{"id":7545,"date":"2017-07-21T07:46:40","date_gmt":"2017-07-21T07:46:40","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7545"},"modified":"2019-01-30T06:56:34","modified_gmt":"2019-01-30T06:56:34","slug":"273-ueber-gefuehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7545&lang=de","title":{"rendered":"273 \u00dcber Gef\u00fchle"},"content":{"rendered":"<p>Die Entfesselung der Emotionen macht den Menschen zum Tier, im guten wie im schlechten Sinne. Ja, das Tier im Menschen kann auch \u00fcberaus n\u00fctzlich und gut, spannend und anregend sein. Es wird nur oft zu negativ, zu abwertend eingesetzt im allgemeinen Sprachgebrauch. Allein das Tier ist zust\u00e4ndig f\u00fcr Lust, f\u00fcr Freude, Spontaneit\u00e4t, Spiel und Spa\u00df, alles das, was Freud das Es genannt hat. Die Transaktionsanalyse nennt es in einem ebenso guten Sprachgebrauch das Kimdheits-Ich. Auch f\u00fcr Flucht, Aggression, Selbstverteidigung ist es notwendig. W\u00e4hrend das \u00dcber-Ich mit seinen Geboten und Verboten immer nur den das Ich steuernden Geist anspricht. Das Ich muss zwischen diesen beiden Welten ausw\u00e4hlen, manchmal instinktiv, manchmal bewusst und mit \u00dcberlegung oder R\u00fcckkoppelung beim \u00dcber-Ich, beim Es. Die Verk\u00fcrzung und Unterdr\u00fcckung beider Welten macht den Menschen zum <span style=\"text-decoration: underline;\">Kr\u00fcppel;<\/span>\u00a0zumindest zu einem nur eingeschr\u00e4nkt, beschr\u00e4nkt lebenden. Uneingeschr\u00e4nkt leben bedeutet hingegen die Entfaltung, Entfesselung, Domestizierung beider Seiten unserer Seele. Also (neu!): die Seele ist Tier, die Seele ist Geist. Und beides sollte gehegt, gepflegt, &#8220;kultiviert&#8221; werden.<\/p>\n<p>Wie steht\u2019s nun mit den Gef\u00fchlen?<\/p>\n<p>Zwei M\u00e4chte habe ich in diesem Blog, der doch mit der Erforschung von Liebe und Lust gestartet ist, immer wieder angesprochen. Sie beherrschen unser Leben und unseren K\u00f6rper: Geist und Gef\u00fchl. Beide sind Seismographen unserer Seele, die ihren Weg in der Umwelt von Ich, Leben und Welt finden muss. Gef\u00fchle sp\u00fcren die Richtung, in die es gehen soll: Jenseits von Leid und Schmerz, hin zu Gl\u00fcck und Lust und Zufriedenheit. Der Geist versucht mit Verstand, Wissen, Erfahrung und Vernunft den Weg zu spuren, wie ich es immer wieder bildlich beschreibe, den Weg zu spuren in dieser W\u00fcste des Neuen, Unbekannten und Fremden, das uns umgibt und verunsichert immer wieder. Und jeden Tag neu.<\/p>\n<p>Der Geist arbeitet mit Begriffen, Handlungen, Handlungsanweisungen; er arbeitet mit Geboten, mit Moral und mit Argumentation. Nicht zuletzt arbeitet er auch mit Erinnerungen und Lernerfahrungen aus der Vergangenheit, aus unserer seelischen und k\u00f6rperlichen Vergangenheit. Aber auch &#8211; ich betone es immer wieder &#8211; aus unserer sozialen, historischen und politischen Vergangenheit, die bis zu den Aufzeichnungen der Juden im Alten Testament, zu den Aufzeichnungen der \u00c4gypter, Griechen und R\u00f6mer reichen m\u00f6gen.<br \/>\nN\u00e4her und aktueller am Leben sind jedoch die Gef\u00fchle. Sie steuern unseren tagt\u00e4glichen Weg, sie helfen uns bei der Bew\u00e4ltigung der einfachen T\u00e4tigkeiten, wie sie unser K\u00f6rper verlangt, das Essen und Trinken, das Lieben und Hassen, Angst, Sehnsucht, Freude. Ich wei\u00df nicht, ob damit genug Begriffe gefunden worden sind zur Benennung dieser M\u00e4chte, d.h. um die Gef\u00fchle mit dem Geist einzufangen, zu benennen. Sie damit auch zu b\u00e4ndigen, sie vielleicht auch zu bilden, wie etwa Freud propagiert hat. Sich den Gef\u00fchlen auszuliefern ist zu wenig.