{"id":8664,"date":"2019-01-15T12:40:51","date_gmt":"2019-01-15T12:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8664"},"modified":"2023-10-30T21:23:06","modified_gmt":"2023-10-30T21:23:06","slug":"308-vom-weiblichen-blick-filmkritik-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8664&lang=de","title":{"rendered":"308 Vom weiblichen Blick (Filmkritik 2)"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Das M\u00e4dchen, das lesen konnte<\/strong><\/h3>\n<p>Einige Filme hatten eine existenzielle Bedeutung in meinem Leben. Sei es, dass sie popkulturelle modische Str\u00f6mungen aufgriffen und verst\u00e4rkten; sei es, dass sie popkulturelle Moden in die Welt setzten.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an das Musical \u201e<strong>Hair<\/strong>\u201c, das die wenigsten 1968 auf der M\u00fcnchner Theaterb\u00fchne gesehen haben werden. Aber als Film fasste er die wichtigsten politischen und kulturellen Zeitstr\u00f6mungen von Studentenbewegung und Hippie-Utopie zusammen und popularisierte sie ungemein. Doch die Studentenbewegung zerfiel bald in sektiererische Gr\u00fcppchen und RAF-Terrorismus, die Hippie-Utopie in Exzesse von Drogenrausch und pansexuellem Experiment, um nicht von Krankheit und Sucht zu sprechen. Dann kam Aids und zumindest die lebenspraktischen Neuerungen hatten schlagartig ein Ende und eine Grenze erreicht. Doch geblieben sind bis heute die seltsamen Vorstellungen von Polyamorie, Gruppensex oder SwingerClubs.<\/p>\n<p>Ein zweiter Film wurde wichtig. Parallel zum Vietnamkrieg, der tapfere und kr\u00e4ftige M\u00e4nner brauchte und sie wie immer massenhaft in den Tod schickte, tauchte ein Film auf, der muskelbleckende Gestalten propagierte. Nicht mehr vertr\u00e4umt romantische J\u00fcnglinge mit langen Haaren, die nach Indien oder Nepal pilgerten, nicht mehr treu sorgende FrauenM\u00e4nner in Gro\u00dffamilien mit der Stricknadel in der Hand oder dem Baby auf dem Bauch, sondern toughe Soldaten brauchte das Land. Muskelmassen f\u00fcr den Einsatz im Dschungel Vietnams, Kampf dem Kommunismus mit allen technischen Neuerungen vieler kluger US-Wissenschaftler\u2026<\/p>\n<p><strong>Rambo(1982)<\/strong> hie\u00df der Film und er hat eine ganze neue Industrie in die Welt gesetzt, die sich ab sofort mit Muskeln und unter der Ideologie der Gesundheitsfirmen oder auch FirmenMediziner weniger mit Geist als mit K\u00f6rper, mit \u201eFitness\u201c und K\u00f6rpertraining besch\u00e4ftigte. Sogar die Frauen hat man mittlerweile massenhaft in diesem zweifelhaften Netz von Selbstverwirklichung und Vergn\u00fcgen eingefangen. Hi, habt ihr heute schon trainiert und den Body gebildet? Immer noch so dick? &#8211; Dass solche Helden auch in Amerika zu h\u00f6chsten politischen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Ehren kommen konnten, zeigt der Fall des kalifornischen Bodybuilding-Stars Arnold Schwarzenegger, ein \u00d6sterreicher, der in Kalifornien von 2003 &#8211; 2011 \u00a0sogar Pr\u00e4sident hat werden k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Parallel zur \u00fcbersch\u00e4umenden und sehr einflussreichen musikalischen Pop-Kultur (intellektuelle Haupt-Ideengeber waren zumindest zu Beginn die Beatles) musste auch ein richtiger MusikFilm entstehen: <strong>Saturday Night Fever(1977).