{"id":9188,"date":"2019-08-13T09:09:45","date_gmt":"2019-08-13T09:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=9188"},"modified":"2024-03-13T20:45:28","modified_gmt":"2024-03-13T20:45:28","slug":"325-ueber-blasen-und-gruppen-inzest-3-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=9188&lang=de","title":{"rendered":"325 \u00dcber Blasen und\u00a0 Gruppen-Inzest\u00a0(3\/3)"},"content":{"rendered":"<p><b>Vernunft der Wissenschaft, Vernunft Afrikas (3)<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0Less Wrong &#8211; Weniger falsch<\/b><\/p>\n<p>Der intellektuelle Diskurs \u00fcber Rationalit\u00e4t(en), Wahrheit (en), auch Sch\u00f6nheit oder Gerechtigkeit hat sich in den letzten Jahren zunehmend aus den universit\u00e4ren Zirkeln in die Internet Foren und in die Internet Communities verlagert, &#8220;ausgelagert&#8221;, kann man auch sagen. Das bedeutet: Jede Gruppe sucht sich im Internet ihre Anh\u00e4ngerschaft, bildet kleine Foren der Wahrheitsfindung und Abschottung. Diese Auseinandersetzungen haben sich immer mehr verst\u00e4rkt in der Gegenwart. Was ist rechtes, was linkes Denken? Welche Demokraten in den USA sind konservativ, welche konservativen Politiker dort sind mehr als demokratisch? Was bedeutet Emotionalisierung der Politik? Nur noch Theater und narzisstisch-egomanische Shows auf der medialen Weltb\u00fchne?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ist die Evolutionstheorie tats\u00e4chlich so unwissenschaftlich, sind Berechnungen \u00fcber die Ursachen des \u00a0Klimawandels oder die Wirtschaftsentwicklung einseitig nur von Interessen gelenkt? Ist alles so falsch, wie der amerikanische Pr\u00e4sident Trump mittlerweile mit steter Regelm\u00e4\u00dfigkeit in seinen kurzen Botschaften Wissenschaftlern unterstellt, wenn sie ihm nicht zustimmen?<\/p>\n<p>Vor allem hat sich eine heftige, auch sehr emotional gef\u00fchrte Auseinandersetzung um Presse (&#8220;L\u00fcgenpresse&#8221;), Wissenschaftlichkeit, Wahrheit, &#8220;alternative Wahrheit&#8221; und Nicht-Wahrheit (&#8220;Fake&#8221;, F\u00e4lschung) gebildet. Man kann tats\u00e4chlich bereits von einem Kultur-Kampf in den USA wie in Deutschland um 1880 sprechen, der weitreichende Auswirkungen hat bis hin zu Spaltungen und Zerw\u00fcrfnissen selbst im famili\u00e4ren Bereich. Kritische Diskussionen um Begriffe wie Wahrheit und Freiheit, \u00f6konomischer Neo-Liberalismus, die Gender-Thematik sowie K\u00fcnstliche Intelligenz stehen dabei ganz oben. Und jeder denkt sich seine Wahrheit, wie er kann und will. Ganz ohne Konsensabsicht, Selbstkritik oder Bereitschaft zur Korrektur..<\/p>\n<p>Alle diese Ans\u00e4tze lassen sich tats\u00e4chlich im postmodernen Denken der franz\u00f6sischen Philosophen finden. Wie dort gehen die neuen amerikanischen \u201ePostulatoren\u201c ohne es zu wissen jedoch noch weiter zur\u00fcck, sogar bis in die r\u00f6mische Antike hinein mit ihrem Skeptizismus. Auch Merkmale der griechischen Sophisten lassen sich leicht wieder finden.<\/p>\n<p>Einen Vorspann in eigener Sache zu dieser erkenntnistheoretischen Problematik und den impliziten letztlich auch ethischen Schlussfolgerungen muss ich gleichwohl jedoch jetzt schon \u00a0einf\u00fcgen. Ich schreibe immer wieder in diesem Blog von <b>Isosthenien<\/b>, von Gleichwertigkeiten auch in der Argumentation, selbst in der Begriffsbestimmung. Etwa was der Begriff \u201eFreiheit\u201c bedeutet anhand seiner Begriffsgeschichte: Was war Freiheit in der DDR, was in der BRD? Dass also selbst bei der Begriffsbildung nicht mehr \u201cobjektiv\u201c gesagt werden k\u00f6nne, was verallgemeinerbare Wahrheit, was Falschheit sei.