{"id":8376,"date":"2018-08-20T10:35:13","date_gmt":"2018-08-20T10:35:13","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8376"},"modified":"2020-09-20T20:27:32","modified_gmt":"2020-09-20T20:27:32","slug":"291-novellen-zur-zeit-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8376&lang=de","title":{"rendered":"291 Novellen zur Zeit (1)"},"content":{"rendered":"<p><strong>An diesem Abend<\/strong><\/p>\n<p>Der Sommer war traurig, voller Nachdenklichkeit und Sorge. Wir hatten ein Abendessen geplant im Garten unseres Landhauses und dann ist es zu dieser h\u00e4sslichen Auseinandersetzung gekommen. Ich wei\u00df nicht, warum du dich mit ihr und ihnen nicht verstehst. Warum ihr beide immer so aufeinander los geht und heftig werden m\u00fcsst. Als wenn eine Eifersucht im Spiel w\u00e4re, wo sie doch, wie wenn es deine Rivalin w\u00e4re, fest gebunden scheint an ihn und seine Geliebte. &#8211; Sind vielleicht die Kinder ein Hinderungsgrund? Mag sein. Sie sind nicht einfach und in einem Alter, wo alles geht. Du wirst sie vermissen, denke ich, wo sie doch zu dir geh\u00f6ren. Aber dass du so zusammen gebrochen bist an diesem Abend hat mich erschreckt, ja ersch\u00fcttert, zumal ich dich noch nie in dieser Art erlebt habe und deine warnenden Worte doch voller Glanz, W\u00e4rme und Eindringlichkeit waren.<\/p>\n<p>Du hattest dein sch\u00f6nes rotes Kleid an und verf\u00fchrerisch wie immer wolltest du die Nacht aufleuchten lassen in uns allen. Doch was ist es f\u00fcr eine Nacht geworden! Der Sommer war fast vorbei, und eine Traurigkeit, ja Schwermut legte sich pl\u00f6tzlich auf mich, die mich zu erdr\u00fccken schien. Alles war wieder so vergeblich und abgr\u00fcndig und fremd geworden! &#8211;\u00a0Was sind Lebensabschnittsgef\u00e4hrten, was hei\u00dft Nebenbeziehung? Was ist mit virtueller Beziehung gemeint? Stimmt es, dass ein einziger Mensch nicht alle Belange in einer Zweierbeziehung abdecken kann? Dass wir auch andere Einfl\u00fcsse, Menschen und Lebensverh\u00e4ltnisse einfordern d\u00fcrfen, dass sie nicht immer und f\u00fcr alles gerade stehen oder verf\u00fcgbar sein m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Du hast mit einer Antwort gez\u00f6gert, als ich dich nach deinem Mann fragte, was er mache, wo er lebt, wie f\u00fchlt er sich in seinem neuen Job. Sein Sohn hat mit einer jugendlichen Freundin gerade ein Kind bekommen. O.k., die Mutter hat nichts mehr von ihrer Tochter wissen wollen, hat sie versto\u00dfen wegen einer neuen Beziehung, die sie kennen und lieben gelernt hat und diese jetzt im Gef\u00e4ngnis heiraten wird. Sich dazu mit einer Frau zu verbinden f\u00e4llt leicht, umso leichter wird auch der Hass auf den Ehemann sein, weil er sie bei dem Prozess im Stich gelassen hat.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch gut an das Fest mit ihr damals, wo eine russisch sprechende Frau sogar von zwei M\u00e4nnern gleichzeitig geliebt, umworben und uns auch so vorgestellt worden ist. Mit dem einen Geliebten hatte sie eine zehnj\u00e4hrige Tochter, mit dem anderen war gerade ein kleiner Junge unterwegs. Dass \u00a0auch die beiden M\u00e4nner miteinander verbunden waren, war mir nicht so klar. Neuartig wirkte es jedoch auf mich, zumal auch keine Eifersucht im Spiel zu stehen schien. Ebenso seltsam war, dass alles von allen an diesem Abend mit einer gro\u00dfen Gleichmut und Unaufgeregtheit ertragen worden ist. Selbst ich habe mich nicht mehr gewundert.<\/p>\n<p>Dann t\u00f6nte wieder diese traurige Musik aus dem Lautsprecher der Musikanlage(1). Wir hielten inne in unseren Gespr\u00e4chen und warteten. Yvonne war angekommen und sie war noch sch\u00f6ner als je zuvor. Wegen eines\u00a0jungen Geliebten, der sie nur lange genug hatte umwerben m\u00fcssen, hatte sie ihren Mann verlassen, dessen Kontakte mit L. mir immer schon seltsam genug vorgekommen sind. Ich blickte sie an und unsere Augen trafen sich einen Augenblick lang, wie wenn es etwas zu sagen, etwas zu besprechen geben w\u00fcrde. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Auch sie hatte sich fein gemacht mit ihrem langen Kleid, das ich noch nicht kannte. Sie f\u00fchrte uns ins Haus, setzte sich an den Fl\u00fcgel und spielte diese Komposition von dir mit einer Akkuratesse und Leichtigkeit, wie ich sie noch nie vorher geh\u00f6rt hatte(2). Wir applaudierten st\u00fcrmisch.<\/p>\n<p>Doch was f\u00fcr eine Schwermut, was f\u00fcr eine t\u00e4nzerische Kraft steckte in dieser Musik! Vielleicht hat sie gerade an diesem Abend zu meiner Stimmung in diesem Augenblick genau gepasst. Wie wir alle gefangen sind in einem Bann, der uns aufrecht h\u00e4lt und n\u00e4hrt und mit einer grausamen H\u00e4rte den Weg weist. Der uns mit seiner schweren Leichtigkeit dazu aufruft, weg zu gehen, weg zu fahren, weg zu laufen wer wei\u00df wohin. Laufen, springen, fliege davon, blick\u2018 nicht zur\u00fcck, hei\u00dft es doch auch in einem deiner Gedichte.<\/p>\n<p>Wir schauten auf den Vulkan in dem gro\u00dfen Bild von <em>R\u00e9gis Frank<\/em>, das du hinter dem Klavierfl\u00fcgel an der Wand hast aufh\u00e4ngen lassen. Der Vulkan leuchtete in die Nacht, und wie vor einem Ausbruch gl\u00e4nzte die ganze Vegetation, die Umgebung, die Erde. Alles, was sch\u00f6n war um uns herum auf diesem Fest und in dieser Nacht, leuchtete pl\u00f6tzlich wie in einer Verzauberung auf. Auch deine Worte, die du an uns wieder gerichtet hast \u2013 wie sch\u00f6n, geschmeidig und kunstvoll waren sie, als wenn sie alles h\u00e4tten verbergen wollen und k\u00f6nnen, was an diesem Abend und in dieser Nacht nicht hatte ausgesprochen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>1 Lana del Rey, <i>Summertime Sadness<\/i><\/p>\n<p>2 <i>La Follia<\/i> &#8211; Tanzmusik f\u00fcr Klavier<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=291%20Novellen%20zur%20Zeit%20%281%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesem Abend Der Sommer war traurig, voller Nachdenklichkeit und Sorge. 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