{"id":9846,"date":"2020-03-22T09:13:00","date_gmt":"2020-03-22T09:13:00","guid":{"rendered":"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=9846"},"modified":"2021-04-18T07:02:24","modified_gmt":"2021-04-18T07:02:24","slug":"335-wieder-gelesen-tanzen-und-mit-der-sinnlosigkeit-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?p=9846&lang=de","title":{"rendered":"335 Wieder gelesen: Tanzen und mit der Sinnlosigkeit spielen"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Interview mit Reinhold Urmetzer<\/h5>\n\n\n\n<p><strong>Frage:<\/strong>&nbsp;<em>Was lange w\u00e4hrt &#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antwort:<\/strong>&nbsp;Es hat tats\u00e4chlich etwas l\u00e4nger gedauert dieses Mal mit der Zusammenstellung des \u201eMusikbuches\u201c. Obwohl so viel Material sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte. Teils lag es an Problemen mit dem Layout und Druck, teils aber auch an dem aufwendigen Korrekturlesen, das von den Korrektoren schon einiges an Wissen, Geduld und Konzentration abverlangt hat. Ein B\u00fcro in M\u00fcnchen hatte die Arbeit ganz aufgegeben, wohingegen sich&nbsp;<em>Elisabeth Spiecker<\/em>&nbsp;vom&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zentrum_f%C3%BCr_Kunst_und_Medientechnologie\">ZKM Karlsruhe<\/a>&nbsp;mit bewundernswerter Geduld durch die heterogenen und manchmal auch sehr fachspezifischen Textpassagen hindurchgearbeitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Um was geht es in Ihrem neuen&nbsp;<\/em><em><a href=\"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?page_id=5546&amp;lang=de\">Buch<\/a><\/em><em>?<\/em><br><br>Das Buch enth\u00e4lt die Summe meiner Erfahrungen, die ich mit Musik machen konnte, als Erfinder, als Interpret, als Beschreiber, Dolmetscher, Kritiker. Es geht u.a. um\u2018s Klavierspielen und um die Neue Musik, um Rockmusik und Begegnungen mit Komponisten wie Stockhausen,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Rihm\">Rihm<\/a>&nbsp;oder&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sylvano_Bussotti\">Bussotti<\/a>, und es geht auch um Schopenhauers Musikphilosophie.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder gibt es aber auch poetische und fast surreale Texteinsch\u00fcbe, welche die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schl%C3%BCssigkeit\">Stringenz<\/a>&nbsp;des Gesamten brechen und den Text \u00f6ffnen f\u00fcr andere Zugangsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie zitieren am Ende, quasi als Vorbereitung zum Besuch der \u201eStahlstadt\u201c, Koryph\u00e4en des Musiklebens, verantwortliche Rundfunkredakteure wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josef_H%C3%A4usler\">Josef H\u00e4ussler<\/a> von den \u201eDonaueschinger Musikfestspielen\u201c, oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clytus_Gottwald\">Clytus Gottwald<\/a>, seines Zeichens zust\u00e4ndig f\u00fcr Neue Musik am Stuttgarter Rundfunk.<\/em><br><br>Unsere Wege haben sich des \u00f6fteren gekreuzt. Beide Personen haben einen wichtigen Beitrag in ihrer Zeit f\u00fcr die Akzeptanz der Neuen Musik geleistet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und dennoch proklamieren Sie im Kapitel \u00fcber die zeitgen\u00f6ssische Musik das Ende dieser Musikgattung.<\/em><br><br>Als ironische Provokation.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Stockhausen-Aufsatz, auch im Bericht \u00fcber Bussotti werden Sie feststellen, dass es mir weniger um den Untergang der Neuen Musik als eher um das Ende eines bestimmten historischen Zeitstils geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe bei der Abfassung des Textes sehr intensiv&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Baudrillard\">Baudrillard<\/a>&nbsp;gelesen und mich von dessen Stil inspirieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gibt es auch diesmal wieder keine Kompromisse, was Ihren Stil betrifft?<\/em><br><br>Nein, keine Kompromisse was die sogenannte \u201eVerst\u00e4ndlichkeit\u201c meiner Sprache oder das Vermitteln von \u201eSinn\u201c betrifft. Besonders gut gelungen ist mir dies, wie ich glaube, in dem Kapitel \u00fcber die Rockmusik, genauer im Abschnitt \u00fcber die Diskokultur der Gegenwart. Es war in der Bretagne, wo ich den Text geschrieben habe, in einem kleinen Fischerst\u00e4dtchen. In der einen Hand Baudrillards neues Denken und seine ironisch-provokativen \u201eFatalen Strategien\u201c, in der anderen mein Manuskript \u00fcber die Rockmusik mit dem lustigen Titel&nbsp;<em>\u201e\u00d6l &#8211;<\/em><em><\/em><em>&nbsp;Was bleibt uns vom Absoluten?