{"id":7780,"date":"2017-12-03T07:59:25","date_gmt":"2017-12-03T07:59:25","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7780"},"modified":"2019-01-29T10:07:16","modified_gmt":"2019-01-29T10:07:16","slug":"280-ueber-verwirrung-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=7780&lang=de","title":{"rendered":"280 \u00dcber Verwirrung (1)"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich den Zustand der gegenw\u00e4rtigen westlichen Welt ansehen will, vor allem, wenn man bereits andere Zeiten und Zust\u00e4nde wo auch immer erlebt hat, ganz andere Zeiten, ein Zustand, der immer mehr dominiert wird vom US amerikanischen Kultur- und Wirtschafts-Imperialismus, der mag zu seiner Information \u00fcber den Stand der Dinge nur zwei Ph\u00e4nomene betrachten:<br \/>\na) die Architekturtheorie und<br \/>\nb) amerikanische Fernseh- Serien.<\/p>\n<p>Beide Zeitstr\u00f6mungen spiegeln die gegenw\u00e4rtige Verwirrung klar und einpr\u00e4gsam. Die Verwirrung des Denkens, wie es sich ausbreitet in der Politik, der Sprache, in Kunst und Kultur.<br \/>\nVor allem zeigt sich hier auch der Zustand unserer gegenw\u00e4rtigen Moral. Dass es scheinbar keine verallgemeinerbaren moralischen Wertma\u00dfst\u00e4be mehr gibt, trotz der vielen Beteuerungen und Versprechungen unserer SteuerungsM\u00e4chtigen und Politiker. Was ein Unterschied ist. Sie demonstrieren uns weltweit immer wieder ihre Alles-geht-Haltung, wenn es nur meinem Ego und meinen machtpolitischen Interessen dient. Alles geht, sogar die L\u00fcge und das bewusste Brechen von Vereinbarungen und Vertr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Dabei ist das Ost-Imperium russischer Pr\u00e4gung mit seinem \u00f6stlichen Blick (in der Moral, im Sexualverhalten, in der \u00c4sthetik, der politischen Wahrhaftigkeit etc.) durchaus anders, aber keinen Schritt weiter als der Westen. Im Gegenteil: Hierzulande kann man meist unliebsame und erfolglose Herrscher los werden, das hei\u00dft abw\u00e4hlen nach einer gewissen Zeit. Die \u00f6stlichen Diktatoren, wozu ich auch Teile des Balkans sowie Nahost samt der T\u00fcrkei rechne, m\u00fcssen jedoch nach ihrer Abwahl bef\u00fcrchten, mit Bestrafung direkt im Gef\u00e4ngnis zu landen. Also werden sie mit allen Tricks und Mitteln um ihre Macht und Selbsterhaltung k\u00e4mpfen. Ihr Ansatz der Verf\u00fchrung mittels Propaganda und Konditionierungstechniken wird scheinbar in einem gro\u00dfen Teil etwa Russlands sogar noch von der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt. So erfolgreich ist dieses Steuerungs-System bereits. Sp\u00e4ter erst, zu sp\u00e4t, werden die Wunden von L\u00fcge, Verf\u00fchrung und Gewalt geleckt und ein Neubeginn gewagt. Es mag sein, dass es in \u00dcbergangsphasen, also auch in gesellschaftspolitischen Isosthenien, Notwendigkeiten gibt, &#8220;H\u00e4rte zu zeigen&#8221;. Aber alles bezogen nur auf einen kurzen Zeitraum und eingeschlossen die Option von Zweifel, Selbstkritik, Korrektur, Scheitern.<\/p>\n<p>Wir haben also gegenw\u00e4rtig wieder, da die politischen Alternativen fehlen im Osten wie im Westen, ganz zu schweigen von Asien oder S\u00fcdamerika, die Wahl zwischen Skylla und Charybdis, zwischen Pest und Cholera.<\/p>\n<p><strong>Teil I Architekturtheorie<\/strong><\/p>\n<p>Warum empfehle ich die Architekturtheorie?<\/p>\n<p>Weil dort zum ersten Mal von <span style=\"text-decoration: underline;\">Postmoderne<\/span>, postmodernem Bauen und Denken gesprochen worden ist. Und: Weil wir dergestalt in einer &#8220;postmodernen&#8221; Gesellschaft leben, leben w\u00fcrden. Genau dar\u00fcber gibt es aber immer noch Streit.