{"id":747,"date":"2014-04-21T09:39:57","date_gmt":"2014-04-21T09:39:57","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=747"},"modified":"2019-02-01T09:01:54","modified_gmt":"2019-02-01T09:01:54","slug":"30-ueber-das-blog-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=747&lang=de","title":{"rendered":"30 \u00dcber das Blog-Schreiben"},"content":{"rendered":"<h3>100 Tage \u00a0Blog-Schreiben!<\/h3>\n<p><strong>Sie haben sich jahrelang im Bereich der klassischen Medien, in Zeitungen, Zeitschriften und B\u00fcchern bewegt. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern sind Sie nun doch beim Bloggen angekommen, das den neuen Medien zugeordnet wird, und dies jetzt schon 100 Tage lang. War das eine Herausforderung f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Nennen Sie nicht dieses Wort &#8211; &#8220;Bloggen&#8221;! Ich rede lieber von Blog-Schreiben. &#8211;\u00a0Aber tats\u00e4chlich. Ich bin immer noch dabei, es beginnt mir sogar zu gefallen.<\/p>\n<p>Gewiss war es eine Herausforderung. Es erinnert mich an das Zeitungsschreiben. Man sitzt an seinem Schreibtisch und schreibt in die weite Nacht hinein. Wer wei\u00df an wen und wohin. Es gibt Reaktionen, Leserbriefe, Kommentare, nur sehr wenige bislang. Auch Leserbriefe auf meine \u00a0Zeitungsartikel gab es immer nur recht wenige. Au\u00dferdem wurden sie von der Redaktion gefiltert. Das hei\u00dft, nur solche wurden an mich weiter geleitet, bei denen eine Antwort sich gelohnt hat. Beschimpfungen oder Beleidigungen wurden schon gar nicht durchgelassen. \u00c4hnlich gehen wir auch jetzt vor. <strong>Alexey<\/strong> <strong>Chibakov<\/strong>, der Administrator, leitet nur ernst zu nehmende Kommentare an mich weiter.<\/p>\n<p><strong>Hat sich dadurch Ihr Schreibstil ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Was hei\u00dft mein Schreibstil? &#8211; Ich habe mehrere Schreibstile. Den einen nenne ich den journalistischen Stil f\u00fcr Zeitungen. Das hei\u00dft verst\u00e4ndlich, informativ, eine breitere Leserschicht ansprechend.Vorbild war mir hier die Pariser Tageszeitung &#8220;Lib\u00e9ration&#8221;. In einem anderen Blogbeitrag habe ich dar\u00fcber geschrieben, auch von den Tricks, die ich dabei anwende (Humor, Ironie, rhetorische Fallen, sexuelle Reizw\u00f6rter). Dann gibt es den literarischen Stil in meinen B\u00fcchern, etwa in den drei &#8220;\u00c4sthetik&#8221;-B\u00e4nden, das hei\u00dft einen Stil, in welchem mir die franz\u00f6sischen Schriftsteller Vorbild waren und der schwieriger, aber f\u00fcr mich auch faszinierender zu lesen ist.<\/p>\n<p>Jetzt kommt neu der Blog-Stil hinzu, der mich weniger im Bereich Satzbau und Semantik als in der formalen Gestaltung in ein enges Korsett zw\u00e4ngt. Ich wei\u00df nie genau, wie lange ich schreiben, wie viele Zeilen, wann ich aufh\u00f6ren soll. Es kommt mir alles zu kurz, auch zu kurzatmig vor. Beim Schreiben mit Handschrift h\u00e4tte ich unendlich weiter schreiben, das hei\u00dft manchmal auch delirieren, metaphorisch, surreal werden k\u00f6nnen. Es ist dann halt eben Kunst.\u00a0Immer wieder kommen rhizomartig auch neue Gedanken hinzu, weil ich zur\u00fcck bl\u00e4ttere, alles \u00fcberdenke, Neues hinzuf\u00fcge.