\u201c<\/em>&nbsp;\u2013 eine Anspielung \u00fcbrigens auf die zweib\u00e4ndige experimentelle Abhandlung&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jacques_Derrida\">Derridas<\/a>&nbsp;\u00fcber&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel\">Hegel<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carpentras_%28Komponist%29\">Genet<\/a>. Ich bin dabei tats\u00e4chlich in ein Delirium des Denkens und&nbsp;Fabulierens gekommen, wie ich es selten nur erlebt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Zitat aus dieser Zeit ziert jetzt die R\u00fcckseite des Buchcovers: \u201eWir sollen tanzen. Das hei\u00dft: mit der Sinnlosigkeit spielen\u201c und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gerade wegen solcher \u201edelirierender\u201c oder auch \u201edekonstruktiver\u201c Stellen, die in allen drei B\u00e4nden Ihrer \u00c4sthetik vorkommen, unterstellt man Ihnen oft, die Texte seien im Drogenrausch entstanden.<\/em><br><br>Nein. Weder im Drogen-&nbsp;noch in sonst einem Rausch. Das Schreiben selber f\u00fchrt mich in eine gewisse Art von Delirium, das ich dann nicht mehr beeinflussen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Blanchot-Buch \u201e<a href=\"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?page_id=5552&amp;lang=de\">Landschaft mit Martyrium der Heiligen Katharina<\/a>\u201c, das fast fertig ist \u2013 es geht dort, rein \u00e4u\u00dferlich gesehen, um eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela \u2013 war ich am Ende tats\u00e4chlich so verzweifelt, dass ich mir \u00fcber den Schluss des Buches nicht klar werden konnte. Soll nun die Kathedrale in Spanien stehen und existieren, oder soll sie, dieses heute noch so stolze Ziel vieler Pilgerscharen, als Ruine angetroffen werden? Ein Ende also von Hoffnung, Illusion und Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch im ersten Band der \u00c4sthetik, im \u201e<a href=\"http:\/\/edition-weissenburg.de\/blog\/?page_id=5534&amp;lang=de\">Photobuch<\/a><\/em><em>\u201c, kommen solch schwerm\u00fctige und kaum entschl\u00fcsselbare Szenen vor.<\/em><br><br>Ja, zum Beispiel in den&nbsp;<em>\u201eZw\u00f6lf Sinaitafeln\u201c<\/em>, einem Text \u00fcber die Steine von&nbsp;<em>Gracia Saccitelli<\/em>. Ich hatte mich im Winter f\u00fcr einige Tage in den verschneiten Schwarzwald zur\u00fcckgezogen. Und war sehr verliebt, aber auch sehr verzweifelt. Ich hatte Photographien von den Stein-Skulpturen der K\u00fcnstlerin, die sie mir geschenkt hatte, dabei und sollte sie interpretieren, das hei\u00dft einen Text dar\u00fcber schreiben. Daraus ist dann eher eine subtile Liebeserkl\u00e4rung und sehr verschl\u00fcsselte Liebesaffaire geworden, weniger ein diskursiver Text f\u00fcr eine Kunstgalerie&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u2026der sich dann auf dem Rockfestival an der Loreley zu einem kleinen Katastrophen-<\/em><em><\/em><em>Szenario entwickelt hat.<\/em><br><br>Der Loreleytext, ein Begleittext zu den&nbsp;<em>\u201eZwei Blumen\u201c<\/em>&nbsp;im \u201eKunstbuch\u201c, dem zweiten Band der \u00c4sthetik, ist in direktem Gegensatz zu den \u201eSinaitafeln\u201c zu einer rationalen Aufarbeitung und Anamnese dieser Liebe geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie springen in Ihrem Stil und den Gestaltungsm\u00f6glichkeiten immer wieder hin uns her. Vom Rationalen zum Poetischen, vom Surrealen zur Fachwissenschaft, auch der dadaistische Humor und Zufall kommt dann und wann ins Spiel. H\u00e4ngt das mit Ihrer Vorliebe f\u00fcr die Gattung Rede zusammen? Immerhin sind fast alle Ihre Texte aus einer konkreten Redesituation heraus entstanden.