<\/strong> Er begr\u00fcndete und verst\u00e4rkte die ganze DiscoKultur, die ganze DiscoWelt. Erst Mitte der sechziger Jahre hatten sich primitive und nicht damit vergleichbare Tanzschuppen (BeatClubs) in bestimmten Lokalit\u00e4ten gebildet, die dann sp\u00e4ter in den siebziger Jahren explosionsartig sich weiter entwickelten und bis heute eine eigene Kultur wie Lebensform darstellen. Sie betrifft Kleidung, Mode, Sexualverhalten etc.<\/p>\n<p>Der Botschaft nicht nur dieses Films war,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>dass die Menschen exzessiver als je zuvor sich sch\u00f6n und attraktiv zu machen versuchten, M\u00e4nner wie Frauen. Sie grenzte sich damit auch von der vorausgehenden Bewegung der soldatischen Jeans- und Parka-Kleidung ab. Ganz im Gegenteil: ModeDesign, Schneiderhandwerk, Friseure wurden \u00fcberaus wichtig bis in die Gegenwart hinein &#8211; das Tanzen ist schlichtweg zum all umfassenden Lebenssinn und Lebenszweck in der jungen Generation bei der Paarfindung geworden. <i>Feeling alive<\/i>, sich lebendig f\u00fchlen, das ist mittlerweile ein Schlagwort in jeder Hinsicht geworden. Beim Tanzen und der dazu geh\u00f6renden Erotik kann man sich nach der t\u00e4glichen Arbeit im B\u00fcro oder Gesch\u00e4ft tats\u00e4chlich sehr lebendig und voller Lebensenergie f\u00fchlen, zumal sich die Ideen und Theorien von Wilhelm Reich in Amerika immer mehr in der Psychotherapie durchzusetzen begannen. Es lebe der genitale \u00a0Charakter Freuds, die \u00a0Orgasmustheorie von Wilhelm Reich sowie die permanente Befriedigung(Satisfaction) von uns allen bis zum Geht nicht mehr&#8230;<\/p>\n<p>Bekanntestes Lied in diesem Film und mit den absonderlichen Falsettstimmen der Bee Gees gesungen war der Song \u201eStaying Alive\u201c. Auch dieses Lied lohnt sich zu untersuchen, zu analysieren, denn trotz aller sch\u00f6nen Versprechungen dr\u00fcckt es bereits eine gute Portion Skepsis aus. Ganz anders, als wir es in unserer jugendlichen Unbedarftheit interpretiert hatten.<\/p>\n<p>Ein weiterer Film hat mich gepr\u00e4gt und beeindruckt, aber sein Einfluss war eher unterschwellig nur zu bemerken in der westlichen Kultur wie meistens bei allen Filmen der nachfolgenden Zeit. Er hie\u00df <strong>American Gigolo(1980)<\/strong><b>,<\/b> in Deutsch <strong>Ein Mann f\u00fcr gewisse Stunden<\/strong>, und jetzt durften sogar M\u00e4nner begehrenswert erscheinen. Durften sich sch\u00f6n machen, ausstellen, begehrenswert sein. Waren f\u00fcr uns M\u00e4nner fr\u00fcher immer nur die Frauen begehrenswert, d.h. wir uns wie J\u00e4ger auf die Suche machen mussten, war es nun umgekehrt: Frauen duften ab sofort einen Mann begehren, ja ihn sogar mieten, ihn bezahlen quasi wie einen Prostituierten. Das war tats\u00e4chlich neu und revolution\u00e4r, widersprach auch ganz dem herk\u00f6mmlichen soldatischen M\u00e4nnerbild, dass ein Mann nicht auf \u00e4u\u00dferliche Dinge wie Sch\u00f6nheit oder Aussehen Wert legen durfte. Dass er der Eroberer sein musste, der Gewinner und Geldbringer, dass er den Beginn machte in einer Beziehung, die Eroberung eines nachhaltigen und wertvollen Besitzes &#8211; der Familie. Bei meinem Vater noch war jeder Mann, der sich parf\u00fcmierte, schwul, weshalb ich lange Zeit au\u00dfer Rasierwasser kein solches Teufelszeug benutzen wollte.