<\/p>\n<p>Ein Weg, auf dem wir uns gerade jetzt befinden und in diesem Augenblick. Was wird gerade gef\u00fchlt? Jetzt, wo Ihr doch so mit dem Geist, dem Lesen, Verstehen und Denken besch\u00e4ftigt seid. Was f\u00fchlt euer Geist? Gibt es das: Dass Geist und das Denken auch f\u00fchlen k\u00f6nnen? Ja doch! &#8211; Es gibt eine Lust am Geist, eine Lust am Sprechen, Reden, es gibt die Freude, die h\u00f6chste Freude sogar &#8211; nach Epikur &#8211; am freundschaftlichen Gespr\u00e4ch. Ein gedachtes, durchdachtes F\u00fchlen, also das Verbalisieren von Gef\u00fchlen, kann es tats\u00e4chlich geben, das, was wir gerade auch im Begriff sind zu unternehmen. Und f\u00fcr die Lebensbew\u00e4ltigung scheint dies besonders wichtig zu sein, sagen zumindest die Psychotherapeuten.<\/p>\n<p>Kann es neben diesem gedachten F\u00fchlen auch ein gef\u00fchltes Denken geben? Ich glaube schon. Denn auch das Denken ist nicht Selbstzweck, sondern f\u00fchrt zu einem Ziel, welches letztlich doch der menschliche K\u00f6rper vor gibt. Es gibt die Lust am Lesen, die Freude an der Sch\u00f6nheit eines Deals, ebenso wie es auch die Qual des Lesens gibt, der \u00c4rger \u00fcber unverst\u00e4ndliche Formulierungen oder Monsters\u00e4tze, die, ich gebe es zu, immer wieder auch von mir bewusst eingesetzt werden. Aber dar\u00fcber und warum dies alles jetzt kein Wort weiter.<\/p>\n<p>Im abendl\u00e4ndischen Denken zu seinem Beginn &#8211; wenn wir einmal die j\u00fcdische Tradition, wie sie im alten Testament festgehalten ist, zur\u00fcckstellen &#8211; also zu Beginn des europ\u00e4ischen Intellektualismus in Griechenland finden sich fast keine Aufzeichnungen \u00fcber emotionale Zust\u00e4nde des Menschen. Immer nur geht es dort um abstrakte intellektuelle Probleme, wie sie in ihrer Meisterschaft von Meisterdenkern wie Platon oder Aristoteles (ihr bemerkt hoffentlich, dass ich diesen Begriff immer mit einer gewissen ironischen Distanz verwende) in die Welt gesetzt worden sind. Selbst \u016bber Freundschaft und Eros wird viel geschrieben. Aber immer nur abstrakt, intellektuell, auch manchmal bildhaft-mythologisch und ganz ohne Handlungsanweisungen. Nicht zuletzt sind es also immer die abstrakten Begriffe des Geistes, wie er die Welt, die Umwelt und die innere Welt des Menschen damit zu beherrschen versucht. <strong>Hegel<\/strong> wird es viel sp\u00e4ter so nennen: Welt, Geist oder Dinge in (oder auch auf) den Begriff bringen &#8211; etwas: die Welt, den Menschen, auch seine Gef\u00fchle <span style=\"text-decoration: underline;\">in den Begriff bringen.<\/span><\/p>\n<p>Nun hat aber das in den Begriff bringen der Gef\u00fchle jedoch auch seine Schattenseiten. Gerade in Deutschland hat sich dieses in den Begriff bringen der Gef\u00fchle zu einem exzessiven Anti-Emotionalismus, zu einem fast schon blindw\u00fctigen Rationalismus und Intellektualismus entwickelt, so dass sich eine gro\u00dfe und m\u00e4chtige Gegenbewegung Mitte des 19.Jahrhunderts hat bilden m\u00fcssen: die Entwicklung der Psychologie, der Selbsterforschung, der Introspektion, die schlie\u00dflich <strong>Freud<\/strong> dann zu einer Wissenschaft, auch zu einer Heilkunst, einer Therapie weiter entwickelt hat. Nicht zuletzt am anderen Ende dieses Prozesses einer wissenschaftlichen Erforschung der Seele steht <strong>Wilhelm Reich<\/strong>. Er hat sich tats\u00e4chlich in der Befreiung, d.h. letztlich in der Entfesselung der sexuellen Emotion im Sinne einer befriedigenden (eher m\u00e4nnlichen) Orgasmusf\u00e4higkeit eine Befreiung des Menschengeschlechtes sogar von Aggression und Krieg und Gewalt erhofft.