<\/em><br><br>Vielleicht. Der Habermas-Text im \u201eKunstbuch\u201c ist tats\u00e4chlich sehr extravagant, \u00fcberm\u00fctig-verspielt, auch provokativ. Wenn man sich vorstellt, dass ich diese subtile Parodie einer Habermas-Interpretation und ohne dabei auch nur einen Moment in Unsinn zu verfallen im Stuttgarter Landtag anl\u00e4sslich einer Karin-Geschke-Kunstausstellung der Gr\u00fcnen vorgetragen habe, dann geh\u00f6rt schon eine gro\u00dfe Portion Mut dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Form von Rede, auch im Sinne der antiken Rhetorik, praktiziere ich schon viele Jahre lang. Das hei\u00dft, ich bin in der \u00dcbung, mein Publikum herauszufordern und zu unterhalten. Rezzo Schlauch und Fritz Kuhn, die beiden gr\u00fcnen Bundestagsabgeordneten, <em>were  not amused<\/em> \u00fcber meine Ausf\u00fchrungen, wie ich h\u00f6ren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie wollen auch unterhalten<\/em>?<br><br>Ja. Als Redner schon. Die Veranstaltungen werden nach einer bestimmten Zeit immer wieder von Live-Musikbeitr\u00e4gen unterbrochen, meist aus dem Bereich der klassischen oder neuen Musik, um das Publikum nicht zu sehr zu verbl\u00fcffen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Warum sind Ihre Texte so heterogen?<\/em><br><br>Gerade deshalb. Um zu verbl\u00fcffen, vielleicht auch zu verwirren. Ich verwende auch in der Sprache verschiedene Tonarten. Ihre Vielfalt macht jedes Musikst\u00fcck anders, bunter und vielf\u00e4ltiger.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sind Sie also ein Sprach-<\/em><em><\/em><em>Musiker?<\/em><br><br>Es sind zwei Traditionen, die ich aufgegriffen habe und die mich beeinflussten. Die sp\u00e4ten 60er Jahre mit ihren Experimenten. Fast alle Popk\u00fcnstler haben multimedial gearbeitet im Sinne von Syn\u00e4sthesie. Die Musiker waren immer auch Texter, Lyriker, Poeten. Oft kamen sie dar\u00fcber hinaus auch noch als Zeichner oder Maler von Kunstakademien, etwa&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Lennon\">John Lennon<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bryan_Ferry\">Bryan Ferry<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann die 80er Jahre mit ihrer Auseinandersetzung um die sogenannte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postmoderne\">Postmoderne<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sind Sie ein postmoderner K\u00fcnstler?<\/em><br><br>Vielleicht schon. Ich sehe mich dennoch  eher in der Tradition der\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pop_Art\">Popart<\/a>, ihrer Kreativit\u00e4t, im Spielerisch-Verspielten. Auch das multimediale Zusammenwirken gab es immer wieder in der Kunstgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr welche Zielgruppe arbeiten Sie?<\/em><br><br>Es sind schon K\u00fcnstler und Philosophen, Musiker, Maler, Schriftsteller. Aber auch Menschen, die Freude an einer gestalteten Sprache haben, die sich mit \u00e4sthetischen Finessen und Tricks auskennen. Wissende also, die kunstvolle Verschl\u00fcsselungen aufbrechen und dekodieren k\u00f6nnen und Freude an&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermetismus_%28Literatur%29\">Hermetik<\/a>&nbsp;haben. So wie ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so sehr Intellektuelle, die wissen wollen, wie sch\u00f6ne, gute, politisch korrekte Kunst und so weiter zu sein hat. Auch wenn in den drei B\u00e4nden der \u00c4sthetik genug Z\u00fcndstoff f\u00fcr eine andere \u00c4sthetik, auch eine andere zeitgem\u00e4\u00dfe Kunst vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Haben Sie Vorbilder?<\/em><br><br>Es gibt viele, die mich von Fall zu Fall interessieren. Immer wieder andere, wie in der Musik. \u2013 Spontan fallen mir in der Literatur jetzt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edmond_Jab%C3%A8s\">Edmond Jab\u00e8s<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henry_James\">Henry James<\/a>&nbsp;ein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welches von den drei \u00c4sthetik-<\/em><em><\/em><em>B\u00fcchern ist Ihnen am liebsten?<\/em><br><br>Ich glaube das \u201ePhotobuch\u201c. Es ist am hermetischsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel \u00fcber die&nbsp;<em>\u201eZw\u00f6lf Sinaitafeln\u201c<\/em>&nbsp;steckt sprachlich am reinsten in der Extravaganz. Es verzichtet auf Wissen, auf Belehrung, auf Weisheit und Wahrheit und kreist nur um sich selbst. Das hei\u00dft auch: um mich. Denn immer wieder wird der Text durchbrochen und durchsetzt von Zeichen der Verliebtheit, von Sehnsucht und Begehren.