<\/p>\n<p><strong>American Gigolo<\/strong> bedeutete aber auch noch etwas anderes: Dass ein Mann, wenn er von einer Frau begehrt und erobert werden kann, auch von einem anderen Mann begehrt und erobert werden kann. Dass also die Anziehung der Geschlechter beidseitig und gleichgeschlechtlich sein kann. Daraus leitete sich dann sehr schnell die M\u00e4nnerbewegung und die Emanzipationsbewegung der Homosexuellen in den 80er Jahren ab. Dass es quasi normal wurde, dass man sich sch\u00f6n und anziehend machte nicht nur Frauen gegen\u00fcber, sondern auch f\u00fcr seinesgleichen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das war nun wiederum ein gro\u00dfer Bruch mit der Tradition und ein ganz neuer Zeit-Geist, der bis in die Gegenwart hinein reicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">*<\/h3>\n<p>So viel zum Vorspann und zu meiner Lebenserfahrung, wie Filme nicht zuletzt doch das Bewusstsein und den Geist einer ganzen Generation pr\u00e4gen, bilden, steuern k\u00f6nnen. Meist subtil und unterbewusst, aber ebenso wie die Werbung doch auch sehr nachdr\u00fccklich und, was die Vermarktung betrifft, effektiv.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ausgeklinkt habe ich mich gleichwohl aus dieser Kinobesuchs-Phase, indem ich viele Jahre lang in kein einziges Kino mehr gegangen bin. Ich war besch\u00e4ftigt mit (eigener)Musik, mit Kultur, Kunst und Konzert. Andere Erwerbsarbeiten, das Zeitung schreiben, Familie und Kind nahmen mich ganz in Anspruch. Ich hatte einfach keine Zeit mehr, mich mit Filmen zu besch\u00e4ftigen. Ich las die Filmkritiken dann und wann, blieb also dem Zeitgeist irgendwie verbunden, doch in der Distanz. Das Leben ist anders als die Kunst \u00fcber das Leben. Selbst Rezensionsangebote habe ich abgelehnt. Dabei waren Film und Kino doch mittlerweile die f\u00fchrende und einflussreichste Kunstgattung \u00fcberhaupt geworden. Waren und sind es geblieben! &#8211; In letzter Zeit und mit den Jahren gehe ich jedoch wieder in bestimmte Filme, die mich interessieren, meist in den Nachmittagsstunden. Ich sehe mir die Werbetrailer auf YouTube an und entscheide dann ob ja oder nein.<\/p>\n<p>So bin ich jetzt auf einen Film gesto\u00dfen, der in vieler Hinsicht meiner Meinung nach auch wieder den Zeitgeist in einer neuen Art und Weise widerspiegelt: <strong>Das M\u00e4dchen, das lesen konnte(1\/2019)<\/strong>. Es ist ein Film aus Frankreich, d.h. poetisch, sch\u00f6n, emotional und politisch. Das Deb\u00fct einer jungen Franz\u00f6sin mit Namen <span style=\"text-decoration: underline;\">Marine Francen.<\/span> Es geht darin um eine Frauengruppe in einem abgelegenen Dorf in den franz\u00f6sischen Alpen, denen die M\u00e4nner durch politische Umst\u00e4nde vollkommen und ganz abhanden gekommen sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es besteht auch keine Hoffnung mehr, dass sie in diesem Dorf wieder auftauchen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zuerst vermittelt<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>der Film anschaulich und ganz im Sinne des Feminismus, wie Frauengruppen sich untereinander organisieren, ihr \u00dcberleben auch ohne M\u00e4nner sichern k\u00f6nnen. Ich unterstelle einen PropagandaFilm und bin zum Weggehen bereit. Aber dann taucht doch ein Mann in diesem Dorf auf, und die Frage ist: was wird er tun. Denn soweit wie Sappho mit ihren Gef\u00e4hrtinnen in der Antike gehen diese Frauen gerade nicht. Sie w\u00fcnschen sich Kinder, sie