<\/p>\n<p>Solche Isosthenien entwickeln sich naturgegeben, habe ich darzulegen versucht, wenn nur lange genug unterschiedliche Menschen nachdenken und man die Zeit verstreichen l\u00e4sst. Insofern ist auch die These, dass ein Mensch gleicherma\u00dfen politisch links wie politisch rechts sein kann, f\u00fcr mich nicht ungew\u00f6hnlich oder nicht rational, sondern sogar bedenkenswert. Die neue Richtung der geistigen amerikanischen &#8211; wie soll ich sie nennen &#8211; Chaotik(?) bezieht sich jedenfalls auf diese Position. Sie versucht gleichwohl, rational argumentativ vorzugehen selbst im Sinne von AntiRationalismus und in ihrem Kampf gegen einen scheinbar veralteten \u201eRationalismus\u201c. Sie l\u00e4uft jedoch Gefahr, sich \u00a0dennoch im Sprachspiel des internationalen Denkens, des Argumentierens und Geh\u00f6rt-werden-Wollens unglaubw\u00fcrdig zu machen. Extrapoliert sich letztlich aus der Kommunikations-Gemeinschaft heraus und in die Isolation. Wird quasi zu einer Sekte wie jeder Fanatismus, der seine Anh\u00e4nger sucht und findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>*<\/b><\/p>\n<p>Eine solche durchaus um \u201eRationalit\u00e4t\u201c &#8211; was auch immer das sein mag &#8211;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>bem\u00fchte Communitiy habe ich in den USA gefunden. Ihr Kommunikations-Organ nennt sich <b>Less Wrong<\/b> (Weniger falsch) und ist eine Online-Publikation mit durchaus diskutablen Blogeintr\u00e4gen neuer Vor- und Meisterdenker. Der neu ausgebrochene Kultur-Kampf scheint in den USA m\u00e4chtiger und aggressiver zu sein als in Europa, auch wenn durch Brexit- und andere Populisten das intellektuelle Klima mit eigenen Blogs und Internet Foren sich langsam aber sicher auch\u00a0hierzulande amerikanischen Verh\u00e4ltnissen ann\u00e4hert. Alle Autoren scheinen politisch links wie rechts gleichzeitig zu sein, mal so, mal so, also ziemlich \u201eflexibel\u201c und chaotisch. Sie bezeichnen sich als konservativ und bewusst anti-links (selbst wenn sie es gerade nicht sind). Aber noch lieber nennen sie sich <b>libert\u00e4r,<\/b> was auch immer das in ihrer Denkweise bedeuten mag.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0Und sie scheinen in der Erkenntnistheorie Anh\u00e4nger des kalifornischen \u201eAlles geht\u201c-Philosophen Paul Feyerabend zu sein, ohne dass sie es w\u00fcssten.<\/span><\/p>\n<p>Zwei Schwerpunkte will ich vorstellen :<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\">a)\u00a0<\/span>die Antibewegung gegen Wikipedia, die sich RationalWiki nennt (auch als RatWiki bezeichnet) und was diese Menschen geistig bewegt am Beispiel von <span style=\"text-decoration: underline;\">Alexander Scott<\/span><b> <\/b>und<b> <\/b><span style=\"text-decoration: underline;\">Elizer Yudkowski<\/span><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0und<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\">b )<\/span>will ich in Teil IV auf die <span style=\"text-decoration: underline;\">Claremonter-Gruppe<\/span> zu sprechen kommen, ein einflussreicher <strong>Think Tank<\/strong> bei Los Angeles, dem Trump sein Weltbild sowie Worte und Ideen auch seiner Ghostwriter und Tweet-Schreiber verdankt. Nicht zuletzt stammt aus dieser Ecke auch Steve Bannon, ein in Ungnade gefallener und immer noch einflussreicher Berater des amerikanischen Pr\u00e4sidenten(1).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>RatWiki<\/b>.