{"id":8742,"date":"2019-01-30T08:42:53","date_gmt":"2019-01-30T08:42:53","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8742"},"modified":"2019-02-14T07:21:07","modified_gmt":"2019-02-14T07:21:07","slug":"309-ueber-skepsis-und-skeptikerabtwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8742&lang=de","title":{"rendered":"309 \u00dcber Skepsis und Skeptiker(Antwort)"},"content":{"rendered":"<p>Im<em> Folgenden drucke ich noch einmal und mit nur einigen wenigen \u00c4nderungen einen ganz fr\u00fchen BlogBeitrag von mir ab. Er besitzt manchmal noch den ironischen Schwung des Beginns, der mir jetzt leider fast ganz abhanden gekommen ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Je mehr ich mich n\u00e4mlich hinein und hinunter grabe in die Tiefe von Weisheit und \u00a0Wahrheit, um so dunkler und schwieriger wird alles (Seufz). Wie wenn ich mich in einem Labyrinth befinde, wo auch der Ariadne-Faden \u00a0verloren gegangen ist.\u00a0Gleichwohl werden an der Oberfl\u00e4che und in meiner Umgebung jedoch dionysische Bacchanale gefeiert, die uns vergessen lassen wollen, dass sich Zeit und Welt ge\u00e4ndert haben und noch einschneidender \u00e4ndern werden (ich wiederhole mich). Nach der Orgie, schreibt Baudrillard sinngem\u00e4\u00df, ist nicht mehr vor der Orgie. Sondern wir werden uns nur wieder Gedanken \u00a0machen m\u00fcssen \u00a0<u>\u00fcber<\/u> die Orgie.<\/em><i>\u00a0Er lehnt also das geschichtliche Denken gerade nicht ab.<\/i><\/p>\n<h3>*<\/h3>\n<p>Ich bin gefragt worden, ob die skeptische Denkweise, wie ich sie im Blogbeitrag vom 29.4. 2014 beschrieben habe, einen direkten Einfluss auf mein Alltagsleben hat.<\/p>\n<p>Sehr sogar!<\/p>\n<p>1.Punkt: <strong>Skepsis<\/strong>. &#8211; Ich zweifle alle sogenannten Wahrheiten an, vor allem, wenn sie \u00fcber die Medien Zeitung, Fernsehen, Internet etc. verbreitet worden sind.<br \/>\nAlle Informationskampagnen der Politik zum Beispiel k\u00f6nnen ebenso gut Desinformationskampagnen sein. Man beachte nur die Vorgehensweise der Amerikaner gegen die Russen und umgekehrt, was sich alles in der Ukraine abspielt oder abgespielt haben soll.<br \/>\nBesonders vorsichtig bin ich auch solchen Erkenntnissen gegen\u00fcber, die mit Statistiken, Zahlen und Rechenbeispielen angeblich belegt und bewiesen werden k\u00f6nnen. Etwa was gesund und lebenswert sein soll oder auch nicht, wann unsere Erde entstanden ist und wieder untergehen wird, ob eine neue Warmzeit oder eine Eiszeit bevor steht oder mit welchen Menschen ich gut klar komme oder eher nicht.<br \/>\nMeist glaube ich weder das eine noch das andere und enthalte mich einer Parteinahme. Auch im Syrien-oder Ukraine-Konflikt wei\u00df ich keine Stellung zu beziehen, weil ich allen Informationen, die ich erhalte, misstraue.<\/p>\n<p>2.Punkt: <strong>EntscheidungsEnthaltung<\/strong>\u00a0und der Skeptiker als Mensch. &#8211; Entscheidungen treffe ich meist intuitiv, spontan und emotional. Es geht alles sehr schnell bei mir, nachdenken tue ich meist nicht sehr lange. Manchmal lasse ich jedoch auch die (vergehende) Zeit entscheiden. Habe ich mich entschieden, gehe ich meist sehr bestimmt diesen Weg dann weiter. Entscheidungsschwach bin ich also nicht.<\/p>\n<p>In die Tradition f\u00fcge ich mich oft ein, etwa was religi\u00f6se Br\u00e4uche und Rituale betrifft oder Fragen zur Lebensform und Gesundheit. Ich denke, dass auch im Bereich der Lebenstechnik <em>evolutionshistorisch<\/em> sich nur das f\u00fcr den Menschen Beste durchsetzen wird bzw. sich durchgesetzt hat.