w\u00fcnschen sich M\u00e4nner zum Leben, zum Lieben. Also entscheidet man sich, diesen Mann <span style=\"text-decoration: underline;\">zu teilen<\/span>. Quasi freiwillig und vor\u00fcbergehend zu neuzeitlichen HaremsDamen zu werden. Einer f\u00fcr viele. Neumodisch gesprochen: zu <i>sharen<\/i>. Jede soll zum Zuge kommen d\u00fcrfen, wenn gew\u00fcnscht. Abgemacht. Dass der Mann zu allem bereit ist, davon wird ausgegangen, denn das ist der weibliche Blick mancher Frauen auf den Mann, was auch nicht so ganz unzutreffend sein mag.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Film spielt in einer wunderbaren Retro-BergLandschaft und auch die Darstellerinnen sind wunderbar, das hei\u00dft ansprechend und sch\u00f6n, gekleidet wie aus einem Design-Lehrbuch f\u00fcr B\u00fchnenbildner oder Gewand-Schneiderinnen. Meist ist es Sommer und meist sind wir bei der Korn- oder Heu-Ernte. Fast schon breitet sich eine ruhig-meditative, wenn nicht sogar statische Stimmung der Selbstgen\u00fcgsamkeit aus; die Dialoge sind sp\u00e4rlich wie in einem modernen Kammerspiel. Es ist, so mein vorschneller Eindruck, die Nostalgie der geplagten Filmemacherin nach fr\u00fcheren Zeiten, nach Einfachheit (es gibt immer nur Brot und Wasser, Suppe und Obst als karge Speise), nach einem Leben in und mit der Natur und auch mit Kindern. Nur die M\u00e4nner fehlen.<\/p>\n<p>Mich hat in diesem Film zu allererst der weibliche Blick interessiert. Wie stellt eine Filmfrau das Leben von Frauen untereinander dar, was ist ein gl\u00fcckliches sinnvolles Frauenleben f\u00fcr und mit Frauen? Ist es anders als zusammen mit M\u00e4nnern? &#8211; Dann: Wie sieht das weibliche Begehren in der Filmdarstellung einer Frau aus, wenn ein Mann ins Spiel kommt. Wie l\u00e4uft es mit den sexuellen Beziehungen, was bedeutet Liebe bei dieser Feministin, wie wird Sexualit\u00e4t im Film von einer Feministin gezeigt? Ist es umgekehrt auch nur noch Objektivierung, wird Liebe jetzt zum<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>ebensolchen Missbrauch des Mannes als einem einsam-n\u00fctzlichen Beischl\u00e4fer und \u201eBesamer\u201c? Le semeur (Der S\u00e4mann) hei\u00dft der Film auf Franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p>Sexuell und animalisch im Sinne einer Besamung hat es Jean, so hei\u00dft das m\u00e4nnliche Unikum, in dieser Frauengemeinschaft mit einigen Frauen tats\u00e4chlich getrieben, weil sie es so wollten. Der Film zeigt dar\u00fcber hinaus aber auch, zu welchen Problemen das Verlieben f\u00fchren kann, zumal auch Jeans Geliebte sich dazu verpflichtet hatte, nicht diesen Mann alleine nur besitzen zu wollen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Denn in diesem besonderen Film und Fall (wir sind im Kino! ) kommt dennoch Liebe bei dieser besonderen Frau ins Spiel &#8211; dar\u00fcber und warum gerade diese Frau sp\u00e4ter &#8211;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>und dass eben diese Liebe mit ihren drei Faktoren, wie ich sie immer gerne in meinen Texten zu differenzieren suche:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Geistige Liebe und Verantwortung, Verliebung, Begehren(Sexualit\u00e4t), dass diese Art Liebe sogar die feministischen Thesen des solidarischen Teilens in Frage stellen und damit einen R\u00fcckschritt aus feministischer Sicht bedeuten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>All