<\/p>\n<p>Die Verbalisierung des Gef\u00fchlslebens steht also im krassen Gegensatz zum <span style=\"text-decoration: underline;\">Ausleben der Gef\u00fchle<\/span>, wie es in den letzten vielleicht sogar 150 Jahren auch in Deutschland dennoch ge\u00fcbt und gepflegt worden ist, zumal in der Kaiser- und dann Hitlerzeit. Mit schlechten und Tod bringenden Ergebnissen. Denn jeder Populismus lebt von entfesselten Gef\u00fchlen. Er braucht f\u00fcr seine \u00a0Weltanschauung Begriffe, die mit positiven Gef\u00fchlen verbunden werden wie Liebe zu Heimat, Rasse, Nation, und er braucht andere Begriffe f\u00fcr Feindbilder, die mit negativen Gef\u00fchlen besetzt, d.h. aufgeladen werden wie Batterien. Denn nur so entsteht Energie zum Handeln.<\/p>\n<p>Doch wie umgehen mit all den Menschen und V\u00f6lkern, die gerade ihr Gef\u00fchlsleben fast intuitiv mehr kultivieren, mehr pflegen und sch\u00e4tzen \u00a0als die Intellektualit\u00e4t? Denn sowas gibt es tats\u00e4chlich selbst in Europa. Wie einen Ausgleich finden zwischen Rationalit\u00e4t, die f\u00fcr Planung, Struktur, Erkennen, Wissen und Wahrheit unumg\u00e4nglich ist, und Emotionalit\u00e4t, welche die Quelle unserer Lebens- und Handlungsenergie bereit stellt, dass wir t\u00e4tig, aktiv werden und kraftvoll unser Ziel erreichen k\u00f6nnen? Nach Freud wird dabei meist die sexuelle Energie (Libido) sublimiert, kanalisiert &#8211; nur so k\u00f6nne Kultur, Wirtschaft und gesellschaftliches Leben funktionieren, meint er.<\/p>\n<p>Wohin soll sich die Waage der Gleichwertigkeit wenden?<br \/>\nWann sollen wir rational, wann d\u00fcrfen m\u00fcssen k\u00f6nnen wir emotional sein?<br \/>\nDie Emotionalit\u00e4t entfesselt im Menschen und in seinem K\u00f6rper das Tier, ich sagte es bereits. Das bedeutet ganz ohne Wertung eine Kraft, eine St\u00e4rkung, eine Lebendigkeit. Aber es kann auch zu einer blindw\u00fctigen todbringenden Aggression werden, zu Leichtsinn, Wahn und emotionalem Verfall, also Zwang und Sucht. W\u00e4hrend eine exzessive Intellektualit\u00e4t den Menschen als Menschen, das hei\u00dft als ein lebendiges, gef\u00fchlsintensives und mitf\u00fchlendes Wesen auch zum Kr\u00fcppel machen kann. \u00dcber die neuartige <span style=\"text-decoration: underline;\">Verkr\u00fcppelungen des Intellektuellen<\/span> und Geistesarbeiters, der nur noch mit Computern und elektronischen Ger\u00e4ten verbandelt ist, habe ich oft genug schon geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>Liebe und Lust war mein Thema in diesem Blog. Schon von Anfang an. Ich denke, dass ich allm\u00e4hlich an ein Ende mit meinen Fragestellungen diesbez\u00fcglich komme. An ein Finale, wie wir mit den beiden Begriffen die Welt in den Begriff bringen wollen, d.h. Leben und Lieben, Fortpflanzung und Tod, wie man damit umgehen soll.<br \/>\nIch habe auch oft genug von der Befreiung der Lust zur Lust selber als ein existenzielles Recht und quasi ein \u00dcberbleibsel unserer tierischen Vergangenheit, ein Atavismus also, \u00a0gesprochen. Dass Lust ohne Verstand und Geist f\u00fcr viele Menschen jedoch gegenw\u00e4rtig zum Selbstzweck werden kann und auch \u00a0h\u00e4ufig geworden ist. Wobei ich immer wieder die Lust nicht nur auf das sexuelle Begehren einschr\u00e4nke, sondern sogar Geld-Lust, Sammel-Lust, Vergn\u00fcgen und Ablenkung damit verbinde. Gerade sexuelle Lust kann jedoch zum solipsistischen Selbstzweck werden, und dies, wenn man der Pornographie Glauben schenken darf, gegenw\u00e4rtig in einem sehr exzessiven und eigens\u00fcchtigen Ma\u00df.