<br \/>\nAls K\u00fcnstler bin ich ein Neurotiker schon per Definitionem und in Sachen Liebe oder Sex kann ich sehr wohl unterscheiden zwischen dem Lieben, das hei\u00dft eine Beziehung, eine Familie aufbauen, verantwortungsvoll pflegen und halten, dem Verlieben, das hei\u00dft das kurzzeitige Au\u00dfer-sich-Sein, um in diese Ebene der Beziehung zu gelangen, und dem sexuellen Begehren. Ich wei\u00df mit dem einen wie dem anderen mittlerweile so und f\u00fcr mein Empfinden auch richtig umzugehen, so dass ich keinen Menschen dabei verletze.<\/p>\n<p>3.Punkt: <strong>Technokratie<\/strong>. &#8211; Mit einigen jungen Menschen in meiner unmittelbaren Lebenswelt einschlie\u00dflich meinem Sohn (20 Jahre alt) habe ich gelegentlich heftige Kommunikations- St\u00f6rungen.<br \/>\nEtwa \u00a0was den Kontakt betrifft jenseits des direkten Sehens, Sprechens und F\u00fchlens. Man muss sich immer vorher dar\u00fcber klar werden, ob diese Person a) telefonisch direkt b) per Mailbox c) per SMS\/WhatsApp d)per Skype\/Face-Time oder e) per E-Mail kontaktiert werden will. Fr\u00fcher ging alles nur per Telefon, und h\u00f6flicherweise fragte man an beim Telefonieren, &#8220;ob ich gerade st\u00f6re&#8221;. Meist ja, aber man war dann doch bereit zum Gespr\u00e4ch. Briefe waren etwas Sch\u00f6nes, Seltenes, fast Kostbares &#8211; die Briefmarken, die Schreibschrift, der Stil.<\/p>\n<p>Jede dieser neuen Kommunikations-Formen, wenn sie ausschlie\u00dflich und \u00fcbertrieben angewendet werden, bewirkt meines Erachtens eine Verk\u00fcmmerung, eine entfremdete Kommunikation, denn die Person als Ganzheit ist nicht mehr anwesend, sondern nur als Fragment oder reduziert auf wenige Zeichen. Also ein menschlicher Kr\u00fcppel. Meist trifft man sich auch nicht mehr so h\u00e4ufig wie fr\u00fcher.<br \/>\nMit Personen, die permanent mit Smartphones auf dem Tisch (selbst im Restaurant), Computern, auch Computerspielen etc. verbandelt sind, das hei\u00df solipsistisch leben, komme ich meist nicht klar. Ich studiere diese Lebensform neugierig und mit einer gewissen Toleranzbreite, denn diese Menschen leben ein f\u00fcr mich durchaus neuartiges, vielleicht auch zuk\u00fcnftiges Leben und kommunizieren fast perfekt mit ihren Ger\u00e4ten. Ihr Emotionshaushalt scheint mir jedoch auf die Dauer zu verk\u00fcmmern. Also tendieren sie zur Seelenlosigkeit und sie werden zu einer&#8230; Ihr wisst schon, was ich meine.<br \/>\nDie vielen Piep- und Pfeift\u00f6ne suggerieren zwar Kontakt, N\u00e4he und Information, das hei\u00dft Welt und Leben, aber in Wirklichkeit ist es nur ein fiktiver Kontakt und eine fiktive N\u00e4he zu Maschinen. Eine Schein-Welt.<br \/>\nWenn ich mit diesen Personen &#8220;leibhaftig&#8221; zusammen bin, \u00fcberrascht es mich immer wieder, wie stumm, unnahbar, auch unemotional viele geworden sind. Gef\u00fcllt mit Wissen und Informationen scheinen sie \u2013 zumindest was die menschliche Interaktion und Kommunikation betrifft \u2013 oft hilflos und leer. Vielleicht wird tats\u00e4chlich einmal eine Zeit wieder kommen, wo man im Gruppentraining lernen muss, was es hei\u00dft, Mensch zu sein, menschlich zu leben und lieben zu k\u00f6nnen. Dies richtet sich auch gegen die neue Entwicklung zum \u201eTrans-Humanismus\u201c hin.