das, was ich das Thema betreffend \u00a0dar\u00fcber zu schreiben versuche und sehr subjektiv aus der Sicht des Mannes(\u201e\u00dcber Liebe und Lust\u201c), f\u00fchlt sich pl\u00f6tzlich bei mir auch von der feministischen Seite her best\u00e4tigt. Dass man tats\u00e4chlich in einer zwischenmenschlichen Beziehung<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>differenzieren muss zwischen geistiger Liebe (Verantwortung f\u00fcr das Du in jeder Hinsicht), dem Verlieben (samt Z\u00e4rtlichkeit, Romantik, Sehnsucht, Bewunderung etc.) und dem sexuellen Begehren, also dem Orgasmus im narzisstisch-egoistischen Sinne der Natur.<\/p>\n<p>Der Hauptdarsteller, auch in meiner Sicht ein idealer Mann, scheut sich anfangs vor dieser Objektivierung, dass man ihn nur f\u00fcr sexuelle Dinge ausnutzen will. Recht unwillig \u00fcbernimmt er schlie\u00dflich doch, um bei seiner wirklichen Geliebten bleiben zu k\u00f6nnen, auch diese Aufgabe. D.h. er begibt sich auf die sexuelle Ebene ohne ein<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Verlieben und auch ohne irgendwelche geistigen Skrupel oder Bedenken was die Folgen seines Unterfangens betrifft.<\/p>\n<p>Alle diese drei Punkte tauchen auf, werden im Film dargestellt und werden von diesem einen Mann besetzt, der mich auch in seiner Typisierung ebenso wie die Frauen \u00fcberzeugt. Wobei sich die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>romantische und vielleicht sogar utopische Botschaft des Filmes und der Filmemacherin tats\u00e4chlich nachdr\u00fccklich f\u00fcr die geistige Liebe gegen Ende ausspricht. Nachdem wir in emotionaler Hochspannung auf die Entscheidung des Mannes gewartet haben, wie wird dieses Problem der Aufteilung eines Mannes unter den Frauen zu Ende gehen &#8211; der Mann wird die Frauengruppe verlassen m\u00fcssen, weil deren M\u00e4nner wieder zur\u00fcckkehren. Und er l\u00e4sst eine bewusst und gewollt schwanger gewordene Geliebte zur\u00fcck. Doch diese Liebe war tats\u00e4chlich die ideal-utopische Mischung von Verlieben, Begehren und geistiger Verantwortung. Auch wenn dabei Neid, Eifersucht und Traurigkeit innerhalb der Gruppe oft mit ins Spiel gekommen sind.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt ist auch &#8211; von einer Freundin wird sie davor gewarnt -, warum sich die junge Frau in den Mann verliebt hat und umgekehrt. Sie ist die einzige in dieser Frauengruppe, die im Jahre 1851, wenn der Film spielt, lesen kann. Weil beide lesen k\u00f6nnen, verlieben sie sich ineinander. Die Bewunderung steht also auch hier zu Beginn einer Verliebung. So entdeckt die junge Frau, gerade weil sie lesen kann, auch die problematischen Hintergr\u00fcnde ihres Geliebten, weshalb er auf der Flucht ist und immer auch auf der Flucht bleiben wird.<\/p>\n<p>Beide lesen sich gegenseitig in trauter Zweisamkeit aus B\u00fcchern vor, der Zeit entsprechend Voltaire und Victor Hugo. W\u00e4hrend im m\u00e4nnlichen Blick wohl nur in seltenen F\u00e4llen Liebe und Begehren durch das Vorlesen von kunstvoller Literatur geweckt werden kann (ich will m\u00f6gliche Alternativen jetzt gar nicht weiter und ins Neuzeitliche gewendet ausf\u00fchren), so ist es in diesem Film und in der Sicht einer Frau gerade das Gegenteil. Das laute VorLesen bewirkt auch bei ihr die Verliebung. Das Bewundern des Gegen\u00fcber warum