<\/p>\n<p>In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ging von der Architektur-Theorie, und vor allem in den USA, eine Bewegung aus, die sich Postmoderne nannte. Oder, um <strong>James Stirling<\/strong> in Stuttgart zu zitieren, wo er w\u00f6rtlich bei der Einweihung seines neuen Staatsgalerie-Geb\u00e4udes erkl\u00e4rt hat: <em>Die Leute wollten die moderne Bauhaus-Architektur nicht mehr. Also musste ich mir etwas anderes ausdenken.<\/em><\/p>\n<p>Von der Bauhaus-Kistenarchitektur war es nur ein kleiner Schritt zum dogmatischen Kisten-Denken, das keine Alternativen, geschweige denn Umwege oder Antithesen zulie\u00df &#8211; das Vierecksdenken der Rationalisten, \u201eAufkl\u00e4rer\u201c, Modernisierer, die nichts anderes akzeptierten als ihre eigene Rechthaberei und ihre geistigen Maximen.<\/p>\n<p>Schnell war deshalb im weltanschaulichen Streit von den sich neu bildenden Anti-Modernen, Nach- und Postmodernen der anderen Seite auch die abendl\u00e4ndische Geistesgeschichte in Frage gestellt und zum M\u00fcllhaufen der Geschichte geworfen worden. Es entstanden negative Begriffe wie Eurozentrismus, Logozentrismus, Phallokratie, die im Zuge eines immer aggressiver werdenden Feminismus ein B\u00fcndnis miteinander eingingen.<\/p>\n<p>Keimzelle dieser Bewegung war die Universit\u00e4t Paris, wo sich bereits in den 70er Jahren Philosophen entt\u00e4uscht vom linken Dogmatismus \u00f6stlicher Herkunft abgewendet hatten und einen philosophischen, auch weltanschaulichen Anarchismus verk\u00fcndeten, der alles auf den Pr\u00fcfstand von Skepsis und Ironie stellte &#8211; totalit\u00e4re Systeme des Ostens ebenso unerschrocken wie das doch so erfolgreiche kapitalistische Wirtschaftssystem des Westens eingeschlossen (&#8220;Konsum-Terror&#8221;).<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt war das Jahr 1989. Nicht wegen dem Mauerfall in Berlin und dem offenkundigen Versagen der \u00f6stlichen Ideologie und Gesellschaftsform. Sondern wegen der missgl\u00fcckten 200-Jahr-Feier der glorreichen Franz\u00f6sischen Revolution und Mutter aller gewaltsamen Umw\u00e4lzungen. Diese wurden jetzt ebenfalls mit Spott und H\u00e4me von den franz\u00f6sischen Intellektuellen auf den Abfallhaufen der Geschichte geworfen. Was haben sie uns gebracht, all diese linken wie rechten Revolutionen?, lautete die Frage. &#8211; Nichts. &#8211; Mord und Totschlag, unf\u00e4hige DiktatorenHerrscher und immer schlimmer werdend bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p>Doch ich habe bereits vorgegriffen. Gehen wir noch einen kleinen Schritt zur\u00fcck. Auch in der <span style=\"text-decoration: underline;\">Wissenschaftstheorie<\/span> der Universit\u00e4ten gab es sogar im ganzen letzten Jahrhundert, was immer wieder vergessen wird, diesen eigent\u00fcmlichen Gegensatz zwischen Links und Rechts.<br \/>\nKann es eine linke, sozialistisch orientierte Wissenschaft geben? Wozu ist Wissenschaft gut? Um Menschen dumm zu halten, sie zu steuern, zu manipulieren nach den W\u00fcnschen ihrer Herrscher und M\u00e4chtigen, die immer mehr aus dem Bereich der Wirtschaft kamen und sich nur diesem \u00f6konomistischen Denken von Macht-Maximierung und permanenter Innovation verbunden f\u00fchlten?<br \/>\nWo schon per definitionem nur das als wahr akzeptiert wurde, was n\u00fctzt, was erfolgreich ist? Selbst wenn es falsch ist und der Unwahrheit dient?<\/p>\n<p>In Deutschland f\u00fchrte der <span style=\"text-decoration: underline;\">Freudo-Marxismus<\/span> der Frankfurter Schule (u.a.Habermas und Apel) ein letztes R\u00fcckzugsgefecht im Namen einer aussterbenden Lehre. Ihr Begriff der &#8220;Emanzipation&#8221; wandte sich gegen blinde Autorit\u00e4tsh\u00f6rigkeit und einseitige Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit. Das waren die linken Wissenschaftstheoretiker.