{"id":8832,"date":"2019-03-08T20:31:04","date_gmt":"2019-03-08T20:31:04","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8832"},"modified":"2021-10-15T17:18:59","modified_gmt":"2021-10-15T17:18:59","slug":"312-roemische-lektuere-aulus-gellius-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=8832&lang=de","title":{"rendered":"312 R\u00f6mische Lekt\u00fcre: Aulus Gellius (2)"},"content":{"rendered":"\n\n<p>Den Tweet von 8.3.19 will ich an dieser Stelle genauer vorstellen. Aulus Gellius (125-ca.180) bezieht sich auf eine von Marcus Cato gehaltene Rede vor Soldaten. Es geht darin um einen jungen Halbw\u00fcchsigen, Papirius pratextatus, also ein noch nicht vollj\u00e4hriger Junge je nach Bartwuchs (Pubert\u00e4t), zwischen 15-20 Jahre alt (sp\u00e4ter sogar bis 25, siehe Augustus). Er hat<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>mit seinem Vater einer Senatssitzung beigewohnt und war zum Stillschweigen verpflichtet. Er durfte auch auf Dr\u00e4ngen seiner Mutter nichts sagen, was im Senat verhandelt worden ist. Das Problem mit der Mutter versucht er mit einer \u201eNotl\u00fcge\u201c zu erledigen. Er gibt vor, man habe im Senat die Frage diskutiert, ob mann nicht auch zwei Frauen heiraten k\u00f6nne.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auf diese Botschaft ihres Jungen hin war die Mutter so best\u00fcrzt, dass sie sofort mit etlichen Nachbarinnen eine Protestaktion startete und vor den Senat zog mit dem<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Vorschlag,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>wenn ein Mann zwei Frauen besitzen k\u00f6nne, dann w\u00e4re es doch noch besser, wenn eine Frau zwei M\u00e4nner heiraten d\u00fcrfe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Der Senat<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>bel\u00e4sst jedoch alles beim Alten &#8211; bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p>Papirius jedoch wird im Laufe der Zeit<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>wegen diesem seinem guten Einfall der Zutritt zu jeder Senats-Versammlung gew\u00e4hrt, und er erh\u00e4lt sp\u00e4ter auch den ehrenden Beinamen Praetextatus, \u201eweil er noch in der Knabentracht der Toga praetexta Klugheit bewiesen hatte im Schweigen wie im Reden\u201c, so Aulus Gellius.<\/p>\n<p>Im Folgenden gebe ich den OriginalText wieder, wie ihn der Autor als \u201eschlichten Tatsachenbericht\u201c und weniger wegen seiner \u201eeindrucksstarken sprachlichen Vorz\u00fcge\u201c aufgezeichnet hat, so Originalton Gellius. Angeblich hat er diese Rede geh\u00f6rt und er gibt sie aus seiner Erinnerung wieder.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun muss man aber bedenken, dass in der Antike vieles geschrieben, vieles gef\u00e4lscht, erfunden wurde, vieles interpretiert und hinterfragt werden musste. Wie heute auch. Insofern ist nicht alles, was man schwarz auf wei\u00df vor sich hat, auch glaubw\u00fcrdig. Dennoch ist die Idee, dass eine Frau zwei M\u00e4nner haben k\u00f6nne, mittlerweile nicht mehr ganz so abwegig. Warum nicht ein Kind zu dritt zeugen und in die Welt setzen und so eine neue Art von Familie gr\u00fcnden, die es bislang als staatlich anerkannte Familien-Form (mit dreifachem Ehegattensplitting?) noch nicht<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u00a0gegeben hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>&#8230; Die Mutter des jungen Papirius, der mit seinem Vater an dieser Sitzung teilgenommen hatte, versuchte nun von ihrem Sohn zu erfahren, was in besagter Sitzung behandelt worden w\u00e4re. Antwortet der Knabe: Dar\u00fcber m\u00fcsse er Stillschweigen bewahren, Gespr\u00e4che \u00fcber dieses Thema seien nicht erlaubt.<\/p>\n<p>Das Verlangen der Frau, etwas zu erfahren, wuchs dadurch noch mehr. Das Geheimnisvolle der ganzen Angelegenheit ebenso wie die Verschwiegenheit des Knaben reizen sie zu immer weiteren Nachforschungen, dringender und ungest\u00fcmer werden Ihre Fragen. Da ihm nun die Mutter keine Ruhe l\u00e4sst, entschlie\u00dft sich der Knabe zu einer tollen, witzigen Notl\u00fcge.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>So gab er an, im Senat sei dar\u00fcber beraten worden, ob es zweckm\u00e4\u00dfiger und dem Staate dienlicher sei, wenn ein Mann zwei Frauen habe oder eine Frau mit zwei M\u00e4nnern verheiratet sei. Bei diesen Worten schreckt sie zusammen, st\u00fcrzt am ganzen Leib zitternd aus dem Haus, um allen anderen Ehefrauen diese Neuigkeit mitzuteilen. Am n\u00e4chsten Tag zieht eine ganze Schar von Familienm\u00fcttern vor das Senatsgeb\u00e4ude. Weinend und beschw\u00f6rend bringen sie ihre Bitte vor, es m\u00f6chte doch lieber einer Frau zwei M\u00e4nner als einem Mann zwei Frauen geg\u00f6nnt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Ich will hinzuf\u00fcgen, dass es gerade in der Kaiserzeit und auch schon 100 Jahre zuvor nicht mehr mit dem Nachwuchs klappen wollte. Der Staat brauchte dringend Kinder f\u00fcr die zahlreichen Kriegsz\u00fcge, die einen hohen Blutzoll forderten. Aber wie? Augustus, der nur ein Kind in die Welt setzte, versch\u00e4rfte die Ehe-und Abtreibungsgesetze (Ehepflicht f\u00fcr alle). Auch die Homosexualit\u00e4t au\u00dferhalb der Knabenliebe, die bei manchen (auch bei Augustus selbst) erst mit 25 zu Ende ging, wurde ambivalent betrachtet. \u00dcber das Thema der fehlenden Nachkommen gibt es in der Geschichtswissenschaft mehrere Theorien. Selbst gegenw\u00e4rtig wird die UrsachenFrage der Kinderlosigkeit weiter diskutiert. Doch \u00a0wenn bald nur noch \u00a0Kinder geklont und intelligente Roboter in den Krieg ziehen werden&#8230;<\/p><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=312%20R%C3%B6mische%20Lekt%C3%BCre%3A%20Aulus%20Gellius%20%282%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Tweet von 8.3.19 will ich an dieser Stelle genauer vorstellen. 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