<\/p>\n<p>Ich habe dabei immer auch die Antipoden, die christliche <span style=\"text-decoration: underline;\">Agape<\/span> mit ins Spiel gebracht. Dass neben dem Ich auch das Du nicht vergessen werden darf, die Verantwortung dem Mitmenschen und der Gesellschaft gegen\u00fcber im Sinne eines Helfens und Unterst\u00fctzens, auch einer Familienplanung mit all ihren Problemen. Dass eine in diesem Sinne <em>geistige Liebe<\/em> sogar schlie\u00dflich ganz auf den materiellen Zweck, also die Befriedigung, verzichten kann, das haben schon die alten griechischen Schulen, insbesondere die Kyniker und nicht zuletzt auch Platon propagiert.<\/p>\n<p>Diese uralten Gedanken und Pr\u00e4missen wirken weiter bis in die Gegenwart hinein: In der Lehre des <strong>Buddhismus<\/strong> will jedes Begehren, jede Lust immer mehr und ist deshalb die Hauptursache von Leid. Lust erzeugt also trotz einer kurzzeitigen Befriedigung langfristig eher Leid. Auch die so genannte \u201eplatonische Liebe\u201c, das hei\u00dft die Liebe ohne Sex im Sinne einer <strong>Sokrates-Alkibiades<\/strong>-Beziehung, l\u00e4sst sich in diesem Kontext verstehen. Nach Platon lernen es vor allem die Philosophen, auf das sinnlich-materielle Begehren zu verzichten. Nicht im Sinne der Buddhisten, weil es zu Sucht und Leid f\u00fchren kann, sondern weil es zu \u00fcberzeitlichen Wahrheiten f\u00fchrt, die zu wissen <span style=\"text-decoration: underline;\">Weisheit<\/span> zur Folge hat, auch Abgekl\u00e4rtheit, Ruhe und Mu\u00dfe. Man ist nicht auf der dauernden Suche nach Befriedigung, sondern lebt im freiwilligen Verzicht, im Nichts (Nirwana), in der christlichen Kontemplation oder bei den platonischen Ideen als ein Wissender und Weiser.<\/p>\n<p>Immer wieder habe ich meine anamnetischen Untersuchungen mit der Frage verbunden, ob sich etwas aus der Vergangenheit, insbesondere aus der antiken Vergangenheit, wiederholt. Gewiss habe ich geantwortet und es zu zeigen versucht. Im Bereich der m\u00e4nnlichen sexuellen Lust gibt es wieder Tendenzen, die Lust frei flottieren zu lassen, sie gerade nicht mehr an Verantwortlichkeiten wie Familie oder Treue zu binden. Nicht zuletzt f\u00f6rdern und unterst\u00fctzen bereits die elektronischen Hilfsmittel und Cybersex-Roboter der Zukunft diese Entwicklung.<\/p>\n<p>Dass auch in dem Ma\u00dfe, in welchem die Frauen ihre Gleichberechtigung durchsetzen, nicht zuletzt auch mit einem eigenen und anderen Sexualverhalten, sich die M\u00e4nner abwenden werden von den Frauen und wieder mehr invertiert sich verhalten m\u00fcssen. Und nicht zuletzt sind die Frauen den M\u00e4nnern in vieler Hinsicht \u00fcberlegen &#8211; warum also nicht einen neuen Amazonen-Staat gr\u00fcnden und eine neue <strong>Semiramis<\/strong>, eine neue <strong>Penthesilea<\/strong> ausrufen? &#8211; Ich denke, dass es bereits jetzt schon Gesellschaften gibt, in denen sich die Frauen immer mehr durchsetzen und die naturgegebene \u00a0Differenz \u00a0der Geschlechter immer st\u00e4rker noch betonen werden. Es wird zuk\u00fcnftig also einerseits mit Hilfe der Maschinen, Automaten und Roboter die Angleichung der Geschlechter bis zur Ununterscheidbarkeit geben. Andererseits aber auch die Differenz bis hin zum absoluten Dissens des Nicht-Verstehen-K\u00f6nnens und -Wollens.