<br \/>\nIm anglo-amerikanischen Bereich attackierte die rechtslastig-konservative <span style=\"text-decoration: underline;\">Philosophy of Science<\/span> demgegen\u00fcber ihre deutschen Gegner: Was ihr in euren Universit\u00e4ten treibt und lehrt, ist keine Wissenschaft, keine Wahrheit. Es sei nur eine neo-linke Ideologie, fu\u00dfend auf den Pseudo-Wahrheiten von Freud und Marx. Diese Theorien, Vorstellungen, Lehre k\u00f6nne man das gar nicht mehr nennen, seien wissenschaftlich falsch und vollkommen unglaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Stattdessen propagierte man die Herrschaft der Zahl. Alles, was sich nummeralisieren, sp\u00e4ter dann auch digitalisieren lasse, sei Wahrheit, sei nachpr\u00fcfbare Wissenschaft und kein irrationaler Glaube oder subjektive Wunsch-Vorstellung. Wissen m\u00fcsse beweisbar, also messbar sein. Geschichtsschreibung etwa im Sinne des dialektischen Materialismus \u00a0und wie sie der Marxismus welcher Art auch immer darstellt, sei nicht beweisbar. Schon gar nicht messbar. Also ist sie nur Fiktion, M\u00e4rchen. Ihre Interpretation von egoistischen Zwecken nur geleitetes Macht-Interesse.<\/p>\n<p>Euer Wissen, so lautete prompt die Gegenthese der Frankfurter Schule, die bis auf die Linie Horkheimer, Marcuse und Adorno zur\u00fcck ging, ist n\u00fctzlich nur zur Herstellung von Industrie und industrieller Macht. Ausbeutung von Mensch und Natur,T\u00f6tungsmaschinen, Atombomben sind eure gewinntr\u00e4chtigen Ziele, grausam einsetzbar auch zur Unterdr\u00fcckung und Steuerung der machtlosen Bev\u00f6lkerung, die ganz im Unklaren gelassen werde. Herrschaftswissen einer Technokratie sei das, nicht Verst\u00e4ndigungswissen oder gar ein Wissen, das der Freiheit des Menschen und seiner Gesellschaft diene (&#8220;Emanzipation&#8221;).<br \/>\nGegenseitig warf man sich in einer sehr elaborierten und verklausulierten Sprache Unwissenschaftlichkeit, ja Inhumanit\u00e4t vor. Und damit standen vor allem nicht nur der Gelderwerb durch Wissenschaft, sondern sogar Wahrheit und Wahrhaftigkeit auf dem Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>In diesem auch sprachlich, fast schon privatsprachlich-hermetischen und hoch komplizierten \u201ePositivismus-Streit der Soziologie\u201c(so der Name einer wichtigen Publikation), der f\u00fcr Au\u00dfenstehende nur schwer verst\u00e4ndlich war, mischten sich schlie\u00dflich als dritte Partei die Franzosen ein mit einer in den 80er Jahren vorgetragenen h\u00f6chst provokativen These: Der Streit der beiden Lager sei typisch f\u00fcr die Moderne. Aufkl\u00e4rung, Emanzipation, Wahrheit, Wissenschaft versus Glaube und Meinung, das seien alles nur noch Vokabeln eines veralteten Lexikons.<br \/>\nAlles geht: Kunst wie Glaube, subjektive Meinung wie objektive Wissenschaft und Technik. Das ist die Postmoderne.<\/p>\n<p>Wahrheit gibt es nur immer von Fall zu Fall und den Umst\u00e4nden entsprechend (Paul Feyerabend). Eurozentrisches Denken (Jacques Derrida) sei nicht mehr international verallgemeinerbar, k\u00f6nne nicht jeder Kultur aufgezwungen werden. Die zuk\u00fcnftige Technokratie der digitalen Maschinen und Systeme (Jean Baudrillard) sei ein viel dringlicheres Problem von Gegenwart und Zukunft als alle Verteilungs- und PsychoGesundheits-Streiteren im marxistischen oder freudianischen Sinn.<\/p>\n<p>Und der Feminismus als letzte Ideologie der Befreiung (auch des Mannes) f\u00f6rderte nur noch, ganz im Gegensatz zu seiner eigentlichen Absicht, die Geschlechter-Differenz im Namen der (weiblichen) Emanzipation. Mit dem Ergebnis, dass immer mehr (junge) M\u00e4nner ihre Artgenossen als Spielm\u00e4nner der Lust entdeckten und sich die Homosexualit\u00e4t ausbreitete, das hei\u00dft \u201esalonf\u00e4hig\u201c wurde.