- Viele unserer sicheren Gewissheiten und Wahrheiten, wie sie in Wikipedia propagiert werden, sind falsch, behauptet diese neue Intellektuellen-Generation. In ihrer Urteilsfindung gibt es sogar neuartige Subtilit\u00e4ten und Differenzierungen: Es gibt mittlerweile in diesem Denken Urteile die wahr, falsch und (neu!) vorhersehbar falsch (predictably wrong) sein k\u00f6nnen. Vorhersehbar falsch sind demnach viele der gegenw\u00e4rtigen Wahrheiten von Wikipedia.\u00a0Manche Wikipedia Beitr\u00e4ge werden aus der Sicht dieses radikalen Subjektivismus sogar ganz abgelehnt, denn wahr ist scheinbar eher nur das, was ich denke und f\u00fchle. Meine Sicht der Welt kann ebenso wie die gegens\u00e4tzlich andere sehr vielf\u00e4ltig und un\u00fcberschaubar sein. Also gibt es viele Wahrheiten, und alles ist letztlich Interpretation, also subjektiv. Neumodisch genannt ein &#8221; Narrativ&#8221;.<\/p>\n<p>Die Brille, mit der du die Welt anblickst, zeigt deine Welt-Sicht, sagte schon Kant. Ebenso jetzt und neuzeitlicher behauptet dies auch Jean Fran\u00e7ois Lyotard. Nur tr\u00e4gt der Zeitgenosse heutzutage weniger die Kant-Brille. Er ist mehr zum \u00a0Individualisten, zum intellektuellen Privat-Interpreten von Zeichen und Botschaften, kurz zum Geschichten-Erz\u00e4hler eigener Wahrheiten geworden. Und zum Egoisten, der selbst -darstellerischen Narzissmus und Egomanie nicht ausschlie\u00dfen will. Solidarit\u00e4t ist f\u00fcr diesen Menschen ein veralteter Begriff.<\/p>\n<p>Das Subjekt, das Individuum, das Ich allein erfindet in einem neuen geistesgeschichtlichen Anlauf seine Welt. Sie existiert nicht objektiv, sondern nur subjektiv und immer wieder anders. Soweit auch die Subjekt-Philosophie des deutschen Idealismus, die in Fichte bereits einen ihrer Hauptvertreter hatte, quasi die Ekstase des Ich-Denkens und seines egomanischen Narzissmus.<\/p>\n<p>Die Welt der Ameisen ist tats\u00e4chlich eine andere als die der L\u00f6wen; die Welt der L\u00f6wen eine andere als die der Menschen; die Welt der Menschen eine andere als die der G\u00f6tter etc. (sage ich). Wie bei den antiken Sophisten ist der einzelne Mensch, das Individuum (und nicht das Kollektiv etwa einer demokratisch ausgerichteten Gemeinschaft) das Ma\u00df aller Dinge, der seienden, ob sie sind, und der nicht-seienden, ob sie nicht sind.<\/p>\n<p>Die jeweils so unterschiedliche Sicht auf die Welt und die Dinge bleibt also immer unterschiedlich, sofern keine autorit\u00e4re Dogmatisierung eintritt, etwa der Zwang zum F\u00fcr-wahr-Halten einer vorgeschriebenen (Glaubens)Wahrheit. Deshalb ist die Differenz, das Andere, Andersartige auch ein so wichtiger Begriff bei allen postmodernen Denkern. Dies ist auch meine erkenntnistheoretische Position, die sich an manchen Stellen tats\u00e4chlich mit dem postmodernen Denken trifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Wie kommt demgegen\u00fcber nun das \u201ealte\u201c Wikipedia zu seiner Wahrheit?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Einmal durch Argumentation in internen Gespr\u00e4chsgruppen der Redaktion; zum anderen aber immer wieder auch durch \u201e<em>Belege<\/em>\u201c. Bis heute scheint es notwendig, dass man zitiert, dass man die Zitatstellen angibt, d.h. Thesen oder Behauptungen belegt. Immer wieder findet man in Wikipedia auch den Hinweis auf nicht abgesicherte Wahrheit(en): Belege fehlen &#8211; und<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>die Wahrheit dieses Satzes, dieser ganzen Textstelle darf angezweifelt werden. Zur Verbesserung solcher Textstellen wird man sogar um Mithilfe gebeten.<\/p>\n<p>Genau diese Methode der Wahrheitsfindung ist aber nicht mehr unumstritten. Selbst \u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Ludwig Wittgenstein<\/span>, ein Vordenker<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>der analytischen Philosophie, also mittlerweile auch von Digitalisierung, Steuerungs-Wissenschaft, Kybernetik, hat auf Belege verzichtet, da man angeblich nichts Neues mehr sagen k\u00f6nne.