auch immer bewirkt und lohnt also \u00a0eine Verliebung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Abschluss-Szene des Films ist dann auch wieder typisch aus der Perspektive einer Frau gezeichnet, die nie und nimmer einem Mann einfallen w\u00fcrde. Man sieht ein neu geborenes Baby, ganz klein, ganz zierlich, ganz zart und neu, und h\u00f6rt dazu im Off den Abschiedsbrief des Geliebten: Dass dieses Kind ein wahres Kind der Liebe, \u201eder reinen Liebe <span style=\"text-decoration: underline;\">zweier freier<\/span> Menschen\u201c gewesen sei. Auch seine Adresse, wo er sein oder erreichbar sein wird, schickt er noch nach. Er macht sich also nicht auf und davon nach diesem Abenteuer. \u201eRein\u201c und \u201efrei\u201c war diese Liebe. Die Utopie eines zuk\u00fcnftigen, wenn auch gescheiterten Zusammenlebens, die sich auf fast schon \u00fcberzeitliche Werte der Vergangenheit wieder beruft, ist perfekt. Wenn auch existenzialistisch gef\u00e4rbt, denn Freiheit kommt mit ins Spiel, also auch Verantwortung.<\/p>\n<p>Doch diese \u201ereine Liebe\u201c scheint so <i>out of time<\/i>, so <i>old school<\/i> m\u00e4\u00dfig zu sein, dass auch mir und etlichen anderen im Saal Tr\u00e4nen der Nostalgie gekommen sind. Aber ausdr\u00fccklich betont die Filmemacherin in einem Interview auch ihre politischen und feministischen Absichten in diesem Film. Nun gut, dann weiter so! Es soll jetzt ein M\u00e4nnerfilm nachfolgen. Wir sind gespannt.<\/p>\n<p>Die Kritiken bleiben unterschiedlich. Jede m\u00e4nnliche Meinung und Wertung zu diesem Film wird einem Outing gleich kommen: Wie hast du\u2019s mit der Liebe. Manche M\u00e4nner werden sich befremdet f\u00fchlen als Objekte, die von Frauen in ihre Gewalt gebraucht, auch missbraucht werden k\u00f6nnen und mittlerweile zahlreich auch dergestalt missbraucht worden sind. Nicht nur in Sachen Kind und Ehe. Umgekehrt widerspricht dieser Film samt seinem Appell an die fast schon idealisiert romantische Liebe auch manchen radikal-feministischen Grunds\u00e4tzen: den Mann im Geschlechter-Kampf (denn das ist es wirklich) beherrschen und auszun\u00fctzen zu m\u00fcssen wie auch immer. Nein, werden jetzt manche Feministinnen heftig widersprechen. Aber mittlerweile gibt es in den USA bereits wieder eine Bewegung \u201eM\u00e4nner<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>gehen ihren eigenen Weg\u201c &#8211; Men Going Their Own Way {MGTOW), die sich ganz von den Frauen abwendet, \u00a0ohne jedoch schwul werden zu wollen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Stattdessen sitzen manche unserer geplagten Geschlechtsgenossen lieber alleine vor ihren elektronischen Apparaten und Spielzeugen, sprechen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und beraten und vergn\u00fcgen sich nur noch mit solch k\u00fcnstlichen Gesch\u00f6pfen, statt h\u00e4uslich und z\u00e4rtlich all diesen wunderbaren Menschen gegen\u00fcber\u00a0zu sein.<\/p>\n<p><b>281 Filmkritik (1): Fernsehserien<\/b><\/p>\n<p><b>Alle B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/b><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=308%20Vom%20weiblichen%20Blick%20%28Filmkritik%202%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das M\u00e4dchen, das lesen konnte Einige Filme hatten eine existenzielle Bedeutung in meinem Leben. 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