{"id":860,"date":"2014-04-08T11:17:10","date_gmt":"2014-04-08T11:17:10","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=860"},"modified":"2019-04-14T05:32:46","modified_gmt":"2019-04-14T05:32:46","slug":"antwort-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=860&lang=de","title":{"rendered":"27 Antwort"},"content":{"rendered":"<p>ANTWORT<\/p>\n<p><strong>Ob ich in dieser r\u00f6mischen Gesellschaft, die ich im letzten Blog-Beitrag beschrieben habe, h\u00e4tte leben wollen?<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Definitiv nein.<\/span><\/p>\n<p>Die B\u00e4derkultur, das k\u00f6rperliche und geistige Wohlleben im Sinne Epikurs, die internationale und kosmoplitische Weltkultur, die Zweisprachigkeit (man musste Griechisch und Latein sprechen k\u00f6nnen), selbst der Polytheismus mit seinen geheimnisvollen Mysterien und Kulthandlungen beeindrucken mich zwar sehr und einiges davon ist auch heute noch nachahmenswert.<\/p>\n<p>Andererseits war die Stadt voller L\u00e4rm, Gewalt und Dreck, auch wenn der Latrinenbetrieb sowie das Zu-und\u00a0Abwassersystem \u00a0sehr gut geregelt waren.\u00a0Doch die allt\u00e4gliche Gewalt nicht nur auf den Stra\u00dfen, sondern selbst im Zirkus und Theater-Unterhaltungsprogramm der B\u00fcrger war \u00fcberm\u00e4chtig. Auch das autorit\u00e4re politische System und die imperialistische Eroberungspolitik h\u00e4tten nicht meine Zustimmung gefunden. Au\u00dferdem w\u00e4re ich wohl eher als griechischer Sklave nach Rom gekommen denn als ein Mitglied der reichen Aristokratie. Mit allen Konsequenzen, wenn man nicht wie Tiro einen Patron mit Namen Cicero hatte.<\/p>\n<p><strong>Warum ich mich dann mit dieser Welt und Gesellschaft besch\u00e4ftige?<\/strong><\/p>\n<p>Weil sie in Vielem m. E. dieser unserer und meiner Gegenwart gleicht. Weil Fragen gestellt und Antworten gegeben wurden, die auch heute noch g\u00fcltig sind. Hier ein gro\u00dfer Luxus, eine unverantwortliche Verschwendung von Ressourcen und F\u00e4higkeiten. Dort das Sklavendasein der Kriegsgefangenen und der Unterschicht, die der Willk\u00fcr ihrer Herren gnadenlos ausgeliefert waren. <em>Hier Kriege und Wunden<\/em>, klagt der Geschichtsschreiber <strong>Tacitus<\/strong> im 1. Jahrhundert, <em>dort B\u00e4der und Restaurants.<\/em><\/p>\n<p>Au\u00dferdem findet sich die weltanschauliche <em>Orientierungslosigkeit,<\/em> die allgemeine Konfusion, was das Denken und die Vorstellungen von Gl\u00fcck, Wahrheit, Weisheit oder Liebe betrifft, genauso auch in unserer Gegenwart.\u00a0Auch das extreme Ausgeliefertsein an \u00f6konomistisches Denken und materielle Zw\u00e4nge oder die Verfallenheit an Spa\u00df, Lust, Vergn\u00fcgen und Ablenkung wiederholen sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Thema <em>Liebe und Sexualit\u00e4t<\/em> sollte in diesem Kontext \u00a0neu durchdacht werden. Liebe nicht im Sinne der christlichen <i>Caritas<\/i>, F\u00fcrsorge &#8211; dies wird m.E. als ein Muss in allen Gesellschaftsformen der Zukunft existent bleiben. Sondern Liebe im Zeichen der Geschlechter-Differenz. \u00a0Was hei\u00dft Mann, was hei\u00dft Frau? Oder auch taoistisch gesprochen: wieviel Mann, wieviel Frau bin ich, darf ich sein? Als Soldat, als Mutter?