<br \/>\n\u00c4hnlich gehen auch die franz\u00f6sischen postmodernen Philosophen vor, wenn Derrida gelegentlich das Zitieren parodiert oder ganz aufgegeben hat. Die philosophischen Botschaften mancher franz\u00f6sischer Autoren werden oft sogar in k\u00fcnstlerischer Verpackung nur noch angeboten. Derrida etwa setzt sehr wenig Belege ein, wenn er seine skurrilen Behauptungen \u00fcber \u201edie rechte Hand Heideggers\u201c in einer Art Vortrags-Performance in die Welt setzt, um uns zu verbl\u00fcffen, zu provozieren oder auch nur zu am\u00fcsieren(2). Baudrillards ironisch gebrochene Science-Fiction-Halluzination \u00fcber das Ende des Sex im Zeitalter der Pornografie, \u00fcber die &#8220;obsz\u00f6ne Ekstase&#8221; der Befreiung des Menschen im Kapitalismus oder die perverse Herrschaft der Dinge (Maschinen) \u00fcber Mensch, Gesellschaft und Staat bevorzugt sogar \u00a0in einem (pseudo?)wissenschaftlichen Diskurs nur noch das verschl\u00fcsselte, fast schon hermetische Sprechen, um es provokativ oder ironisch l\u00e4chelnd einzusetzen(\u201ealles ist falsch, was ich sage\u201c).<\/p>\n<p>Selbst die Berufung auf die Wahrheit(en) eines vielleicht sogar Jahrhunderte lang anerkannten Vordenkers ist nicht mehr unumstritten. In der Antike und auch noch im Mittelalter bis hin zur Aufkl\u00e4rung ging es weniger um empirische Beweise, sondern nur um den Bezug auf anerkannte Autorit\u00e4ten. Um eine These zu beweisen, muss man im logisch-argumentativen Vorgehen zur\u00fcckgreifen auf eine wie auch immer bereits festgestellte\/festgelegte Wahrheit aus der Vergangenheit. Es stimmt, was XY gesagt hat. Wir k\u00f6nnen uns auf ihn verlassen, denn seine Aussagen haben sich bew\u00e4hrt.\u00a0Diese Methode gilt bis in die Gegenwart hinein; eher ausschlie\u00dflich zwar nur bei der Interpretation religi\u00f6ser Texte, etwa denen der Bibel oder des Koran. Sie gilt aber versteckt manchmal auch im anglo-amerikanischen Rechts-System, das mitunter g\u00e4nzlich anders ist als das europ\u00e4ische.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Wie sieht nun das neue alternative RationalWikipedia aus?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Was macht es glaubw\u00fcrdig? Achtung: Ich \u00a0sage nicht \u201ewahr\u201c, sondern \u201eglaubw\u00fcrdig\u201c. &#8211; Am Beispiel von <strong>Less Wrong<\/strong> kann man gut zeigen, wie das neue Denken in Amerika funktioniert, wie es selbst mittlerweile auf das politische Verhalten Einfluss genommen hat bis hin zu seinem Pr\u00e4sidenten(3).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die j\u00fcngeren Adepten der meist in den USA lebenden neuen Vordenker<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>&#8211; wie manche Staatsf\u00fchrer sind sie gelegentlich sogar unter oder um die 40 Jahre alt &#8211; sehen sich mit der Alles-geht-Denkweise (Wahrheit gibt es nur von Fall zu Fall) auf dem richtigen Weg in der internen Schulung (Rekrutierung?) Gleichgesinnter. Erfahrungen der \u00e4lteren Generation k\u00f6nnen \u00fcberfl\u00fcssig, ja sch\u00e4dlich werden. Dass man, wie in der Antike vom Stamm der wilden Skythen berichtet wird, die \u00fcber 60j\u00e4hrigen den G\u00f6ttern bereits opfern will, wird zwar noch nicht diskutiert. Aber der Haupteinfl\u00fcsterer der \u00e4lteren Generation, das Wikipedia-Lexikon, sei ganz auf dem falschen Weg.<br \/>\nAlso gr\u00fcndet man ein neues Lexikon mit Namen RationalWiki (<strong>RatWiki<\/strong>).