<\/p>\n<p>Jetzt f\u00fchle ich mich fast gezwungen, kurz und knapp mich auf das Wesentliche nur zu beschr\u00e4nken. Ich verliere in diesem Format auch schneller die \u00dcbersicht. Meine gr\u00f6\u00dfte Sorge macht mir die Form. Alles Schreiben verl\u00e4uft jetzt eher assoziativ. Das R\u00fcckblicken, Wiederholen, die Einteilung in Abschnitte gelingt mir mit dem Bildschirmformat lange nicht so gut wie mit den Papier-Seiten. Also wird es Wiederholungen, auch inhaltliche Widerspr\u00fcche vielleicht leichter und h\u00e4ufiger geben. Drei\u00dfig Papierseiten und drei\u00dfig Bildschirmseiten sind nicht vergleichbar. Im Gegensatz zum Manuskript wei\u00df ich schon nach zehn Seiten Bildschirm nicht mehr, was ich vorne geschrieben habe. Das Vorw\u00e4rts-und R\u00fcckw\u00e4rts-Scrollen ist bedeutend anstrengender als das schnelle diagonale \u00dcberfliegen einer Papierseite, vor allem wenn sie gedruckt ist. Das war f\u00fcr mich fast schon ein Kinderspiel.<\/p>\n<p>Andererseits macht mir das sofortige Tippen von ersten Ideen ins iPhone Spa\u00df, etwa in der Stra\u00dfenbahn. Jede Idee kann sofort festgehalten werden. Das war mir fr\u00fcher nicht m\u00f6glich. Also habe ich auch Vieles vergessen. Jetzt kann ich meine Ideen sammeln, vergleichen, die eine parallel sogar zur anderen bearbeiten und so fort. Auch das Verbessern geht leichter als mit Schreibschrift oder Schreibmaschine. Und so w\u00e4chst nach und nach doch ein Artikel zusammen, den ich dann sp\u00e4ter im Computer weiter schreibe und auch vergr\u00f6\u00dfere.<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie mit dem Blog-Schreiben begonnen?<\/strong><\/p>\n<p>Mit Twitter hat alles angefangen. Da ich mit vielen und oft jungen Menschen, auch \u00fcber das Zeitungsschreiben, in Kontakt bin oder war, ist das Twittern sehr erfolgreich geworden und hat mir gro\u00dfen Spa\u00df gemacht. Fr\u00fcher schrieb man lange Briefe oder schickte Bild-Postkarten aus dem Urlaub &#8211; jetzt kann man mit einem Klick die sch\u00f6nsten Erinnerungen festhalten und in die weite Welt senden, zum Beispiel \u00fcber <em>Instagram<\/em>, dem Twitter f\u00fcr Fotos.<\/p>\n<p>Es gab auch Reaktionen, Diskussionen, Gespr\u00e4che \u00fcber meine Tweets. \u00a0Alexey Chibakov, der im Verlag f\u00fcr die Technik zust\u00e4ndig ist, hat mir dann das Blog-Schreiben empfohlen, nachdem er meine Twit- Longer-Eintr\u00e4ge gelesen hatte. Er unterstellte mir ganz richtig, dass ich eigentlich mehr schreiben wollte. Das Schreiben-K\u00f6nnen und Schreiben-Wollen h\u00e4ngt mit dem Zeitungsschreiben zusammen. Es f\u00e4llt mir leicht und ist eigentlich einer meiner vielen Jobs. W\u00e4hrend die Sprache der Rundfunksendungen, was ich auch gelegentlich gemacht habe, eine ganz andere sein muss.<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Der Rundfunkh\u00f6rer versteht nur kurze S\u00e4tze, meist ohne Nebens\u00e4tze. Rundfunktexte gleichen der gesprochenen Sprache. Man achtet dabei auch mehr auf Diktion, Sprachmusik, Aussprache, auf Pausen bei den Kommas und Punkten. W\u00e4hrend die geschriebene Sprache, vor allem wenn es eine l<em>iterarisch gestaltete Sprache<\/em>\u00a0ist, die den Leser fordern, weiter f\u00fchren, auch provozieren will, mit ganz anderen Stilmitteln arbeitet. Geschriebene Sprache ist auch langlebiger und dauerhafter. Wie jede Kunst entwickelt und enth\u00fcllt sie ihre Geheimnisse (auch des Verstehens) im langsamen Studium, im noch einmal Lesen-M\u00fcssen, im Forschen, Entdecken und in Aha-Erlebnissen.