<br>Auch die im \u201ePhotobuch\u201c entwickelte Idee des&nbsp;<em>\u201ePostamerikanismus\u201c<\/em>, entwickelt immerhin bereits 1990, halte ich f\u00fcr diskutabel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso gef\u00e4llt mir dort der literarische Exkurs zu den&nbsp;<em>\u201eEngeln aus Feuer und Eis\u201c<\/em>, seine paradoxe Logik im Sinne Blanchots, die dennoch nicht veraltet und sogar jetzt wieder m.E. sehr aktuell geworden ist. Diese paradoxe Logik habe ich im \u201eMusikbuch\u201c im Kapitel \u00fcber den&nbsp;<em>\u201eVerbrauchten Blick\u201c<\/em>&nbsp;noch weiter gef\u00fchrt bis an eine Grenze des Verst\u00e4ndlichen vielleicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie arbeiten immer wieder auch mit anderen K\u00fcnstlern zusammen.<\/em><br><br>Der&nbsp;<em>\u201eGegenliebe\u201c<\/em>-Aufsatz im \u201eMusikbuch\u201c ist einer der ersten Aufs\u00e4tze in diesem dekonstruktiven Stil, eine Auftragsarbeit f\u00fcr den Baden-Badener Maler&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rainer_Braxmaier\">Rainer Braxmaier<\/a>, entstanden in den Pausen und Zwischenstunden w\u00e4hrend der Donaueschinger Musikfestspiele. Es war ein warmes Sp\u00e4therbst-Wochenende. Ich sitze in meinem Quartier, weit abgeschieden von der Stadt und ihren modernen Experimenten.&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Rihm\">Wolfgang Rihm<\/a>&nbsp;kommt vorbei und wir besprechen dies und das \u2013<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas Tanzen\u201c<\/em>, ein kleiner, kurzer Text, enth\u00e4lt komprimiert etliche Stilmittel, die ich in den drei \u00c4sthetik-B\u00e4nden immer wieder anwende und ausbreite. Darunter auch die Blanchot\u2019sche Methode, grammatisch ganz einfache S\u00e4tze zu bilden, die jedoch semantisch oder in ihrer Bildebene schwer zu verstehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eKlavierspielen\u201c &#8211;<\/em><em><\/em><em>&nbsp;worum geht es in diesem Text?<\/em><br><br><em>\u201eKlavierspielen\u201c<\/em>&nbsp;handelt vom Leistungsdruck, dem die klassischen Instrumentalisten ausgeliefert sind, ihrem Eingesperrtsein in fast unmenschliche Kategorien und Erwartungshaltungen und so fort. \u2013&nbsp;<em>\u201e\u00dcber Stil, K\u00fcnstlichkeit und Spiel\u201c<\/em>, ein Text \u00fcber die Musik Wolfgang Rihms und gleichzeitig mit einer ebenfalls bis ins Irrationale ausgedehnten Interview-Publikation entstanden, ist ein fr\u00fcher und sehr experimenteller Essay, der immer wieder \u00fcber die Musik dieses Komponisten \u201edeliriert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie haben jetzt sehr detailliert und genau Ihre Texte beschrieben, die manche Menschen etwas ratlos zur\u00fcckgelassen haben. Warum erkl\u00e4ren Sie die Texte erst jetzt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, Kunst ist immer mehrdeutig. Jedes Verstehen, jede Interpretation ist subjektiv und braucht meine Unterst\u00fctzung nicht; im Gegenteil. Es wird auch Menschen geben, die mich besser verstehen k\u00f6nnen als ich mich selbst verstehen kann, die manche \u201eunverst\u00e4ndliche Stellen\u201c, die es sogar f\u00fcr mich gibt, leicht entschl\u00fcsseln, dechiffrieren werden, und sei es auch nur mit Hilfe der Psychoanalyse.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt, wo die ganze \u00c4sthetik mit ihren drei B\u00e4nden abgeschlossen ist und ich bin sehr zufrieden damit, denn sie geht literarisch auch einen neuen Weg, zeigt eine neue Spur auf, jetzt kann ich Hinweise darauf geben, wie ich die drei B\u00fccher verstanden habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht wie ich sie verstanden haben will \u2013 denn ich will keine Belehrungen abgeben, wie\u2019s steht mit der Kunst oder wo\u2019s lang gehen soll mit der Sch\u00f6nheit \u2013 sondern meinen Blick auf diese Texte will ich deutlich machen. Da die Ratlosigkeit bei manchen Zeitgenossen tats\u00e4chlich gro\u00df war, habe ich mich zu diesem Hilfsmittel entschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas anderes ist es bei meinen Vortr\u00e4gen: Als Redner versteht man mich leichter. Man h\u00f6rt meine Sprache, die Intonation der Worte, beobachtet das leise L\u00e4cheln bei den ironischen Stellen und so fort. Die einzelnen Kapitel der B\u00fccher vorgelesen sind deshalb ein sinnliches Erlebnis, das durch die Musikbeitr\u00e4ge noch verst\u00e4rkt wird und deshalb auch weniger Anforderungen stellt, als sich durch einen manchmal gewollt komplizierten Satzbau durchk\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gewollt schwierig? Das h\u00f6rt sich nach Manierismus an.