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><span style=\"text-decoration: underline;\">Eliezer Yudkowsky<\/span>, einer der Vordenker und Gedankengeber, schrieb das Grundmaterial eines so aufgebesserten neuen Lexikons von Wissen und Wahrheit, das \u201eweniger falsch\u201c sei. Seine \u201e<em>Sequences<\/em>\u201c auf \u201eLessWrong\u201c bestehen aus mehr als 600 Blog-Posts, ver\u00f6ffentlicht in den Jahren 2007-2009, und sie besch\u00e4ftigen sich unter anderem mit Themen wie Erkenntnistheorie, K\u00fcnstliche Intelligenz, Fehler der menschlichen Rationalit\u00e4t,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Metaethik und Entscheidungstheorie. Interessant dabei ist, dass man sich wegen der L\u00e4nge der Texte, die alle nur \u00fcber Internet und BlogPosts ver\u00f6ffentlicht<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>werden, in einer Verteidigungshaltung befindet (4). Wer in der jungen Twitter-Generation des fortschreitenden Analphabetismus vermag noch l\u00e4ngere Texte oder auch nur zwei eingeschobene Nebens\u00e4tze in einem Hauptsatz zu verstehen, ohne nicht gleich w\u00fctend zu werden \u00fcber einen solchen Stil und los zu schimpfen? &#8211; Ich \u00fcbertreibe.<\/p>\n<p>In seiner Einf\u00fchrung in den Less Wrong Blog und damit auch zum gedanklichen Hintergrund des RatWiki schreibt Yudkowsky:<\/p>\n<p><i>\u201eYou hold in your hands a compilation of two years of daily blog posts. In retrospect, I look back on that project and see a large number of things I did completely wrong. I\u2019m fine with that. Looking back and not seeing a huge number of things I did wrong would mean that neither my writing nor my understanding had improved since 2009. Oops is the sound we make when we improve our beliefs and strategies; so to look back at a time and not see anything you did wrong means that you haven\u2019t learned anything or changed your mind since then\u201c. &#8211;<\/i><\/p>\n<p>\u201eIn Ihren H\u00e4nden halten Sie eine Sammlung von t\u00e4glichen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>BlogEintr\u00e4gen innerhalb von zwei Jahren. R\u00fcckblickend auf diese Arbeit sehe ich eine gro\u00dfe Menge von Fehlern und Dingen, die ich total falsch gemacht habe. Es ist jedoch ok. Eine Menge Fehler nicht zu erkennen w\u00fcrde n\u00e4mlich bedeuten, dass weder mein Schreiben noch mein Verstehen verbessert worden ist seit diesen zwei Jahren(2007-2009). Ups \u2013 so klingt es, wenn wir unsere \u00dcberzeugungen und Strategien verbessern m\u00fcssen. Nichts Falsches zu finden bedeutet nur, dass man nichts gelernt oder seine Meinung seitdem nicht ge\u00e4ndert hat.\u201c &#8211; Wobei seine Meinung zu \u00e4ndern, auch sprunghaft oder widerspr\u00fcchlich zu handeln, durchaus positiv gesehen wird. Siehe nur die Politik des gegenw\u00e4rtigen amerikanischen Staatspr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe von ausgewiesenen Mitarbeitern aus dem akademischen, aber auch aus dem nicht-akademischen Bereich, deren gedankliche Positionen rechte wie linke Parteien bereits infiziert haben. Man lehnt bekannterma\u00dfen einen Gro\u00dfteil der Presse ab (L\u00fcgenpresse) und unterst\u00fctzt nur noch eigene F\u00fcrsprecher und Anh\u00e4nger. Ob sich dieses Denken zum Fox-Film-und TV-Imperium bekennt, ist mir noch unklar. Da es sich im Aufbau befindet und noch keinen so gro\u00dfen Zuspruch findet wie das traditionelle Wikipedia, beschr\u00e4nkt man sich unter anderem auf folgende weitere Schwerpunkte:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u00a0Neo-Reaktion\u00e4re &#8211; Feminismus &#8211; Libertarismus &#8211; Kommunismus &#8211; Existentielle Gefahren &#8211;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>N\u00fctzlicher Altruismus &#8211;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Rasse und Intelligenz.