<\/p>\n<p><strong>Werden Sie beim Blog-Schreiben bleiben?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df es noch nicht. Wohl werde ich die einzelnen Seiten \u00fcberarbeiten und dann in Buchform drucken lassen quasi als eine ungeordnete Essay-Sammlung.\u00a0Ich habe an anderer Stelle <strong>Montaigne\u00a0<\/strong>und die\u00a0Renaissance<strong>\u00a0<\/strong>\u00a0genannt. In mancher Hinsicht ist er mir Vorbild. Er zitiert die Antike, meist sogar die r\u00f6mische, er ist unsystematisch und er spricht von sich. Er nennt \u00dcberschriften und sein nachfolgender Text hat gar nichts mehr damit zu tun. Was f\u00fcr eine diskursive Rationalit\u00e4t ist das! Und trotzdem sagt sie mir mehr und Faszinierenderes \u00a0als viele abstrakte Theorien etwa der Art &#8220;Ich treffe eine Entscheidung, du triffst eine Entscheidung&#8221; &#8211; \u00a0das soll nach Niklas Luhmann (in einem Interview mit mir) das Wichtigste sein, was einem passieren kann. Gewiss, manchmal schon. Aber manchmal auch nicht.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie einen Schwerpunkt in Ihrem Blog?<\/strong><\/p>\n<p>Es ergibt sich eines aus dem anderen. Ziel ist schon die Philosophie, zumindest die philosophische Sprache. Ich denke in diesem Bereich gibt es bei vielen Menschen einen Nachholbedarf. Nicht jedoch die aktuelle Sprache spezieller philosophischer Schulen, etwa die der anglo-amerikanischen \u00a0<em>Philosophy of Science<\/em> oder die der <em>Frankfurter Schule<\/em> werde ich vorstellen. F\u00fcr diese Sprachen braucht man speziell vorgebildete Dolmetscher oder \u00dcbersetzer.<\/p>\n<p><strong>Welche Sprache w\u00e4hlen Sie dann?<\/strong><\/p>\n<p>Ich spreche die Sprache der Tradition, der Philosophiegeschichte, wie sie in einem offenen Diskurs gesprochen worden ist an den Schulen und Hochschulen und unter den Schriftstellern von der Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein. Nat\u00fcrlich ist die platonische Unterscheidung zwischen Urbild und Abbild bereits eine Spezialsprache. Aber jeder in der philosophischen Tradition wei\u00df damit umzugehen. Ich sage nicht unbedingt, was sie bedeutet, sondern nur, wie wann warum und wozu man sie anwenden kann bzw. muss.<\/p>\n<p><strong>Gibt es auch Probleme?<\/strong><\/p>\n<p>In der Abteilung Kommentare werden wir zur Zeit \u00fcberh\u00e4uft von japanischen oder chinesischen Werbe-Kommentaren. Ich kann sie leider nicht auseinander halten oder verstehen. Seitenlang. Das nervt. Zumal wir ja die sinnvollen deutschsprachigen Kommentare heraus fischen wollen.<\/p>\n<p><strong>Ihre Thematik kreist oft um Erotik und Sexualit\u00e4t. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Um Leser zu finden &#8211; ganz einfach! &#8211; <em>Sex sells<\/em>, Sex verkauft sich gut, sagen die Amerikaner.\u00a0Auch in meinen Vortr\u00e4gen baue ich immer wieder solche Themen, meist nur mit Reizbegriffen angedeutet, \u00a0ein, um die Leute vor dem Einschlafen zu bewahren. Personen, die mich und meine Vorgehensweise kennen, warten immer schon auf das ber\u00fchmte Derrida-Zitat vom &#8220;Zur\u00fcckziehen der Vorhaut der Eichel&#8221;, das meist keinen Bezug zum Ganzen hat.