<\/p>\n<p>Ich habe dabei immer wieder die Antike, besonders das kaiserliche Rom, genannt, wo insbesondere innerhalb einer militarisierten Sklavenhalter-Gesellschaft mit ihrer nur auf Gef\u00fchle wie Kraft, St\u00e4rke, Aggression bauenden M\u00e4nnerwelt und M\u00e4nnerkultur die frei flottierende Sexualit\u00e4t unterschwellig dominiert hat. Sie war gar nicht mehr bereit zu Fortpflanzung und Heterosexualit\u00e4t, ganz zu schweigen zu einer Familienbildung. Und dies trotz aller Gegenbewegung des Staates, der nicht zuletzt ein starkes Interesse an Soldaten und &#8220;m\u00e4nnlichen M\u00e4nnern&#8221; haben musste. Aber selbst Kaiser Augustus konnte nur mittels Adoption seine Genealogie sichern.<\/p>\n<p>Ich habe auch immer wieder die sich heftig entwickelnde Antithese dazu besprochen: die Liebe, die ich nun in einem geistigen Sinne des Christentums verstanden habe, als Hilfe, als das Zusammensein, das Du, als die N\u00e4chstenliebe im Sinne einer Agape. Ich wiederhole mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>*<\/strong><\/p>\n<p>Womit wir jetzt beim letzten und mir am wichtigsten Punkt angekommen w\u00e4ren: <span style=\"text-decoration: underline;\">der Zukunft<\/span>. Wie wird es werden mit Liebe und Lust in einer technisierten Welt der Automation, Roboter, Z\u00fcchtung und Klonung? Eine Welt des Individualismus und Solipsismus, die sogar gelegentlich jetzt schon bis zur Ekstase der Obsz\u00f6nit\u00e4t geht, um Baudrillard wieder einmal zu zitieren? Wenn der nat\u00fcrliche Unterschied zwischen Frau und Mann vollst\u00e4ndig eliminiert sein wird auch mit Hilfe technischer Mittel?<\/p>\n<p>Doch auch jetzt hat sich wieder eine Isosthenie gebildet: Selbst wenn das Korperlich-Emotionale existenznotwendig scheint &#8211; nur das Geistige \u00fcberlebt, lebt dauerhaft und wirkt \u00fcberzeitlich. Nur das Geistige f\u00fchrt uns Menschen aus dem sozial-darwinistischen und eigens\u00fcchtigen Verhalten heraus, h\u00e4lt uns zusammen, \u00fcberzeugt uns durch Denken und Argumentation und nicht durch die Gewalt der Apparate oder Gewehre. F\u00fchrt uns zur Tatsache zur\u00fcck, dass wir hinf\u00e4llig, alternd, zum Sterben verurteilt sind. Und dass wir auf diesem Wege zum Ende hin immer besser zusammen oder in der Gruppe bleiben sollten als alleine. Gewiss, das Sterben m\u00fcssen wir schon selbst bew\u00e4ltigen, alleine schaffen. Aber auf diesem hinf\u00e4lligen und wackligen Weg in die Unterwelt jemand dabei und an seiner Seite zu haben, das mag doch schon besser sein. Vor allem wenn es ein Gott ist.<\/p>\n<p>Letztlich denke ich auch immer wieder bei meiner Entscheidung f\u00fcr Sokrates oder Alkibiades &#8211; und ich schlie\u00dfe mich damit wieder den <strong>Existenzialisten<\/strong> an &#8211; , dass\u00a0die lebenslange Besch\u00e4ftigung mit und in einer Familie welcher Art auch immer, mit Fortpflanzung, Kindern, Alten, Jungen, Kranken, Gesunden und so fort eine sehr <em>sinnvolle<\/em> T\u00e4tigkeit sein kann, um die Sinnlosigkeit des Daseins, wie manche Existenzialisten behaupten, zu vergessen. Ja doch: auch zu <span style=\"text-decoration: underline;\">verdr\u00e4ngen<\/span>. Besser immerhin, als sich ablenken zu m\u00fcssen von dieser Problematik mit Sex und TV, t\u00e4glicher Arbeitsmonotonie und Einkaufen-Gehen in den wenigen Stunden von Freizeit und Wohlleben. Und Lust (1).