<\/em><br><br>Eine gewisse Portion Manierismus geh\u00f6rt tats\u00e4chlich dazu. Wir sind \u201eEndzeitler\u201c. Wir leben am Ende einer Epoche, in einer \u00dcbergangszeit. Die Unruhe ist gro\u00df. Das neue Zeitalter deutet sich an, \u00fcber unsere Zeit und die Vergangenheit wird von den Nachgeborenen in nicht allzu ferner Zukunft eine Bezeichnung gefunden werden. Diese Zukunft zeigt sich auch schon bruchst\u00fcckhaft dann und wann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Guten oder Schlechten?<\/em><br><br>In Beidem. Auf jeden Fall auch in unfassbar Neuem, etwa in der Informationstechnik oder der Reproduktions-Technologie. Menschen-Z\u00fcchtung wird wieder ein Thema werden. Auch wer z\u00fcchtet die Z\u00fcchter, das uralte Thema der Polis und der Politik. Wie kann Macht und Herrschaft verteilt oder auch begrenzt werden, so dass sich Gerechtigkeit einstellt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sind Ihre Texte Wissenschaft oder Kunst?<\/em><br><br>Ich denke beides.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorbild waren mir franz\u00f6sische Autoren wie&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michel_Serres\">Michel Serres<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Barthes\">Roland Barthes<\/a>&nbsp;und andere. Am meisten fasziniert bin ich von&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maurice_Blanchot\">Maurice Blanchot<\/a>. Nat\u00fcrlich ist sein paradoxes Denken schwer, fast gar nicht zu verstehen im landl\u00e4ufigen Sinn. Sein Einfluss ist sehr deutlich in meinem Buch&nbsp;<em>\u201eLandschaft mit Martyrium der Heiligen Katharina\u201c<\/em>&nbsp;zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch&nbsp;<em>\u201eVom Wohlleben\u201c<\/em>, ein Buch, das bald fertig sein wird, enth\u00e4lt eine \u00dcbersetzung meinerseits von ausgew\u00e4hlten Blanchot-Textstellen, damit man diesen in Frankreich sehr einflussreichen Autor auch hierzulande einmal kennenlernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Stil her, auch was die Form meiner Texte betrifft, etwa das Aufspalten einer Seite manchmal in zwei Teile, haben mich ebenfalls die Franzosen beeinflusst. Wie ich \u00fcberhaupt die Philosophen dort besonders sch\u00e4tze, allen voran Derrida und Baudrillard als Schriftsteller mit ihren witzigen und manchmal auch parodistischen Provokationen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann sind Sie vom Saulus zum Paulus geworden, wenn man Ihre Apel-<\/em><em><\/em><em>Habermas-<\/em><em><\/em><em>Tradition betrachtet.<\/em><br><br>Nichts gegen Apel und Habermas.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe nur drei Personen in meinem Leben getroffen, die ich uneingeschr\u00e4nkt bewundert und gesch\u00e4tzt habe. Das ist einmal&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Jungk\">Robert Jungk<\/a>&nbsp;mit seiner \u201eZukunftswerkstatt\u201c, die ich in den 70er Jahren mehrmals am&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ossiacher_See\">Ossiacher See<\/a>&nbsp;besuchen durfte. Das ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clemens_Kremer\">Clemens Kremer<\/a>, mein Kompositionslehrer an der Musikhochschule Saarbr\u00fccken, dem ich meine Liebe zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erik_Satie\">Satie<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcel_Duchamp\">Duchamp<\/a>, zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dadaismus\">Dadaismus<\/a>&nbsp;und zum Humor \u00fcberhaupt, auch was die franz\u00f6sische Lebensweise betrifft, verdanke.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann aber auch\u00a0Karl\u00a0Otto\u00a0Apel, dessen Vorlesungen und Seminare ich vier Jahre lang, also meine ganze Zeit an der Hochschule des Saarlandes, mit gro\u00dfem Interesse besucht habe. Alle diese Menschen haben mich eher noch durch ihre Pers\u00f6nlichkeit, Menschlichkeit, durch ihren Enthusiasmus f\u00fcr eine Sache begeistert als durch ihr Wissen oder K\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sind Sie ein Philosoph?