<\/p>\n<p>Andererseits registriere ich einen deutlichen\u00a0<em>Roll-Back<\/em> in diesem Bereich. Auch hier geht eine Schere auseinander. Einmal gibt es infolge der so leicht zug\u00e4nglichen Pornographie eine durchaus verlogene \u00dcbersexualisierung der \u00d6ffentlichkeit mit diesem Thema. Zum anderen hat sich aber auch eine starke neue Pr\u00fcderie und \u00c4ngstlichkeit wieder entwickelt, als wenn es keinen Sigmund Freud oder Wilhelm Reich gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>Es geht oft auch direkt zur Sache<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin in den 80er Jahren, noch immer, auch in diesem Bereich. Damals sind wichtige neue Ideen entstanden, die bis heute weiter wirken.<br \/>\nEs ist auch ein Aufr\u00e4umen in meiner Seele. Was war damals los mit mir, warum und wo f\u00fchrte es hin? Also eine Art Selbstanalyse. Lyotard nennt es Anamnese, man kann auch Arch\u00e4ologie dazu sagen.<\/p>\n<p>Sie werden meine Offenheit der m\u00e4nnlichen Homosexualit\u00e4t gegen\u00fcber bemerkt haben. Hier spielt sich gegenw\u00e4rtig ein Kampf der Zukunft bereits ab.\u00a0Feminismus und die Emanzipation der Frauen werden trotz der aktuellen Gegenbewegung zu einer <em>Neudefinition der Geschlechter<\/em> f\u00fchren. Wenn man keinen Nachwuchs mehr will oder braucht, wenn dieser Nachwuchs nur noch gez\u00fcchtet wird, vielleicht auch geklont werden kann, dann werden sich alle noch mehr fragen m\u00fcssen &#8211; \u00a0<em>was willst du in meinem und was will ich in deinem Leben?<\/em> Au\u00dferdem gibt es mittlerweile auch eine Spezies Macho-Frau, die die M\u00e4nner das F\u00fcrchten gelehrt hat, ohne dass ein Lysistratos, also eine m\u00e4nnliche Lysistrata, dabei heraus gekommen w\u00e4re. Aber ein Trend unter manchen M\u00e4nnern weg von den Frauen, den gibt es als Reaktion auf den forcierten Feminismus schon.<\/p>\n<p>Sie sehen, auch hier bin ich jetzt in den 80er Jahren, diesmal bei der Emanzipationsbewegung der M\u00e4nner, die nicht mit der Homosexuellen-Bewegung verwechselt werden darf. Ich habe sogar den Eindruck, die Emanzipation der M\u00e4nner ist von der Homosexuellen-Bewegung instrumentalisiert, vereinnahmt und damit sogar ganz schnell zugrunde gerichtet worden. Die Emanzipation des Mannes &#8211; wann ist denn Mann ein Mann? &#8211; \u00a0die gibt es nicht mehr als Thema. Leider. Doch dar\u00fcber sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p><strong>Besch\u00e4ftigen Sie sich ausschlie\u00dflich nur mit Kunst und Philosophie in Ihrem Blog?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann es nicht definitiv sagen. Die <em>Technokratie der Zukunft<\/em> geht mir immer durch den Kopf mit allen Konsequenzen, was den Aufbau und den Zusammenhalt einer Gesellschaft, ihr Leben, ihr Lieben betrifft. Das hei\u00dft ich werde zur Beantwortung dieser Frage immer wieder auch in die Vergangenheit zur\u00fcck blicken m\u00fcssen. Das ist mein Programm. Vor allem zur\u00fcck in die Antike. Meine privaten oder pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten werden jedoch nicht in diesen Blog mit einflie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Warum gerade in die Antike?