<\/p>\n<p>Die anarchische Aufl\u00f6sung aller Gewissheiten erfolgte bei diesen meist franz\u00f6sischen &#8220;Anti-Aufkl\u00e4rern&#8221; mit spielerischem Spott, mit Phantasie und grenz\u00fcberschreitender Kreativit\u00e4t. Dass man sich in diesem auch sprachlich kreativen und h\u00f6chst ambitionierten Diskurs(ein Begriff, der aus diesem Lager stammt) vor allem bei Nietzsche und den franz\u00f6sischen Existenzialisten wieder fand, das kam nicht von ungef\u00e4hr.<\/p>\n<p>Lyotard f\u00fcgte hinzu: Alles sei Interpretation, subjektive Deutung, Meinung, geleitet von eigensinnigen Interessen. Das postmoderne Wissen der Zeit schlie\u00dfe deshalb auch Irrationalismen, Paradoxien, Kunst und Dekonstruktion zur Lebensbew\u00e4ltigung und Sinnfindung mit ein, ja erg\u00e4nze quasi komplement\u00e4r das aufkl\u00e4rerische Denken um seine Leerstelle. Vor allem der Dogmatismus marxistischer wie auch neoliberaler Herkunft wurde endg\u00fcltig ad Acta gelegt und in die Bibliotheken verbannt. Wobei der existenziell gef\u00e4hrdete einzelne Mensch (durch die Politik, die B\u00fcrokratie, die Moral, die Intoleranz, den Rassismus etc.) samt seiner so labilen Lebensformen mal wieder \u00fcberstark in den Vordergrund r\u00fcckte.<\/p>\n<p>Dass auch die Wissenschaftstheoie von diesem radikalen Subjektivismus, der sich wieder einmal der Freiheit und der Freiheit des Individuums gegen\u00fcber dem Kollektivismus verschrieben hatte, nicht unber\u00fchrt bleiben konnte, zeigt der heftige Aufschrei der Szientisten, der Anh\u00e4nger der Philosophy of Science. Sie erkl\u00e4rten kurzerhand Philosophen wie Baudrillard und Derrida zu Scharlatanen im Reich von Wahrheit und Philosophie. Ich wiederhole mich, habe bereits immer wieder in diesem Blog dar\u00fcber berichtet.<\/p>\n<p>Der Desorientierung und Verwirrung war jedoch damit T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Was in Moskau wahr ist, wurde alsbald in Washington als unwahr fest gelegt, erkl\u00e4rt, dogmatisiert und umgekehrt. Einschlie\u00dflich Klimawandel und B\u00fcrgerkriege in der Art des Mittelalters, also in einem ideologischen Streit, wie er schon\u00a0<u>vor<\/u> der Aufkl\u00e4rung ausgetragen worden ist.<\/p>\n<p>Solche Isosthenien, die meist auch noch gut begr\u00fcndet waren, breiteten sich bis in die kleinsten Winkel unserer Gesellschaft und Kultur aus. Sie betrafen nicht nur die Wissenschaftstheorie, sondern sogar das Recht, die Moral, Demokratie-Vorstellungen, das Gesundheitswesen etc. K\u00f6nnen im Mondschein hergestellte Heilmittel n\u00fctzlicher sein als andere? &#8211; Wer ist im Syrien-B\u00fcrgerkrieg nun der eigentlich B\u00f6se, den es zu bek\u00e4mpfen gilt? Was ist und wozu die Informations-Pflicht einer der Wahrheit verpflichteten Presse? Kann es eine \u201cEhe\u201d unter M\u00e4nnern geben? Was meinen die Frauen mit ihrer Sexismus-Kritik? Wie demokratisch sind die Demokratien, wie vern\u00fcnftig ist die Vernunft? Sind die Vorstellungen von Wahrheit in den Naturwissenschaften nun &#8220;wahrer&#8221; als diejenigen der Geisteswissenschaften oder der Kunst? Kann es \u00fcberhaupt eine Steigerung von &#8220;wahr&#8221; geben? Sind \u201eemotionale Wahrheiten\u201c wichtiger als \u201egeistige\u201c?<\/p>\n<p>Dass die CIA bei solchen DestabilisierungsVersuchen des \u00f6stlichen Imperiums und seiner orthodoxen Maximen, quasi eine neue Art von intellektueller Kriegsf\u00fchrung, allgemein die Hand im Spiel gehabt haben soll, besitzt eine gewisse Plausibilit\u00e4t. Auch wenn die CIA selbst mittlerweile Opfer ihrer eigenen Strategie der Verwirrung geworden ist. Verst\u00e4rkt wird diese Vermutung der Verschw\u00f6rungs-Theoretiker noch durch die Tatsache, dass die franz\u00f6sischen Philosophen gern gesehene G\u00e4ste in den USA waren und vom amerikanischen Staat bezahlt worden sind. Ihre f\u00fchrenden K\u00f6pfe waren fast allesamt Gastprofessoren vor allem in Kalifornien (1).