a0die Richtige bin um den choreographischen Teil des Projekts umzusetzen.<br \/>\nMeine Arbeit ist sehr abstrakt, tief verankert in der Bewegungsrecherche und weniger\u00a0im Darstellen von bestimmten inhaltlichen Ideen, wie von Ihnen durch die Wahl der<br \/>\nmythologischen Bilder vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Um sich ein genauere Vorstellung zu meinem Schaffen zu machen schauen Sie doch gerne auf\u00a0meiner Website vorbei: www.mirjamsoegner.com<\/p>\n<p>Sollten, Sie doch zu dem Schluss kommen, dass Sie mein choreographischer Ansatz \u00e4sthetisch anspricht, k\u00f6nnen\u00a0Sie sich gerne abermals bei mir melden. Ansonsten w\u00fcnsche ich Ihnen viel Spa\u00df und<br \/>\nInspiration f\u00fcr den weiteren Verlauf des Projekts!<\/p>\n<p>Mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nMirjam S\u00f6gner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*****<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hallo Nat\u00e1Lia,<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr dein Schreiben \u00fcber den Stand der Dinge. Wenn es jetzt um Bearbeitungen, Soundfragen, Cover-Versionen etc. des Thetis-Liedes geht, will ich Folgendes klar stellen:<\/p>\n<p>Bearbeitungen mit Rockbands, Sound-Maschinen etc. sind alle ok, sofern auch meine Rechte als Urheber von Text und Musik beachtet werden. Ich freue mich sogar, wenn dieses Lied oder das ganze Tanztheater neue und kreative Ideen in die Welt setzen. Ich bin in diesem Bereich, \u00e4hnlich wie Wolfgang Rihm, offen und geduldig.<\/p>\n<p>Bei Fassungen mit Bildern und Videos etc. m\u00f6chte ich\u00a0jedoch von meinem Vetorecht als Urheber Gebrauch machen d\u00fcrfen. Das hei\u00dft, ich m\u00f6chte mir die Fassung vorher ansehen.<br \/>\nDas Gleiche gilt f\u00fcr \u00dcbersetzungen in andere Sprachen.<\/p>\n<p>Wenn das Lied im Rahmen eines Tanztheaters aufgef\u00fchrt wird, soll es wie alle anderen St\u00fccke des Projekts im allgemeinen live gespielt werden. Das hei\u00dft Du und die Erstbesetzung haben das Vorrecht bei der Besetzung mit Musikern.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte also weniger, dass bei Auff\u00fchrungen CDs oder andere MusikKonserven verwendet werden, wie es so oft im Ballett oder Tanztheater stattfindet. Das Ensemble ist ganz bewusst von mir so klein eingeplant und auf Notenpapier festgehalten worden. Alles ist von Fachleuten abspielbar, die quasi wie in einer Performance in das Geschehen mit einbezogen werden k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, dass sie auf keinen Fall versteckt werden sollen. Im Gegenteil.<br \/>\nNat\u00fcrlich k\u00f6nnen und sollen auch immer wieder andere Musikanten dieses Lied und das ganze Tanztheater interpretieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr das AbschlussLied, das gerade jetzt in Studios bearbeitet wird oder worden ist, kann man sich die MusikVersion von Evgeny Alexeev ausleihen. Vor allem, wenn als Abschluss des Ganzen eine Film-oder (YouTube?-)Videoaufnahme eingeblendet wird, was ich mir gut vorstellen kann. Das Lied selbst muss aber live gesungen werden, um den Gegensatz zum Klassik-Beginn quasi mit einer Arie jetzt zum internationalen und Welt umspannenden Song ( deshalb in Englisch) deutlich werden zu lassen.<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p>Reinhold Urmetzer<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=260%20%C3%9Cber%20Tanztheater&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus einem Schriftwechsel mit der Choreographin Mirjam S\u00f6gner (Berlin\/Wien) und der S\u00e4ngerin Nat\u00e1Lia B\u00e1lint &nbsp; Liebe Frau S\u00f6gner, Vielen Dank f\u00fcr Ihre n\u00fctzliche R\u00fcckmeldung. 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