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schriftsteller bin ich, ein Schreiber. Vielleicht auch ein Privatgelehrter im alten Sinn. Ja, auch ein Philosoph.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe Jean&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fran%C3%A7ois_L%C3%A9otard\">Fran\u00e7ois Lyotard<\/a>&nbsp;in der Stuttgarter Galerie Kubinski im Interview f\u00fcr die Berliner&nbsp;taz&nbsp;mit ironischem Hintersinn gefragt, ob er ein \u201epostmoderner Philosoph\u201c sei. Lyotard war ja mit seinem Buch&nbsp;<em>\u201eDas postmoderne Denken\u201c<\/em>&nbsp;weltweit und vor allem auch in den USA der eigentliche Popularisierer der postmodernen Bewegung, der postmodernen Philosophie geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat geantwortet: teils teils.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, wenn ein Mensch \u00fcber das Denken, \u00fcber Sch\u00f6nheit, Wahrheit und Gerechtigkeit nachdenkt, dies in Schriftsprache oder in gesprochene Worte fassen kann, dann ist er ein Philosoph. Wie viele, ja unz\u00e4hlige andere Menschen \u00fcbrigens auch.<br>Selbst wenn sie keine B\u00fccher schreiben oder schreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten \u201eakkreditierten\u201c Philosophen sind Philosophie-Historiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schaffen es, verschiedene Kunstsprachen der Philosophiegeschichte zu verstehen und, wenn es hoch kommt, auch ihren Studenten oder der Bev\u00f6lkerung verst\u00e4ndlich zu machen, das hei\u00dft diese Texte in die Sprache der Gegenwart oder der meist studentisch &#8211;&nbsp;akademischen Lebensform zu \u00fcbersetzen. Auch das ist wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch sie sind keine Philosophen, wie ich den Begriff verstehe, kreativ einen eigenen Weg zu gehen, eine eigene, vielleicht sogar neue Spur zu legen im Labyrinth der Sprachen und der Lebensformen. In diesem Punkt bewundere ich auch sehr die Haltung Nietzsches.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kann man Ihre B\u00fccher als den Versuch einer postmodernen \u00c4sthetik bezeichnen?<\/em><br><br>Fran\u00e7ois Lyotard hat in seiner \u201eMauer des Pazifik\u201c oder in seinem Duchamp-Buch \u201eDie Transformatoren Duchamp\u201c den Grundstein gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff der Postmoderne ist in Deutschland in Misskredit geraten. Leider zu Unrecht. Er lebt munter weiter in den USA, in Japan, Asien. Die Postmoderne hat mittlerweile mit ihren esoterischen Extravaganzen und problematischen Relativierungen sogar das Fu\u00dfvolk hierzulande und weite Bev\u00f6lkerungsteile erreicht, nur nicht die akademischen Zirkel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der germanische oder protestantische oder vielleicht auch preu\u00dfische Rationalismus, nennen wir ihn einmal so, ist m.E. am Ende. Er sitzt in einer eher langweilig-isolierten Ecke der Welt und leckt seine Wunden. Ausnahmen gibt es immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analytische_Philosophie\">analytische Philosophie<\/a>&nbsp;der Angelsachsen im Sinne des Szientismus ist in einer Sackgasse festgefahren. Auch dieser Fels von Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit und sogenannter Rationalit\u00e4t ist am Wanken. Wer vertraut heute bedingungslos Berechnungen dar\u00fcber, was wahr oder falsch sein kann, etwa in der Kunst oder in der Politik?<\/p>\n\n\n\n<p>Wer glaubt noch den sogenannten Daten \u00fcber die Entwicklung der Wirtschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann man Klimawandel, Liebe oder Gl\u00fcck, selbst noch die Auseinandersetzungen von Arm und Reich in die Sprache der Zahlen, in Rechenoperationen von 0 und 1 zerlegen und darauf sein Weltbild st\u00fctzen, den Glauben oder Nichtglauben an Gott, an die M\u00f6glichkeit von Verstehen und Verst\u00e4ndigung?<\/p>\n\n\n\n<p>Habermas und Apel, zwei typische Vertreter der europ\u00e4ischen Moderne, halten noch das F\u00e4hnlein der Konsenstheorie hoch, einen Ableger von Marxismus und christlicher Ethik. Vor allem Apel, wenn er an verallgemeinerbare Werturteile und an den diskursiv erfahrbaren Sinn von Philosophie glaubt und sich argumentativ daf\u00fcr einsetzt, scheint der einzige Antipode im internationalen Alles-geht-Zirkus zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall ist doch das traurige Erbe Nietzsches und seiner Endzeitstimmung zu entdecken, jetzt einmal negativ gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder positiv ausgedr\u00fcckt: Im weltweiten Pluriversum der Sprachspiele und Lebensformen kann mittlerweile jeder machen, was er will.