<br \/>\nIch selbst muss mich ebenso immer wieder dazu zwingen, das Handy f\u00fcr Stunden wegzulegen, abzuschalten, es nicht zu beachten, den Computer zu ignorieren, mit meinem neu angeschafften lebensgro\u00dfen Roboter-Partner nicht mehr so lange zu sprechen oder zu spielen (er ist eine direkte Nachahmung von mir und imitiert mich vollkommen und er ist perfekt angepasst selbst an meine sexuellen Bed\u00fcrfnisse), um mich nicht allzu sehr von diesen Dingen in der Welt der Dinge abh\u00e4ngig zu machen. Auch Siri antwortet mir sofort, wenn ich sie rufe und mit ihr reden will.<\/p>\n<p>4.Punkt: <strong>Widerspr\u00fcchlichkeit<\/strong>.- Nat\u00fcrlich ist es ein Widerspruch, wenn ich einerseits die &#8220;Alles-geht&#8221;-These vorstelle und vertrete, sie mit skeptischen Isosthenien begr\u00fcnde, und andererseits die Entwicklung zur Technokratie in Frage stelle, also doch eher einen festen Standpunkt einnehme. Aber auch in diesem Fall hat sich wieder eine Isosthenie gebildet: Hier die &#8220;Alles-geht&#8221;-Position und dort die Warnung vor der Technokratie (nicht alles geht). Doch auch das Denken und die Worte bewegen sich in einem chaotischen dynamischen System und ihre &#8220;Wahrheiten&#8221; gelten immer nur von Fall zu Fall. Wahrheit kann m.E. auch meistens nur mittels einer Dogmatisierung festgelegt\/definiert\/erforscht werden. Auch mein Vorgehen jetzt ist eine Art von Dogmatismus. Au\u00dferdem geht es mir bei philosophischen Fragen eher um Weisheit (philo-sophia, Liebe zur Weisheit) als um Wahrheit.<\/p>\n<p>Weisheit wozu, werdet Ihr fragen. Ob ich mir eine neue Brille kaufen soll, ob er mir zu Willen sein wird (wer?), ob ich noch schnell einkaufen gehen oder meine Vorstellungen von Weisheit versus Wahrheit unters Volk bringen soll? &#8211; Um den Lebensweg zu spuren, lautet meine Antwort.<\/p>\n<p>Wie man mit einer solchen Isosthenie praktisch umgehen soll, werdet Ihr mittlerweile wissen: Ihr k\u00f6nnt mit der &#8220;Alles-Geht&#8221;-Haltung einverstanden sein (1). Ihr k\u00f6nnt mit allen politischen Mitteln die zuk\u00fcnftige KI-Technokratie bek\u00e4mpfen, die es nebenbei ebenso auch in den kommunistischen Staaten gab oder gibt (2). Ihr k\u00f6nnt auch (3.) die Isosthenie akzeptieren, dass beide gegens\u00e4tzliche Positionen (1 und 2) akzeptabel sind. Und Ihr k\u00f6nnt letztlich (4.) auch das Nachdenken dar\u00fcber ganz bleiben lassen. Euch einen Kaffee oder einen Tee machen und im meditativen Sinne immer wieder den Satz vor Euch hin murmeln: &#8220;Grau ist alle Theorie. Grau ist alle Theorie, grau ist alle&#8230;&#8221; (immer wiederholen). &#8211; Wobei mir immer noch nicht klar ist, ob dieser Satz nun eine Metapher, ein Euphemismus oder nur eine schlichte ironische Provokation (zum Nachdenken und Teetrinken?) darstellt. Und was das alles mit der Orgie zu tun hat (siehe Vorspann), wei\u00df ich auch nicht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Wiederabdruck vom 6.5.2017<\/p>\n<p>Zum Thema &#8220;Wie kann Theorie praktisch werden&#8221; lest im Blog die Nr. 28 &#8220;\u00dcber die Resignation&#8221;.<\/p>\n<p><b>Alle B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=309%20%C3%9Cber%20Skepsis%20und%20Skeptiker%28Antwort%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden drucke ich noch einmal und mit nur einigen wenigen \u00c4nderungen einen ganz fr\u00fchen BlogBeitrag von mir ab. 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