<\/p>\n<p>Dass diese geistige Verwirrung in breiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung ankommt, bemerkt, nachgeahmt wird und auch eine weltanschauliche wie moralische Krise einschlie\u00dft, ja geradezu ausl\u00f6sen muss, ist m.E. offensichtlich. Globalisierung und Weltkultur beschleunigen nur diesen Prozess der allgemeinen Relativierung. Selbst in den USA landet ein Mann im Gef\u00e4ngnis, wof\u00fcr er im benachbarten Bundesland h\u00f6chstens eine Verwarnung erhalten h\u00e4tte. W\u00e4hrend in den Darkrooms Kaliforniens gleichgeschlechtliche Orgien gefeiert werden (gefeiert?), landen die Propagierer einer solch Lust-betonten Lebensform in Russland und anderswo noch im Gef\u00e4ngnis. Ganz zu schweigen vom Zustand der Frauen, die in manchen Teilen dieser Welt noch nicht einmal den F\u00fchrerschein besitzen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Diese augenscheinliche Relativit\u00e4t der Sitten, Gesetze und Gebr\u00e4uche hat schon sehr ausf\u00fchrlich <b>Sextus Empirikus<\/b> im 3. Jahrhundert nach Chr. in der Antike dokumentiert und philosophisch abgehandelt. Im Grunde war jedoch sein Vorgehen, anders als heute, rein philosophisch-immanent, also nicht politisch oder weltanschaulich ausgerichtet. Es wendete sich gegen den vorherrschenden autorit\u00e4ren Dogmatismus der stoischen Schule, der das intellektuelle Leben Roms beherrschte und dennoch\u00a0ebenso unglaubw\u00fcrdig war. Alles geht, hat auch Sextus schon damals feststellen m\u00fcssen. Als L\u00f6sung dieses Problems hat er sich jedoch f\u00fcr die Einhaltung der jeweils \u00f6rtlich festgelegten unterschiedlichen Gesetze wie Traditionen eingesetzt. Weniger der Wahrheit als der eigenen Selbsterhaltung zu Liebe.<\/p>\n<p>Im Pluriversum der Unterschiede, Gegens\u00e4tzlichkeiten und Heterogenit\u00e4ten muss gleichwohl dennoch immer wieder \u00fcber eine verallgemeinerbare <u>Lebenstechnik<\/u> nachgedacht werden. Der Begriff stammt bereits aus der Antike und sucht, um mit dem \u00a0mittelhochdeutschen Lyriker Walther von der Vogelweide zu reden, eine Antwort auf die Frage, \u201ewie man zur werlte sollte leben\u201c. Wie und welche Modelle wollen wir der Jugend inmitten von Relativit\u00e4t, Ratlosigkeit und Verwirrung vorschlagen, damit sie einen Weg zu Gl\u00fcck, Wohlleben und Zukunft finden kann?<br \/>\nZwar gab es auch in der Antike bereits existenzialistische Pessimisten, etwa die Trauer des Philosophen Heraklit, dem Begr\u00fcnder des dialektischen Denkens, \u00fcber gerade diese Widerspr\u00fcchlichkeit innerhalb von Leben und Welt. Aber neben solchen Untergangspropheten und Kassandristen gab es gleichzeitig doch immer wieder auch Optimisten, etwa Demokrit den Lacher oder den Schriftsteller Lukian, die nur noch alles nicht mehr f\u00fcr ernst halten und auslachen konnten.<\/p>\n<p><strong>Teil II: Amerikanische Fernsehserien<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>1 Einen guten Eindruck von den Erfahrungen eines franz\u00f6sischen Intellektuellen in Kalifornien gibt \u00a0Lyotards philosophisch-literarische Erz\u00e4hlung \u00a0&#8220;Die Mauer des Pazifik&#8221; (Passagen).Wobei wir Europ\u00e4er die neuen Sklaven sind, die im ambivalent schillernden Rom der Weltherrschaft und des Wohllebens Fu\u00df fassen wollen.<\/p>\n<p>Furore hat auch Jacques Derrida mit seinen Auftritten, muss man wohl sagen, in New York gemacht: Morgens in Paris einmal die Woche mit dem \u00dcberschallFlugzeug Concorde starten, nach der Vorlesung in New York noch am selben Abend schon wieder zur\u00fcck in Paris.<\/p>\n<p><b>Gesamtverzeichnis meiner B\u00fccher in <\/b><strong>282<\/strong><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" 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