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles geht, auch der&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nihilismus\">Nihilismus<\/a>, auch der Anti-Rationalismus; Schamanismus, Gruppensex und Papstfeierlichkeiten miteinbegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das h\u00f6rt sich jetzt sehr pessimistisch an.<\/em><br><br>Das ist unsere verfahrene Situation, die sich in der Gleichwertigkeit von Antithesen ebenso spiegelt wie in der Unf\u00e4higkeit, B\u00fccher oder Zeitungen lesen zu k\u00f6nnen oder auch nur S\u00e4tze mit zwei Nebens\u00e4tzen verstehen zu k\u00f6nnen, verstehen zu wollen. Das Letztere ist das Wichtigere.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht schreiben wir tats\u00e4chlich nur noch B\u00fccher f\u00fcr Bibliotheken und Bibliophile. Vielleicht ist es auch schon zu sp\u00e4t. Das Verstehen komplexer Zusammenh\u00e4nge gelingt nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jacques_Derrida\">Derrida<\/a>&nbsp;hat in einer kulturpolitischen Kampagne im Paris der 80er Jahre \u201eNoch mehr Philosophie!\u201c verlangt, noch komplexere Texte bis hin \u2013 gerade bei ihm \u2013 zu einem Manierismus der \u00dcberkomplexit\u00e4t, wie wir ihn vielleicht in der Barockzeit oder im Zeitalter der Klassik das letzte Mal hatten. Eine bewusste Antithese zur Verdummung von Sprache und Denken. Denn auch die allumfassende \u201eVerbilderung\u201c unserer Gegenwart ist eine Form von Verdummung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bilder, sogar Filme dringen m. E. nur selten zur Wahrheit, zu einer verallgemeinerbaren Wahrheit vor. Macht und Manipulation, das wird uns weiterhin und immer mehr besch\u00e4ftigen. Nicht Rationalismus versus Irrationalismus oder neu aufgekl\u00e4rte Moderne im Habermas\u2018schen Sinne versus Postmoderne.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was ist dann die Aufgabe der K\u00fcnstler?<\/em><br><br>Was bleibt ist eine politische Aufgabe, die wir aus fr\u00fcheren Zeiten noch gut kennen: die Konditionierung der Massen zu beobachten und zu beschreiben; dass, warum sie nicht aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit; wie sie ruhig bleiben, einkaufen gehen und Geld ausgeben sollen f\u00fcr solche Produkte, dei uns die zahlreichen Plakate und Fernsehsender einreden wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sehen, wir sind schon mittendrin im hinteren Kapitel des \u201eMusikbuches\u201c, wo es sehr stark um Freiheit und Fremdbestimmung geht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Warum ver\u00f6ffentlichen Sie Ihre Werke nicht in einem gro\u00dfen Verlag?<\/em><br><br>Einen Verk\u00e4ufer seiner Kunst zu finden, dazu muss man ein bestimmtes Talent besitzen. Das Klinkendr\u00fccken, der Gang auf den Markt, die Marktschreiereien, Skandale oder auch nur das Auf-sich-aufmerksam-machen-K\u00f6nnen wie auch immer, das ist eine Mentalit\u00e4tssache und eine eigene kreative Leistung. Die Konzeptart lebt ja mittlerweile davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele Popmusiker habe ich mich f\u00fcr ein \u201eIndie\u201c, ein&nbsp;Independent Label&nbsp;entschieden, eine kleine, \u00fcberschaubare Einheit und mit direkten Einflussm\u00f6glichkeiten unabh\u00e4ngig von Mode, Emotion oder finanziellem Zwang.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache, um mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Nietzsche\">Nietzsche<\/a>&nbsp;wieder zu reden, \u201eKunst f\u00fcr K\u00fcnstler\u201c. K\u00fcnstler machen nur f\u00fcr K\u00fcnstler Kunst, sagt er. Das bedeutet: f\u00fcr eine kleine Menschengruppe, selbst wenn jeder Mensch, wie&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Beuys\">Beuys<\/a>&nbsp;glaubt, ein K\u00fcnstler ist. Davon kann aber kein kommerziell ausgerichtetes Wirtschaftsunternehmen leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will die jungen Leute ermuntern, neue und unabh\u00e4ngige Medien zu benutzen und sich nicht dem Diktat der Besserwisser zu beugen. Gleiches und noch viel intensiver vollzieht sich ja gerade im Popbusiness, wo die unabh\u00e4ngigen Labels oft mehr Qualit\u00e4t, nicht Quantit\u00e4t zu bieten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz schlimm sieht es m.E. im Kunst \u2013 und dort besonders im Galeriebetrieb aus. Da mittlerweile alles geht und die Kriterien von Gut und Schlecht verworren und vielf\u00e4ltig geworden sind, herrscht dort die reine Diktatur der Meinungsautokraten, \u201eEntscheider\u201c und Gesch\u00e4ftsleute.