<\/strong><\/p>\n<p>Weil ich sehen will, wie man damals mit Macht, Imperialismus, Vielv\u00f6lkerstaat, Globalisierung, Mehrsprachigkeit umgegangen ist. Wie die menschlichen Beziehungen waren, wie brutal war die Zeit, dass das Christentum sich als Staatsreligion sogar antithetisch durchsetzen konnte. Wie war das mit Dekadenz und Luxus, mit Lust und Liebe, Sch\u00f6nheit und Genuss?<\/p>\n<p><strong>Welche Zielgruppe m\u00f6chten Sie erreichen?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall eher die Jugend. Hier finden Sie die Suche nach Orientierung, die Frage nach einer sinnvollen Philosophie, einem sinnvollen Leben. Und dazu muss erst einmal das Wort &#8220;Sinn&#8221; verstanden und erkl\u00e4rt werden. Auch das Wort &#8220;erkl\u00e4ren&#8221; muss erkl\u00e4rt werden. In der Wissenschaftstheorie gibt es einen heftigen Streit immer noch zwischen dem &#8220;Erkl\u00e4ren&#8221; und dem &#8220;Verstehen&#8221;. Ersteres praktizieren angeblich die Naturwissenschaften, Letzteres die Geisteswissenschaften, die andererseits aber gar nicht existieren d\u00fcrften und nur Trugbilder der Verwirrung schaffen. Womit wir bereits mitten in einem sehr wichtigen philosophischen Streit w\u00e4ren. Dieser Streit geht sogar soweit, dass das eine Lager ganze Fakult\u00e4ten der Universit\u00e4t aufl\u00f6sen und schlie\u00dfen will wegen &#8220;Unwissenschaftlichkeit&#8221;.<\/p>\n<p>Dabei gibt es demgegen\u00fcber doch mittlerweile zahlreiche Wesen &#8211; Menschen kann man dazu nicht mehr sagen-, die vollkommen bewusstlos und ferngesteuert durchs Leben gehen. Die auch gl\u00fccklich und zufrieden damit sind. Sie sehen, die Technokratie im Sinne einer Massenkonditionierung vieler durch einige wenige M\u00e4chtige ist gar nicht mehr so weit entfernt.Jetzt denke und schreibe ich \u00fcbrigend schon wieder geisteswissenschaftlich, bin also dabei zu halluzinieren.<\/p>\n<p><strong>Warum m\u00f6chten Sie aber gerade die Jugend ansprechen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Jugend ist mittlerweile so vernetzt und technisch verbandelt, positiv formuliert: interessiert, dass sie eine solche Blog-Kommunikationsform wie jetzt n\u00fctzlich und interessant findet. Dies ist nat\u00fcrlich ebenfalls ein direktes Ergebnis von dem eben angedeuteten &#8220;technischen Fortschritt&#8221;, wie interessierte Kreise das gerne bezeichnen.<\/p>\n<p>Vor allem die Jugend und ihr wacher Sinn f\u00fcr das Neue ist damit zu erreichen, zu k\u00f6dern. Vielleicht sogar nur noch damit &#8211; dicke B\u00fccher m\u00f6gen oder k\u00f6nnen viele \u00a0nicht mehr lesen. Fremde Sprachen, sagen wir besser <em>Idiome<\/em>, denn wir bleiben in der deutschen Sprache trotz allem, verstehen noch viel weniger Menschen. Alles muss wie eine <em>Ejaculatio praecox<\/em>\u00a0(Entschuldigung) schnell und kurz und lustvoll gehen. Sie wissen aus anderen Blogbeitr\u00e4gen, dass ich sehr ambivalent den elektronischen Kommunikationsformen gegen\u00fcber stehe. Aber auch hier gilt: soviel Nutzen, soviel Schaden. Also weiter machen.<\/p>\n<p><strong>Sie berufen sich oft auf Nietzsche.