<\/p>\n<p>Was bedeutet die Differenz der Geschlechter genau? Gibt es diese \u00fcberhaupt? &#8211; \u00a0Ich bin davon \u00fcberzeugt. Selbst wenn es nur noch Roboter und gez\u00fcchtete oder geklonte Wesen um uns herum geben wird. Mann und Frau und ein Mittelding dazwischen werden vielleicht als Modell \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Das antike Sexualverhalten war ebenfalls ein ganz anderes als heute. Nicht so festgelegt auf Trennung und dogmatische Fixierung in Schwarz oder Wei\u00df, sondern es war eine <em>Pan-Sexualit\u00e4t<\/em> im Sinne Freuds. Sexualit\u00e4t war meist eine sehr eigens\u00fcchtige egoistische Angelegenheit der M\u00e4nner im Sinne nur von \u00a0Lust- haben-Wollen und, vielleicht, dem Kinder-Zeugen. Die Frauen der r\u00f6mischen Oberschicht waren sehr emanzipiert und abgesichert. Aber alle anderen Frauen waren meist reine Geb\u00e4rmaschinen oder Lustobjekte. Und das bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p>Ich will nicht\u00a0sagen, dass ich die allgemeine sexuelle Situation und ihre wechselhafte Verworrenheit, abh\u00e4ngig vom jeweiligen Herrscher und seiner Zeit, gut finde oder vorbildlich. Aber nachdenken sollten wir dar\u00fcber, wie wir mit der <em>Zwangsheterosexualit\u00e4t und der\u00a0<\/em><em>Zwangshomosexualit\u00e4t,<\/em>\u00a0wie wir \u00fcberhaupt mit dem Thema <em>Lust\/ Entfremdung\/Tier<\/em> (meist positiv gedacht als ein Zeichen der freien und lebendigen Natur versus Maschine) und <em>Menschsein<\/em>\u00a0im geistigen Sinne umgehen sollen und umgehen werden. Das hei\u00dft die Frage der \u00a0<strong>humanitas<\/strong> muss auch wieder aufgegriffen werden: Wann ist ein Mensch ein Mensch? Was hei\u00dft menschlich sein, menschlich kommunizieren, als Mensch \u00fcberleben? Wieviel Tier soll, muss, darf es sein angesichts unserer Maschinen-Helfer und Roboter-Freunde um die Ecke?<\/p>\n<p>Auch das <em>Woher<\/em>, das \u00a0<em>Wohin<\/em>, \u00a0<em>Wof\u00fcr<\/em> muss weiterhin untersucht werden. Diese Fragen werden in unserem gl\u00fccklichen und allt\u00e4glichen Delirium von Wohlstand, Zerstreuung oder Lust permanent verdr\u00e4ngt. Auch weil sie vielleicht nicht beantwortet werden k\u00f6nnen und dennoch diskutiert werden m\u00fcssen.\u00a0Sie werden von manchen Richtungen und weltanschaulichen Gruppen sogar bereits als sinnlose oder unzul\u00e4ssige, ja sogar kranke \u00a0und pathologische Fragestellungen abgelehnt.<br \/>\nWie sprechen, um sich zu verstehen, um einen gemeinsamen Weg in die Planung der Zukunft zu finden, mit welchen Worten, Fragen und S\u00e4tzen sollen solche alten und \u00fcberzeitlichen Probleme er\u00f6rtert werden? Was ist Wahrheit und Gerechtigkeit? Welchem Gott opfere ich auf welchem Altar? &#8211; Dort im B\u00fcro, auf der B\u00f6rse, in der Peepshow, als Mutter, Politiker, Sexist, Kegelbruder, Soldat? &#8211; Alles dies waren auch Themen der antiken Kultur und die philosophischen Schulen haben Antworten darauf gegeben, die allesamt heute noch diskutabel sind. Selbst die extremen Vorstellungen und Positionen der Kyniker.<\/p>\n<p>Die hundert Jahre alten Wegweisungen des Marxismus oder mancher \u00a0zeitloser Religionen haben sich f\u00fcr viele Menschen gegenw\u00e4rtig als unfruchtbar heraus gestellt, vielleicht sogar als politisch unmenschlich.<\/p>\n<p><strong>Doch was nun?<\/strong><\/p>\n<p>Reichen uns die vollen Eisschr\u00e4nke, alle diese \u00a0jederzeit zu Spa\u00df, Freude oder Sex bereiten Wesen, alle diese \u00a0spannenden Abenteuer- Versprechungen der Computer- und Filmindustrie, diese sch\u00f6nen romantischen N\u00e4chte und Verliebungen in g\u00f6ttliche Prinzen und g\u00f6ttliche Prinzessinnen?<\/p>\n<p>Gerade jetzt diskutiere ich wieder mit meiner Frau eine solch g\u00f6ttlich-romantische Verbindung, die wir neu kennen gelernt haben. Und wir machen uns Gedanken \u00fcber all die g\u00f6ttlichen Kinder, die in einer solchen \u00a0Verbindung entstehen werden m\u00fcssen. Und gl\u00fccklich sein wollen wie jetzt und morgen und dazumal.(Seufz)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=27%20Antwort&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANTWORT Ob ich in dieser r\u00f6mischen Gesellschaft, die ich im letzten Blog-Beitrag beschrieben habe, h\u00e4tte leben wollen? 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