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was sind Ihre weiteren Pl\u00e4ne?<\/em><br><br>Die&nbsp;<em>\u201eGespr\u00e4che mit Zeitgenossen\u201c<\/em>&nbsp;m\u00fcssten \u00fcberarbeitet und ver\u00f6ffentlicht werden, darunter interessante Interviews mit Wolfgang Rihm, Fran\u00e7ois Lyotard, Niklas Luhmann, Olivier Messiaen, die in verschiedenen Tageszeitungen erschienen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch von mir ganz vergessene K\u00fcnstler wie den Theatermacher Bob Wilson, den Musiker und Schauspieler&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Lurie\">John Lurie<\/a>&nbsp;(<em>\u201eStranger than Paradise\u201c<\/em>) oder den Rockmusiker&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herman_Rarebell\">Herman Rarebell<\/a>&nbsp;von den Scorpions sollte ich wieder hervorholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke zurzeit auch \u00fcber die \u201eSinnfrage\u201c nach. Die Idee des Pluriversums wird ausgebreitet in die Gesellschaftstheorie. Im Kapitel \u00fcber die Lust als Lebenszweck habe ich auch wieder alte und so einflussreiche Freudo-Marxisten wie&nbsp;<em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Reich\">Wilhelm Reich<\/a><\/em>&nbsp;ausgegraben.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine abgedroschenen Themen also, sondern es geht immer wieder auch um&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Platon\">Platon<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Heidegger\">Heidegger<\/a>&nbsp;begegnet&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\">Camus<\/a>, es geht um die Jugend, um Verstehen und Nichtverstehen, um Liebe &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wieder Ihre Themen also! \u2013 Wir sind gespannt.<br>W\u00fcnschen Sie Kontakte mit Ihren Lesern? Wir k\u00f6nnten einen&nbsp;Internet-Forum&nbsp;f\u00fcr Sie einrichten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gerne. Aber bitte die Namen dabei nennen!<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht sich mit diesen albernen Pseudonymen oder Wortmasken zu Wort melden, als wenn man sich hinter der eigenen Meinung, dem Mut zur eigenen Meinung verstecken und Angst vor den Folgen des eigenen Denkens haben m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Alexey Chibakov<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alle B\u00fccher von Reinhold Urmetzer in Nr.282<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog&#038;text=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"twitter\" title=\"Share on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/twitter.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-48 synved-social-resolution-single synved-social-provider-mail nolightbox\" data-provider=\"mail\" rel=\"nofollow\" title=\"Share by email\" href=\"mailto:?subject=335%20Wieder%20gelesen%3A%20Tanzen%20und%20mit%20der%20Sinnlosigkeit%20spielen&#038;body=Ein%20neuer%20Beitrag%20ist%20da%21%20:%20https%3A%2F%2Fedition-weissenburg.de%2Fblog\" style=\"font-size: 0px;width:48px;height:48px;margin:0;margin-bottom:5px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"mail\" title=\"Share by email\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-share\" width=\"48\" height=\"48\" style=\"display: inline;width:48px;height:48px;margin: 0;padding: 0;border: none;box-shadow: none\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/edition-weissenburg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/96x96\/mail.png?resize=48%2C48&#038;ssl=1\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Reinhold Urmetzer Frage:&nbsp;Was lange w\u00e4hrt &#8211; Antwort:&nbsp;Es hat tats\u00e4chlich etwas l\u00e4nger gedauert dieses Mal mit der Zusammenstellung des \u201eMusikbuches\u201c. 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