<\/p>\n<p><strong>Mu\u00dfe<\/strong> ist dabei ein \u00a0Zauberwort. Mu\u00dfe als das Zur\u00fcckfinden unserer gesamten Existenz, geistig wie k\u00f6rperlich-emotional, <span style=\"text-decoration: underline;\">zu sich selbst<\/span>. Wie die alten Griechen und R\u00f6mer, etwa Epikur oder besonders Seneca, pl\u00e4diere ich also in diesem Zwiespalt, in dieser Isosthenie f\u00fcr die Mu\u00dfe als ein \u201e<em>Gespr\u00e4ch der Seele mit sich selbst\u201c<\/em>(Seneca). Seele als die Ganzheit (im Sinne der Metaphysik, also \u00fcber das physische Denken hinausgehend) von K\u00f6rper und Geist, Spontaneit\u00e4t und Nachdenklichkeit, von Emotion und Rationalit\u00e4t. F\u00fcr das Nicht-entfremdet-Sein in der Arbeit und im t\u00e4glichen Leben, im Ausdruck der Gef\u00fchle, im Verstehen des Gegen\u00fcber und seiner Zeichen und Botschaften. Im Sprechen, Denken, F\u00fchlen und Tun.<br \/>\nDoch, das gibt es und es geht \u00a0tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>1 Die <span style=\"text-decoration: underline;\">Familie der Zukunft<\/span> wird auch r\u00e4umlich eine Gro\u00dffamilie sein, ich habe es immer wieder betont: Alt und Jung, Gro\u00df und Klein, Hetero und Homo, international, monokulturell (man einigt sich auf <em>eine<\/em> Lebensform im alt-r\u00f6mischen Sinne), also bunt gew\u00fcrfelt und durcheinander. Mit eigenbr\u00f6tlerischen Einzelg\u00e4ngern und altruistischen Gruppenmenschen; mit unterschiedlichsten F\u00e4higkeiten und Interessen und vor allem auch mit einer g\u00e4nzlich neuen <span style=\"text-decoration: underline;\">Lebenswelt<\/span>. Nicht mehr eingesperrt in die Kerker von Arbeitsplatz und ZweiZimmerWohnung, die einem jede Freude und Leidenschaft f\u00fcr Familie und spielende Kinder verleiden. Mit Arbeitsverh\u00e4ltnissen, die denen einem m.E. in vieler Hinsicht vorbildlichen Wohlleben der antiken Oberschicht gleichen. Das hei\u00dft weniger arbeiten und weniger fremd bestimmt sein. Mit ausreichenden Zeiten zu Entspannung und Gemeinschaft \u00a0und in einem Wohnumfeld, das die St\u00e4dteplaner und Architekten unserer Gegenwart erst wieder entdecken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch wenn es Modelle diesbez\u00fcglicher Art bereits hier und da zu bestaunen gibt. Trotz aller Anfeindungen und eschatologischen Schwarzmalerei. Ich nenne diese neuen Versuche <strong>A-Inseln<\/strong>, Alternativ-Inseln auch im Sinne einer autarken Autonomie, und ich habe oft genug schon eine staatliche F\u00f6rderung dieser neuen Lebensformen mit Steuergeldern gefordert. Solche Inseln inmitten unserer Gegenwart und in unserem t\u00e4glichen Leben sind <span style=\"text-decoration: underline;\">Experimente<\/span>, Experimente, die n\u00fctzlich, die sch\u00e4dlich sein k\u00f6nnen. Manche machen uns Angst, ja k\u00f6nnen \u00a0sogar sehr befremdlich sein. Auch f\u00fcr mich. Aber wir sollten sie dennoch unterst\u00fctzen und wohlwollend-kritisch begleiten. Um sie schlie\u00dflich dann als gut zu akzeptieren oder als schlecht zu verwerfen. Vielleicht ist nur so der technokratische &#8220;Stahl-Staat&#8221;, der auch eine schleichende und still versteckte Tyrannei \u00a0der Apparate und Roboter sein wird, zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Vgl. auch im Blog die Nr.28 (&#8220;<em>\u00dcber Resignation<\/em>&#8220;) und die Nr. 36(&#8220;<em>Die Stahlstadt<\/em>&#8220;). Ebenso die Aufs\u00e4tze \u00fcber <em>Befreiung<\/em>: Nr. 98 (Sexualit\u00e4t) und Nr. 88 \u00a0(Studentenbewegung)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=273%20%C3%9Cber%20Gef%C3%BChle&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entfesselung der Emotionen macht den Menschen zum Tier, im guten wie im schlechten Sinne. 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