<\/strong><\/p>\n<p>Nach Nietzsche \u00e4ndern sich immer nur die Formen, der \u00a0Inhalt bleibt gleich. \u00a0Was ist der Inhalt? Ganz einfach &#8211; das Leben! Oder genauer noch: wie man leben und wie man lieben soll <em>sub specie aeternitatis<\/em>, unter dem Einschluss der Ewigkeit also. Das sagten schon die alten R\u00f6mer. In dem Sinne, dass wir das \u00fcberzeitlich Best\u00e4ndige suchen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Sie sehen, ich nehme auch das Lieben mit in die Aufgabenstellung. Das ist philosophiegeschichtlich neu. Nicht das Lieben im christlichen Sinne der F\u00fcrsorge meine ich, sondern wie wir miteinander <em>menschlich<\/em> umgehen k\u00f6nnen, Mensch, vielleicht sogar <em>Tier<\/em> bleiben k\u00f6nnen, selbst wenn unsere ganze Welt vollautomatisiert, roboterisiert und die Selbst- bzw. Arterhaltung kein wesentliches Thema mehr ist.\u00a0F\u00fcr Nietzsche war das Lieben kein Thema, zumal der Mensch ja (wesentlich?)T i e r \u00a0ist.<\/p>\n<p>Auch ganz im Sinne der antiken <em>humanitas<\/em>. Ich bin kein fremdgesteuertes Tier, sondern ich denke und kann mich mit dir als einem \u00a0zweifelnden Du auseinander setzen. Das praktizierten schon die alten R\u00f6mer und das wiederholte auch sp\u00e4ter die Renaissance und dann Descartes: Ich bin, weil ich denke, weil ich auch zweifeln kann und darf. Ich bin, weil ich (leider wie ein Tier) arbeiten muss, sagte Marx und das sagen die Gewerkschaften vereint mit den Arbeitgebern bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p>Ich bin, weil ich f\u00fchle, sagten die Psycho-Schulen des letzten Jahrhunderts, das eingespannt war in die Nachwehen zweier m\u00f6rderischer Weltkriege und ganz im Zeichen von Gef\u00fchl(Leid) und K\u00f6rper(Selbsterhaltung) stand. Selbst der Existenzialismus war mit seiner so zentral im Mittelpunkt stehenden <em>Sorge<\/em> und <em>Angst<\/em> eine Philosophie des K\u00f6rpers, also auch der Kriegs-Traumata.<\/p>\n<p>Ich bin, weil ich mit meinen Ger\u00e4ten und Maschinen kommunizieren und verkehren kann. Das sagt man heutzutage und man wird es noch mehr in der Zukunft sagen.\u00a0Wir begn\u00fcgen uns mit Objekten und tanzen solipsistisch bereits nur noch mit den Dingen, sind s\u00fcchtig nach ihnen, lassen uns sogar von ihnen verf\u00fchren und beherrschen. Nein, wir Facebook-Menschen sind \u00fcberhaupt nicht einsam.<\/p>\n<p><strong>Und was sagen Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin, weil ich als Mensch und Tier(Tier wieder eher positiv als Naturwesen gesehen) nicht nur mit verklemmten, gehemmten oder toten Maschinen kommunizieren muss. Ich will frei sein und ihnen gegen\u00fcber auch nein sagen k\u00f6nnen, nein sagen d\u00fcrfen. Ob dieser Wunsch noch eine reale Chance hat, das wird sich zeigen.<\/p>\n<p>Denn sehen Sie, wie ich hier am Computer sitze und in die Nacht hinein schreibe und Ihre per Mail zugesendeten Fragen hin und her geschickt werden &#8211; \u00a0ein anderer Computer wird mir vielleicht eine Antwort auf den ver\u00f6ffentlichten Blogbeitrag senden. Nicht mehr jedoch verbunden mit einem Kommentar, einem H\u00e4ndedruck oder einem freundlichen L\u00e4cheln, welches weiter f\u00fchren k\u00f6nnte wer wei\u00df wohin.<\/p>\n<p>Die Dingwelt ist scheinbar weniger schwer zu h\u00e4ndeln als ein Du oder gar eine Familie im traditionellen Sinn. Zumal wir dabei selbst zum Ding werden im Internet der Dinge (seufz).<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Alexandre Herrmann<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=30%20%C3%9Cber%20das%20Blog-Schreiben&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>100 Tage \u00a0Blog-Schreiben! 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