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0Und immer wieder \u00a0die Frage: <\/span><span class=\"Apple-converted-space\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Was ist\u00a0<\/span><\/span><span style=\"text-decoration: underline;\">Rationalit\u00e4t, wie und wann handelt man rational?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Einige Begriffe will ich aus der Sicht dieser Vordenker, etwa auch Alexander Scott, erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p>&#8211; <b>Reaktion\u00e4r<\/b> sind alle diejenigen, die den eigenen Standpunkt nicht teilen, sei es aus einer linken oder rechten Position heraus. Man versteht sich in guter Tradition als Avantgarde-Bewegung, auch wenn avantgardistische \u00a0\u201eprogressive\u201c Denker in einem Zitat von Umberto Eco mittlerweile nicht mehr als Avantgarde (Vorhut), sondern nur noch als Nachhut (Arri\u00e8regarde) bezeichnet werden. Wobei \u201eprogressiv\u201c in diesen Kreisen mittlerweile fast zu einem Schimpfwort geworden ist.<\/p>\n<p>&#8211; <b>Feminismus.<\/b> Die Emanzipationsbewegung der Frauen, in den 50er Jahren intellektuell begr\u00fcndet u.a. von Simone de Beauvoir, ebenso aber auch unterst\u00fctzt von Herbert Marcuse\u00a0(er hat sie an seinem Lebensende nur noch als einzig erfolgreiche \u00dcberlebensbewegung der Idee einer Emanzipation verstanden), hat sich besonders stark in den USA zu einem fanatischen Dogmatismus entwickelt, so die kritischen Bemerkungen.<br \/>\nIn ihrer Ablehnung der M\u00e4nnerwelt (Denken, Sprache, Verhalten und Sexualit\u00e4t) redeten manche Feministinnen einem noch nie da gewesenen Gender-Rassismus das Wort (M\u00e4nner als M\u00fcll, Schweine) und sie kehrten in ihrer aggressiv gef\u00fchrten \u00a0Auseinandersetzung die Vorzeichen diskriminierender Unterdr\u00fcckung einfach um. Mit dem Ergebnis, dass zunehmend es nur noch einen immer heftigeren<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Geschlechterkampf geben wird und sich die Geschlechter immer mehr voneinander entfernen werden (MGTOW,\u00a0<em>Men go their own way<\/em> nennt sich eine neue M\u00e4nner-Bewegung). Die allgemeine Spezies Mensch scheint ganz zu verschwinden und immer mehr durch eine neue Art &#8220;Gentrifizierung&#8221; &#8211; hier Mann, hier Frau, hier das \u201edritte Geschlecht\u201c &#8211; verdr\u00e4ngt zu werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Alexander Scott<\/span> sieht sich im RatWiki in seiner Auseinandersetzung mit dem Feminismus weder als Feminist noch als Anti-Feminist. Dennoch werde er unfairerweise beiden Seiten zugeordnet, sagt er.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>&#8211; <b>Libertarismus:<\/b> Als ein Beispiel f\u00fcr die Widerspr\u00fcchlichkeit von Denken und Argumentation sei die Definition von \u201elibert\u00e4r\u201c angegeben. Scott schreibt, dass er weder f\u00fcr noch gegen Libertarismus ist, dass er das libert\u00e4re Denken gleicherma\u00dfen gut wie schlecht findet und so weiter:<\/p>\n<p><i>\u201eI feel pretty okay about both being sort of a libertarian and writing an essay arguing against libertarianism, because the world generally isn\u2019t libertarian enough. But the sorts of people who read long online political essays generally are way more libertarian than can possibly be healthy.<\/i><\/p>\n<p>Ich finde es ziemlich gut, beides zu sein &#8211; libert\u00e4r und gleichzeitig in einem Essay gegen den Libertarismus zu argumentieren, denn die Welt allgemein ist nicht libert\u00e4r genug. Aber Leute, die online lange politische Essays lesen (k\u00f6nnen), sind vielleicht weit mehr libert\u00e4r, als es ihnen gut tut.<\/p>\n<p>Ein weiteres Hauptthema, das permanent diskutiert wird und unweigerlich immer wieder den Science-Fiction Bereich ber\u00fchrt, sind die langfristigen sozialen, wirtschaftlichen und philosophischen Folgen der Entwicklung der <strong>Digitalit\u00e4t<\/strong> sowie der\u00a0<b>K\u00fcnstlichen Intelligenz<\/b> (KI, Artificial Intelligence, AI). Es scheint \u00fcberall in den USA und nicht nur in Kalifornien ein weit wichtigeres Thema zu sein als hierzulande in Europa, wo die Kriegsrhetorik eines Show-Pr\u00e4sidenten \u00a0mehr noch im Mittelpunkt steht, sein autorit\u00e4res<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Gehabe und das Problem mit seiner Glaubw\u00fcrdigkeit allgemein.<\/p>\n<p>Namen wie <span style=\"text-decoration: underline;\">Stephen Hawking<\/span> werden genannt, ein eigenes Forschungsinstitut existiert angeblich bereits (MIRI Machine Intelligence Research Institute). Seltsamerweise findet in diesem Kontext auch die Philosophie Martin Heideggers Zuspruch und Interesse. Vom <u>Cyber-Existenzialismus<\/u> wird bereits gesprochen: Das Sein und das Nichts zusammen im (friedlichen?) Diskurs mit unseren elektronischen Apparaten und Manipulations-Maschinen (Achtung Ironie!).<\/p>\n<p>Welchen Vorschlag zu einem gl\u00fccklichen Leben werden diese Ger\u00e4te sich im Lauf der Zeit einfallen lassen m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Und warum &#8220;m\u00fcssen&#8221;?<\/p>\n<p><b>Es folgt Teil 4 und Abschluss: Die Claremonter Denkfabrik (The Claremonsters)<\/b><\/p>\n<p><b>13.8.2019\/ 2.11.2020<\/b><\/p>\n<p>_______________________________________________<\/p>\n<p>1 Zwei n\u00fctzliche und sehr informative Interviews mit Steve Bannon sind in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung vom 7. M\u00e4rz 2018 und 16. Mai 2019 zu finden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Ich verlasse mich dar\u00fcber hinaus meist auf die Korrespondenten der NZZ und ihre Berichterstattung \u00fcber das geistige Leben in den USA, vor allem auch, was Kalifornien betrifft.<\/p>\n<p>2 vgl. die beiden Aufs\u00e4tze \u00fcber Derrida Nr. 17 und 18 im Blog<\/p>\n<p>3 An dieser Stelle sollte\/m\u00fcsste jetzt ein Beleg oder ein Beispiel von mir folgen. Aber gro\u00dfz\u00fcgig wie diese Menschen auch verzichte ich darauf und unterstelle einfach meine gesicherte Glaubw\u00fcrdigkeit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>4 Ein Thema, das mich ebenso sehr besch\u00e4ftigt, denn die Blogform zwingt mich als Autor zu einem reduzierten Schreiben und reduzierten Denken. Auch das Lesen und Schreiben l\u00e4ngerer Texte f\u00e4llt mir immer schwerer.\u00a0Ganz zu schweigen von B\u00fcchern und dem Verlagswesen, das meiner Meinung nach in einer ebensolchen Endphase steht wie die handgeschriebenen B\u00fccher gegen Ende des Mittelalters und vor der Entwicklung des Buchdrucks.<\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=325%20%C3%9Cber%20Blasen%20und%C2%A0%20Gruppen-Inzest%C2%A0%283%2F3%29&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vernunft der Wissenschaft, Vernunft Afrikas (3) \u00a0Less Wrong &#8211; Weniger falsch Der intellektuelle Diskurs \u00fcber Rationalit\u00e4t(en), Wahrheit (en), auch Sch\u00f6nheit oder Gerechtigkeit hat sich in den letzten Jahren zunehmend aus den universit\u00e4ren Zirkeln in die Internet Foren und in die Internet Communities verlagert, &#8220;ausgelagert&#8221;, kann man auch sagen. 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